24.05.2013 05:36 Merkliste 0

Nachrichten, gute Nachrichten!

MICHAEL FLEISCHHACKER (Die Presse)

Wir wollen mit dieser Sonderausgabe einmal bewusst im Positiven tun, was wir immer unbewusst im Negativen tun: das andere ausblenden.

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Was in aller Welt bewegt Journalisten, die auf einem der zahllosen Höhepunkte der Eurokrise eine „Gute Presse“ produzieren? Ein Naivitätsanfall? Eskapistisches Delirium? Ein Originalitätstrauma? Ein vorauseilender Sonnenstich angesichts des bevorstehenden Beginns der Urlaubssaison mit Traumwetter?

Wie so oft lautet die Antwort: ein bisschen was von allem.

In den vergangenen Wochen ist die Idee entstanden, den Beginn der Urlaubssaison mit einer Sonderausgabe zu feiern, in der es nicht in erster Linie um Krisen und Katastrophen geht, sondern um die positiven Aspekte der Wirklichkeit, in der wir beschreibend leben. Naturgemäß hat dieser Wunsch in der Redaktion dieser Zeitung zu einer kontroversiellen Diskussion geführt. Ausgangspunkt dieser Debatte war die Frage, ob die Produktion einer „Guten Presse“ nicht ein Verstoß gegen die Selbstverpflichtung zu möglichst großer Objektivität sei. Man könne doch, so das Argument der Skeptiker, nicht die allgegenwärtigen negativen Aspekte an fast allem, worüber wir zu berichten haben, ausblenden.

Die Irritation, die eine Konzentration auf gute Nachrichten und positive Entwicklungen auslöst, zeigt aber am Ende nur, dass auch jener Normalfall des journalistischen Alltags, in dem wir uns, was die Erfüllung unserer Aufgaben betrifft, sehr sicher fühlen, durch eine eklatante Asymmetrie in unserer Wirklichkeitswahrnehmung geprägt ist.

Nicht, dass wir darauf nie aufmerksam gemacht würden. Wir sind ständig mit Rückmeldungen konfrontiert, in denen uns Einzelpersonen oder Institutionen darauf aufmerksam machen, dass wir ein falsches Bild erzeugen, indem wir ausschließlich über das wenige berichteten, das gerade einmal nicht funktioniere, ohne auf das viele zu verweisen, das tagtäglich zum Wohle vieler Menschen tatsächlich funktioniere. Wir interpretieren das in der Regel als Projektion: Menschen, die schwer damit zurechtkommen, dass ihr Versagen transparent geworden ist, versuchen, den Überbringer der schlechten Nachricht zum Schuldigen zu machen.

Oft wird das so sein. Aber die Ahnung, dass es uns nicht wirklich gelingt, ein umfassendes Bild der Wirklichkeit zu erzeugen, setzt sich fest. Es fällt uns überhaupt nicht schwer, die negativen Aspekte, die es in jeder Situation und bei jedem Handeln zu beobachten und zu beschreiben gibt, geringer zu gewichten. Mit der Übergewichtung des Positiven haben wir hingegen ein ernstes Problem. Man kann diese Sonderausgabe also auch als Exerzitien in Weltwahrnehmung verstehen, als geistliche Übung, in der wir, die Schüler, einmal bewusst im Positiven tun, was wir immer unbewusst im Negativen tun: das andere ausblenden.
Sie werden sehen, dass uns diese Übung nur bedingt gelingt. Die „Gute Presse“, die vor Ihnen liegt, ist keine „Jubelpresse“ geworden. Und sie ist auch nicht das luftige Anzeigenblättchen geworden, vor dem die internen Skeptiker in ihrem zweiten prinzipiellen Einwand gewarnt haben. Tatsächlich ist die „Gute Presse“ auch eine gemeinsame Reaktion von Redaktion und Verlag auf die Unsicherheit und Ratlosigkeit, die das politische und ökonomische Geschehen auf nationaler und internationaler Ebene prägen.

Dass wir uns in dieser Ausgabe auf positive Aspekte der Welt, in der wir leben, konzentrieren, war auch als Einladung an Unternehmen gedacht, ihre Kunden, unsere Leser, mit ihren Botschaften zu erreichen. Und sie wurde angenommen. Das halten manche für einen Grenzfall der journalistischen Ethik. Wir denken, dass es für eine Tageszeitung eher Teil der Normalität ist, durch Produkte Leserinteresse zu erzeugen, das auch Anzeigenkunden mit einer Grundaufmerksamkeit versorgt.

Wenn es denn so normal ist, warum erwähnen wir es dann? Nährt das nicht erst recht den Verdacht, dass es sich um einen billigen Akt der Schönfärberei zur Schaffung eines unproblematischen Werbeumfeldes handelt? Vielleicht. Wir stehen allerdings auf dem Standpunkt, dass es unsere Pflicht ist, ein inhaltlich-ethisches Problem, dessen Existenz redaktionsinterne Debatten zutage fördert, auch unseren Leserinnen und Lesern gegenüber transparent zu machen.

Bleiben wir aber, dem Motto dieser Ausgabe folgend, nicht bei den Problemen stehen, sondern wenden wir uns den Chancen zu: Vielleicht leisten unsere Exerzitien in Weltwahrnehmung einen Beitrag zu einer ausgewogeneren Gewichtung des Positiven und des Negativen in unserer journalistischen Alltagsarbeit. Wir gehen nämlich tatsächlich davon aus, dass wir das, was wir tun, noch besser tun können.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.06.2012)

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124 Kommentare
 
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Gute Nachrichten

Endlich einmal etwas Positives! Und wenn man's genau nimmt, stimmen die Aussagen - es kommt doch immer auf die Betrachtungsweise an. Eine Wohltat!!

Bitte weiter so! Immer negative Horrormeldungen - es gibt tatsächlich auch Gutes zu berichten!

Gast: petra
05.07.2012 14:11
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gute nachrichten

endlich ist es so weit und welch wohltat das wochenende mit einer zeitung zu verbringen die positivität verbreitet, wie erbärmlich sind wir nicht uns an negativem zu ergötzen und noch dazu so überheblich zu glauben das wir selbst dabei positiv bleiben.
herzliche gratulation zu dieser ausgabe und bitte mehr davon

Sehr gut, ausgezeichnet.

Hervorragend, dass Sie sich zu dieser Art von Berichterstattung durchringen konnten. Einmal etwas Positives, auf dem Aufbauen und sich weiter entwickeln kann. Diese Ausgabe hätte man in Form einer Postwurfsendung an alle Haushalte senden sollen! Bravo und weiter so, kann durchaus öfters passieren.

Gast: drehi
03.07.2012 09:34
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Das war sicher ein Kraftakt

Kann mir vorstellen, wieviele Widerstände es zu überwinden galt. Einige Redakteure haben sich mit der Vorgabe "positiv"offensichtlich schwergetan. In Summe aber eine höchst gelungene, erfreuliche Aktion - herzlichen Glückwunsch! - Sowas kann und soll man nicht perpetuieren, aber gelegentlich eine relativierende "Positivbeigabe" wär' schon schön und machbar.

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Gefällt mir

Finde ich eine sehr gute Idee! Danke dafür! Und wenn man das liest, sollte man mit dem Meckern schnell aufhören, weil uns geht es weltweit gesehen unglaublich gut!

Sonderausgabe

Gratulation. Ein sehr guter Gedanke.
Erstens mal was anderes und zweitens dienlich fürs Reflektieren/Nachdenken...

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Tolle Idee, liebe "Presse" -

wir lesen ja sonst meistens "bad news are good news". Aber: achten sie auch auf das Gesamtniveau. Beiträge wie "Royale Bestseller", "Ausgeschnitten: Dekollleté-Trends", "Sängerin Adele ist schwanger" etc. könnten an der Zielgruppe dieser Qualitätszeitung vorbei gehen.

... durch eine Asymmetrie in unserer Wirklichkeitswahrnehmung geprägt ist

Ein großes Lob der Presse! Endlich eine Zeitung, die zugibt, dass auch Journalisten und Redakteure eher der Faustformel für den dörflichen Stammtisch folgen, als komplizierte interdisziplinäre Probleme konkret so intensiv nachzufragen, bis sie auch im Zusammenhang verständlich formuliert werden können. Da bekommen eben Parolen, die sich gegen Veränderungen wenden, die Oberhand. Sie sind ja auch augenscheinlich: schließlich haben auch unsere Eltern gelebt und etwas hinterlassen. Weshalb dann eine Änderung? - Und der Verkaufserfolg der Zeitung steigt
Mit Pessimisten kann man allenfalls ein Museum schützen, aber keine neuen Kirchen bauen!
Meinungsbilder, wie eine Qualitätszeitung sollten der Entwicklung das Wort reden und Risiken in überschaubare und in unverantwortliche einteilen können. Das Ergebnis solcher Beurteilungen sollte Grundtenor der Berichterstattung sein.

Gast: R. Hattinger
01.07.2012 11:15
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Only bad news are good news

Sehr geehrte Redaktion,
unter obiger Devise sind viele Printmedien jahrelang auf Quotenfang gegangen. Jede Überschrift mußte den Leser mit einem negatives Attribut einstimmen (Die "Pleite"-Griechen...).
Aber es regt sich massive Unlust in meiner engen und weiteren Umgebung, denn man kann und will die negative Voreinstellung nicht mehr hören. Sie haben am 31.12.2011 die Abhandlung von Matthias Horx zu dem Thema abgedruckt, der das Phänomen der Negativ Schlagzeilen ausreichend begründet hat.
Hier der Link: http://diepresse.com/home/kultur/literatur/291567/Matthias-Horx_Apokalyptisches-Spiessertum?from=suche.intern.portal
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Es soll nicht an der Objektivität der Berichterstattung gerüttelt werden, nur eine Ausgeglichenheit eingefordert werden. Insofern haben einige Vorredner wohl die Objektivität mit Ausgewogenheit durcheinandergebracht.

Vielen Dank, es ist zu hoffen, dass diese Initiative viele Nachahmer findet.

DI. Ruprecht Hattinger
Unternehmensberater
1180 Wien

Gast: zausele
01.07.2012 08:38
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Unnötige Aktion

das mindeste, was sich der leser von einem als seriös geltendem blatt erwarten darf, ist, daß es zwischen fakt und kommentar zu unterscheiden weiß. seinen redakteuren bleibt ja ohnehin noch die auswahl, bzw. das verschweigen von fakten.

Gute Aktion der Presse

Gefällt mir sehr.

Gast: yamo
30.06.2012 17:35
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Es ist weder objektiv noch kritisch

wenn trotz objektiv günstiger Entwicklung überwiegend über negative Ereignisse berichtet wird. Und weise ist es auch nicht. Im Gegenteil, es ist subjektiv, pessimistisch, kritisierenswert. Und naiv, halt andersrum.

Aber die Chancenintelligenz der österreichischen Hobbyjammerer und Berufspessimisten kann mit guten Nachrichten einfach nichts anfangen, insofern ist es verständlich wenn diese Ausgabe eine Ausnahme bleibt.

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Wir wollen mit dieser Sonderausgabe einmal bewusst im Positiven tun, was wir immer unbewusst im Negativen tun: das andere ausblenden.

und was ist da für den Ferrarifahrer eines schiachen schwarzen (ansonst schönen) Autos drinn bzw wurde dem versprochen ?!

Wäre denn der Fle würde er diese Linie nicht willig mitfahren, noch Chef in seiner Meinungswerkstätte ?


Gast: phj
30.06.2012 17:07
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Schade, daß die Normalität

und spätestens am Montag wieder eingeholt hat-

Es kommt Freude auf

Ich muss gestehen von allen Zeitungen die ich in den letzten Jahren gelesen habe, ist dies meine Lieblingsausgabe.

Die meist negativen Seiten zu betonen ist wirklich wichtig und notwendig, dass aber dabei die erbauenden Betrachtungsweisen ausgelassen werden stört mich immer wieder.

Für mich ist diese Ausgabe erbauend und frisch, regt zum entspannten Lächen an und lässt einen für eine Zeitung lang die Mühen und Qualen des Zeitungalltags vergessen.

Deswegen erhoffe ich für die Zukunft, ab und zu mal eine positive Beilage wieder lesen zu können.

Gast: xefo
30.06.2012 15:20
7 5

Herr Fleischhacker, ist Ihnen also doch der Kopf gewaschen worden?

Ich habe Ihnen ja prophezeit, dass Sie mit Ihrer scharfen EU-Kritik auf den Selbstmord zusteuern. - Naja Sie haben ja sicher Frau und Kind zu versorgen, da kann man diese Volte schon verstehen...

Gast: Tierfreund
30.06.2012 15:14
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Verdächtig.



Reiner Zufall, dass das "feel - good" - Experiment mit der Ratifizierung des ESM zusammenfällt.

Das erklärt natürlich, warum das Thema ausgeblendet wird.

Einfach lächerlich.

Antworten Gast: xefo
30.06.2012 15:21
4 2

Re: Verdächtig.

So ist es! Deshalb: "welt" online lesen, dort steht noch, eas wirklich sache ist

Gast: Eisenherz
30.06.2012 15:10
5 5

Propaganda, Propaganda, Propaganda, Propaganda,

Ich möchte meine 2 Euro zurück die ich für die Printausgabe heute bezahlt habe!

Gast: Mai
30.06.2012 15:08
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Finde ich einfach gut


Selbsterkenntnis

ist bekanntlich der erste Schritt zur Besserung.

Dass ein Journalist berufsbedingt einen Tunnelblick für das Negative bekommt, ist gut nachvollziehbar, und deshalb finde ich es eine gute Idee, sich diese Schlagseite hin und wieder einmal bewusst zu machen.

Dass daraus so eine (leicht selbstironische) erfrischende Sondernummer entsteht, ist eine wohltuende Abwechslung im negativen Mainstream. Danke!

Vielleicht kann ja das eine oder andere Redaktionsmitglied von diesen „Exerzitien“ ein bisschen etwas in den journalistischen Alltag hinüberretten?

Und vielleicht sollte man derartige Wochenend-Exerzitien überhaupt als jährlichen Fixpunkt einführen? Auf freiwilliger Basis natürlich, in einem netten Wellness-Hotel, bezahlt vom Arbeitgeber ;-)

Re: Selbsterkenntnis

so ist es

Gast: 1. Parteiloser
30.06.2012 13:19
9 6

Ich liebe gute Nachrichten!

Das gilt für korrekte Darstellungen, welche real sind und Verbesserungen zeigen.

Geschönte, verdrehte, einseitige Propagandameldungen, welche an das 3. Reich erinnern und die Menschen nur in die falsche Richtung manipulieren, die hasse ich aber.

Wie krank die Nachrichten in Österreich schon lange sind, dass zeigen viele ungeprüfte APA Meldungen, welche von Spin Doktoren verfasst wurden und über die APA von Massenmedien dann die perfekte Manipulation der Menschen machen. Das perfekte Beispiel der schweren Krankheit ist dann auch der Kanzler, eben ein korrupter Inseratenkanzler, welche sich der Neidpropaganda genauso verschrieben hat wie auch einer schwer kranken Selbstbeweihräucherung.

Bitte viele gute Nachrichten, welche Verbesserungen zeigen.

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Wir gehen nämlich tatsächlich davon aus, dass wir das, was wir tun, noch besser tun können.

Ich denke, davon geht jeder aus, die Realität sieht leider anders aus.


Gast: beschwerer
30.06.2012 13:05
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jetzt müssten Sie nur noch

die grantig-überheblichen Kolumnenfotos in Print gegen Nettere auswechseln - speziell Ihres und Schellhorns und das halbirre von Nowak. Dann käm Ihre Zeitung schon mal generell positiver rüber und nicht als Wichtigtuerblatt.

Gast: imklartext
30.06.2012 13:00
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Penso Positivo!

Die Leute sagen, dass die Journalisten nicht objektiv genug sind, wenn sie über Gutes schreiben. Für sie habe ich eine Zeile:

"Man kann diese Sonderausgabe also auch als Exerzitien in Weltwahrnehmung verstehen, als geistliche Übung, in der wir, die Schüler, einmal bewusst im Positiven tun, was wir immer unbewusst im Negativen tun: das andere ausblenden."

Im Klartext: kehren wir es einmal um und blenden das Negative statt das Positive aus.

 
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