Die Austria muss handeln

WOLFGANG WIEDERSTEIN (Die Presse)

Fans werfen die ersten Steine. Trainer Vastić aber bleibt unbeirrbar. Oder stur.

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Es waren Fernsehbilder, die man im Stadion nicht sehen will. Aufgebrachte Fans zündeten Rauchbomben, gewaltbereite Anhänger waren bereit, die Versager zu jagen, notfalls auch mit einer Tracht Prügel heimzuschicken. Ein Vereinsmitarbeiter brachte das Klubmaskottchen in Sicherheit, der Geißbock flüchtete in die Katakomben, er ist allergisch gegen den beißenden Rauch. Der Schiedsrichter hat immerhin mitgedacht, er pfiff die Partie einfach ab – und damit war der Abstieg des 1. FC Köln endgültig.

Auch in der Südstadt vor den Toren Wiens ging es so richtig wild zu. Die Austria-Fans haben nämlich nach den erbärmlichen Leistungen der Mannschaft „die Schnauze voll“. Zunächst boykottierten sie das Spiel gegen die Admira, dann entlud sich der ganze Frust so richtig nach dem Schlusspfiff. Schon im Stadion steigen einige auf die Barrikaden, hingen drohend auf den Zäunen, konnten nur von den Spielern im Zaum gehalten werden. Der Mannschaftsbus aber musste trotzdem dran glauben, er wurde mit Steinen beworfen, die Mannschaft später an der Abfahrt gehindert.

So aufgebracht die Fans, so verunsichert die Mannschaft. Der heftigst in der Kritik stehende Trainer Ivica Vastić hat seine Auswahl kaputt rochiert, es gibt keine eingespielte Elf. Das macht die Austria noch schlechter, als sie ohnedies schon ist. Und das darf man als Klub nicht (länger) dulden.

 

wolfgang.wiederstein@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.05.2012)

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8 Kommentare
Gast: freund?
07.05.2012 21:21
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ich stell' mir vor, wie das ist,



artikel über österreichischen fußball zu schreiben.

und dann arbeite ich gleich viel leichter.

Gast: so viele kluge menschen hier
07.05.2012 15:59
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Bärendienst an Ivica Vastic

Hr. Vastic war für mich einer der sympathischsten österreichischen Spieler - immer sehr besonnen und freundlich.

Dass er so schnell Trainer der Austria geworden ist, war ein Bärendienst für ihn. Er hätte noch mehr Zeit gebraucht, sich bei niederklassigeren Vereinen und den riesigen Erfolgsdruck und ohne permanentes Rampenlicht einzuarbeiten.

Dass wegen ihm Daxbacher gehen musste (ohne ersichtlichen zwingenden Grund), hat sicherlich nicht die Mannschaft für ihn begeistert. Sein permanenter Kleinkrieg mit Roland Linz war en Zeichen von Schwäche und dilettantisch.

Schade - der Trainer-Ruf von Vastic ist (zumindest auf längere Zeit) schwerst beschädigt. Welcher Verein will einen Trainer mit einem "soliden" Loser-Image ?

Mit Daxbacher stünde die Austria mit größter Wahrscheinlichkeit wesentlich besser da.

Insoferne : der sinnlose Trainerwechsel war auch ein schwerer Fehler von Hrn. Parits.

Re: Bärendienst an Ivica Vastic

"Bärendienst" ist genau der richtige Terminus für das, was die Austria mit dieser "Beförderung" des bisherigen U-23-Trainers zum Chefcoach der Kampfmannschaft bei Vastic bewirkte! Denn wenn es stimmt, daß ein mit Ivo persönlich befreundeter Sponsor-Vertreter im Vorstand der Violetten unter Androhung, den Geldfluß widrigenfalls zu stoppen, diesen Trainerwechsel durchsetzte, dann wäre das wirkllich der sportliche Supergau schlechthin: Wenn nur noch individuelle Wünsche von Funktionären über wichtige Personalien im Kader entscheiden, dann kann man sich leicht ausrechnen, in welchem Desaster das ganze früher oder später enden wird...

Antworten Gast: so viele kluge menschen hier
07.05.2012 16:18
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Re: "und den riesigen Erfolgsdruck"

Korrektur : ohne den riesigen Erfolgsdruck

Gast: Gast: Leser
07.05.2012 13:01
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Parits

Schuld ist allein Sportdirektor Parits: verkauft die besten Spieler (Barazite, Junuzovic), sägt den durchaus erfolgreichen Daxbacher völlig unmotiviert ab und erwartet großartige Erfolge (bzw. weckt derartige Ansprüche bei den Anhängern). Vastic gibt bestimmt sein Bestes, aber erstens hat er keineswegs die Erfahrung eines Daxbacher und zweitens muss er mit einer - wie oben gesagt - geschwächten Ausria arbeiten. Die Wut der Anhänger sollte sich - wenn überhaupt - gegen Parits richten.

Gast: Karoline K.
07.05.2012 09:01
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Verzerrrte Wiener Berichterstattung!

Wieder geht es nur um einen Wiener Verein! Widerlich!

Re: Verzerrrte Wiener Berichterstattung!

Ich weiß zwar nicht, WO Sie wohnen und leben; aber wenn sich die WIENER Sport-Redaktion der PRESSE mit WIENER Fußballklubs befaßt, so hat das Sie rein überhaupt nicht zu kümmern! Vermutlich kümmern sich die regionalen Ausgaben dieser Zeitung mehr mit den dortigen Fußballklubs; dann werden hoffentlich auch Kritiker wie Sie entsprechend umfassend bedient...

Dem Klub wurde der neue Trainer aufgezwungen!

Wäre es nach den meisten im Austria-Vorstand gegangen, säße Karl Daxbacher noch heute auf der Trainerbank. Aber weil ein wichtiger Sponsor, ebenfalls im Vorstand vertreten, mit dem Stornierung seiner finanziellen Zuwendungen drohte, falls der mit ihm befreundete Ivo Vastic NICHT Daxbacher als Coach beerbt, mußten die Violetten in den sauren Apfel beißen. Schon oft hat der Einfluß von Geldgebern auf die Personalpolitik im Verein ähnlich negative Ergebnisse gebracht; warum also nicht auch am Verteilerkreis?

Immerhin hatte man dann Ivos Verbleib auf dem Trainerstuhl mit dem Erreichen eines internationalen Bewerbes verknüpft. Doch gleichzeitig mit dem Verkauf der beiden besten Feldspieler im Herbst ihm diese Trauben leider sehr, sehr hoch gehängt! Für Barazite und Junuzovic fand man keinen auch nur halbwegs adäquaten Ersatz; Hauptsache, man bekam noch etwas Geld für sie; im Sommer wären sie ja ablösefrei gewesen.

Aber wie will man geschwächter spielerischer Qualität neuerlich ins internationale Geschäft? Wer nix investiert, bekommt auch nix! Als dann der Ivo auch noch stur auf Goalgetter Linz verzichtete, wurde alles noch schlechter: In 7 von 13 Partien gelang nicht einmal 1 Treffer! Und auch das "verbesserte Defensivkonzept" brachte keinen Erfolg: Gegen Sturm und Salzburg kassierte man in der Nachspielzeit den Ausgleichstreffer und verlor damit 4 Punkte!

Generell wurde aus einer angriffsfreudigen, schön spielenden Truppe ein ängstlicher Haufen ohne jegliches Selbstvertrauen!

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