So „weltexklusiv“, wie Henryk Broder seine Aussagen im deutschen Männermagazin „Gentleman's Quarterly“ bezeichnet, sind sie nicht. Dass der deutsche Publizist mit dem Faible zur höflich formulierten Provokation von linken oder islam- und judenfreundlichen Gruppen die Österreicher lieb gewonnen hat, ist kein Geheimnis.
Dennoch ist das Interview lesenswert: Broder schafft es in wenigen Sätzen, Österreich zu loben und gleichzeitig mit einem Lächeln zu beschimpfen. Er habe beschlossen, „die österreichische Staatsbürgerschaft zu beantragen“, sagt er. „Der Schmäh ist einfach gut.“ Aber nein, hierherziehen will er nicht: Als Auslandsösterreicher sei man „automatisch Thomas-Bernhard-Kenner oder zumindest mit Peter Turrini verwandt“. Der Inlandsösterreicher gleiche hingegen der „Entourage von Mörtel Lugner“. Ein Vergleich, der so flach ist wie der Hinweis auf die Ähnlichkeit der Physiognomie des Österreichers mit Deix-Figuren. Aber das Beste an Österreich für ihn ist: „Der österreichische Antisemitismus ist völlig entspannt, aufrichtig.“ Und dann erzählt Broder den uralten Witz von einem Juden, der im Wiener Bahnhof so lange nach jemandem sucht, der zugibt, dass er ein Antisemit ist, bis er endlich einen findet – dem vertraut er seinen Koffer an, der ist ehrlich. Die Deutschen würden stets bestreiten, Antisemiten zu sein, die Österreicher aber zu ihren Ressentiments stehen.
Vielleicht wollte Broder sich in der Gattung der Österreich-Beschimpfung in Tradition von Bernhard oder Turrini üben. Ein paar pointierte Antworten von jemandem, der mit Österreich außer Antisemitismus vor allem Essen und Literatur verbindet (beides schätze er), sind weit entfernt von einer Österreich-Beschimpfung, wie wir sie kennen.
anna-maria.wallner@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.02.2012)















