21.11.2009 20:46 | Meine Presse Merkliste0

Das Spießertum ist unsere Rettung

MICHAEL FLEISCHHACKER (Die Presse)

Überforderte Eltern, überforderte Schulen, überforderte Gesellschaft: Schuld sind natürlich die 68er.

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Websites zum Thema Erziehung gehören zu den großen Wachstumsmedien der digitalen Welt. Junge Mütter, die über wenig Zeit, aber ein hohes Kommunikations- und Austauschbedürfnis verfügen, sind zur begehrten Zielgruppe geworden. Nicht trotz, sondern wegen der Probleme und Überforderungstendenzen, die ihre Lebenssituation mit sich bringt.

„Lebenshilfe“-Themen aus den Bereichen Erziehung und Familie sind längst nicht mehr eine Domäne der Massenzeitungen. Ob man sich die „Zeit“ ansieht oder den „Spiegel“: Erziehung und Familie sind von den Beilagen auf die Titelseiten gewandert. Auch im Premium-Segment der Medienlandschaft hat sich also die Überzeugung durchgesetzt, dass die gesellschaftliche Wirklichkeit unserer Tage und die Zukunftsfähigkeit dieser Gesellschaft von einer Fragestellung dominiert werden: Wie es gelingen kann, innerhalb der stetig steigenden Anforderungen, die das wirtschaftliche und berufliche Umfeld an die Einzelnen stellt, tragfähige Beziehungen zwischen den Generationen zu etablieren.

Dass das keine Selbstverständlichkeit ist, zeigen die Studienergebnisse, die wir auf der Titelseite dieser „Presse“-Ausgabe erstmals publizieren. Menschen, die sich heute für Kinder entscheiden und ihre individuellen Ansprüche an Beruf und Karriere nicht radikal zurückstellen wollen oder können, begeben sich sehenden Auges in strukturelle Überforderungszusammenhänge. Dass der Grad an Überforderung mit dem Grad an Bildung steigt, ist nur auf den ersten Blick ein Widerspruch: Mit dem Bildungsgrad steigen die Erwartungen. Die Enttäuschung höherer Erwartungen bedeutet ein höheres Maß an Überforderung.


Die häufigste – auch nachvollziehbare – Reaktion auf Überforderungen besteht in der Delegation des Problems (darum fühlen sich auch Männer weniger überfordert als Frauen: Sie haben schon delegiert). Über diesen Weg werden individuelle Probleme von Müttern und Vätern mit ihren Kindern zum gesellschaftlichen Großthema: Erziehungsaufgaben werden an die Schule delegiert, können dort aber nicht wirklich geleistet werden.

Das ist wohl der Kern der Probleme, die unserem Schulsystem bei unterschiedlichsten Gelegenheiten immer wieder attestiert werden. Die logische Reaktion der Schulen und Lehrer auf die an sie delegierten Erziehungsaufgaben ist, dass sie im Gegenzug einen Teil ihrer Aufgaben an die Familien retournieren. Das führt zu Nachhilfe-Exzessen und einem weiteren Anstieg der elterlichen Überforderung. Und so weiter und so fort. Die Studienergebnisse legen nahe, dass die Überforderungsspirale, die da in Gang gekommen ist, auch dazu führt, dass immer mehr Eltern körperliche Gewalt als Mittel der Erziehung akzeptieren oder sogar anwenden.

Was gelegentlich als neues Spießertum denunziert wird, nämlich das intensive Bemühen um die Aufrechterhaltung stabiler Familienstrukturen, erweist sich immer stärker als überlebensnotwendiger Anker einer merklich ins Schwimmen geratenen Gesellschaft. Es war bei weitem nicht der einzige, aber einer der folgenschwersten Irrtümer der „Befreier“ von 1968, dass die Zerschlagung der klassischen Familienstrukturen der Gesellschaft zu einem Mehr an individueller Freiheit verhelfen würde.


Heute zeigt sich auf zum Teil erschreckende Weise, dass dort, wo Freiheit ohne die dazugehörige Verantwortung propagiert wird, Willkür und Ignoranz die Folge sind. Die Bandbreite der Beispiele reicht von jugendlicher Gewalt bis zu politischem Desinteresse.

Dass es so weit kam, hat viel damit zu tun, dass es dem 68er-Zeitgeist gelungen ist, das Prinzip „law and order“, das die Grundlage jedes liberalen Gesellschaftssystems ist, als reaktionäres Muster zu denunzieren. Heute wissen wir, dass die tatsächlichen Reaktionäre seit Jahrzehnten im „liberalen“ Gewand der 68er ihr Unwesen treiben: Ihre Versuche, die eigene Moral über Recht und Ordnung zu stellen, unterscheiden sich strukturell nicht von jenen der rechten und linken Diktaturen des 20. Jahrhunderts.

Die Kinder jener, die 1968 auf der Seite des „Systems“ standen, haben es nicht viel leichter. Ihre Eltern hatten „law and order“ vorsätzlich missverstanden und aus dem stabilen Rahmen für die Entfaltung freier Menschen einen Käfig für die systemgerechte Haltung funktionierender Nachkommen gezimmert.

Das macht vielleicht den Kern der Überforderung heutiger Eltern aus: Sie müssen ganz von vorn beginnen.

Überforderte Erzieher(innen) Seite 1


michael.fleischhacker@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.04.2008)

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24 Kommentare
Crusader
03.05.2008 18:29
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Dafür,


dass es die 68 ja angeblich gar nicht gab, haben sie aber ganz schön vilebewirkt.
Peinlich, dieser Fleischi

Gast: Christian
13.04.2008 14:59
0 0

Sagen wir es doch schlichter: die "68-er" haben einen Haufen "Shit" produziert.

Nicht nur der ideologische Überbau des Neomarxismus erwies sich als untaugliche Schimäre, auch die menschlichen Beziehungen wurden durch die Unterminierung von Sitte und Anstand immer brutaler.
Laut Cohn-Bendit sind wird jetzt viel freier: es ist jetzt viel leichter sich von seiner Alten (die einem nicht mehr gefällt) scheiden zu lassen, man darf bald einen Schwulen heiraten und auch ein ehem. Vizekanzler denkt offenbar bereits darüber nach, wie man eine Ehe und eine Lebengemeinschaft unter einen Hut bringen kann.
In der Schule sind dank Zilk alle Freiheiten (einschließlich Rauchen) erlaubt, nur mehr bei der Wissenvermittlung werden wir halt immer schlechter. Aber das war für die "68-er" nie die wirkliche Aufgabe der Schule.

Eine kleine Genugtuung bleibt: die "68-er" wendeten sich hauptsächlich gegen sozialistische Regierungen und ihre Politik!

Analyse und Erkenntnis

Die Analyse und die daraus gewonnen Erkenntnisse sind tatsächlich wichtiger als Schuldzuweisungen. Einen Schuldigen oder die Schuldigen gefunden zu haben wird leider sehr häufig schon als die Lösung des Problemes gesehen. Allerdings: Die 68er dominieren unsere Gesellschaft, sie haben in den 70er und 80er Jahren wirklich den "Weg in die Institutionen" gefunden und durch ihr Denken und Handeln geprägt, vor allem auch in den Medien. Sehr zu denken gab und gibt mir der Widerspruch zwischen der gegen den Staat gerichtete Haltung der Mehrheit der 68er und deren Ansprüche an den Staat. Die Familie als besonders wichtige Kernzelle der Gesellschaft schien vielen 68er als Klotz am Bein zur Selbstverwirklichung des Individuums, diese wurde als das einzig erstrebenswerte Ziel postuliert. Der Umgang mit der daraus hervorgegangenen Egozentrik, die im materiellen Bereich ausufernde materielle Ansprüche produziert, die nicht immer durch Leistungswilligkeit abgedeckt ist, scheint jedoch nicht einfach.

Gast: Jungunternehmerin
06.04.2008 15:55
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Die "Depri-generation" sind noch nicht die Kinder d.68er

Excellenter Artikel. Nur: als Kind von 68ern muss ich anmerken, dass unsere Generation mittlerweile um die 25 und 30 sind bzw. ÜBERHAUPT (noch) nicht überfordert sind! Hier liegt wohl ein Rechenfehler vor... (die 68er: geboren nach dem WW 2 + 30 Jahre sind geboren nach 1975 = 33 drunter...)
Von wem ist dann die Rede:
Die überforderte Generation und ihrer folgenschweren Verantwortungslosigkeit wird von uns - den "kindern der 68er" liebevoll die "Generation dazwischen" bzw. die "Depri-Generation" genannt. ...Das ändert natürlich komplett die Ausgangslage und die Argumentationskette in Bezug auf die oben diskutierte Infantilisierung unserer Gesellschaft. obwohl eines stimmt: Von Neuem Anfangen das müssen wir: die Kinder der 68er. Denn die Depri-Generation ist dazu maßlos überfordert ;)

dojon86
08.04.2008 12:21
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@Jungunternehmerin

Na ja, die Depri-Generation war hierzulande zumeist ident mit dem baby boom. Ideologisch waren sie meist 68ger Epigonen. Von 68ger Junglehrern wurden sie in den 70ger Jahren mit einer (bei sich verschärfendem Konkurrenzkampf) zunehmend untauglich werdenden Ideologie auf den Lebensweg geschickt, während sich die klassischen 68ger (das waren auch besonders schwache Jahrgänge, sie hatten mithin allein durch ihre geringe Zahl Konkurrenzvorteile) bereits wohlig auf ihren Positionen eingerichtet hatte. Man sehe sich einmal 80 Seiten Dissertationen der 68ger vom Anfang der 70ger Jahre an, dann weiß man was ich mit geringem Konkurrenzdruck meine. Weder vor, noch nach den 68gern gab es jedenfalls eine Generation, der der Berufseinstieg so leicht gemacht wurde.

Lepanto
06.04.2008 11:55
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Wo ist das Problem?



Man kann jetzt jener Gesellschaft, die von den Linken herbeigefaselt worden ist, beim Verfaulen zusehen.

Das Gesunde, das nicht von dieser Denke infiziert ist, wird übrigbleiben.

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Re: Wo ist das Problem?

Tja, so simpel ist die Welt.

Gast: ichmachmirgedanken
06.04.2008 09:36
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30 Jahre danach...

Ich fürchte, man kann und darf einer Jugendrevolte der Gesellschaft, wie ich die 68er verstanden habe, nicht die "Schuld" an den heutigen Auswirkungen geben.WIE mit diesen Anstößen umgegangen wurde - individuell, gesellschaftlich, politisch- muss schon in die jweiligen Verantwortlichkeiten zurückgenommen werden.
Ich kenne viele 68er die heute Regeln im Familienleben haben, die sie damals selber umgestoßen, durchbrochen haben. Ich kenne 68er die heute noch "Berufsjugendliche" geblieben sind, in diesem Entwicklungsabschnitt unreif und uneinsichtig stecken geblieben sind und dies als Fortschritt sehen;-)
Ich kenne 68er, die nie welche waren und die Ideologie dahinter heute leben.

Die Überforderung von Kindern, Eltern und Schule wurde in diesem Artikel sehr anschaulich geschildert, die Spirale auch - lassen wir die Schuldzuweisungen draußen und tun etwas mit diesen Erkenntnissen!


Gast: Spectator
05.04.2008 21:01
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Etwas zu simpel....

die Argumentation des Autors ist in mancher Hinsicht zu simpel. Wenn Prof. Haider vor einiger Zeit fesstellte, dass -zumindest im städtischen Bereich-das Leistungsniveau des unteren Drittels der Gymnasiasten durchaus nicht höher ist als das der Schüler der 2.Leistungsgruppe in ländlichen Hauptschulen, dann muss man sich schon die Frage stellen: was sollen die Gymnasiallehrer , die dieses untere Drittel unterrichten, tun ?Man kann zu dem Schluss kommen, dass die Erwartungen mancher Eltern an ihre Kinder zu hoch sind, und die Kinder darunter leiden!Es ist natürlich sehr einfach,und selbstexcupierend, die Verantwortung für das Nichterfüllen der Erwartungen bei den Lehrern zu suchen, wie das auch der Autor -in gewissen Maße- tut!

Gast: Analyst
05.04.2008 13:51
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War es wirklich ein (eigener) "Irrtum" oder das

"Opium für das Volk" seitens ""der „Befreier“ von 1968, dass die Zerschlagung der klassischen Familienstrukturen der Gesellschaft zu einem Mehr an individueller Freiheit verhelfen würde.""??

Die sogenannten 68er fielen nicht vom Himmel, ihr Ausgangspunkt war die Frankfurter Schule, die von in die USA emigierten, im Nachrichtendienst werkenden und später von "oben" in höchsten Lehrämter remigrierten Altkommunisten gebildet wurde.

Ihren "Marsch durch die Institutionen" verdankten sie ab 1970 den "Alt-45ern" Kreisky, Broda, Firnberg und Genossen.

Ebensowenig originell waren ihre familienfeindlichen Inhalte. wie zugunsten von Abtreibung, Homosexualität udgl.. Sie wirkten bevölkerungspolitisch, womit der (schon von Prof Hooton geforderte) demographische Ruin der Europäer durch Bevölkerungsaustausch (Blecha 1988: "kompensatorische Immigration") betrieben wurde.

Rein "zufällig" werken ehemalige Spitzenkräfte der GRM, also Alt-68er, heute an der publizististischen Migrationsfron

Gast: Gästin
05.04.2008 12:11
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Illusionen

Die sogenannten "68 ziger " haben wohl gerne übersehen, dass jedes Zusammenleben irgendwo auch Regeln braucht, die dann öfters als "Spießerei" verschrien wurde. Es war sicher naiv anzunehmen, dass alles was die früheren Generationen gemacht haben falsch war und dass sich die Welt schlicht und einfach im Gegenteil erfinden ließe.

Gast: NoErzieher
05.04.2008 09:23
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Antiautoritäre Erziehung

Leider haben die meisten diese bis heute mißverstanden. AE heißt keineswegs, dass man tun und lassen kann was man will, sondern : a) Man (Kind) bildet sich seine Meinung auf Grund eigener Urteile statt Orientierung an den Urteilen von Autoritäten. Das setzt aber die Fähigkeit zum Informationen sammeln, Hinterfragen, Abwägen, eigener Entscheidungsfindung voraus. b) Man fällt in Eigenverantwortung die Entscheidungen und steht auch für und zu dessen Folgen statt sich dann herauszureden ("Habe nur Befehle befolgt") oder die Folgen auf andere abzuschieben. Wenn man damit andere schädigt haben diese sehr wohl das Recht sich zur Wehr zu setzen. D.h. das Ziel ist der EIGENVERANTWORTLICHE Mensch.
In Summe unbequem darum macht es keiner. Allen Machtmenschen aller "ismen" ein Dorn im Auge daher wird es immer sabotiert werden. Aber das wären genau die Menschen die man in der Wissensgesellschaft braucht.
Das "Laissez faire" Kindern alles durchgehen zu lassen ist der Weg in den Abgrund.

Antworten Gast: EU-Austretter
06.04.2008 12:07
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Re: Antiautoritäre Erziehung

Kinder brauchen nun mal Orientierung.

Gast: bürgerIn
05.04.2008 08:17
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frage

die 68-er haben nicht großartiges geleistet. nur: sie haben mit von ihnen vehement propagierten neuen ansichten, die personelle übernahme relevanter positionen im unterrichts- oder kulturbereich vorangetrieben, und sich selbst dann mit top-gagen diese positionen gesichert. und sie erklären uns heute noch die welt. und wir müssen betroffen zuhören und zustimmend nicken. denn sonst gibt's politische denunziation (zb die nazi-keule oder das schlagwort "vorgestrig" oder das "mutterkreuz"). das ist die generation, die heute mit top-pensionen in pension geht und noch jahrzehnte die steuerzahlerInnen enorm belasten wird. die kinder, die die vorgeblich denunzierten frauen am herd geliefert haben, dürfen in den kommenden jahrzehnten für diese leute zahlen. ich würde sagen: genial parasitär. warum diskutieren wir nicht darüber?

Gast: Soso
05.04.2008 08:08
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Demut

Was unserer Zeit heute fehlt ist Demut. Nicht unbedingt im katholischen Sinne, sondern Demut vor der Sache.
Wir wollen alles, jeder Zeit und meist immer nur für uns selbst. Wir brauchen immer mehr Reize um befriedigt zu sein, wir wollen überall dabei sein, nichts verpassen und jeden Spass miterleben. Da passen Kinder nicht immer hinein, wenn man es ernst nimmt. Und trotzdem scahffen wir sie uns an, denn der Mut zur Kinderlosigkeit ist in manchen sozialen Kreisen nach wievor nicht ganz einfach.
Etwas mehr Demut vor der Schönheit des Lebens und mehr Achtung von dem was wirklich wichtig ist, würde uns allen gut tun. Dann wären wir auch nicht ständig damit überfordert, alles jetzt und gleichzeitig machen zu müssen und die Zeit für Kinder wäre größer.


Gast: Crusader
05.04.2008 08:02
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Die 68iger.....

sind nicht Schuld an den vielen Desastern der Gegenwart.
Die 68iger die heute in Führungspositionen in Politik und Wirtschaft sitzen sind Schuld an den vielen Problemen - ob Ausländer, Bildung oder Sozialsystem.
Aber Mitschuld haben auch die vielen konservativen Mitläufer die dieses System unterstützt haben. Siehe ÖVP in der Großen Koalition - gestern noch mehr als heute. Der Futtertrog ist halt meist zu verlockend.
Siehe die Bundesregierung....

Gast: hawkeye
04.04.2008 23:51
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Ödipus Rules.

Und dennoch: Spätestens seit einmal ein weithin beliebter Rabbi, von der Obrigkeit nach seiner Herkunft befragt, zur Antwort gab: "Gott ist mein Vater.", wird die Menschheit von der Ahnung begleitet, daß Ödipus eben nicht der Weisheit letzter Schluß ist -- wie sehr auch immer das _business_ der Kapitalverwertung die ödipalisierte Menschheit zu schätzen gelernt hat. Deswegen, genau genommen.

Gast: GastGast
04.04.2008 22:48
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Risikogesellschaft

Ich möchte auf die Perspektive von Ulrich Beck von 1986 (!) hinweisen, in dem er die schwierigen Lebensverhältnisse heute skizziert: Er zeigt drei Szenarien der heutigen Form von Ehe und Familie:
a) Zurück zur starken Trennung von Männer und Frauenrolle, also zurück zur Familie der 50-er Jahre (was nicht mehr sinnvoll und möglich ist).
b) Die totale Anpassung der Familienmitglieder an die Bedürfnisse des Marktes (Arbeitsmarkt, ...), somit eine Auflösung der Familienstruktur, eine totale Flexibilisierung der Beziehungen, bis zur Abgabe der Kinder in Betreuungseinrichtungen. Familie in der gewünschten Form von andauernden Beziehungen sind damit nur nach der Möglichkeit der Marktbeziehungen möglich.
c) Die Relativierung der Marktbeziehungen zugunsten der zutiefst menschlichen Bedürfnisse von Eltern mit ihren Kindern (und Alten), mit dem Ziel einer humanen Gesellschaft. Hier erst wird mit der gerechten Arbeitsteilung begonnen, weil menschliche Grundlagen wieder etwas zählen.
Wählen wir

Ophicus
04.04.2008 22:39
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Irrtum

Es war kein Irrtum der 68er, daß die Zerschlagung der klassischen Familienstrukturen ein Mehr an individueller Freiheit bringen. Das stimmt ja tatsächlich. Das Problem ist nur, dass manch einer irrtümlich annimmt, dass ein Mehr an individueller Freiheit immer etwas gutes wäre.
Die absolute individuelle Freiheit hat man dann wenn Anarchie herrscht und es kein anderes Lebewesen mehr gibt, dass irgendwie die eigenen, frei getroffenen Entscheidungen beeinflussen kann.
Die Zivilisation - und teilweise auch die menschliche Psyche - beruht auf Kompromissen. Manchmal müssen die kollektiven über die individuellen Wünschen gestellt werden.
Die Familie war hier immer das wichtigste Kollektiv. Groß genug dem Individuum Rückhalt zu geben war sie doch klein genug, dass sich der Einzelne noch mit ihr identifizieren konnte. Der große, gesichtslose Staat ist eher Gegner als Rückhalt und die Familie großflächig abgeschafft. Was bleibt ist die individuelle Freiheit. Das haben wir nun davon.

Antworten Gast: mi fhèin
07.04.2008 10:10
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Re: Irrtum

"Die absolute individuelle Freiheit hat man dann, wenn Anarchie herrscht und es kein anderes Lebewesen mehr gibt, das irgendwie die eigenen, frei getroffenen Entscheidungen beeinflussen kann."

Träumen Sie weiter. Was Sie da schreiben, ist eine Utopie, die daran scheitert, daß Sie nicht alleine in dieser Welt leben. Sie werden immer entgegengesetzte Interessen haben, die zu Konflikten führen. Sie glauben doch nicht im Ernst, daß das in einer Anarchie nicht der Fall ist?

Gast: Schönborn
04.04.2008 22:31
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Das Abendland geht unter.

Und wer ist schuld? Die 68er!

Gast: Zam
04.04.2008 20:04
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schlechte 68er?

Typisch einseitige Sicht der Presse. Dass die 68er möglicherweise etwas übers Ziel hinausgeschossen sind, mag in manchen Bereichen stimmen, aber zuerst sollten auch Sie die Ausgangslage etwas näher ansehen:

Die 68er kämpften zum Beispiel dagegen an, dass man als Kind immer das zu schlucken/wählen/sagen hat, was der Vater an Meinung hat. Zunehmende Gewalt jetzt? Lächerlich. Wie war das nochmal mit der "gesunden Watsche"?

Mein Vater hat, wie er mir erzählt hat, es sich schlicht nicht getraut, lange Haare zu haben, weil seine Musikhelden die auch hatten, der Skandal zuhause wäre zu groß gewesen.
Dass das bei mir schon nicht mal mehr ein kleiner Aufreger war, sehe ich schon auch als Produkt des Aufbrechens der teilweise extrem reaktionären Familienstrukturen. Und das geschah nicht von selbst, sondern zu einem guten Teil durch die 68er, meiner persönlichen Meinung nach hauptsächlich durch die nach Kontinentaleuropa übergeschwappte angloamerikanische Musik.

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Antiautoritäre Erziehung

Haben Sie sich einmal mit diesem Desaster befasst? Diese Idee spukt immer noch in den Köpfen mancher "moderner" Eltern herum.

Dazu kommt das schlechte Gewissen berufstätiger Eltern (Frauen) - bes.Scheidungsweisen gegenüber - dass man sich um die Sprösslinge nicht kümmern kann. Man kompensiert mit sofortiger Wunscherfüllung. Für die mühevolle Arbeit der Sozialisierung des Nachwuchses fehlt Zeit und Energie.

Ich glaube nicht, dass F. den tiefgreifenden Wandel falsch einschätzt, den wir der 68-er Bewegung danken.

Dennoch. Seine Kritik, auch was die Abwertung der Familie angeht, ist treffend. Sie ist heute noch en vouge. Was muss sich so manche (nur)"Hausfrau" denken, die auf Beruf & Karriere (auch Selbstverwirklichung??) verzichtet hat, um zuerst mehrere Kinder aufzuziehen und dann ihre Eltern zu pflegen, wenn sie die Parolen vom "Heimchen am Herd", "Zurück in die Küche" etc. hört? Redet jemand davon, was sie und ihresgleichen der Allgemeinheit alleine ersparen?


Antworten Gast: ABK
04.04.2008 22:11
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Re: schlechte 68er?

Sie sollten die richtigere Bezeichnung "Neomarxisten" statt "68er" verwenden. Das sagt viel mehr über die ganze chose aus!

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