20.06.2013 07:07 Merkliste 0

Das Schicksal einer Sammelpartei

OLIVER PINK (Die Presse)

Das Bemühen kann man ÖVP-Obmann Michael Spindelegger nicht absprechen. Aber ob das letztlich reicht?

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Die Altlasten der Ära Schüssel aus dem U-Ausschuss? Mit einem eigenen Ethikrat, einem Verhaltenskodex, und einem koalitionären Transparenzpaket abzufangen versucht. Der Streit zwischen Pensionsreformern- und -beharrern? Mit einem Machtwort abzustellen versucht. Inhaltliche Mankos? Mit dem Fokus auf mehr direkte Demokratie vergessen zu machen versucht. Die Eurokrise? Mit einem Positionspapier zur Umgestaltung der EU-Architektur zu beantworten versucht.

Man kann dem Außenminister, Vizekanzler und ÖVP-Chef sein Bemühen, auf vielen Baustellen präsent zu sein und Probleme Schritt für Schritt anzugehen, nicht absprechen. Aber ob das letztlich reicht? Denn bei Wahlen wird in erster Linie nicht über sein unbestritten großes Arbeitspensum abgestimmt.

Michael Spindeleggers Dilemma ist es auch – oder gerade –, Chef einer Sammelpartei zu sein. Die einen – siehe Pensionen – wollen dies, die anderen das. Die Bauern und Beamten wollen etwas anderes als die Unternehmer, wobei da der Kleingewerbetreibende auch noch andere Interessen hat als der Industrielle. Der katholisch-konservative Anti-Sozialismus von früher gibt als gemeinsame Klammer heute nicht mehr viel her. Die direkte Demokratie taugt dafür nur bedingt. Denn selbst da sind die Bürgerlichen untereinander uneins.

 

E-Mails an: oliver.pink@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.06.2012)

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7 Kommentare
Gast: LegendIn
23.06.2012 15:07
2 1

Die ÖVP hat als 5. sozialistische Partei im österreichischen Politspektrum eben keinen "Markt"

Mittlerweile, nach Schüssels Abwahl, sind ALLE österreichischen Parlamentsparteien mehr oder weniger sozialistisch, was Wirtschafts-, Steuer- und Schuldenpolitik betrifft:

Die "banalen Sozialisten" der SPÖ

Die "Nationalen Sozialisten" der FPÖ

Die "liberalen Sozialisten" des BZÖ

Die "Öko-Links-Stalinisten" der Grünen

Und die "Trachtensozialisten" der ÖVP

Wer soll da noch ÖVP wählen?

Und vor allem: Wie soll ein Staat reformiert oder zumindest österreichs Budget saniert werden, mit 183 +/- sozialistischen Kasperln?


Gast: Vogel Strauss
23.06.2012 11:28
0 1

Der Herr Redakteur positioniert sich in letzter Zeit ...

... eindeutig als 'bad guy' - Ambitionen auf den Chefredakteur??

Gast: UKW
22.06.2012 21:57
6 0

Wenn in einem Arbeitszeugnis drinnen steht, Herr oder Frau xy hat sich immer sehr bemüht, dann weiß jeder Personalchef wie viel es geschlagen hat

Ein intelligenter Kommentator, der es ehrlich meint mit der ÖVP würde also nicht die naive Frage aufwerfen, ob das reicht oder nicht, sondern klipp und klar kommentieren, dass der Herr Spindelegger nie und niemals im Stande ist, jemals bei irgendeiner Nationalratswahl als Nummer 1 hervorzugehen. Herr Pink ist und bleibt ein latenter Sozialist.

Stattdessen stilisiert er Herrn Schüssel (der Lieblingsfeind aller Rotgrünen, der seit langem wieder im Stande war, aufgrund seines Charismas, gegen die Rotgrünen eine Wahl zu gewinnen") zum Feindbild hoch.

Gast: 1. Parteiloser
22.06.2012 21:11
1 1

Eindeutige Positionierung der Partei und eindeutig kein Problem mehr mit den Altlasten des Dr. Schüssel!

Die Altlasten sind doch schon lange überwuchert und vom Strasser Video, dem Sobotka Verzocken, dem Neugebauer als 2. Präsident der Gesetzgebung und dem eigenen Amtsmissbrauch des Vizekanzler bei den Diplomatenpässen abgelöst.

Auch ist es unter Spindelegger zu einer eindeutigen Positionierung der ÖVP gekommen. Selber aus dem Bereich ÖAAB/ GÖD eine Innenministerin aus dem Bereiche ÖAAB/GÖD und eine Justizministerin aus dem Bereich ÖAAB/GÖD. Diese starke Gruppe wird dann von einem Planwirtschafter, einem schwachen Funktionär aus der WKO, beim Umverteilen in den ÖAAB/GÖD Bereich noch perfekt unterstützt. Die Fekter, sonst immer gut für einen Versprecher leistet sich bei den ÖAAB/GÖD Fragen und der irren Umverteilungen in diese Bereichen, begleitet von massiven Fehlfunktionen, auch keinerlei verbale Ausrutscher. Dass dann die OberÖAABlerin das mit dem Zaster unter Applaus in die Mikrophone brüllte passt herrlich zu dieser Positionierung. Genauso herrlich wie die vorwiegend einnahmenseitigen Sanierung des Staatshaushaltes, welches leider nur eine Absichtserklärung ist.

Der Spindelegger hat seine eigenen Baustellen, auch noch eine persönliche Baustelle. Mit seiner Rechtsbeugung als Außenminister, welche den Amtsmissbrauch erst ermöglichte, passt der Spindelegger aber hervorragen an die Spitze der Beamtenpartei.

Reicht dann vielleicht zum kleineren Regierungspartner der FPÖ. Passt auch gut, weil die SPÖ ja auch min. so gierig ist wie die Beamtenpartei.

Zum Kotzen!

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Der katholisch-konservative Anti-Sozialismus von früher gibt als gemeinsame Klammer heute nicht mehr viel her

Ja, vielleicht liegt das auch nur daran, dass von "Anti-Sozialismus" in dieser Partei nichts übrig ist, eher im Gegenteil, die Anbiederung an den Koalitionspartner macht die ÖVP inzwischen schon zur besseren SPÖ.
Der Verlust jedes zweiten Wählers - von über 43 % auf voraussichtlich um die 20% nächstes Jahr - in zehn knappen Jahren spricht eine eindeutige Sprache, vor allem wenn man Gewinne und Verluste der ÖVP mit den Regierungen vergleicht.

Und dass Spindelegger und seine Mannschaft sich ehrlich bemühen, ihren Busenfreund im Bundeskanzleramt an Inkompetenz noch zu überbieten ist auch nicht hilfreich....

Re: Der katholisch-konservative Anti-Sozialismus von früher gibt als gemeinsame Klammer heute nicht mehr viel her

völlige zustimmung!

an der övp vermisse ich einen wertkonservativen kurs - an der einen oder anderen schraube drehen, sollte möglich sein.

aber im moment ist es fürchterlich, insbes. der unklare kurs bzgl der gesamtschule schmerzt!
hier wäre ein klares "nein" zur nivellierung sehr hilfreich - DAS wäre übrigens so eine klammer!

"Der katholisch-konservative Anti-Sozialismus von früher gibt als gemeinsame Klammer heute nicht mehr viel her."


das gilt ausdrücklich nicht für weltklasseblätter, die laut eigenen angaben "Frei seit 1848" sind. dort kann man insbesondere bei den kommentaren die mentalität besichtigen, die nicht einmal mehr in der övp als "gemeinsame klammer" taugt.

geht doch nichts über eine zeitung, die an den alten werten festhält!

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