Grundsätzlich pflegt der einstmals „Schweige-Kanzler“ Genannte die unrühmlichen Kapitel seiner Regentschaft, die nun im U-Ausschuss abgehandelt werden, nicht zu kommentieren. Zumindest nicht in österreichischen Zeitungen (in der ungarischen „Heti Válasz“ hat er sich unlängst verteidigt). Das ist sein gutes Recht, schließlich wurde er von den heimischen Medien nicht immer fair behandelt.
In überraschender Deutlichkeit nahm Wolfgang Schüssel nun jedoch bei einem Vortrag in Salzburg Stellung: „Ich bin tief davon überzeugt, dass da schiefe Dinge gelaufen sind.“
Eine Erkenntnis, die keine Sekunde zu früh kommt. Eigentlich erfolgt sie zu einem Zeitpunkt, da ohnehin offensichtlich ist, dass bei der Buwog-Privatisierung einiges „schiefgelaufen“ ist. Allerdings bezieht sich Schüssel dabei auf Walter Meischberger und Konsorten. Seine damalige Regierungsmannschaft, also auch Karl-Heinz Grasser, nimmt er – noch – in Schutz.
Möge ihm die Enttäuschung erspart bleiben, auch hier eines Tages sein Urteil revidieren zu müssen. Ob nun in einer in- oder ausländischen Zeitung.
Eine Erkenntnis haben wir und er jedenfalls schon gewonnen: dass ein Regierungschef auch bei einem lukrativen Prestigeprojekt wie der Privatisierung von 58.000 Wohnungen, bei der ein Bewerber in einer zweiten Runde den Mitbewerber auf einmal um eine Million Euro überbietet, nicht mitbekommt, was hinter den Kulissen so läuft.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.06.2012)















