22.05.2013 13:40 Merkliste 0

Das Ritual der Vorgestrigen

OLIVER PINK (Die Presse)

Zwischen „Helden“ und Opfern: der 8. Mai – eine alljährliche Provokation.

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Alle Jahre wieder. Auf der einen Seite die Burschenschafter, die euphemistisch der gefallenen Soldaten beider Weltkriege gedenken. Auf der anderen eine breite, inhomogene Protestbewegung, die von honorigen Vertretern der Israelitischen Kultusgemeinde über solche der Wiener Stadtregierung bis hin zu aggressiven linken Chaoten reicht. Und mittendrin die Polizei.

Eine schlüssige Erklärung, warum die Burschenschafter just am Tag der Kapitulation Nazi-Deutschlands der gefallenen Soldaten gedenken müssen – und man das Ganze auch noch „Heldengedenken“ nennt –, ist seit Jahren ausständig. Beziehungsweise: Sie liegt ohnehin auf der Hand.

Wenn Mitglieder von Studentenverbindungen schon glauben, an diesem Tag auf sich aufmerksam machen zu müssen, dann könnten sie es in etwa so tun wie der Cartellverband. Dieser gedenkt im Stephansdom der Opfer des Zweiten Weltkriegs.

Wobei auch die deutschen Soldaten gewissermaßen Opfer des Nationalsozialismus waren. Aber eben nicht alle.

Der 8.Mai ist der Tag der Befreiung vom Nationalsozialismus. Und sollte auch als solcher begangen werden. Auch die immer wieder relativierend angeführten – und keinesfalls zu beschönigenden – Übergriffe der Roten Armee in der Folge ändern daran nichts. Diesem Common Sense könnte sich im Jahre 2012 endlich auch einmal das freiheitliche Lager anschließen.

 

oliver.pink@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.05.2012)

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59 Kommentare
 
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Wer demonstriert gegen den Mai-Aufmarsch?

Man kann der Meinung sein, dass diese Veranstaltung ein unzeitgemäßes Ritual ist. Na und? Ich gehe dort nicht hin, weil mich die Veranstaltung nicht interessiert. Ich halte auch den 1.Mai-Anachronismus für ein unzeitgemäßes Ritual. Auch dort gehe ich nicht hin. Aber ich demonstriere auch nicht dagegen.

Genau aufgrund

dieser Kommentare habe ich vor Jahren schon, als Unterberger sich verabschiedete, mein Presseabo aufgekündigt.

Wieso vereinigt man sich denn nicht gleich mit dem Standard?

"dann könnten sie es in etwa so tun wie der Cartellverband."

Nein, könnten sie nicht, da die Burschenschafter keine katholisch-konservativen Kerzerlschlucker sind!


Der Zusammenprall zweier Gruppen von Vorgestrigen: Na und?


Gast: Anonymouse
09.05.2012 11:11
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Wie immer zwischen den Linken und den Rechten

Solange sich diese beiden politischen Lager gegenseitig aufschaukeln wird es NIE einen vernünftigen Umgang mit dem Thema geben.

1.) Helden gab es nur in den seltensten Fällen (siehe Widerstand und Partisanen). Die meisten "Beteiligten" waren Opfer, die irgendwo verreckt sind oder das Glück hatten den Krieg auf die eine oder andere Weise zu überleben (betrifft alle kämpfenden Parteien).

2) Wer glaubt, daß jeder Russe ein Mörder und Vergewaltiger war, begibt sich auf das selbe Niveau auf dem die "Alle Wehrmachtssoldaten haben Juden ermordet und waren amoralische Monster"-Polemik stattfindet.

Kein Lager schafft es einen realistischen und differenzierten Umgang mit der Geschichte.

Zu "Feiern" gibt es das Ende des Krieges und des NS-Regimes.
Für all die ermordeten Zivilisten, Soldaten (Deutsche, Russen, Amerikaner etc.), Verstümmelten und Versehrten ist eher eine Gedenkveranstaltung angebracht.

Aber bei all der hirnlosen Polemik der geistigen links-rechts Tieffliegerist ja nicht mal eine Schweigeminute möglich...

"Heldengedenken"?

Solchen Leuten die Republik anvertrauen?
Für mich undenkbar/unwählbar.

bruschenschaften haben la legale juristische personen auch ein verfssungsgegebenes recht auf versammlungsfreiheit!

sie dürfen sich daher wo und wannimmer sie wollen treffen.

Dieses recht is gegebenen falls polizeilich zu schützen.

ende der diskussion!

Antworten Gast: dasistmirzublöd
09.05.2012 10:09
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Re: bruschenschaften haben la legale juristische personen auch ein verfssungsgegebenes recht auf versammlungsfreiheit!

Ihr dürft alles, sogar eure recht abenteuerliche rechtschreibungsakrobatik betreiben.

Niemand will und wird das verbieten. Nur gilt die Versammlungsfreiheit für alle - auch für diejenigen, die eine etwas ausgewogenere Sicht darauf haben, was das Kriegsende erstens für die Verfolgten des NS-Regimes und zweitens für Europa insgesamt bedeutete.

Ohne ein erfolgreiches Kriegsende gäbe es vermutlich heute keine so liberale Versammlungsfreiheit.

Meinungsfreiheit bedeutet daher auch, daß man kopfschüttelnd den Ewiggestrigen zusehen kann, wie sie ungebildeten Proleten wie Strache und den Burschenschaftern von einer Blödheit in die nächste folgen.

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Re: Re: bruschenschaften haben la legale juristische personen auch ein verfssungsgegebenes recht auf versammlungsfreiheit!

Das ist so nicht richtig, denn den Protestieren geht es ja offensichtlich NICHT um "eine etwas ausgewogenere Sicht", sondern schlicht um "gegen die Burschis" zu sein - Gewaltaufrufe inklusive, siehe Bild 18 der Fotostrecke.

Und Versammlungsfreiheit bedeutet auch Freiheit von solcherart Bedrohung der eigenen Versammlung... und dass diese Art von Gegen"demonstrationen" regelmässig in Gewalt ausarten ist hinreichend bekannt, wie der jährliche Burschenschafterball beweist.

Wenn man wirklich dagegen wäre, dann würde man solch eine Veranstaltung schlicht ignorieren, also auch gesellschaftlich die angemessene Bedeutung zuweisen, spirch keine.
Aber das scheint ja gar nicht gewollt zu sein, Feindbilder machen sich gut für die eigene Existenzberechtigung, die muss man pflegen...

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Re: bruschenschaften haben la legale juristische personen auch ein verfssungsgegebenes recht auf versammlungsfreiheit!

Dürfe Sie, aber dann bitte nicht wehleidig über die Konsequenzen ihrer Provokation wimmern und sich milchbubenhaft als Opfer hochzustilisieren versuchen. Bei einem Schmiss wird ja auch nicht drei Tage an der Schulter der Mami geweint, oder?

Re: Re: bruschenschaften haben la legale juristische personen auch ein verfssungsgegebenes recht auf versammlungsfreiheit!

provokation alleine ist kein rechtfertigungsgrund für gewaltanwendung oder nötigung , da der begriff "provokation" viel zu diffus ist und damit eigentlich jeder irgendwie einen rechtfertigungsgrund zusammenbasteln könnte.

Der umstand dass die veranstaltung vielleicht irgendwen auf irgend eine weise provoziert ist völlig egal

Die veranstaltungen der burschenschaften sind vom staat zu schützen, da es nicht sein kann, dass ein linksradikaler mob auf der strasse entscheidet wem welches grundrecht zukommt, ist das wirklich so schwer zu verstehen???

Re: bruschenschaften haben la legale juristische personen auch ein verfssungsgegebenes recht auf versammlungsfreiheit!

Der letzte Satz dürfte so ein Grundmotto von Ihnen sein.

Gast: Kriegsbeobachter
08.05.2012 18:02
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Wer seine Toten nicht ehrt, hat das Leben nicht verdient

Pietaetlose Politik mit den Opfern der grossen Demokratiekriege. Uebrigens war die Gesellschaft vorgestern (also in der Monarchie) deutlich besser als jemals danach. Also hueten sie ihre Zunge (Keyboard), Ollie Pink!

Re: Wer seine Toten nicht ehrt, hat das Leben nicht verdient

Danke. Alles Gute starb spaetestens 1918.

Re: Wer seine Toten nicht ehrt, hat das Leben nicht verdient

was? in der monarchie wars besser? was genau war denn besser (ernsthaft frage)?

Gast: abera_kadabera
08.05.2012 17:24
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allerhand

will ich skurile nazis sehen, brauch ich nur ins presseforum gehen.

Re: allerhand

Ich beneide sie um ihre kindliche Phantasie! Lesen ist Abenteuer im Kopf, gell?

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Re: Re: allerhand

Komm immer auf den Standpunkt an, von ganz rechts aussen mag es eine kindliche Phantasie sein. Von der Mitte aus betrachtet wohl eher eine unbestreitbare Tatsache.

Guter Konsens-Kommentar

Vielleicht schließt sich das dritte Lager auch irgendwann dem Konsens an,
dass uns die rote Armee vom NS befreit hat.

Re: Guter Konsens-Kommentar

Die rote Armee hat unzweifelhaft einen hohen Preis bezahlt um das verbrecherische NS-Regime zu bezwingen, das Andenken, auch in Form des Denkmals am Schwarzenbergplatz ist absolut berechtigt. Die Demokratie, die freie Gesellschaftsordnung verdanken wir den Amerikanern und Briten. Nach der Niederlage Frankreichs, vor dem entscheidenden Kriegseintritt der USA haben die Briten auf westlicher Seite die ganze Last getragen. Unzweifelhaft ist auch, das die Sowjetunion bis Ende des 20. Jahrhunderts halb Europa unterjocht hat. Was die Besatzungszeit angeht, wissen, daß es ein gewaltiger Unterschied war, in welcher Zone man sich befand.

Re: Re: Guter Konsens-Kommentar

Vierte Zeile von unten: Natürlich "ß", statt "s".

So ein Müllkommentar

Möchte die Presse hier wieder ein paar Punkte bei den Linken machen, um sich ein wenig aus der Schusslinie zu nehmen?

Das Ende eines Krieges zu feiern heißt, den Krieg zu feiern!

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Re: So ein Müllkommentar

"Das Ende eines Krieges zu feiern heißt, den Krieg zu feiern!", wirklich? Dann erkären Sie doch wie das gehen soll...

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Gegenüberstellung

1. Absatz: "..die euphemistisch der gefallenen Soldaten beider Weltkriege gedenken.."
das ist Ihrer Meinung nach FALSCH!
3. Absatz: "..dann könnten sie es in etwa so tun wie der Cartellverband. Dieser gedenkt im Stephansdom der Opfer des Zweiten Weltkriegs"
das ist Ihrer Meinung nach RICHTIG!

Da ich davon ausgehe, dass das "euphemistisch" Ihre Privatmeinung ist, macht dann lediglich der Stephansdom den Unterschied zwischen "verwerflich" und "moralisch richtig"?

Re: Gegenüberstellung

"Heldengedenken" ist nun einmal euphemistisch. Denn unter den deutschen/oesterreichischen soldaten gab es keine helden. Da gab's nur opfer und taeter. Helden, wenn man diese bezeichnung will, waren jene, die sich dem regime widersetzten. Doch die (bzw. deren familien) wurden - und werden - von den rechten gesinnungsgenossen und den burschenschaften als "verraeter" geaechtet und mussten jahrzehnte auf die rehabilitierung warten, waehrend viele taeter unbehelligt ein sorgenfreies leben (z.t. in alten, beamteten positionen) fuehren konnten.

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Re: Re: Gegenüberstellung

Opfer und Held schliesst sich nicht aus!

 
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