23.05.2013 09:06 Merkliste 0

Wir, ein Volk von Vollidioten

NORBERT RIEF (Die Presse)

Es gab also kein Junktim zwischen Sach- und Personalfragen – und die Sonne geht im Norden auf.

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Manchmal wäre es vielleicht gesünder, länger zu schlafen. Um beispielsweise das ORF-Morgenjournal und dessen Interviewgast Josef Ostermayer nicht hören zu müssen.

Der erklärte gestern nämlich knapp nach sieben Uhr ganz ernsthaft, dass alles Gemunkel über einen Deal in der Koalition zwischen Sach- und Personalfragen (Stichwort: Werner Muhm in die Nationalbank, Beibehaltung der Steuerpauschalierungen für Bauern) falsch sei. Seine Beweisführung (sinngemäß): Wenn die Personalfragen an diesem Tag nicht im Ministerrat beschlossen werden, dann zeige das, dass es auch keine Verknüpfung gegeben habe.

Bei solchen Aussagen steigt der Blutdruck schneller als mit dem kürzesten Espresso. Hält uns der Herr Staatssekretär tatsächlich für ein Volk von Vollidioten? Natürlich wurden die Personalfragen im Ministerrat nicht beschlossen und natürlich gab es trotzdem eine Verknüpfung.

Und erst Maria Fekter, die den Deal am Sonntag verhandelt hatte, und gestern mit ernstem Gesicht erklärte, es habe „nie ein Junktim“ gegeben! Immerhin überraschte uns Michael Spindelegger mit seiner sarkastischen Seite, als er meinte, das wäre doch zum ersten Mal, dass Sach- und Personalfragen in Österreich verknüpft werden.

Wir alle, die diese Seite lesen, wissen, wie es in einer großen Koalition läuft. Das ist nicht sonderlich erfreulich, aber als Österreicher nehmen wir das zähneknirschend zur Kenntnis. Deswegen kann man uns für resignativ halten, aber bitte nicht für blöd.

 

norbert.rief@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.06.2012)

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67 Kommentare
 
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Dummsprech als Prinzip

Die heutigen Zustände erinnern an den Untergang so mancher alten "Dynastie", Ochlokratie oder gar Tyrannis (Diktatur). Interessant ist hierbei besonders, dass uns die modernen Ideologen einreden woll(t)en, nach dem Ende des eisernen Vorhangs sei die Geschichte ein für allemal beendet (z.B. F.Fukuyama, R.Rorty usw.), und damit würden nun auf der ganzen Erde Frieden, Wohlstand und Demokratie obsiegen. Mithin also Zeiten immerwährenden "Glücks" anbrechen.

Die Wahrheit ist leider, dass Demokratismus vielmehr der ideale Nährboden für noch viel schlimmere Systeme sein kann (z.B. Diktatur, Pöbelherrschaft, "Kleptokratie"usw.). Das zeigt sich in diesen aktuellen Problemen ubiquitärer Korruption und Gier, die zu ernsthaften Verwerfungen in der gesellschaftlichen Ordnung führen können.

Daher besteht die einzige langfristige Lösung darin, Staatsgeschäfte und -gewalt denjenigen Personen zu übertragen, die materiell gar nicht "hochkommen" müssen und zudem ausnahmslos und nachgewiesen über eine exzellente klassisch-"humanistische" Bildung verfügen (d.h. auch die politischen Klassiker von Platon, Aristoteles bis in die Moderne hin genauestens zu kennen, statt bloß Schmalspurstudien im Powerpointfolienformat vorweisen zu können).

Gemeinhin nennt man so ein System "Aristokratie" oder auch u.U. "Monarchie". Dies ist der einzige Weg, wieder eine gerechte Ordnung herbeizuführen. Tertium non datur!


etwas zu ändern,

ist halt schon seeeehr anstrengend, also lassen wir die Wurschtln wurschtln, sich gegenseitig in Untersuchungsausschüssen anpatzen, sich die Pfründe aufteilen und den Herrgott an guten Mann sein...

Dies wird solange weiter gehen, solange es uns auf der Insel der Seligen noch gut geht, denn Strukturreformen passieren nur unter Druck, dies ist ein physikalisches Prinzip, nur unter Druck entstehen Diamanten (und unter hoher Temperatur)

Vielleicht sind wir das ja wirklich.

Ich denke an Fr. Rohrers "Mutbürger" - Initiative, von der sie sich heute zurückzog weil niemand Verantwortung übernehmen möchte. Außer einigen Kleinparteien scheint nicht viel herausgekommen zu sein, außer daß man während den Treffen vor Publikum sudern konnte (Ich war nie dabei, stand heute so im Artikel http://diepresse.com/home/panorama/oesterreich/765202/Mutbuerger_Rueckzug-der-Gruenderin?from=suche.intern.portal; man möge mich ggf. korrigieren).
Sofern ist das Bünenschauspiel, das uns im Parlament geboten wird, wenig überraschend.

Gast: Eine Parlamentssitzung jagt die andere
13.06.2012 19:04
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Wenn die Wurschtln wurschtln, dann wurschtln die Wurschtln.



Und der Chef der Wurschtln ist der Zeitungskaspar.

Gast: Free
13.06.2012 17:40
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Die Medien machen ja begeistert mit bei der Volksverdummung!

Also warum die Aufregung?

Gast: Kotzaufunserepolidiga
13.06.2012 16:43
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1:1

Dafür sind unsere Politiker ein Volk von Vollidioten.

Wir, ein Volk von Vollidioten NORBERT RIEF (Die Presse)

Da stimme ich Ihnen zu, sonst hätten wir für die EU und deren Abzockermethoden gestimmt!

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Früher hörte ich auch immer das Ö1 Morgenjurnal

Heute verderbe ich mir damit nicht mehr den Tag ;-)

Den Kreislauf kann ich VIEL schonender mit einem Espresso anregen!


Brot und Spiele! Teile und Herrsche!


Das sind die einzigen Prinzipien, nach der diese Regierung handelt, um sich mit ihren Funktionären und Geklünkel am Leben zu erhalten.

Eine intellektuelle Auseinandersetzung wird dieser Infamität nicht gerecht und ist per se sinnlos.

Die Frage die sich stellt lautet;
"Wie lange noch? Und wann kommt wieder der Sturm auf die Bastie?"

Re: Brot und Spiele! Teile und Herrsche!

Sie haben Recht. Allerdings wäre der Welt ohne Sturm auf die Bastille diese Pöbelherrschaft erspart geblieben.

Dem Intellektuellen bleibt nur mehr der Weg Platons, den er etwa im Dialog Theaitetos 172 ff skizziert hat. Lesen Sie Platon, Aristoteles, Augustinus, Thomas von Aquin oder moderner Rudolf Kassners "Der Dilettantismus" (1910).

Antworten Gast: Vrenschmähn
13.06.2012 16:47
0 0

Re: Brot und Spiele! Teile und Herrsche!

Ihr werter nick wär auch eine passende Handlungsanweisung:
Wer bitte erstürmt jetzt Ihrer Meinung nach die Bestie? oder den Basti?

Brot und Spiele! Teile und Herrsche!


Das sind die einzigen Prinzipien, nach der diese Regierung handelt, um sich mit ihren Funktionären und Geklünkel am Leben zu erhalten.

Eine intellektuelle Auseinandersetzung wird dieser Infamität nicht gerecht und ist per se sinnlos.

Die Frage die sich stellt lautet;
"Wie lange noch? Und wann kommt wieder der Sturm auf die Bastie?"

die Eiterbeule muss mit allen zur Verfügung

stehenden Mittel bekämpft werden ,sie zerstört
die Stabilität des Landes,von innen,wie eine Seuche!
Hoffe ,dass sich bis zu den Wahlen die Eine und
Andere alternative anbietet.
Die Parlamentarier müssen ausgetausch werden, alle!

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Es sei die Frage erlaubt,

was passieren würde, wenn die Politiker offen zugeben würden, worum es ihnen wirklich geht. In diesem Fall, glaube ich, würde Ehrlichkeit (Ja, wir wollen unsere Interessen durchsetzen, alles andere ist egal) genauso bestraft werden wie der jetzige Kurs (zurecht, weil solche "Arbeit" schlecht fürs Land ist), also denken sich die Politiker wahrscheinlich: Was solls? und erzählen ihre Märchen weiterhin. Bis zum Wahltag...

Antworten Gast: hmmmm
13.06.2012 15:22
0 0

Re: Es sei die Frage erlaubt,

dummheit und naivität gehören nun einmal kontrolliert!
wie erkennt man nun in einem land, wer dumm und naiv ist?
ganz einfach: man lasse das volk zur (wahl)urne schreiten.
egal wer gewählt wird, aber man sieht wie hoch der verblödungsgrad der innländischen bevölkerung ist!
(derzeit weit über 70%)
das einzige gerechte in diesem land wäre, wenn man diese vollidioten (wähler) alle pfänden würde!
der politiker ist hochgradig dumm, aber der wähler ist die steigerung dessen: hochgradig naiv!

Gast: Der Schelm
13.06.2012 13:34
4 0

stimmt nicht

die meisten österreicher sind wirklich so blöd, wie sie von den politikern gehalten werden. wie sonst kann man sich erklären, dass trotz allen versagens der politdarsteller dieser "großen" koalition, trotz aller skandale und unehrlichkeiten, noch immer rund 45% der wähler diesen haufen versager neuerlich wählen würden. dafür ist die bezeichnung "vollidioten" ja noch schmeichelhaft.

Re: stimmt nicht

Das glaube ich auch. Viele lassen sich zu viel gefallen und sind glücklich, wenn sie ihr Schnitzel, Bier und die Kronenzeitung haben und sich vom TV stundenlang berieseln lassenkönnen.

Auf der anderen Seite sind Änderungen von unten kaum möglich, da es grosse schon lange verkrustete Strukturen (wie den roten Parteifunk ORF), den sicher viele weghaben wollen, aber viele Sesselkleber damit gut verdienen und die roten ihr wichtigstes Propagandainstrument nicht aus den Händen geben wollen.

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Re: stimmt nicht

Werter Schelm, nennen Sie doch eine Alternative...Und bitte kommen Sie nicht mit der FPÖ, denn was dieser Dilettantenverein ab 2000 "bewegte" dient maximal zur Abschreckung. Also bleiben noch Grüne (kommt für mich nicht in Frage) und vielleicht die Piraten....

In dieser Koalition

geht es zu wie auf einem persischen Markt. Das Geschachere und Feilschen ist unproduktiv und kostet unser Geld, das Geld der Steuerzahler. Man hält das Volk für blöd und benützt es als Stimmvieh, wenn es darum geht, weitere Posten im Sinn des Proporzes zu verteilen. Deshalb wäre es nötig, diesen Politikern bei den nächsten Wahlen mittels Stimmzettel die Meinung zu sagen.

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Re: In dieser Koalition

DAS wird nicht passieren.

Die Wähler sind seit Jahrzehnten mit Wahlversprechen und sonstigen Geschenken (alles auf Pump) gekauft und im Durchschnitt tatsächlich Vollidioten.

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Re: In dieser Koalition

"Deshalb wäre es nötig, diesen Politikern bei den nächsten Wahlen mittels Stimmzettel die Meinung zu sagen.", das sehe ich genau so, da ich aber kein "Grüner" bin , ist das aus Mangel an Alternativen schwer. Die FPÖ ist keine Alternative, denn ich will mit meiner Stimme Österreich keinen Schaden zufügen. Ich hoffe auf die Piraten, um meinen Protest anzubringen.

Gast: Ceterum
13.06.2012 10:43
4 0

Spindelegger einmal gekonnt

Das Positive bleibt wieder einmal nicht erwähnt. Während die üblichen Verdächtigen von Faymann/Ostermayer bis Fekter Märchen erzählen, ist Spindelegger einmal wirklich gekonnt: Er wartet in der ZIB mit einer gekonnt sarkastischen Bemerkung über die Tradition den Proporz in Österreich auf.

Re: Spindelegger einmal gekonnt

Das war wenigstens mal ehrlich.

5 0

Für ein Geständnis sollte er im Rahmen der Kronzeugenregelung Strafminderung bekommen -

aber angeklagt sollt die gesamte Bande wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung zum Schaden Österreichs dennoch werden.

Gast: Bürger01
13.06.2012 10:21
4 0

Die kriminelle Macht der Politik

äussert sich im Blockieren und Schikanieren derjenigen ,die in Österreich fair etwas leisten wollen . Die Politik hat dem Volk zu dienen ,aber das ist ein österreichfremder Idealismus . Solange Wähler auf Ihren persönlichen Vorteil achten und selbstherrliche Machtpolitiker als etwas Besonderes empfinden , ohne die ganze Korruption und Freunderlwirtschaft (die kostet Milliarden Steuergelder) zu erkennen und die unabhängigen (willkür) Gerichte sich im Verjähren und Ignorieren üben , wirds nichts werden .

Gast: Sepp
13.06.2012 10:14
5 0

Also ich widerspreche nur in einem Punkt:

dass ich als Österreicher das zähneknirschend zur Kenntnis nehme ... ich nicht mehr.

Meine Wählerstimme bekommen diese Parteien nicht. Denen geht es nur mehr um die Versorgung der Partei und ein paar Almosen für ihre Klientel.

 
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