21.11.2009 17:14 | Meine Presse Merkliste0

Oligarchischer Sozialismus

MICHAEL FLEISCHHACKER (Die Presse)

Das Liberale Forum braucht kein Mensch. Weil es auch im zweiten Anlauf keine liberale Partei werden wird.

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Heide Schmidt und Hans Peter Haselsteiner sind zurück. Der Bau-Industrielle, der seit gut einem Jahrzehnt die personellen Restbestände des „Liberalen Forums“ alimentiert, die für den gewöhnlichen Arbeitsmarkt zu elegant sind, und der vorübergehend bei der SPÖ einen Parlamentssitz für einen ältlichen jungen Mann namens Alexander Zach angemietet hatte, will sich für die nächsten fünf Jahre doch wieder eine Eigentumswohnung im Haus am Ring zulegen.

Die Mischung aus Tiroler Uraltpaternalismus und smarter Nonkonformität, die Hans Peter Haselsteiner zu einer der interessanteren Figuren des politwirtschaftlichen Komplexes in Österreich macht, schlägt bis in die Programmatik des knallharten Philantropen durch: 80 Prozent Steuer für Manager mit Millionengagen fordert der Mann, dessen Stiftungsvermögen von solchen Vorschlägen eher nicht berührt sein wird. Angesichts seines geschäftlichen Umgangs wird man das wohl am ehesten als oligarchischen Sozialismus bezeichnen können.

Die Frage, was am Liberalen Forum eigentlich liberal sein soll, wird Heide Schmidt, die große Heimatlose der österreichischen Ideengeschichte, wohl auch nach zehn Jahren Grundlagenarbeit im „Institut für eine Offene Gesellschaft“ nicht beantworten wollen. Nach allem, was sie seit ihrem Damaskus-Erlebnis, seit der Bekehrung vom Haidertum zum liberalen Messianismus durch die Vermittlung des Apostels Heinz Fischer von sich gegeben hat, würde sie am sozialliberalen Flügel der SPÖ passable Figur machen. Als „liberal“ gilt dort alles, was man öffentlich sagen kann, ohne dass Künstler, Schriftsteller und Hans Rauscher sich öffentlich echauffieren.

„Liberal“ war eigentlich in diesem Land immer nur der Sammelbegriff für die roten und grünen Linken, die den Geruch der armen Leute nicht vertragen, für die Schwarzen, deren Ehen nicht gehalten haben und für die Blauen, die dazu in der Lage waren, ihr Bekenntnis zur deutschen Kulturnation in ganzen Sätzen vorzutragen.


Eine liberale Partei konnte es in der Zweiten Republik nicht geben, weil sich liberale Parteien historisch ausschließlich in Gesellschaften mit marktwirtschaftlicher Grundstruktur entwickelt haben. Eine marktwirtschaftliche Grundausrichtung aber gab es in Österreich zuletzt in der Zwischenkriegszeit. Bis dahin gab es auch ein liberales Bürgertum. Mit der Vertreibung und Ermordung der Juden wurde auch die Grundlage für die Entwicklung liberalen Gedankenguts und einer liberalen Partei auf Generationen hinaus zerstört. Als strukturellen Wall gegen eine Wiederkehr des liberalen Bürgertums errichtete man die Sozialpartnerschaft, die nichts anderes war als eine Kopie des Ständestaates unter Hinzufügung der 1934 entfernten Roten. Eine deutlichere Antithese zum Liberalismus lässt sich kaum denken. Der Liberalismus der Liberalen beschränkt sich vermutlich darauf, für ein Mandat bei der SPÖ Marktpreise bezahlt zu haben.


Heide Schmidts Antreten als Spitzenkandidatin des Liberalen Forums bei den Wahlen im September 2008 bestätigt, was Karl Marx, Hegel ironisch paraphrasierend, gesagt hat: Dass alle Ereignisse der Weltgeschichte zweimal auftreten, einmal als Tragödie und einmal als Farce. Das gilt im Übrigen für die komplette politische Szenerie dieses Sommers 2008. Man wird den Eindruck nicht los, dass Anton Zeilinger mit seinen Forschungen viel weiter ist, als er zugibt, und uns einfach um zehn Jahre zurückgebeamt hat: Eine auf allen Linien gescheiterte Große Koalition, die den Rechtspopulismus nach Kräften befördert, die allgemeine Erwartung einer Zersplitterung der Parteienlandschaft, die nach den Wahlen erst recht wieder nichts Anderes erwarten lässt als eine Große Koalition und eine mediale Öffentlichkeit, die vom Größenwahn eines alternden Zeitungsmagnaten dominiert wird.

Zehn Jahre später haben wir noch paar politische Obskuranten mehr, und zum alten Zeitungsnarren einen jungen dazu. Dass dieses Buchstabenrumpelstilzchen, von dem jeder weiß, dass es Fellner heißt, sein Machwerk „Österreich“ nennt, macht die Farce perfekt: Das „Neue Österreich“ war schon nach dem Krieg für die Konstruktion einer österreichischen Wirklichkeit verantwortlich, die direkt dort anschloss, wo man zehn Jahre früher aufgehört hatte. Langsam fügt sich das Bild zusammen: Faymann als Klima, Molterer als Schüssel, Van der Bellen, Haider, Schmidt.

Vor zehn Jahren hätte eigentlich die 2. Republik in einer Tragödie enden sollen. Sie tut es diesen Herbst als Farce.

Das passt einfach besser zu uns.


michael.fleischhacker@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.07.2008)

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143 Kommentare
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Gast: modestus
30.08.2008 14:38
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ich bin kein lif-wähler


un fühle mich nicht besonders angesprochen, aber dieser artikel ist wiedereinmal so schlecht und so entlarvend für fleischi, dass einem schlecht werden könnte.


K.S.
16.09.2008 16:28
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Re: ich bin kein lif-wähler

Das finde ich nun gar nicht!. Obwohl ich manche Chefredakteurskommentare kritisieren muss, dieser gefällt mir außerordentlich gut.Stimmt alles. Sehr treffend formuliert. Gratuliere!!

Helmut71
01.08.2008 10:16
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leider wieder mal Unsinn

Es ist unverständlich, wieso Herr Fleischhacker auf eine Kleinpartei hinhackt, die grade mal 5% erreichen wird. Eventuell ist sein Weltbild derart konservativ-hierachisch-katholisch, dass er gar nicht anders kann.

Nüchtern betrachtet, tut jedes neue politische Angebot Österreich derzeit gut. Man kann die Überschrift auch so umformulieren: die SPÖVP braucht kein Mensch. Verkrustete, ideenlose, überalterte Funktionärskader. Da hebt sich auch ein Dinkhauser, ein BZÖ mit Haider, ein LIF mit Heide und eine neue Linkspartei wohltuend ab.

Und nächste Woche wird Herr Fleichhacker wieder nach dem Mehrheitswahlrecht schreien :)

modestus
01.08.2008 12:35
0 0

Re: leider wieder mal Unsinn

herr fleischhacker ist in wahrheit ein ECHTER(!!!) liberaler, den solch nachgemacht-linkes-pseudoliberalentum stört.....nur homoehe und garantiertes mindesteinkommen ist nicht wirklich liberal.
wirtschaftsliberales gedankengut fehlt im linken forum total

kobold
31.07.2008 09:34
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Ein paar

Leute brauchen das LIF doch. Heide Schmidt zum Beispiel.

modestus
31.07.2008 12:13
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Re: Ein paar

wieso die schmidt???.....die hat doch das lesbische forum

sry, zu schnell abgeschickt! noch mal!

immer sagen alle: LIF geht nicht wegen des unauflösbaren widerspruchs: freie wirtschaft vs soziales schutzprinzip.
warum sollte man nicht den dialektischen 3-schritt denken: these wohlstand: freie wirtschaft soll wohlstand erzeugen. antithese: aber die schwachen müssen geschützt werden! synthese: LIF!
nennt sich auch: soziale marktwirtschaft. herrn F scheint entgangen zu sein, dass hinter dieser sehr wohl geistesschmalz wie realgeschichtliche erfolgserfahrungen stehen. es ist halt typisch für scharz/weiss-denker/maler, dass intelligente alternativen herabgewürdigt werden. allerdings: hätte man derartige wüste und inhaltsleere attacken eher in der krone vermutet...

immer sagen alle:

LIF geht nicht wegen des unauflösbaren widerspruchs: freie wirtschaft vs soziales schutzprinzip.
warum sollte man nicht den dialektischen 3-schritt: these wohlstand: relativ wirtschaft soll wohlstand erzeugen. antithese: aber die schachen müssen geschützt werde! synthese: LIF!
nennt sich auch: soziale marktwirtschaft. herrn F scheint entgangen zu sein, dass hinter dieser sehr wohl geistesschmalz wie realgeschichtliche erfolgserfahrungen stehen. es ist halt typisch für scharz/weiss-denker/maler, dass intelligente alternativen herabgewürdigt werden. allerdings: hätte man derartige wüste und inhaltsleere attacken eher in der krone vermutet...

freeman
28.07.2008 10:27
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Polemisch,

aber gut.

durendal
28.07.2008 10:15
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Schrullis, die die Welt nicht braucht...

Frau Schmidt und ihr Baumeister sind liberal - und die Erde ist eine Scheibe.....

Gast: re-publica
28.07.2008 10:02
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hut ab!

Hr. Fleischhacker - wieder einmal ein genialer Kommentar!

Kein anderer Journalist schreibt auf Ihrem Niveau. Und landauf, landab, besonders beim rosa Konkurrenzblatt schäumen die Journalisten vor Neid, weil sie nicht imstande sind derartig kurz, bündig, mit Witz und auf hohem Niveau Ihre Meinung wiederzugeben. Österreich kann dankbar sein, dass es Sie hat!

Antworten Gast: janosch83
05.09.2008 00:00
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Re: hut ab!

ihr sarkasmus ist viel humorvoller als der artikel des herrn fleischhacker, dieser ist eher lächerlich.

TU Student
28.07.2008 09:57
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Genial

Zusatz zu "Liberal als Sammelbegriff": Fuer jene Gruenen, die doch einmal arbeiten gegengen sind und sich ein eigenes Auto leisten konnten und dann darauf gekommen sind, dass dies doch bequemer als das Oeffi ist.

Inhaltlich: Das Problem ist, dass liberale Politik in Oesterreich einzig vom OEVP-Wirtschaftsbund vertreten wird und somit von einer eigentlich konservativen Partei umgesetzt wird. Das treibt mitunter seltsame Blueten, wie beispielsweise eine Homo-Ehe, wo man Betroffenen vorschreiben will, wann, wo und wie sie zu feiern haben; oder Studiengebuehren, die nur von "Besserverdienern" bezahlt werden muessen.

Dann wundert sich die VP, warum ihre Waehler zu hause bleiben - mich wundert das nicht. Bei dem Spagat, den die VP zu machen gedenkt, werden letztendlich alle Betroffenen auf den Arm genommen.


leokoller3
29.07.2008 00:43
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Re: Genial

Die OeVP ist wie ein Flugzeug, das Probleme beim Fliegen hat. Der Rumpf ist der Wirtschaftsbund, der liberale Grossteil. Der AAB ist der linke Fluegel, der Bauernbund der rechte, der Seniorenbund die Heckflosse. Vielleicht koennte man das Flugzeug, das eh nicht fliegt, in einen Autobus umwandeln, ohne Fluegeln und Heckflosse.

freeman
28.07.2008 10:32
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Das Problem der ÖVP ist ihre Struktur

Das Konzept der "Volkspartei" ist tot - es gibt keine gemeinsamen Interessen der in der ÖVP vertretenen Gruppen - ganz im Gegenteil, sie sind einander diametral entgegengesetzt.

Gruppen die aufgrund erfolgreicheren Lobbyings ihre Privillegien vermehren konnten (zB die Bürokraten und Betonköpfe rund um Neugebauer) bleiben wegen Erfolgs dabei, andere, zu deren Lasten die Privillegien gehen, verschwinden zu anderen Gruppierungen.

Die katholische Kirche - ursprünglich der "Kitt" dieses Konstrukts, kämpft selbst ums ideologische Überleben.

So gesehen wäre Platz für eine liberale Partei in Österreich, leider ist das LIF keine.


Re: Das Problem der ÖVP ist ihre Struktur

Richtige Analyse! Derzeit agieren der Beamten-Neugebauer ÖAAB gemeinsam mit dem Bauernbund, der maximal 5% der Bevölkerung vertritt. Langsam kommen die Zahler dieses Systems nun drauf, daß sie völlig verschaukelt werden......

mmn ein äusserst geschmackloser und undurchdachter...

...rein auf ein paar wortzusammenstoppelungen hirnfixierter artikel, der alles wesentliche übersieht: dass die frage freiheit vs bevormundung eine wichtige und eine ideengeschichtlich zentrale ist, und dass ein wirtschaftssozialistischer liberalismus eine interessante alternative anbieten kann, scheint der kurzsichtigkeit des autors zum opfer gefallen zu sein.

einfach nur peinlich, fast in der nähe hasserfüllten geschwätzes...

Antworten Gast: Oberkellner
28.07.2008 13:58
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Re: mmn ein äusserst geschmackloser und undurchdachter...

Da haben der Herr wohl im Kofieshop probiert, aber nicht im Philosophiecafe.

schuster(kellner)...

...bleib bei deinem leisten und schreib in der krone oder so: der ewig öde kotz-witz mit der drogenunterstellung: lachste/grinste noch immer über den uraltantischmäh? wie oft haste ihn schon gemacht? schreibste irgendwas anderes als die billige dünne melange?

beleidigen statt argumentieren! bitte nicht in der presse! kein wunder, dass dir der F-artikel gefällt!

K.S.
16.09.2008 16:37
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Re: schuster(kellner)...

Es ist unglaublich welche doofen Leute es gibt! Und wenn sie mal auf die Schaufel genommen werden, dann sind sie sauer.,gell philosophiecafekelner.at??

leokoller3
29.07.2008 00:25
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Re: schuster(kellner)...

"billige dünne melange?"

Ihr "wirtschaftssozialistischer liberalismus" ist diese "billige dünne melange". Einen bloederen Ausdruck hab ich mein Leben lang noch nie gehoert, nicht einmal von einem Politiker. Haben Sie den im Kaffeesud gelesen? Hat Ihnen vielleicht der Oberkellner im philosophiecafe etwas in den Kaffee gestreut?

Ihre ausdrucksweise...

...entspricht in etwa dem niveau Ihrer denke. wenn Sie etwas nicht verstehen (das wird wohl öfter der fall sein) oder Sie - das wird sich selbst für Sie gelegentlich nicht vermeiden lassen - mal über was neues stolpern, beschimpfen Sie es einfach. so kann man für sich selbst auch den glauben an die eigene unfehlbarkeit aufrecht erhalten.

kein weiterer kommentar (erwünscht)

TU Student
28.07.2008 09:40
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Uebersetzung "wirtschaftssozialistisch"

Ein jeder Depp soll machen was er will, aber wenn er mit seinen Ideen scheitert, sollte ihn die Allgemeinheit durchfuettern.

Wo ist der Unterschied zu den Rot/Gruenen Traeumereien?

freiheit hat eben sehr wohl was mit risiko zu tun...

oder soll jeder daheim sitzen und schauen, dass er irgendwo in staatsnähe unterkommt? freiheit heisst etwas unternehmen (statt unterlassen) und das risiko des scheiterns einzugehen. und ja: es kann nicht jedes experiment erfolgreich sein! die, die scheitern haben immerhin den mut gehabt, es zu probieren. diese sollen dann sehr wohl sozial/wirtschaftlich "aufgefangen" werden wie alle menschen! oder bist du für die abschaffung des sozialen auffangnetzes? andererseits: wenn ers schafft, profitiert das gesamtsystem davon. was ist dagegen zu sagen?

Gast: Clint Eastwood
27.07.2008 18:33
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Liberale

sind nur gegenüber Liberalen liberal.

modestus
27.07.2008 17:44
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was liberal ist

.....weis jeder anders...

im grunde ist liberal das salz in der suppe.
aber salz für sich ist nicht nur ungeniessbar, sondern auch giftig und in grösseren mengen todbringend....

das herr dr. stöckl ist meine interpretation.
deswegen hat eine rein liberale partei auch keine chance

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