25.05.2012 18:07 | Meine Presse Merkliste 0

Staatsfeind Nummer eins?

Jakob Zirm (Die Presse)

Bradley Manning wird sich vor einem Militärgericht verantworten müssen, bei dem ihm sogar die Todesstrafe droht.

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Bradley Manning wird sich vor einem Militärgericht verantworten müssen, bei dem ihm sogar die Todesstrafe droht. Das gab die US Army am Freitag bekannt. Manning war jener Gefreite, der die Enthüllungsplattform WikiLeaks mit rund 700.000 Botschaftsdepeschen und einem geheimen Video aus dem Irak-Krieg versorgte.

Manning war Soldat und verriet Geheimnisse. Darauf stehen in jedem Land der Welt harte Strafen. Allerdings verriet er sie nicht direkt an den Feind und nicht zu seinem eigenen Vorteil. Er publizierte die Unterlagen und vor allem das Video, weil er es nicht mit seinem eigenen Gewissen vereinbaren konnte. Sagte er zumindest im Chat mit jenem Hacker, der Manning daraufhin an das FBI verriet. Auf dem Video ist zu sehen, wie ein US-Helikopter einen Kleinbus angreift, nur weil dessen Insassen einem Verwundeten helfen wollen.

Die US-Armee versuchte, diesen Vorfall unter Verschluss zu halten. Manning sitzt wegen der Veröffentlichung nun in einer winzigen Zelle, komplett von anderen Menschen isoliert. Es ist fraglich, ob die Gründerväter das „Land of the Free“ einst so im Sinn hatten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.02.2012)

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4 Kommentare
Gast: herbst9
05.02.2012 17:15
0 1

Staatsfeind Nummer eins?

Leider ja!

Würde er mit diesen Informationen an seine Vorgesetzten herantreten, um deren Umdenken erreichen zu wollen, würde er bestenfalls psychiatriert, schlechtestenfalls liquidiert.

Nehmen wir den Vergleich zu einem Unternehmen: auch hier bekommen Aufdecker immer die volle Härte der Vorgesetzten zu spüren.

Also blieb Manning kein anderer Weg übrig.

Gast: Ein Denkender
05.02.2012 09:28
2 2

Manning is ein Mann des Gewissens

Manning ist ein Held. Er hat die Lügen des amerikanischen Militärs, das Verheimlichen von Kriegsverbrechen aufgedeckt. Für alle, die an Vergesslichkeit leiden: der Irakkrieg und der Afghanistankrieg waren Angriffskriege, die mit Lügen begonnen und fortgesetzt wurden. Hier geht es NICHT um Landesverteidigung sondern vielmehr um Verbrechen, die den Großkonzernen und Rüstungsfirmen und ihren politischen Handlangern dienen. Der Gewinnsucht von Großkonzernen wurden hier hunderttausende Leben geopfert.
Diktaturen und Gewaltherrscher leben von feigen Bücklingen – Manning ist das Gegenteil.

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Re: Manning is ein Mann des Gewissens

Als Soldat hatte man es noch nie leicht gehabt: Tut man das, was die Vorgesetzen von einem verlangen, dann kommt man hinterher wegen "schwerer Menschenrechtsverletzungen" vor ein Kriegsgericht. Weigert man sich hingegen, an schweren Menschenrechtsverletzungen teilzunehmen, dann kommt man ebenfalls vors Kriegsgericht: Wegen Befehlsverweigerung und Hochverrat! Am besten wäre es wohl, in künftigen Kriegen nur noch Roboter einzusetzen. Denen ist es egal, was sie tun und was man hinterher mit ihnen macht!

Gast: Trauermarsch
04.02.2012 20:59
2 2

Das Gewissen

Offenbar ist es in jedem Land der Welt, so auch im sog. "freien Menschenrechtsstaat USA" gefährlich, die Machtstruktur belastendes Material publik zu machen. Schweinereien sollen gefälligst unter den Tepich gekehrt werden. Dioe Verantwortlichen sollten sich nicht wundern, wenn immer mehr Vertrauen verloren geht.

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