20.05.2013 13:56 Merkliste 0

Wo beginnt Gewalt?

DIETMAR NEUWIRTH (Die Presse)

Laut Studie wird ein Viertel der Kinder in der Schule Opfer von Gewalt.

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Wann muss das Verhalten eines Kindes in der Schule als auffällig bezeichnet werden? Wo endet normales Verhalten? Alles sehr schwierige Fragen, die selbst erfahrene Pädagogen und erst recht häufig überforderte Eltern nicht immer eindeutig zu beantworten wissen. Und wo beginnt Gewalt? Ist das Schubsen von Mitschülern beispielsweise (gerade noch) erlaubt? Nein, wenn es nach den strengen Autoren einer Studie geht, deren Ergebnisse am Mittwoch präsentiert wurden.

Sie haben untersucht, ob und in welchem Ausmaß in der Schule Gewalt eine Rolle spielt. Offenbar eine große, schenkt man Wissenschaftlern Glauben. Genauer, schenkt man Schülern Glauben: Jeder Vierte gibt an, während eines Halbjahres Opfer von Gewalt geworden zu sein. Dass Buben häufiger Täter und Opfer sind, überrascht wenig. Wenn „Schubsen“ als Gewalt definiert wird, heißt es wahrscheinlich bald Vorsicht vor der Polizei beim Gedränge in öffentlichen Transportmitteln. Klar, dass Lehrer in der Schule sensibilisiert sein müssen. Das kann aber nicht heißen, dass jeder, der in der Pause oder beim Fußball (zurück-)schubst, als gewalttätig eingestuft wird. Man darf das Problem Gewalt nicht kleinreden. Man muss aber auch nicht in das andere Extrem verfallen.

 

dietmar.neuwirth@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.06.2012)

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8 Kommentare
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In den Augen

mancher Soziologen gibt es noch immer zu viele Bürger, die nicht benachteiligt sind, bzw. noch keine Opferrolle einnehmen und daher der erweiterten Fürsorge durch Hilfsorgansisationen und selbst ernannte KämpferInnen für Gerechtigkeit nicht bedürfen. Daher bilden wir jetzt die Selbsthilfeorganisation der Geschubsten, kurz SOGesch. Staatliche Hilfsgelder und Spenden bitte auf das Privatkonto des Organisationsgründers!

Gast: Dr. PR
21.06.2012 11:24
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Sensibilisierung und Differenzierung

Ganz offensichtlich ist differenzierende Betrachtung bzw. Analyse zunehmend unzeitgemäß. Leider. Denn wenn, wie hier aufgezeigt wird, zu viel (alles?) als "Gewalt" erklärt wird, ist es nur eine Frage der Zeit, bis die Kategorie "Gewalt" nichts mehr erklärt.

Gast: Rumpler und Schubser
21.06.2012 11:17
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Gewalttätig und sensibel in einem?

Wir gaben uns bereits in der Volksschule geschubst und hin und wieder wurde auch vor der Schule gerauft. Keiner meiner Mitschüler, die ich kenne, kam auf die "schiefe Bahn". Und auch die Lehrer waren nicht immer die Sanftesten, rückblickend zu Recht. Meines Erachtens ist heute die Qualität eine andere, nämlich dass es zwischen den Schülern sehr wohl Gewalt gibt, die diesen Namen verdient. Bedingt durch eine negative gesellschaftliche Entwicklung, die auch schon im Elternhaus zu spüren ist.

Gast: Gast: Leser
21.06.2012 10:55
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Verkehrte Welt

Früher hat man sich in der Schule öfter geprügelt, ist mit blutigen Nasen heimgekommen - galt als völlig normal für junge Buben, hat auch auf lange Sicht niemandem geschadet. Heutzutage wird einer, der vielleicht etwas "geschubst" wird, gleich psychologisch behandelt, und es wird daraus eine großartige Affäre gemacht - völlig irre.

Gast: Be-obachter
20.06.2012 19:21
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Schubsen...

Wir haben es sicher nicht nötig, das Schubsen verharmlost wird.
Weil sich das des öfteren bis in die U-Bahnstation fortsetzt..
In good old Germany ist das bereits mehrfach schlimm ausgegangen.

Antworten Gast: Senior2
20.06.2012 20:26
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Re: Schubsen...

Au, was waren wir damals für gewalttätige Jungen. Wir haben uns gegenseitig sehr viel geschubst.
Komisch, dass keiner von uns eine kriminelle Karriere eingeschlagen hat ;-)

Re: Re: Schubsen...

Alle verbalen Auseinandersetzungen, Herabwürdigungen, Angeberei und daraus folgend Neid, und so fort, wurden regelmäßig nach der Schule beim Heimweg durch Raufen ausgetragen, Schwitzkasten war eine geringe Stufe, oft bis einer mit dem Rücken am Boden lag und der Sieger mit Knien auf den Oberarmen war. Mit Schubsen haben wir uns nicht abgegeben.
Heute gibt es keinen Schulweg mehr, ich hatte 1 1/2 km z Fuß am Land, andere auch 8 km. Der Schulweg, selbst auch mit Rauferei, ist einer der schönsten Erinnerungen.

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Re: Re: Schubsen...

Geschubst?
Da ich in Österreich in der Schule war, wurde dort niemand "geschubst". Angerempelt, gestossen, etc., aber "geschubst"? Das sicher nicht. ;-)
Im Übrigen: keine Ahnung wie die Frage genau formuliert war, aber ich behaupte sogar, dass ein gewisses Maß an Gewalt in der Schule durchaus ok, vielleicht sogar notwendig ist. Solange die Gewalt "gleichmäßig verteilt" und nicht systematisch ist, und natürlich in einem gewissen Rahmen bleibt. In der Entwicklung eines Kindes sind kleinere Raufereien u.ä. doch ganz normal.

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