25.05.2013 20:16 Merkliste 0

Schikanen um Schanigärten

DIETMAR NEUWIRTH (Die Presse)

Das Café Drechsler setzt einen drastischen Schritt. Weil kein Gastgarten genehmigt wurde, sperrt es im Sommer.

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Der Cafetier gegen die bürokratische Macht des Magistrats und die politische des Bezirks: Es ist ein ungleicher Kampf, den Manfred Stallmajer, Geschäftsführer des Café Drechsler, begonnen hat. Und – vorerst – verloren gibt. Seine am Donnerstag bekannt gemachte Entscheidung, im Sommer zwischen Juni und Anfang September das Lokal zu schließen, erregt jedenfalls Aufmerksamkeit. Wird wohl ausschließlich betriebswirtschaftlich begründet sein und sich für den Eigentümer hoffentlich auch rechnen. Und kein beleidigter, selbstzerstörerischer Akt des Aufmuckens gegen Behördenwillkür. Schade für alle Gäste, aber selbst Wiens Stadtverfassung kennt kein Grundrecht auf offene Kaffeehäuser. So what, also?

Tja, wenn da nicht diese seltsame Sache mit dem Schanigarten wäre. Dem Drechsler wurden während des Sommers von der Stadt Wien in einem Akt überbordender Gnade schlanke vier Tische für acht Personen erlaubt. Scheint nicht viel. Ist es auch nicht. Begründet wird dies vom sechsten Bezirk mit dem Parkplatzmangel in Mariahilf. Wo in Wien gebe es den eigentlich nicht? Seltsam nur, dass das Drechsler in anderen Bezirken mehr oder weniger selbstverständlich Anrecht zum Aufstellen von wesentlich mehr Sesseln, Tischen und Sonnenschirmen bekommen hätte. Die Entscheidung darüber, wie groß Schanigärten sein dürfen, liegt in der Autonomie der Bezirke. Pech gehabt, Herr Stallmajer.

 

dietmar.neuwirth@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.05.2012)

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14 Kommentare

schikaniert werden allein die gastgartenanrainer.


Gast: wienzeilinger
25.05.2012 16:01
0 0

gestank, hin oder her

die möglichkeit an der wienzeile zu sitzen ist ja wohl nicht die, die gewünscht war. in der girardigasse wohl eher und ich denke, da wäre man schon recht gut gesessen. und war da auch nicht der hintergarten, der mal benutzt war?! anyway. schade, dass eine institution wie das cafe drechsler kein "go" erhält, wo viele neue, kurzweilige cafe und bars aber sehr wohl zum draussensitzen einladen dürfen. steht in jedem reiseführer... anyway... und (ganz) schade auch für die mitarbeiter, die jetzt mal drei monate was anderes tun "dürfen"...

Gast: Mara Hilf!
25.05.2012 11:35
0 0

in frischer Luft seinen Kaffee zu schlürfen oder ein Bier zu trinken

*loool* in frischer luft, und das an der linken wienzeile..

dort sitzen ist generell ungemütlich:
sich anplärren um den strassenlärm zu übertönen,
nach 15 minuten war ein schwarzer staubfilm auf der weissen serviette,
es stinkt erbärmlichST nach billigsten industrie-ölen und -fetten von den (asia)küchen herüber..

und wenn der wind dreht (von westen kommend) stinkts von den naschmarkt-(bio)-tonnen (wo den ganzen tag die sonne draufknallt) und der hundezone runter.

für leibliche genüsse muss man um diese zone heute leider einen riesen bogen machen.
(ok, der kaffee von alt wien ist hervorragend!)

... Café Drechsler setzt einen drastischen Schritt ...

Ich möchte Sie auf folgenden Schreibfehler hinweisen: Die Entscheidung darüber, wie groß Schanigärten sein dürfen, liegt in der Autonomie der Bezirke. Richtig sollte es wohl lauten: ... liegt in der Automanie der Bezirke. ...

Nur ein Hupfer nach NÖ

Wozu der Streit um die Gastgärten in Wien?
Braucht man denn Wien dazu, um in frischer Luft seinen Kaffee zu schlürfen oder ein Bier zu trinken?
Wenn die Wiener Rathausmehrheit aus lauter Geldgier für die Stadt die Schanigärten killt, dann brauchen die Wiener und Wienerinnen nur auf den Stadtplan zu schauen. Und sie werden sehen, dass eine dünne Linie die gelobte Bundeshauptstadt vom ländlichen Niederösterreich trennt.
Es ist nur ein Hupfer nach NÖ, wo man die Natur besser genießen kann. Ich mach' diesen Hupfer recht oft und gerne.

gute Freunde

Offenbar hat Herr Stallmajer gute Freunde bei der Presse. Und die Willkür des Bezirk sscheint in erster Linie darin zu liegen, Herrn Stallmajer nicht einfach seine Wünsche zu erfüllen. Es wäre doch eher ein Willkürakt, ihm mehr Platz einzuräumen als den anderen Betrieben im Bezirk. Ja, Schanigärten sind nett, aber ein Grundrecht, öffentlichen Raum privat zu nutzen gibt es nicht.

Antworten Gast: Großstadtbewohnerin
25.05.2012 11:31
1 0

"ein Grundrecht, öffentlichen Raum privat zu nutzen gibt es nicht"

Parkplätze stellen aber doch auch eine private Nutzung des öffentlichen Raums dar.

1 0

Re: "ein Grundrecht, öffentlichen Raum privat zu nutzen gibt es nicht"

Ah, sie haben also ein Anrecht auf "ihren" Parkplatz wenn sie von einer Spritztour zurückkommen? Gratuliere!

Tja.

Da hätte man eben ein bisschen Geld in die Hand nehmen müssen. Und dann in ein Kuvert stecken, und dann etc.

Gast: sdfgda
24.05.2012 22:27
4 1

Ein Artikel UND ein Kommentar für ein Kaffeehaus

Das des Chefredakteurs ?

Es würden sich wohl mehr kleine Wirtschaftstreibende ohne Beziehungen freuen würde dermaßen umfangreich über ihre Probleme berichtet. Schauen wir was die Zukunft bringt.

Gast: Ertel KF
24.05.2012 21:20
3 0

Letzten Sommer war das Café Drechsler

meist völlig leer. Das ist wohl der wahre Grund für diese Sommerpause 2012.

Antworten Gast: Großstadtbewohnerin
25.05.2012 12:04
1 0

Der wahre Grund - ja, weil im Sommer alle lieber im Schanigarten sitzen als drinnen ...


Gast: Mariahilfer Anrainer
24.05.2012 21:19
3 1

Und wo soll beim Drechsler ein Schanigarten hin?

Empfehle mal dort vorbeizuschauen. Der Gehsteig ist beim Drechsler 80-90 cm breit. Es ist eine Frechheit, dass dort überhaupt ein Schanigarten erlaubt wurde.

Gast: chineserei
24.05.2012 19:17
3 0

Wiener Schanigartenabzocke

in einer windigen menschenleeren Betonwüste namens "Kabelwerk" in Wien 12 kostet der Quadratmeter Schanigarten genausoviel wie der Quadratmeter Am Graben. Ist ja verkehrsberuhigt!

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