25.05.2012 18:12 | Meine Presse Merkliste 0

Böse Versorger, guter Staat?

JAKOB ZIRM (Die Presse)

Strom und Gas seien zu teuer, sagt Wirtschaftsminister Mitterlehner. Was der Staat damit zu tun hat, sagt er nicht.

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Schon fast eine Woche lang gibt es nur noch Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Der Gasverbrauch erreichte jüngst einen Rekordstand, auch der Strombedarf legt mit jedem Grad, das die Quecksilbersäule im Thermometer „Richtung Süden“ fährt, kräftig zu. Kein Wunder also, dass auch die Energiepreise wieder Thema sind.

Denn die Preise für Strom und Gas sind um gut zehn Prozent zu hoch, wie die E-Control sagt. Sekundiert wird der Energieregulator nun von Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner: Die Firmen würden die niedrigen Großhandelspreise nicht an ihre Kunden weitergeben.

Womit Mitterlehner recht haben dürfte. Der Verweis der Versorger auf den „funktionierenden Wettbewerb“ löst sich schon beim ersten Blick auf die Werbeaktivitäten der Branche in Luft auf: Das Nichtvorhandensein jeglicher Bemühungen, neue Kunden zu werben, zeigt in der Regel das Gegenteil von Wettbewerb an.

Dennoch sind die „Haltet den Dieb“-Rufe des Ministers nicht ganz schlüssig. So zeigt ein E-Control-Bericht aus dem Vorjahr Interessantes über die vor zehn Jahren durchgeführte Liberalisierung. Diese brachte deutliche Einsparungen. Davon schnappte sich der Staat aber mittels erhöhter Energieabgabe bis zu zwei Drittel – ein „Körberlgeld“ von knapp 300 Millionen Euro pro Jahr.

 

jakob.zirm@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.02.2012)

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12 Kommentare

ist doch klar das der staat schuld ist...


...wenn die in ihrer herrlichkeit, effizienz und kundenfreundlichkeit unübertrefflichen liberalisierten und privaten anbieter "die niedrigen Großhandelspreise nicht an ihre Kunden weitergeben". das ist ihr gutes recht und freie marktwirtschaft!

oder wollen wir freie unternehmer staatlicherseits dazu zwingen preisvorteile weiterzugeben? das wär sozialismus pur, das wär enteignung! das geht nun also wirklich nicht.

daher ist klarerweise der staat böse, eh scho' wissen. einfach weil er IMMER böse ist, soviel "presse" hab ich schon intus, das ich das weiß. danke für die nochmalige bekräftigung dieses MARKTWIRTSCHAFTLICHEN GLAUBENSBEKNENNTNISSES!

0 4

was hat die energieabgabe zu tun mit einem nichtfunktionierenden markt?

glaubt zirm tatsächlich, dass der bürger sich mehr umschauen würde nach günstigeren anbietern, wenn ihm die 300 mio nicht auf die energiekosten draufgeschlagen würden sondern mittels lohnsteuer vom gehalt abgezogen würden?

energie ist im vergleich zu arbeit noch immer viel zu gering belastet.

doch das hat mit dem körberlgeld der energieversorger (dank weitgehend unmündiger bürger) nichts zu tun.
billige polemik a la presse-wirtschaftsredaktion!

"nichtfunktionierender markt"????


ich weiß nicht was das sein soll. MARKT funtioniert immer, und wenn nicht, dann ist er kein markt, sondern eine staatlich überregulierte zwangswirtschaft, denn der MARKT ist unfehlbar und perfekt.

von dieser warte aus betrachtet hat herr zirm natürlich recht, dass der grund dafür, dass energieunternehmen preisvorteile nicht an kunden weitergeben , im bösen, bösen staat zu suchen. der hat nämlich steuern eingehoben! der ist schuld! und hat die armen energiemultis förmlich gezwungen ihre kunden zu schröpfen!

periskop
08.02.2012 10:20
5 2

Wer kommt da auf die Idee, dass der Staat "gut" wäre?

Alle österreichischen Energieversorger gehören mehrheitlich der öffentlichen Hand und werden von Politikern gesteuert. Die Privatisierungen haben immer nur zu einem Streubesitz von Kleinanlegern geführt, die auf die Unternehmensführung überhaupt keinen Einfluss haben!

Die Politiker sollen sich die Krokodilstränen über hohe Energiepreise sparen, sie allein sind für diese Preise verantwortlich!


0 4

Re: Wer kommt da auf die Idee, dass der Staat "gut" wäre?

eine billige ausrede eines bürgers, der zu faul und zu bequem ist, sich um einen billigeren energieversorger umzuschauen.

doch, doch: es gibt anbieter, die günstiger sind als andere!

Antworten Antworten periskop
08.02.2012 14:43
1 0

Re: Re: Wer kommt da auf die Idee, dass der Staat "gut" wäre?

Eine wirkliche Konkurrenz unter Energieversorgern kann es gar nicht geben. Das Kohlekraftwerk Dürnrohr kann niemals zu den Selbstkosten des nahegelegenen Wasserkraftwerks Altenwörth produzieren. Trotzdem muss auch Dürnrohr auf seine Rechnung kommen, weil sonst die ganze Stromversorgung zusammenbrechen würde.
Es ist völlig ausgeschlossen, dass alle Stromkunden zu den Wasserkraftwerken wechseln, weshalb es hier niemals Konkurrenzpreise sondern nur abgesprochene Preise geben kann, die das Überleben aller Anbieter sichern müssen.
Wenn jemand weniger zahlt als sein Nachbar, so ist das nicht Konkurrenz, sondern einfach eine künstlich erzeugte Ungerechtigkeit. Die Stromkunden können sich unterm Strich überhaupt nichts ersparen!


Re: Re: Wer kommt da auf die Idee, dass der Staat "gut" wäre?

Aber immer noch überzahlt.

Antworten Antworten Antworten periskop
08.02.2012 16:23
0 0

Re: Re: Re: Wer kommt da auf die Idee, dass der Staat "gut" wäre?

Immer noch überzahlt ist richtig. Aber das, was jetzt Konkurrenz heißt, wird daran nichts ändern!

Gast: amarie
08.02.2012 08:42
5 3

wo soll ich denn strom und gas beziehen

wenn nicht beim staatlichen energieversorger?

wenn dem minister die preise zu hoch sind soll er sie senken.

benzin ist ja auch viel zu teuer. kein wunder bei dem hohen steueranteil.

1 4

Re: wo soll ich denn strom und gas beziehen

ist ihnen die öffentliche zurschaustellung ihres nicht-wissens und ihrer ahnungslosigkeit nicht peinlich?

Antworten Antworten Gast: amarie
08.02.2012 10:58
4 1

Re: Re: wo soll ich denn strom und gas beziehen

warum?

mir wäre peinlich, wenn ich so dämlich antworten würde wie sie.

Mitterlehner

sagt aber auch nicht dazu, was der Staat für eine Rolle bei den Besitzverhältnissen des Großteils der Energieversorger spielt...

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