Teurer Wunsch nach Ruhe

WOLFGANG BÖHM (Die Presse)

Das nächste Hilfspaket für Athen bringt noch nicht die Lösung, nur einen Zeitgewinn.

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Das Wort „Atempause“ ist ein semantisch zweifelhafter Begriff, bedeutet er doch eigentlich, dass es eine Zeit gibt, in der nicht geatmet wird. Der semantisch korrekte Wunsch, den ganz Europa mit dem nächsten Hilfspaket für Griechenland verbindet, ist eher der nach einer „Ruhepause“. Das 130-Milliarden-Paket soll Athen vorübergehend aus den Schlagzeilen bringen, die Finanzmärkte beruhigen und der Regierung in Athen Zeit geben, ihre Schulden abzubauen. So weit der Plan, so weit die Hoffnung.

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Zu einer völligen Rettung Griechenlands, zu einer Lösung für den gesamten Euroraum werden die 130 Milliarden Euro freilich nicht ausreichen. Die Angst vor einem Fass ohne Boden wird uns also weiter begleiten. Griechenland ist ja auch nicht allein das Problem. Es braucht über dieses Paket hinaus einen Euro-Rettungsschirm, der so groß ist, dass er glaubhaft Länder wie Italien umspannen kann. Und würde selbst über einen solchen weiteren finanziellen Kraftakt eine längere Ruhepause erkauft werden, wäre das Grundproblem damit noch nicht bereinigt: die Sanierung aller europäischer Staatshaushalte.

Nach Monaten mit immer neuen Horrormeldungen gieren wir alle nach Ruhe – nicht nur in Griechenland. Doch es muss klar sein, dass diese Ruhephase auch im übertragenen Sinn keine „Atempause“ wird. Sollten sich die Märkte beruhigen, und sollte das Wachstum in Folge wieder steigen, erwartet uns eine anstrengende Zeit, in der wir in erster Linie für die Sanierung unserer Staaten, nicht für unseren eigenen Wohlstand arbeiten werden.

wolfgang.boehm@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.02.2012)

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1 Kommentare

Eine "Atempause" kann mit viel verschwendetem Geld immer wieder erreicht werden, eine Lösung des Problems jedoch niemals!

Den Griechen nicht für sich, sondern nur für die Befriedigung der Zinsansprüche ausländischer Gläubiger (Banken, die sich verzockt haben) Geld zu geben, ist eine Strategie, die nichts bessert, sondern nur eine Zahlungsfähigkeit Griechenlands vortäuscht, die es nicht gibt. Ein erfolgreiches Ende dieser Strategie ist unmöglich, weil dabei die Schulden Griechenlands immer nur wachsen und die Zinszahlungen von Jahr zu Jahr höher werden müssen. Das Ganze findet aber notwendig dann ein Ende, wenn sich niemand mehr diese sinnlosen, immer höher werdenden Zahlungen leisten kann. Dann muss man endlich doch zugeben, dass Griechenland insolvent ist.

Wenn man das gleich gemacht hätte, wären gar keine Hilfszahlungen, die nicht den Griechen sondern nur den Banken helfen, angefallen und auch der durch eine griechische Pleite verursachte Schaden wäre anfangs noch viel kleiner gewesen!

Statt dessen zwingt die EU Griechenland ein "Sparpaket" auf, welches die schwache griechische Wirtschaft vollends ruiniert und eine Tilgung von Schulden immer weniger möglich macht. So wurde durch dieses Paket im vergangenen Jahr ein Wirtschaftseinbruch von -5,5 % verursacht! Schon jetzt müssen die Griechen mehr neue Schulden machen denn je, um Not und Elend zu bekämpfen.

Das ist aber erst der Anfang. Wenn die EU ihre Politik nicht radikal ändert, muss sie in Griechenland - und wahrscheinlich nicht nur dort - in einer schlimmen Katastrophe enden!


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