Logisch, weil so bequem

Die Austria beschreitet lieber einfache Wege. Mit Peter Stöger als Trainer.

Der österreichische Fußball hat einen neuen Nährboden gefunden. Es handelt sich dabei ausnahmsweise nicht um eine der so hochgelobten Akademien, sondern um ein Trainerbänkchen, dem man mittlerweile magische Wirkung nachsagt. Vielleicht aber wird dort auch ein Zaubertrank verabreicht, der zwar nicht unschlagbar macht, aber zumindest unabsteigbar. Dieses Bänkchen, das steht in Wr.Neustadt und wer in der Bundesliga so richtig Karriere machen will, der muss dort einmal oben gesessen sein.

Im Vorjahr ist Rapid bei der Trainersuche in Wr.Neustadt fündig geworden, diesmal die Wiener Austria. Zwei Großklubs, bei denen Funktionäre sich schon imponiert zeigen, wenn ein Trainer mit einer Billigsdorfermannschaft dem Abstieg erfolgreich entkommt. Wobei der Zweikampf mit den hilflosen Kapfenbergern eigentlich gar nicht zu verlieren war.

Mit Peter Stöger hat die Austria nun einen alten Bekannten heimgeholt. Einen Fachmann, der ins Konzept passt, auch die finanziellen Rahmenbedingungen nicht sprengt. Ein loyaler, gewissenhafter Arbeiter, der schön brav das erfüllt, was ihm aufgetragen wird. Er ist bequem für die Klubobrigkeit, interne Machtkämpfe sind da nicht zu erwarten. Nach der Absage von Franco Foda war Peter Stöger die logische Wahl. Ändert jedoch nichts daran, dass er nur zweite Wahl war. Aber das hat in der Vergangenheit noch keinen einzigen Austria-Trainer gestört.

 

wolfgang.wiederstein@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.05.2012)

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