Der Antrittsbesuch der neuen französischen Regierung bei François Hollande wäre also absolviert. Auf die obligatorischen Handshakes vor dem Elysée-Palast folgten dem Vernehmen nach eine Moralpredigt des Staatschefs sowie eine prompte Gehaltskürzung um 30 Prozent. Nun kann die Arbeit beginnen.
Ob Hollande die Besetzung seines Teams von langer Hand geplant hat oder ob er durch die finanzpolitischen Rahmenbedingungen zu seinen Personalentscheidungen gezwungen wurde – eines fällt jedenfalls auf: Das Kabinett wirkt wie ein Schrei nach Liebe, der an die internationalen Anleihenmärkte gerichtet ist. Denn die Hauptexponenten der neuen Regierung sind allesamt alte Finanzhasen.
So ist Finanzminister Pierre Moscovici nicht nur ein versierter Eurokrat, sondern auch ehemaliger Mitarbeiter des Rechnungshofs – und daher mit der Schuldenmechanik bestens vertraut. Profunde Erfahrung mit der Materie haben auch Außenminister Laurent Fabius und Arbeitsminister Michel Sapin, die beide in ihren früheren Leben das Amt des Finanzministers innehatten.
Die einzige Dissonanz in dieser wohltemperierten Ouvertüre ist Arnaud Montebourg. Der neue Minister für Reindustrialisierung gilt als Entglobalisierungsverfechter, der jenen französischen Firmen, die Arbeitsplätze ins Ausland verlagern, mit der Verstaatlichung droht. Ob auch dieser Ton die Musik machen wird, bleibt abzuwarten.
michael.laczynski@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.05.2012)















