25.05.2012 18:18 | Meine Presse Merkliste 0

Rechtens, aber nicht gerecht

MICHAEL LACZYNSKI (Die Presse)

Die Strafe für Ungarn ist ein fragwürdiges Exempel zur falschen Zeit.

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Auf dem Papier ist der Sachverhalt eindeutig: Wegen einer nicht zufriedenstellenden Verringerung des Fehlbetrags im Staatshaushalt werden Ungarn die Fördergelder aus dem Kohäsionsfonds eingefroren. Die Entscheidung der EU-Kommission ist beispiellos, denn noch nie in der Geschichte des Stabilitätspakts hat Brüssel eine Sanktionsdrohung wahr gemacht. Doch ist sie auch „angemessen“, wie es der für die Regionalförderung zuständige Kommissar Johannes Hahn formuliert hat?

Rechtens ist der Beschluss auf jeden Fall, denn die ungarischen Budgetzahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Was die Gerechtigkeit anbelangt, sieht die Angelegenheit schon etwas anders aus. Da wäre zunächst einmal die Tatsache, dass die gestrichenen Gelder einen halben Prozentpunkt der ungarischen Wirtschaftsleistung ausmachen. Wir reden hier also nicht von symbolischen Peanuts. Diese Strafe kann richtig wehtun.

Doch viel schwerer als die Frage nach der Verhältnismäßigkeit wiegt die moralische Komponente: Ungarn ist nicht das erste Land, das den Stabilitätspakt gebrochen hat – diese Ehre wurde Deutschland und Frankreich zuteil. Strafen setzte es damals nicht, denn die Schwergewichte der Union verfügen ja über eine Lizenz zum Paktbruch. Da aber Viktor Orbán in Brüssel ohnehin nicht wohlgelitten ist, kann man an ihm wunderbar ein Exempel statuieren. Es bleibt abzuwarten, welche Lehren aus diesem Spektakel in Athen gezogen werden.

 

michael.laczynski@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.02.2012)

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14 Kommentare
Hotroad90
24.02.2012 15:28
1 0

EU-Sanktionen gegen Ungarn .....

Es ist eine äußerst fragwürdige Angelegenheit , was da Geschieht ! Irland bekam über 70 Milliarden von der EU , Griechenland ist ein Fass ohne Boden , nun kommt noch Portugal , Spanien und Italien , und nun frag ich mich ernsthaft : " Sollten diese Länder vielleicht gegen den EU Stabilitätspakt verstoßen haben ?" Oder wie soll man dies verstehen ? Werden Länder wie Griechenland belohnt , und Länder wie Ungarn müssen dafür büßen ? Ich bin Deutscher und lebe in Ungarn , doch was Fr. Merkel da betreibt , grenzt langsam an Wahnsinn ! Es ist richtig , wenn Griechenland aus der EU raus wäre , würden die Banken für ihre Luftgeschäfte Verluste machen , aber warum sollen Länder wie Ungarn für die Banken Büßen ? Und warum immer der Kleine Mann am Manko der Banken beteiligt werden und aber nicht am Profit ? Tatsache ist scheinbar , das Ungarn 500 Millionen am Rettungsschirm beteiligt werden soll , ohne dies direkt zu sagen ! Es wird auch noch andere Länder Treffen , zwecks Erweiterung des "Banken Rettungsschirm" ! Die EU soll mal mit ihrer Erweiterungswut eine Pause einlegen von mindestens 5 Jahre , alles andere bedeutet für die EU Selbstmord !

0 1

Da ist ein kleiner Unterschied

Während Deutschland und andere EU Länder wenigstens den Versuch unternehmen ihr Budget in den Griff zu bekommen, um die vereinbarten Regeln zu erfüllen, macht sich Orban im Land ständig über die EU lustig.

Mehr noch, er hetzt die eigene Bevölkerung auf. Da darf er sich wohl nicht wundern, dass die EU ihm nicht entgegen kommt.

Des weiteren ist es schon interessant, dass er Österreich 300 Mio abgenommen hat, und trotzdem viele Österreicher Orban total super finden.

Gast: Sodjvojsfnvojnsojfnv
23.02.2012 13:20
2 0

In Österreich gabs eine demokratische Wahl und eine Mitterechtsregierung wurde eingesetzt: Sanktionen.

In Deutschland marschieren Neonazis: Nichts.

Antworten Hotroad90
24.02.2012 15:07
0 1

Re: In Österreich gabs eine demokratische Wahl und eine Mitterechtsregierung wurde eingesetzt: Sanktionen.

Sie sind am Thema vorbei gegangen , erklären Sie was "Neonazis" in der BRD mit der Strafe für Ungarn zu tun hat ? Ich kann da leider keinen Zusammenhang sehen !

9 0

Beschämend

Ich bin wahrlich kein Freund von Orbans "gelenkter Demokratie"_volume_2. Aber dass man sich gerade auf den Stabilitätspakt stützt, ist eine so bodenlose Unverschämtheit, dass mir kein passender Vergleich einfallen will.

Frankreich und Deutschland haben den Pakt klar, eindeutig, unstrittig zu einer Zeit gebrochen, zu der die wirtschaftliche Lage für die betreffenden Länder BESSER war als für Ungarn JETZT. Aber als supertolle große mächtige Länder muss man sich an sowas ja nicht halten, da kann man die unangenehmen Regeln schnell mal ändern.

Irgendwo sitzen Chirac und Schröder bei einem Bier und lachen.

1 6

Sie verlangen

nichts geringeres als den kompletten Verzicht auf Sanktionen.

Weil man es damals nicht gemacht hat, soll man es jetzt auch nicht machen. Okay, klingt fair.

Es hat sich aber die Situation innerhalb der EU stark verändert. Es wird für die EU überlebensnotwendig, dass sie die Haushaltspolitik in den Griff bekommt.

Ich würde sagen, dass es fair wäre, wenn in Zukunft auch größere Länder sanktioniert würden. Ohne Sanktionen braucht es auch keine Regeln. Zumindest nicht bei unseren Politikern.

Gast: b754
22.02.2012 20:03
1 20

so tritt man einem faschisten gegenüber bravo


Antworten Gast: Hansi Hüpfer
23.02.2012 09:59
4 0

Re: so tritt man einem faschisten gegenüber bravo

So zeitlich und doch schon wo ang'rennt?

Gast: sv3
22.02.2012 19:59
17 1

Es ist

genauso wie damals bei den Sanktionen gegen Österreich.
Am Schwachen kann man sich gut die Füsse abstreifen.
Widerlich.
Aber den Griechen das Geld tonnenweise in den Arx blasen......

tiger10
22.02.2012 19:31
16 2

Die EU zeigt seine

Fratze!

Antworten Gast: Vogel Strauss
23.02.2012 16:48
0 0

Re: Die EU zeigt seine

Falsch: Der EU zeigt ihre Fratze ...

Antworten Barde_09
23.02.2012 09:55
0 0

Re: Die EU zeigt seine

Fail... :-)

SIMO
22.02.2012 18:39
21 0

Danke....


... für Ihren erstmals "gerechten" Kommentar zu Ungarn seit Regierungsantritt Orbáns.

Verwundert stelle ich fest, dass Sie keinen Hinweis darauf geben, dass andere Länder für Budgetüberschreitungen Belohnungen bekommen - wie Griechenland & Co.

Hätte Ungarn einen Staatsbankrott, würde man wohl Milliarden schicken statt Millionen kürzen.

Antworten sumsi
23.02.2012 08:15
6 0

Re: Danke....

Ungarn würde man in den Staatsbankrott gehen lassen, denn die Ungarn haben bei ihrem Vorgehen einen schwerwiegenden Fehler gemacht: Sie haben sich nicht vor dem Auffliegen ihrer wirtschaftlichen Probleme in den EURO-Raum geschummelt!

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