23.05.2013 19:51 Merkliste 0

Unverantwortlicher Taktierer

WOLFGANG BÖHM (Die Presse)

Antonis Samaras hat schon in der Vergangenheit sein Machtkalkül über die Interessen seiner Partei und Griechenlands gestellt. Jetzt setzt er in ähnlicher Weise auf Neuwahlen.

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Er kann nicht aus seiner Haut. Antonis Samaras ist der Inbegriff eines Machtpolitikers. Einer, der selbst Krisen dafür nutzt, seine Position zu stärken. Das war innerhalb der konservativen Nea Dimokratia so. Das war im vergangenen Jahr so, als er sich monatelang zierte, einer Regierung der nationalen Einheit beizutreten. Und das ist jetzt so, da es wieder auf ihn ankommt, eine tragfähige Mehrheit im griechischen Parlament zustande zu bringen.

Antonis Samaras hat es in Griechenland als einziger Politiker in der Hand, Neuwahlen zu verhindern und das Risiko eines endgültigen Staatsbankrotts abzuwenden. Aber er schafft es nicht, über den dunklen Schatten des Taktierers zu springen. Er hätte lediglich neben der sozialistischen Pasok zwei Abgeordnete der konservativen Anel ins Boot holen müssen. Die Anel ist aus einer Abspaltung der Nea Dimokratia entstanden, sie wäre ein natürlicher Verbündeter. Aber Samaras gab bereits nach wenigen Stunden alle Regierungsverhandlungen auf. Ein glaubhaftes Bemühen war das nicht.

Neuwahlen könnten die ehemaligen Großparteien wieder stärken, weil das Protestpotenzial angesichts der schicksalhaften Pattsituation verpuffen dürfte. Vielleicht würde Samaras mit dieser Taktik ein paar weitere Parlamentssitze dazugewinnen. Aber der Preis wäre ein hoher. Das in Misskredit geratene Land karikiert schon jetzt das Bild von Politik– mit rechtsradikalen Ausländerfeinden, die ins Parlament ebenso einziehen wie linke Illusionisten, die sich über die Fakten hoher Schulden hinwegsetzen. Vor allem aber mit zwei Parteien, der Nea Dimokratia und der Pasok, die bis heute jede Verantwortung für ihre fürchterlichen Fehler in der Vergangenheit ablehnen.

 

E-Mails an: wolfgang.boehm@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.05.2012)

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5 Kommentare
Gast: b754
09.05.2012 08:28
0 3

der könnte ein övpler sein


Gast: spartacus
09.05.2012 06:31
2 1

Böhm kann die Scheuklappen eben nicht ablegen

und schreibt brav EU Durchhalteparolen, die ja letztendlich kein denkender Mensch mehr glaubt.
Samaras bietet dem griechischen Volk eine Alternative ohne EU und mit eigener Währung an.
Ein Risiko, gewiß. Aber die endlose Neuverschuldung mit dem aufgezwungenen Kaputtsparen und der Verarmung der Bevölkerung samt steigender Arbeitslosenzahlen kann wohl nicht im Sinne der griechischen Bevölkerung sein.
Na, da sei doch die EU davor. Wo käme die denn hin, wenn Staaten souverän, im Interesse der eigenen Bevölkerung, agieren würden.
Uverantwortlich ist nicht Samaras, sondern es sind jene traurigen Lohnschreiberlinge die brav die gewünschten Desinformationen abgeben - sie tragen dabei die Demokratie zu Grabe.

Gast: LegendIn
08.05.2012 22:01
5 3

Griechenland ist unregierbar!

GR müsste seine Löhne und Gehälter um 25% senken um halbwegs wettbewerbsfähig zu werden.

Das wird aber nicht geschehen, so lange sie im Euro sind und sich auf die Hilfe der dummen Nordstaaten verlassen können.

Und der faule Apfel GR steckt auch andere Länder an, welche dieses Geschäftsmodell bequemer finden als Reformen. Sogar Frankreich tendiert in diese Richtung, nennt es aber schamhaft "Wachstumssteigerung".

Auf Schulden. Die wird schon irgendjemand bezahlen.

Re: Griechenland ist unregierbar!

Auch in Deutschland wittern die Sozialisten Morgenluft und glauben mit hohlen Schlagworten und Steuergeld echtes Wachstum zu generieren.

Da weiß doch jeder, dass Politik nur die Rahmenbedingungen zu schaffen hat, in der die Wirtschaft gedeihen kann.

Den nur die Wirtschaft erzeugt Wachstum und kein Politiker, egal welcher Couleur

Antworten Antworten Gast: Vogel Strauss
09.05.2012 19:48
0 0

Re: Re: Griechenland ist unregierbar!

Schön gesagt: 'Denn nur die Wirtschaft erzeugt Wachstum' - bloss ist das den Sozis nicht klar zu machen. Die glauben halt immer noch, dass der Strom aus der Steckdose kommt und sie ein Anrecht auf einen Arbeitsplatz, Altersversorgung, Krankengeld etc. haben ... erwirtschaften solls wer anderer. Oder wir schröpfen dann die 'Gstopften'!

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