18.05.2013 16:33 Merkliste 0

Italiens Wettkönig

WOLFGANG WIEDERSTEIN (Die Presse)

Torhüterstar Gianluigi Buffon hat eine fatale Leidenschaft, die zu Italiens Eigentor wird.

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Manchmal erscheint Marko Arnautović im Vergleich zu anderen Fußball-Exzentrikern wie ein Waserl. Und hin und wieder schießt er für Österreich auch ein paar Tore. Wenn ihn vor wenigen Jahren der damalige Inter-Trainer José Mourinho gelassen hätte, dann sicher auch gegen Gianluigi Buffon, und die Tifosi hätten dem Österreicher kleine Eskapaden verziehen.

Über die Probleme, die der italienische Teamtorhüter Buffon macht, kann mittlerweile aber nicht einmal mehr der Staatsanwalt hinwegsehen. Buffon ist in den Liga-Wettskandal verstrickt, Fahnder haben in einem Wettbüro Schecks des Juventus-Stars in der Höhe von 1,5 Millionen Euro gefunden. Mit der größten Geldtransaktion sollen 20 Rolex-Uhren angeschafft worden sein, mit Sportwetten habe das freilich alles nichts zu tun. Buffon ist für hohe Wetteinsätze bekannt, der Weltklassekeeper aber könnte sich nun gewaltig verzockt haben. Und mit ihm die Fans, die bei der Euro 2012 auf einen Turniersieg von Italien gewettet haben.


wolfgang.wiederstein@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.06.2012)

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8 Kommentare
Gast: Dr. Rade
04.06.2012 20:05
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Lieber Herr Wiederstein

Unbeachtet des mir persönlich anstößigen Wettspiels muss ich mich doch wundern, dass (schiefe Optik hin oder her) das Wetten hier pauschal kriminalisiert wird. Sollte Sig. Buffon Millionen von Taschengeld im Wettbüro als Schecks liegen haben, dann kann das Ihnen -mit Verlaub- doch herzlich egal sein, solange er seine ital. €uros (wie in den ital. Medien kolportiert) auf fußballferne Kategorien wie Hunde, Hutwahl der Queen oder Farbe der nächstjährigen ÖSV-Damengarnituren setzt. Zur Erinnerung: Ermittlungen auch durch den Staatsanwalt sind noch lange kein Grund Beschuldigte vorab zu verurteilen! Ob Sie jetzt die "20 Rolex" gerne hätten oder nicht.

Vielleicht könnten Sie uns noch den Grund für Ihren recht geistlosen Beitrag zum Thema geben, der bis auf das Reizthema Arnautovic und das obligatorische Italien-Bashing wenig bis gar nichts zu bieten hat!

P.S.: wenn der Presse natürlich bessere Quellen aus dem Süden vorliegen, nehme ich eben ausgesprochene Verteidigung selbstverständlich zurück und ziehe den Hut vor Ihnen, den mit heutigem Tage zum treffsichersten und schärfsten Fußballexperten des Landes Erkorenen - Chapeau!

wen schädigt ein wettbetrüger?

mE andere wetter.

und jetzt mal grundsätzlich: sind wetter schützenswerte wesen?

Antworten Gast: Humerus
04.06.2012 14:37
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Re: wen schädigt ein wettbetrüger?

Wettbertrug als Spieler ist meistens Betrug am Sport. Es wird z.B. absichtlich ein Spiel verloren, das man von der Form her gewinnen müßte. Tormänner eignen sich für sowas natürlich sehr.

Leidtragende sind nicht nur die Wetter, sondern auch andere Mannschaften, z.B. im Abtsiegskampf, wenn dann der dirkete Konkurrent gegen den Spitenreiter gewinnt...

Re: Re: wen schädigt ein wettbetrüger?

Wenn die Leute nicht mehr das Gefühl haben, für ihr (gar nicht so knappes) Eintrittsgeld als Gegenwert fairen Sport geboten zu bekommen, bei dem das bessere Können oder die augenblickliche Tagesform entscheidet, dann bleiben sie daheim, dann wird vor bestenfalls halbvollen Rängen gekickt und möglicherweise werden dann auch die TV-Sender davon absehen, solche Spiele zu übertragen, wenn das häßliche Wort "Schiebung" wie eine dunkle Wolke über dem Stadion schwebt.

Dann verkommt Fußball zu einer reinen Show-Veranstaltung a la Wrestling, wo sog. "Storylines" darüber entscheiden, wer gewinnen darf und wer verlieren muß! Dabei habe ich rein gar nichts gegen diese Leute: Sie sind großartige Ringer, Artisten und Schauspieler auch noch dazu.

Im Boxen inszenierte die US-Mafia die spektakulärsten Wettbetrügereien. Wer nimmt heute diesen Sport noch wirklich ernst? Da gibt es zahlreiche Verbände, die jeder ihren eigenen "Weltmeister" küren und seinen Gegner kann man sich bequemerweise aussuchen, um eventuell unangenehmen ("schlecht zu boxende") Kontrahenten auszuweichen.

Will man also wirklich, daß solche Dinge auch im Fußball an der Tagesordnung sind? Gewiß: Leicht wird es ganz sicher nicht, die Sümpfe der global agierenden Wettmafia trocken zu legen. Aber bestmöglich einzuschränken sollte allmal das Ziel jener sein, die den Fußball, so wie er sich bis heute entwickelt hat, am Leben zu erhalten...

Übrigens: Am Dienstag-Abend bringt ARTE eine einstündige Reportage über die Wettmafia!

Natürlich sind sie das.

Blöde Frage. Ob die Leute ihr Geld jetzt beim Wetten, im Casino oder beim Lottospielen abgeben, sollte doch ihre eigene Entscheidung sein. Aber alle diese Bereiche brauchen eine strenge Kontrolle, damit sie nicht zur Farce verkommen.

Davon abgesehen schädigt er natürlich massiv den Sport an sich, wenn er negativ auf die Ergebnisse Einfluss nimmt.

Re: Natürlich sind sie das.

"Aber alle diese Bereiche brauchen eine strenge Kontrolle, damit sie nicht zur Farce verkommen."

mein beitrag zum schellhornschen neoliberalismus: gib ein paar märkte frei. zb solche, die niemand braucht und wo sich auch trotz kontrolle die gangster tummeln, also den wettmarkt.


Re: Re: Natürlich sind sie das.

Ich halt ja nichts von Sportwetten, noch von Casinozockerei, Lotto, Rubbellosen oder jeder anderen Form von Glücksspiel.

Aber da wir in einer offenen Gesellschaft leben, werden wir diese Dinge auch zulassen.

Buffon muß wohl etwas Konkretes gewußt haben...

Naütrlich ist Gianluigi Buffon DER große Superstar in italienischen Team: Rekordinternationaler, dazu noch ein paar Mal "weltbester Keeper des Jahres", man könnte ihn eine Institution im italienischen Fußball nennen, für den es weit und breit keinen Ersatz gibt im Tor. Denn hinter ihm kommen nur Leute, die man bestenfalls als schwachen Abklatsch bezeichnen könnte. Genau deshalb trifft es die Tifosi natürlich besonders hart, wenn diese Kultfigur in der "Squadra Azzurra" womöglich eine Anklage durch den Staatsanwalt, eine Verurteilung wegen Wettbetrug und folgedessen auch noch eine längere Sperre zu vergegenwärigen hat.

Natürlich ist die Ausrede mit den 20 Rolex eine plumpe Lüge. Wer deponiert schon das Geld dafür ausgerechnet in einem Wettbbüro? Und wenn 20 Uhren 1,5 Miollionen Euro kosten sollten, dann wäre 1 Exemplar rd. 70.000 Euro wert. Und wo hätte Buffon die Käufer dafür gefunden? Neín, da muß er wohl von irgendwem den richtigen "Zund" bekommen haben, daß sich selbst ein solch exorbitanter Einsatz auszahlt! Anderseits frage ich mich schon, warum ein sportlicher Großverdiener wie dieser Keeper überhaupt einen solchen Nervenkitzel braucht? Diesbezüglich sollten doch Meisterschaft, CL und Nationalmannschaft ohnehin genügend "Adrenalinbomben" bieten....

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