25.05.2012 18:16 | Meine Presse Merkliste 0

Die Ösis? Entspannte Antisemiten!

ANNA-MARIA WALLNER (Die Presse)

Henryk Broder lobt und beschimpft uns gleichzeitig – in fast Bernhard'scher Manier.

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So „weltexklusiv“, wie Henryk Broder seine Aussagen im deutschen Männermagazin „Gentleman's Quarterly“ bezeichnet, sind sie nicht. Dass der deutsche Publizist mit dem Faible zur höflich formulierten Provokation von linken oder islam- und judenfreundlichen Gruppen die Österreicher lieb gewonnen hat, ist kein Geheimnis.

Dennoch ist das Interview lesenswert: Broder schafft es in wenigen Sätzen, Österreich zu loben und gleichzeitig mit einem Lächeln zu beschimpfen. Er habe beschlossen, „die österreichische Staatsbürgerschaft zu beantragen“, sagt er. „Der Schmäh ist einfach gut.“ Aber nein, hierherziehen will er nicht: Als Auslandsösterreicher sei man „automatisch Thomas-Bernhard-Kenner oder zumindest mit Peter Turrini verwandt“. Der Inlandsösterreicher gleiche hingegen der „Entourage von Mörtel Lugner“. Ein Vergleich, der so flach ist wie der Hinweis auf die Ähnlichkeit der Physiognomie des Österreichers mit Deix-Figuren. Aber das Beste an Österreich für ihn ist: „Der österreichische Antisemitismus ist völlig entspannt, aufrichtig.“ Und dann erzählt Broder den uralten Witz von einem Juden, der im Wiener Bahnhof so lange nach jemandem sucht, der zugibt, dass er ein Antisemit ist, bis er endlich einen findet – dem vertraut er seinen Koffer an, der ist ehrlich. Die Deutschen würden stets bestreiten, Antisemiten zu sein, die Österreicher aber zu ihren Ressentiments stehen.

Vielleicht wollte Broder sich in der Gattung der Österreich-Beschimpfung in Tradition von Bernhard oder Turrini üben. Ein paar pointierte Antworten von jemandem, der mit Österreich außer Antisemitismus vor allem Essen und Literatur verbindet (beides schätze er), sind weit entfernt von einer Österreich-Beschimpfung, wie wir sie kennen.

 

anna-maria.wallner@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.02.2012)

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8 Kommentare
Gast: irgendwie auch ein Ӧsterreicher
10.02.2012 18:11
0 0

Jedem seine Vorurteile ?

Na ja, Klischees…aber Lugner wird ja wirklich hierzulande von den Medien ein bisschen zu sehr, z.B. als „authentisch“ verhätschelt und in den Vordergrund geschoben.

Gast: schlÄchter
10.02.2012 09:20
6 1

sg frau redakteurin wallner!

noch zwei schon etwas ältere sehr lesenswerte broder-berichte mit österreichbezug.
http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-15737872.html

http://www.henryk-broder.de/html/tb_oesterreich.html

über einen solchen neo-landmann würde ich mich sehr freuen...
hoffentlich besucht er auch einmal westösterreich.

mfg
s.


3 6

nicht mal die nazis wären heute antisemiten.

es gibt hierorts einfach viel zu wenige juden, als dass sie als feindbild dienen könnten.

doch man kann broder nur zustimmen, wenn man in seiner definition österreichs das feindbild variabel lässt:
ohne einen feind ist der österreicher gar nichts.

(und da es keine echten feinde gibt, ist der österreicher eben gar nichts.)

0 0

Re: viel zu wenige juden, als dass sie als feindbild dienen könnten

lieber Oberst! seit wann braucht ein Antisemit einen Juden um antisemitisch zu sein?

ambrosius
09.02.2012 20:03
8 2

wie originell -

und auch wieder nicht bei der großen Zahl von antinationalen Sozialisten, die schwören, dass sie schon einen echten Nazi gesehen haben ...

0 7

Re: wie originell -

mit antinationaler sozialist meinst du den strache, der reichskristallnächte und pogrome sieht?

Antworten Antworten Boris
10.02.2012 14:56
2 0

Re: Re: wie originell - der alte Oberst

er handelt nach dem Spruch:

"Nur weil Du Verfolgungswahn hast bedeutet nicht, das sie nicht doch hinter Dir her sein können."
Kann sein, muss nicht sein - alles Ansichtssache.
Naja - wir werden, sobald uns die Republik dank Fallapfels Lieblings BK um die Ohren fliegt, bald andere Sorgen haben als um nur erdachte Orchideenprobleme zu kümmern.

ach, was haben wir gelacht!


einfach mal so's interview von broder wiedergeben, das reicht doch für eine eigene kolumne, oder?

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