Guten Morgen, Herr Professor! Dass Alexander Van der Bellen 20 Monate nach der Wahl also doch das damals (vor allem ihn selbst) überraschende Vorzugsstimmenmandat im Wiener Rathaus anzunehmen gedenkt, kommt kein Jahr zu früh. Natürlich fiele es leicht, über die Dauer der Entscheidungsfindung dieser Übersiedlung zu spotten. Natürlich könnten Rückschlüsse auf die Reaktionsgeschwindigkeit der Grünen in anderen politischen Fragen gezogen werden. Tun wir aber nicht.
Lassen wir uns doch wenigstens ein Mal vom Motto think positive leiten. Die Sonne scheint, der Sommer naht, also: Mag sein sehr spät, aber doch gibt Van der Bellen zu, einen Fehler begangen zu haben. Mehr noch: Er versucht nun, ihn zu korrigieren – und dem Willen der Wähler von jenem fernen Sonntag im Herbst 2010 zu entsprechen. Immerhin für eine Partei mit einem Anspruch, wie ihn die Grünen an sich und andere stellen, eher Pflicht als Kür. „Van der Bellen ins Rathaus!“ hat die „Presse“ damals über einen Kommentar getitelt. Nun also kommt der grüne Altstar dieser fast schon rüden Aufforderung nach. Sage niemand mehr, Politiker, Professoren gar, seien nicht lernfähig.
dietmar.neuwirth@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.06.2012)
Van der Bellen: Der grüne Professor zieht ins Stadtparlament ein














