Damit war nicht wirklich zu rechnen. Von allen im Finale der Champions League gesperrten Spielern ist den Bayern Österreichs David Alaba am meisten abgegangen. Nicht während der 90 Minuten der regulären Spielzeit, nicht während der 120 Minuten – sondern vor allem beim Elfmeterschießen. Alaba hat zuletzt immer derart sicher seine Strafstöße verwandelt, dass sich der 19-Jährige in der internen Bayern-Rangliste auf die Nummer drei vorgearbeitet hat. In den Minuten der Entscheidung von München aber stand er nicht zur Verfügung. So musste zunächst schon Torhüter Neuer einspringen, dann aber verschossen die Bayern ihr Pulver. An Scharfschützen sind sie offenbar nicht reich gesegnet, Olić versagten die Nerven, Schweinsteiger donnerte das Leder nur an die Stange.
Zum großen Pechvogel aber mutierte Arjen Robben, dieser divenhafte Niederländer, der gern zickt und dennoch einer der Schlüsselspieler des FC Bayern ist. Aber dieser Robben ist auch unbelehrbar, weil er es nicht lassen kann. Er beherrschte in dieser Fußballsaison vor allem die Kunst des Scheiterns, hat bereits im entscheidenden Bundesligaschlager gegen Borussia Dortmund vom Elferpunkt nicht getroffen. Die Dortmunder hat er damit zum Meister gemacht, mit seinem Fehlschuss im Münchner Fünfsternefinale letztlich Chelsea auf die Siegerstraße geführt.
Ein Endspiel ausgerechnet „dahoam“ zu verlieren, das gehört zu den bittersten Momenten im Leben eines Fußballers. Aber wenn das eine Mannschaft wegsteckt, dann ist das der FC Bayern. Die Münchner haben irgendwann auch das Drama, das sich vor einigen Jahren gegen Manchester United abgespielt hat, verdaut. Damals wurden überlegene Bayern in der Nachspielzeit mit zwei Treffern bestraft, wurde eine Partie wie aus heiterem Himmel auf den Kopf gestellt.
Auch Chelsea hat diesmal, um es höflich zu formulieren, zurückhaltend agiert. Aber im entscheidenden Moment haben die Engländer zugeschlagen. Dabei sagt man englischen Teams nach, dass sie in Elfmeterentscheidungen traditionell chancenlos sind. So gesehen kann das auch für England eine spannende Europameisterschaft in Polen und in der Ukraine werden. Aber da wird den Briten wiederum der siegreiche Didier Drogba fehlen. Und den Deutschen einmal mehr David Alaba.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.05.2012)















