19.06.2013 09:12 Merkliste 0

Die Rolle ist eine Tochter der Zeit

OLIVER PINK (Die Presse)

Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern: Andreas Khol ist so flexibel, wie man es heute eben sein muss.

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Die Bürger davon zu überzeugen, dass sie künftig länger arbeiten müssen, war eine der zentralen Botschaften der Regierung Schüssel. Und immer wenn es galt, diese ohne Wenn und Aber in die Welt zu tragen oder zu verteidigen, war Klubchef Andreas Khol, der spätere Nationalratspräsident, verlässlich und wortgewaltig zur Stelle. Heute ist Andreas Khol Chef der ÖVP-Senioren und hält als solcher den Vorschlag seines Parteifreundes Hermann Schützenhöfer, das Pensionsantrittsalter auf 67 Jahre anzuheben, schnoddrig für einen Fall für das „Salzamt“.

Die Verlockung ist groß – wenn es denn nicht schon so abgedroschen wäre –, Andreas Khol eines seiner Lieblingsbonmots, „Die Wahrheit ist eine Tochter der Zeit“, vor den Latz zu knallen. Wobei das nicht minder abgedroschene „Das Sein bestimmt das Bewusstsein“ sogar noch besser passen würde.

Wobei wir – altersmilde – dann doch zugestehen wollen: Andreas Khol ist einer der letzten großen Politik-Darsteller dieser Republik. Er spielt stets die Rolle, die ihm zugedacht ist. Überzeugend, aber durchschaubar.

 

E-Mails an: oliver.pink@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.06.2012)

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11 Kommentare
Gast: finding
22.06.2012 14:55
0 1

Adäquat weggewischt

Exzellent, Herr Pink! Knapp, zeitsparend, wegwischend, und doch durchdacht und prägnant ("Rolle, die ihm zugedacht war"). Genau so sollte man den durchschaubaren Politik-Darsteller abwickeln.
(Nur "überzeugend" war er denn doch nie.)

Gast: Tja
22.06.2012 13:35
0 0

Das ist das problem...

die 'firma', von der Oberst Falaffel spricht, sollte eben "Österreich" heißen und nicht....'Pensionisten, Eisenbahner, Bauern, Jäger, oder ......sonst irgendwas'....


khols haltungsänderung wäre problematisch,

wenn er zu jeder zeit als privatmann khol agiert hätte. oder als unabhängiger experte.

doch khol war und ist interessenvertreter.
früher hat er die interessen der schüssel-regierung vertreten, heute sind es 'seine' pensionisten.

es ist doch das natürlichste der welt, dass man bei einem firmenwechsel das wohl der NEUEN firma im auge hat. warum sollte das nicht auch für einen politiker wie khol gelten?

Gast: asdfghjp
22.06.2012 08:27
0 0

"vor den Latz zu knallen"

Pfui deibel

Re: pfui Deibel


ist aber copyright von Modestus

Khol ist cool

Vor allem, wenn er seinen Panamahut aufhat ;-)

Khol lässt sich keine Rollen zuteilen, er ist als aufrechter Tiroler immer ER selbst, und das schon seit Jahrzehnten. Hut ab!

2 4

Auf „die da oben“ einzudreschen bringt vielleicht Quote, aber sonst …?

Herr Pink, Sie haben wohl nicht begriffen, warum die Aussage Schützenhöfers sich erstens mit der seinerzeitigen Aussage Khols spießt und zweitens, daß die Aussage Schützenhöfers der absolute Unsinn ist.

Das tatsächliche Antrittsalter zur Pension liegt um mehr als 5 Jahre unter dem gesetzlichen Regelalter, sowohl bei Männern wie auch bei Frauen.

Und da kommt Schützenhöfer daher und will das gesetzliche Regelalter um 2 Jahre anheben, vermutlich weil die Deutschen das schon gemacht haben. Na ja, dann liegt das tatsächlicher Antrittalter eben um mehr als sieben Jahre unter dem Regelalter. Daher zu Recht ein Antrag fürs Salzamt.

Khol dagegen hat früher, und macht das bis heute, erklärt, wir müssen länger arbeiten. Das ist jedenfalls richtig, nur, wir haben mindestens 5 Jahre Gelegenheit länger zu arbeiten, ohne daß wir das Regelalter für die Pension hinauf setzen müssen. Also bitte, erst einmal die Frühpension beseitigen und dann erst zum Salzamt gehen.

Es war Schüssel, der es als Erster angegangen ist, die Frühpension einzudämmen. Gusenbauer hat mit jenem billigen Spruch geantwortet, das sei soziale Kälte. Derselbe Gusenbauer, der keine zwei Jahre später wegen erwiesener Unfähigkeit von seiner eigenen Partei als Bundeskanzler kassiert wurde.

Wenn Sie, Hr. Pink, nicht dasselbe Schicksal erleben wollen, wie Gusenbauer, dann sollten Sie aufhören, unqualifiziert daherzureden, nur weil es Quote bringt, auf „die da oben“ einzudreschen.

Re: Auf „die da oben“ einzudreschen bringt vielleicht Quote, aber sonst …?

Es ist zwar richtig, dass die große Tragik in der Diskrepanz zwischen theoretischem und tatsächlichen Antrittsalter besteht - in der Tat muss man sich fragen, was das überhaupt für eine Perversion ist, ein Antrittsalter festzulegen und mit hundertausend Schlupflöchern zu versehen. Naja, typisch österreichisch halt. Geschenkt.

Ändert nichts daran, dass man TROTZDEM darüber diskutieren kann, das theoretische Antrittsalter zu heben, weil 65 den Anforderung der heutigen Demographie einfach nicht mehr gerecht wird. Wer weiß, vielleicht verschiebt sich dann die 5-jährige Diskrepanz Theorie<->Praxis parallel um 2 Jahre nach oben...man darf ja noch hoffen.

Kurz und knapp: man sollte jeden Ansatz, das Antrittsalter "irgendwie" zu heben, begrüßen. Das ganze System ist so dermaßen unhaltbar, dass jedweder Ansatz besser ist, als der status quo.

Re: Re: Auf „die da oben“ einzudreschen bringt vielleicht Quote, aber sonst …?

Ein Ansatz wäre z.B. anstatt spanische Ingenieure mit allerlei Sozialleistungen ins Land zu holen die alten Ingenieure bis 65 zu beschäftigen .

Re: die alten Ingenieure bis 65 zu beschäftigen

mit den doppelten Kosten eines 35 Jährigen!

Wer zahlts?

Re: Auf „die da oben“ einzudreschen bringt vielleicht Quote, aber sonst …?

Herr Pink befindet sich noch im Honeymoon und hat deshalb Schonzeit.

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