Erinnert sich noch jemand an WikiLeaks? Ja, genau diese Enthüllungsplattform, die einmal angetreten ist, die Mächtigen dieser Welt das Fürchten zu lehren. Durch totale Transparenz: Alles soll, nein, muss an die Öffentlichkeit. Das war das Credo von Julian Assange, dem Gründer. Weltweit flogen dem Robin Hood der Geheimdokumente und seiner Organisation Sympathien – und Spenden – zu.
Der Transparenz ist Assange treu geblieben: Während es um WikiLeaks still wurde, zelebriert er vor der Weltöffentlichkeit seit Monaten seine Selbstdemontage, die darin gipfelte, dass er für den Kreml-Sender „Russia Today“ einem Terrorpaten wie Hisbollah-Chef Hassan Nassrallah Honig ums Maul schmierte.
Statt die laut seiner Aussage haltlosen Vorwürfe zweier Frauen vor der Justiz in Schweden zu entkräften, stilisiert er sich zum politischen Opfer und setzt der Sache noch die Krone auf, wenn er jetzt um Asyl ansucht. Wenn Assange ein Opfer ist, dann das seiner eigenen Hybris.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.06.2012)















