Der alte Fuchs wird wissen, was er tut. Jedenfalls kann sich, wer Alexander Pereira kennt, nicht vorstellen, dass dieser mit allen Wassern gewaschene Kulturmanager die österreichische Kulturpolitik aus Versehen brüskiert. Einer, der für sein Festival nach Milchmädchenrechnung drei Millionen höhere Subventionen bekommt als im Vorjahr, aber mit Rücktritt droht, wenn er nicht vier weitere Millionen zusätzlich erhält, der führt etwas im Schilde.
Der allseits herbeigesehnte Exodus der privaten Sponsoren – nach dem Motto: Das Kulturland Österreich wird sich doch, bitte schön, ein Hochkulturfestival leisten können, ohne dass Auto- und Schokoladeverkäufer ihre Werbeschilder allenthalben anbringen müssen – kann es nicht sein. Die PR-Präsenz und das Dogen-Gehabe der privaten Geldgeber im Festspielbezirk ist für den Besucher, der mit dem Bezahlen der (gar nicht geringen) Eintrittspreise ebenso zum Erhalt der Festspiele beiträgt, zwar längst unerträglich geworden. Aber Pereira hat schon in Zürich voll aufs Mäzenatentum gesetzt; er will das beibehalten, selbst wenn er, wie versichert wird, keine Provisionen für seine Vermittlerdienste lukriert.
Geht es also tatsächlich um die Abdeckung kollektivvertraglicher Lohnsteigerungen, wie der Intendant betont? Deshalb angesichts einer Politiker-Phalanx, die sich nicht erpressen lassen will, auf die Pokerkarte zu setzen, wäre dem Intendanten nicht anzuraten. Es sei denn, Pereira will den Rückzug – vielleicht, weil es ihm auch für 2013 nicht gelungen ist, mehr wirklich attraktivere Dirigenten zu locken?
Ein Blick in die jüngste Vergangenheit lehrt: In Salzburg hat schon Jürgen Flimm, der sich allseits für unverzichtbar hält, statt eines Royal Flashs den Schwarzen Peter gezogen: Sein Interims-Nachfolger wurde von allen Kommentatoren in höchsten Tönen gelobt. Übrigens: Markus Hinterhäuser residiert heute keine 300 Kilometer östlich der Salzach. Auf Zuruf braucht er nicht einmal drei Stunden zum Festspielhaus.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.06.2012)















