Etwa 2000 Dollar beträgt das Durchschnittseinkommen im schönen südamerikanischen 15-Millionen-Land Ecuador – pro Jahr. Das rechnen dortige Fachleute vor.
Im Jänner 2007 ist Präsident Rafael Correa angetreten, um daran etwas zu ändern, sein Volk vermögender zu machen, sein Land moderner. Der Linkspopulist, der Kubas Gebrüder Castro und Venezuelas Hardcore-Latino-Marxist Hugo Chávez als Amigos hat, setzte auf Sozialprogramme, Bremsen beim Tilgen von Auslandschulden, Verstaatlichungen, etc. Damit hatte der attraktive, blauäugige 48-Jährige einigen Erfolg, die Armutsrate sank, Correa ist ziemlich beliebt.
Noch erfolgreicher ist der Ökonom, der in den USA und Belgien studiert hat, aber dabei, die Justiz einzusetzen, um aus Kritik an seiner Amtsführung Geld zu machen (s. Artikel u.). „Beleidigung von Staatsorganen“ ist in Ecuador verboten, deswegen wurden Correa schon viele Millionen Dollar Schmerzengeld zugesprochen. Zwar sind die meisten Prozesse in Berufung, doch sie machen kein gutes Bild: Ein Präsident gängelt Kritiker mit Millionenklagen, in einem Land mit besagten 2000 Dollar Jahreseinkommen. Ein Gesetz gegen Beleidigung eines Staatsorgans ermöglicht Bereicherung des Amtsinhabers. Und der bricht dazu sein Wort: Von 600.000 Dollar Schadenersatz steckte er zuletzt die Hälfte in die eigene Tasche, obwohl er das Geld hatte spenden wollen.
Zwischen dem „Mann des Volkes“ oder gar „Diener seines Volkes“ und dem Diener seines eigenen Kontos muss also kein Unterschied sein. Man kennt das auch in Österreich.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.02.2012)















