11.02.2012 18:34 | Meine Presse Merkliste0

Wir kapitulieren nicht

Michael Fleischhacker (Die Presse)

Ausländerfrage und Sozialstaatsdebatte zeigen: Die politisch Korrekten sind verrückt. Menschen wie Thilo Sarrazin helfen ihnen dabei, ihre Wirklichkeitswahrnehmung zurechtzurücken.

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Thilo Sarrazin, Vorstand der Deutschen Bundesbank, hat die Zuständigkeit für den Bargeldumlauf verloren (das Risikocontrolling „gehört“ ihm noch). Das war die ziemlich austriakisch anmutende „Strafe“ seiner Kollegen dafür, dass er in einem Interview mit dem Kulturmagazin „Lettre International“ böse Sachen gesagt hat. Über Berlin und seine Ausländer, vor allem Türken und Araber.

Seine Maledizien über die Produktion von Kopftuchmädchen und Gemüse sind ja inzwischen allseits beliebt und bekannt. Eine Kurzzusammenfassung der bisherigen Sarrazin-Debatte würde lauten: Er hat ziemlich sicher mit ziemlich allem recht, aber so sagt man das nicht. Das erbost naturgemäß alle, die von der Political Correctness die Nase voll haben. Weil die alles mit dem Verdacht des Rassismus belegt, was auch nur einigermaßen nach Klartext klingt. Zugleich geht es denen zu weit, die wirklich politisch korrekt sein wollen: Die glauben nämlich, dass alle Menschen, vor allem solche mit Migrationshintergrund, gut sind. Und nur darunter leiden, dass sie in Berlin, Wien und London nicht ausreichend als Bereicherung gewürdigt werden. Die sagen: Sarrazin hat nicht recht, und das sieht man daran, wie er es sagt.

Nun, sie irren. Sarrazin hat nicht nur inhaltlich recht. Er hat es auch genau so gesagt, wie man es sagen muss. Sowohl in der Ausländerfrage als auch in der Sozialstaatsdebatte (und die hängen bekanntlich über die Einwanderung ins Sozialsystem eng zusammen) hat ja nicht nur das deutsch-österreichische Sozialingenieurswesen versagt. Totalschaden haben vor allem die sprachlichen Vehikel der Sozialmechaniker erlitten: Mit ihrem Schlingerkurs an den traurigen Tatsachen vorbei haben die Chauffeure der politischen Korrektheit den Diskussionskarren an die Wand fahren lassen. Es glaubt ihnen niemand mehr. Weil es inzwischen kaum noch jemanden gibt, dessen persönliche Erfahrungen der sozialen Situation mit deren politisch korrekter Beschreibung übereinstimmen. Und das kann für jemanden, der sich nicht selbst für verrückt hält, nur bedeuten, dass die politisch Korrekten verrückt sind.

Sie sind es auch, im wahrsten Sinn des Wortes: Der Kampf um ihr Anliegen, das man nicht denunzieren darf, hat ihre Wirklichkeitswahrnehmung verrückt. Menschen wie Thilo Sarrazin, die keine politische Agenda haben, sind dazu da, diese Wahrnehmung zurechtzurücken: Ungefähr so, wie er über Türken und Araber spricht, sprechen türkische Schüler – wenn sie einigermaßen gut erzogen sind – über ihre österreichischen Lehrerinnen. Was Thilo Sarrazin sagt, verstehen sie. Würde man auf diese Klarheit verzichten aus Angst davor, dass die Angesprochenen dann noch zorniger würden, wäre wahr geworden, was Henryk M. Broder uns prophezeit hat:

„Hurra, wir kapitulieren.“

Und das sollten wir nicht. Nicht vor integrationsunwilligen Ausländern, nicht vor der Moralkeule der politisch Korrekten und nicht vor ehemaligen Neonazis.

michael.fleischhacker@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.10.2009)

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107 Kommentare
 
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luda2010
17.10.2010 19:24
0 0

Mutig

sieht man bei Österreichern selten, jenseits von strache und co natürlich.

obwohl ich Sarrazin nicht treffsicher finde. er verkennt manchmal das problem. integration wird durch massenzuwanderung erschwert. Quantität ist das problem

Gast: achatuk
03.11.2009 07:38
0 0

Menschenbild

ich denke es geht eher um ein allgemeines Menschenbild, das hier schiefliegt.

Wie getreu der Linie muss man denn sein, damit man integriert ist?

z.B.
In Deutschland ist Homeschooling noch nicht mal möglich, wenn die Familie seit Generationen ansässig ist und bis zu diesem Punkt angesehen, und beliebt war. Sofort steht man auch in anderen Bereichen außerhalb der Gesellschaft. Für die uninformierte Mehrheit ist es verständlich, wenn man dafür ausgeschlossen und vom Staat ruiniert, einem das Sorgerecht für die Kinder entzogen wird. Alle prüfende Beteiligte, selbst nach mehreren Monaten täglichen Umgangs, können sich am Umgang mit den Kindern erfreuen und ihr Wissen schätzen. All das spielt keine Rolle. Es wird schneller durchgegriffen als in Fällen der Verwahrlosung.

Es gibt es viele Familien, denen es in D so geht. Und es gibt bestimmt andere Bereiche, wo es ähnlich ungerecht zugeht, in allen Ländern.

Da trifft aus aufgeklärter, nicht deutscher Sicht, nichts zu, was Ausländern von vornherein zur Last gelegt wird.

Wie soll jemand, der aufgrund seiner bisherigen Erfahrungen, einen anderen Standpunkt hat, auch wenn er humanistisch und demokratisch eingestellt ist, eine gleiche Chance auf Auseinandersetzung haben?
Von allen Nachbarn kann man nicht erwarten, dass sie es tolerieren, geschweige denn gut finden. Religiöse, politische und wirtschaftliche Entscheider und Informierer sollten schon einen besseren Überblick haben und eine differenziertere Meinung artikulieren können

Gast: Gast
22.10.2009 17:28
0 2

Wie haben Sie es zum Chefredakteur geschafft?

Sehr geehrter Herr Fleischhacker,

Verallgemeinerung ist ja grundsätzlich ist Spezialgebiet. Aber wenn Sie glauben mit Ihrer Kriegsrethorik die Integration in diesem Land vorantreiben zu können, dann irren sie. Vieleher stellt sich die Frage wie Sie Chefredakteur geworden sind? Denn ein guter Journalist verallgemeinert nicht, sondern schreibt differenzierte Beiträge.

Auch das Cover-Foto der "Presse am Sonntag" ist einer Qualitätszeitung nicht würdig. Haben denn die türkisch-stämmigen Supermarkt-Mitarbeiter gewußt wofür sie herhalten? Wahrscheinlich nicht!
Das sind Tricks mit denen normalerweise der Boulevard arbeitet und daher eine Schande für die Presse!

Gast: Leo
22.10.2009 00:59
3 0

100 % das Problem richtig beschrieben, ABER

.. Ein ausgezeichneter Artikel, der das Problem absolut richtig beschreibt und der Zustimmung von mehr als 90 % der Bevölkerung sicher sein kann.

ABER: es wird wohl bei der Beschreibung des Problems bleiben müssen, denn der angeführten Entwicklung ist durch nichts mehr beizukommen. Die Weichen können nicht mehr anders gestellt werden. Dafür ist es sicher mehr als 10 Jahre zu spät. Damit wird man sich abfinden müssen, denn alleine die unterschiedlichen Geburtenraten führen zu einer rasanten Änderung der Gesellschaftsstruktur und die rasche Asubreitung des Islam wird in Österreich auch in Politik und Rechtsbestand Änderungen erfahren. Nicht anders wäre es in einer demokratischen Rechtsordnung möglich. Mehrheiten bestimmen Staat und Justiz.

Es wird sicher aufgefallen sein, daß zB bei der letzten Arbeiterkammerwahl in Wien von 12 wahlwerbenden Gruppen 5 rein türkisch waren, was untermauert, daß man einen separaten und eigenen (moslemischen) Weg gehen will und nicht in den bestehenden Parteien und wahlwerbenden Gruppen mitgestalten will.

Nicht erst unsere Kinder werden eine grundlegende Änderung unserer Gesellschaft und und unseres sozialen Lebens erleben.


Gast: Volker
20.10.2009 16:09
1 0

Danke Michi!

Lieber Michi!

Vielen Dank für diesen Artikel.
Treffender kann man es nicht kommentieren.
Dieser Artikel gibt mir Mut und sollte auch dazu beitragen, eine entsprechende Wende in der Berichterstattung über das heikle Thema "Integration von Integrationsunwilligen" einzuleiten.

Danke und bitte noch viel viel mehr Artikel dieser Art.

liebe Grüße aus XXXXXXXX

Volker

leokoller3
20.10.2009 00:48
1 0

Hr. Fleischhacker

Sehr erfreulich, dass Sie sich auf die Seite des Sarrazin stellen. Vielleicht sollten Sie in Zukunft auch mal Ihre eigene Meinung kundtun, statt immer nur andere zu Kommentieren.

Gast: Steinar
19.10.2009 23:17
0 0

bundesverdienstkreuz für Fleischhacker!

sie spielen nicht zufällig mit dem gedanken in die politik zu gehen? ;)
die BRD brauch leute wie broder, fleischhauer und sie!

hier muss irgendwo ein nest sein!
scheinbar rufen die links grünen realitätsverweigerer auf ihren blogs zum kollektiven bestürzt sein auf..


Gast: Welcome Service
19.10.2009 21:38
0 10

Qualitätszeitung ?

Sg. Herr Fleischhacker! Aufgabe einer verantwortungsbewussten Zeitung ist es, die Leserin und den Leser zu belehren und zu erziehen. Einfach nur das zu schreiben, was die Leserin bzw. der Leser lesen will, ist primitiv und in Österreich der Kronenzeitung vorbehalten. Bitte schreiben Sie lieber,wie man die Integration verbessen könnte, z.B. dadurch, dass man für die Immigrantinnen und Immigranten und für die Asylantinnen und Asylanten Arneitsplätze und Wohungen bereitstellt und dass Integration keine Einbahnstraße sein kann, dass sich vielmehr auch die Österreicherinnen und die Österreicher an die neuen Mitbürgerinnen und Mitbürger anpassen und zumindest Basiskenntnissehaben der neuen Sprachen erwerben sollten. Mit dem Wegfall der Sprachbarrieren würden dann auch gewisse "Kulturinseln" nicht mehr so störend empfunden werden. So müssen Sie schreiben, Herr Chefredaktuer!

Antworten Gast: Antonia
26.10.2009 15:23
0 0

Re: Qualitätszeitung ?

Sie müssen schon "ACHTUNG IRONIE" voranstellen, sonst ...

Antworten Gast: Kaktus
21.10.2009 23:15
0 0

Mit dem Wegfall der Sprachbarrieren würden dann auch gewisse "Kulturinseln" nicht mehr so störend empfunden werden.

Ich vermisse hier Ihre Basiskenntnisse auf Tschetschenisch, Türkisch, Kurdisch, Albanisch, Russisch, Rumänisch usw.

Antworten Aufklärer
20.10.2009 14:25
2 0

Re: Qualitätszeitung ?

Liebe/r WelcomeIn Service od. Welcome ServiceIn od. WelcomeIn ServiceIn,
ich lasse mich von einer Zeitung weder belehren und schon gar nicht erziehen (dazu hatte ich meine Eltern)! Geht es Ihnen wirklich gut, dass Sie so einen Standpunkt vertreten?
Hier meiner: Eine Zeitung soll objektiv berichten, meinetwegen Dinge analysieren; aber den Rest schaffen MEINE grauen Zellen.

Antworten Gerald
20.10.2009 11:16
2 0

Re: Qualitätszeitung ?

Bitte wie? Die Aufgabe einer Zeitung ist es keinesfalls zu belehren und zu erziehen, sondern möglichst objektiv zu berichten!

Für Sie wäre wohl die kommunistische Prawda die richtige Zeitung.

Antworten Gast: Asterix
20.10.2009 08:41
0 0

Re: Qualitätszeitung ?

Wichtiger Tipp für Sie: Bevor Sie sich Basiskenntnisse anderer Sprachen aneignen wollen, bitte vorerst bloß zum Deutschkurs anmelden!

5 0

Re: Qualitätszeitung ?

AH
wo lassen behandeln?
eventuell sollten Sie um eine Umstellung Ihrer Medikamente ansuchen.
Ich lebe im Ausland in einem komplett anderen Kulturkreis und dies seit langen Jahren, aber dass sich meinetwegen ein Land mir anpassen muss das hab ich mich noch nicht getraut zu verlangen.
Wenn ich mal irgendwo in Unkenntnis mal anecke dann ersuche ich um Verstaendnis und versuche es das naechste mal anders sprich besser zu machen. So sollteman es eventuel machen.

Gast: Asterix
19.10.2009 19:59
2 0

Bravo, bravissimo!

Zum Fleischhacker-Fan mutiert, muss ich erneut wieder einmal den Hut vor dem Chefredakteur ziehen. Nicht nur wegen der inhaltlichen Brillanz, sondern vor allem auch wegen des Mutes in der Sprache, die Dinge ungeschönt beim Namen zu nennen. Wie erfrischend heben sich seine Kommentare von denen der österreichischen Lohnschreiber in den Einheitsredaktionsstuben der gleichgeschalteten Medienlandschaft - pardon: -wüste - ab!
Fleischhackers Kommentare - immer wieder ein freude- und hoffnunggebender Lichtblick!

Bravo, Gratulation, Respekt!

Nur Lebendige schwimmen gegen den Strom, mit dem Strom schwimmen auch Wasserleichen!


Gast: leoGutmensch
19.10.2009 18:43
0 8

Fleischhackers Parallelwelt II

Vielleicht hat Fleischhacker es in seiner derart abgegrenzten Parallelwelt auch schwer, sein linkes Feindbild richtig einzuschätzen: Beim Lesen dieser Seite bekommt man jedenfalls den Eindruck, die Bundeskanzlerin wäre eine Grüne, die Krone würde für die Entkriminalisierung der Schlepper schreiben, das Innenministerium würde Haftstrafen für Menschen überlegen, die „Neger“ sagen.
Menschen die diesem linken Feindbild entsprechen arbeiten hingegen oft mit der „Unterschicht“ oder im Migrationsbereich, kennen deren Probleme, deren legale und illegale Wege, zu Geld zu kommen am Besten. Sie verteidigen ihr „fleißiges und integrationswilliges Humankapital“ gegen den rotschwarzen Kanzler, der die Ideen seiner Fremdengesetzgebung von blau holt, gegen die Stimmung der Krone, und einem Innenministerium, welches traumatisierte und minderjährige Menschen in Schubhaft steckt.

Gast: leo Gutmensch
19.10.2009 18:39
0 7

Fleischhackers Parallelwelt

Sarrazin’s Sicht der Welt ist die des Bankvorstands oder Ökonoms, wie es in Lehrbüchern stehen könnte – er sieht alles in (monetär) messbaren Größen. Nicht Menschen, Humankapital. Der Wert des Menschen misst sich an seiner Bildung und Arbeitsleistung. Weiters ist Sarrazin ein strenger Befürworter der weltpolitisch entstandenen Schieflage: Die Unterschicht-Menschen ohne Bildung sollen billige Produktionsarbeit machen, irgendwo auf der Welt, nicht im schönen Berlin (oder Europa), welches der Elite vorbehalten werden soll. Globaler Ausgleich ist nicht erwünscht, Berlin-interne Integration auch nur dann, wenn Fleiß und Fähigkeiten ausreichen, sich der Elite anzuschließen. Die Unterschicht in Berlin (Europa) muss zwar nicht deportiert werden, soll aber keine staatlichen Sozialleistungen mehr bekommen und sich „auswachsen“ – Sozialdarwinismus light.
Michael Fleischacker hat sich in der Sonntagspresse am Titelblatt als Sarrazin – Fan geoutet, er teilt offenbar dessen Sicht. Wer sie nicht teilt, ist seiner Ansicht nach verrückt, weil er sonst selbst verrückt sein müsste. Streng polares Denken also, in Fleischhackers Parallelwelt.

Antworten Gast: schlÄchter
20.10.2009 14:04
3 0

Re: Fleischhackers Parallelwelt

sg herr leo!

weder sarrazin noch herr fleischhacker bedürfen meiner verteidigung, dennoch eraube ich mir eine kurzreplik:

ihre kritik am "sozialdarwinismus" ist prinzipiell nicht falsch. es ist in der tat so, dass von "rechter seite" ausbeutungsgedanken - neue heloten müssen her, da die hiesigen zu organisiert/abgesichert sind - gepflegt werden. da ist in handlungsbedarf:.
ein ganz anders aber leider hand in hand gehendes thema ist die völlige ignoranz von ihresgleichen (gutmensch)+ihrer "linken" genossen hinsichtlich der inkompatibilität von versch. kulturen und der prägung die damit bei menschen verbunden ist.
sie huldigen in unverantwortlicher weise immer noch einem überheblichen einheitsmenschenbild, geben immer noch der materialsictischen prägung den vorrang, negieren religiöse+ethnische aspekte, verschanzen sich hinter einer falschverstandenen "humanität" ausgehend von der überheblichen einschätzung hinsichtliche des "edlen wilden" den sie beschützen und bewahren müssen.
dabei setzen sie sich ins boot mit den modernen mafiösen ausbeutern, wenn sie das asylrecht helfen zu pervertieren (masseneinwanderung v wirtschaftsflüchtlingen + asyllage 1945/46 mit der heutigen immer noch gleichsetzen). diesbezüglich sind gutmenschen daher in der tat von der realität entrückt, in ihrem quasireligiösen "gutsein" auch verrückt.
auch ich habe täglich mit migranten und menschen zu tun die migrationsbelastet sind und die erleben genau das was im leitkommentar steht.
mfg
s.

Antworten Antworten Gast: LeoGutmensch
21.10.2009 10:28
0 1

Re: Re: Fleischhackers Parallelwelt

Ihre Welt (sowie Sarrazins und Fleischhackers) ist so "parallel" zu meiner, daß wahrscheinlich gar keine Kommunikation möglich ist.
Der Mythos, daß die Linke vom "edlen Wilden" träumt, wird in euer Welt gepflegt, nicht in unserer. Der Mythos etnsteht viellecht dadurch, daß wir linke gegen ein (real vorhandens) Bild ankämpfen, in dem jeder fremde ein verbrecher ist.
Die Realitätsverweigerung aus eurer Welt sehen wir darin, daß ihr keine Vorstellung davon habt, wie ein Asylwerber in ö zu leben hat. Daß ihr die weltpolitische Schieflage und den damit verbunden Migrationsdruck schlicht negiert, usw.Ihre Welt (sowie Sarrazins und Fleischhackers) ist so "parallel" zu meiner, daß wahrscheinlich gar keine Kommunikation möglich ist.
Der Mythos, daß die Linke vom "edlen Wilden" träumt, wird in euer Welt gepflegt, nicht in unserer. Der Mythos etnsteht viellecht dadurch, daß wir linke gegen ein (real vorhandens) Bild ankämpfen, in dem jeder fremde ein verbrecher ist.
Die Realitätsverweigerung aus eurer Welt sehen wir darin, daß ihr keine Vorstellung davon habt, wie ein Asylwerber in ö zu leben hat. Daß ihr die weltpolitische Schieflage und den damit verbunden Migrationsdruck schlicht negiert, usw.

Antworten Antworten Antworten Gast: schlÄchter
21.10.2009 15:09
1 0

Re: Re: Re: Fleischhackers Parallelwelt

sg herr leo!

ihre empathie für asylwerber in ehren, auch ihr eintreten gegen "sozialdarwinismus" - ich nenne es lieber moderne sklaverei.
ob sie mirs glauben oder nicht, da haben sie auch verbündete auf "rechter" seite. sie habenkein monopol auf empathie oder das wissen wie ein asylwerber sich fühlt und wie er lebt.

ich vermag nicht zu verstehen - und da liegt mein unverständnis ihrem "linken" standpunkt gegenüber - dass sie an utopien festhalten, ihre gedankenwelt und forderungen an unerfüllbaren zielen festmachen und dadurch immer mehr unheil anrichten.
ihre ideen eines gerechten ausgleiches-einer abschaffung der schieflage setzt mmn folgende utopien voraus:
alle menschen müssten dassekbe menschenbild haben, alle müssten die selbe vorstellung von gerechtigkeit haben, alle müssten geschlossen gegen abweichler stehen.
und das - lieber herr leo - das gibt es nicht, das ist eben utopisch - und mmn überheblich, da man sich selbst zur maßfigur hochstilisiert.

"wenn alle..." das gibts nicht, genauso wie im besten rechtsstaat nicht gerecht sondern eben nur recht gesprochen werden kann.
wir menschen sind nicht perfekt und sie könen andere auch nicht zur perfektion zwingen! die religionsgründer haben das schon vor langer zeit erkannt.

völlig utopische ansätze, und da bin ich bei herrn sarrazin und fleischhacker, sind verrückt ;-)

ich werd sie nicht überzeugen, das ist auch egal - wünsche ihnen jedenfalls noch einen
schönen tag
s.


Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: LeoGutmensch
22.10.2009 09:54
0 0

Re: Re: Re: Re: Fleischhackers Parallelwelt

s.g. herr s.,
warum sollen utopien unheil anrichten? wenn aus dem ist-zustand der soll-zustand abgeleitet wird, ist kein gesellschaftlicher fortschritt möglich, oder?
hab grad auf wikipedia gute artikel dazu gefunden, wenn es Sie interessiert: humes gesetz, biologismus, (und verlinkungen). Wenn Sie moderne sklaverei sehen und empathie empfinden, vielleicht ist doch nicht alles verloren :)
grüße, leo

Gast: paradigmenwechsel
19.10.2009 16:20
0 5

von Kapitulation zu reden ist Kriegsrhetorik...

und genau das ist das Problem dieses Kommentars; genau das brauchen wir in dieser Debatte nicht. Sehr wohl brauchen wir eine faktenorientierte Diskussion, die etwa folgendes berücksichtigt:
1. etwa 1,4 Millionen Menschen in Österreich haben laut Statistik Austria Migrationshintergrund. Daher wäre es sinnvoll, Österreich klar als Einwanderungsland zu sehen.
2. Moralische Etikettierung wie "gut" und "böse" lassen sich nicht in einfacher Weise auf bestimmte Gruppen beziehen; wenn man gut und böse in der Sprache der Menschenrechte sieht, dann heißt dies, dass etwa Zwangsverheiratung ebenso "böse" im Sinne einer Menschenrechtsverletzung ist wie Diskriminierungden aufgrund der Hautfarbe; d.h. nur eine differenzierte und differenzierende moralische Sprache bringt uns weiter.
3. Angesichts der globalisierten Welt wird es uns allen nicht erspart bleiben, introspektiv althergebrachte Vorurteile etc. bei uns selbst anzuschauen. Dies ist schmerzhaft, aber unumgänglich.
4. Die soziologische Betrachtungsweise weist drei Stadien der Entwicklung der Intergrationsdebatte aus: 1. Verleugnung, 2. Konflikt 3. Adaption. Wir befinden uns derzeit wahrscheinlich in Phase 2 und der Kommentar Fleischhackers ist ein Zeugnis dafür. Wie lange die Konfliktphase dauert, hängt u.a. von der Lernbereitschaft von Chefkommentatoren ab.
5. Das Buch "Menschenrechte in der Einwanderungsgesellschaft" von Heiner Bielfeld bietet z.b. jenen differenzierten Blick, den es braucht.

1 0

Re: von Kapitulation zu reden ist Kriegsrhetorik...

Der von Ihnen erwähnte Heiner Bielefeld, Prof. für Menschenrechte an der Uni Erlangen-Nürnberg, war am Sonntagabend zu Gast bei Anne Will in der ARD.
Er hat außer gutmenschlich zu säuseln, nichts Konstruktives beitragen können.

Die auch eingeladene Güner Balci, eine junge Frau, ausgezeichnet Deutsch sprechend, Autorin, Journalistin, früher Sozialarbeiterin, mit türkischem Hintergrund, in D geboren, sich als Deutsche fühlend (!), hat die Gruppe der Migranten kritisiert, die eben n i c h t s für ihre eigene Integration in die Gesellschaft tut. Die Migranten müssen schon w o l l e n!!

D i e s e junge Frau sehe ich als Musterbeispiel für gelungene Integration!

Antworten Antworten Gast: schlÄchter
20.10.2009 16:50
1 0

Re: Re: von Kapitulation zu reden ist Kriegsrhetorik...

sg frau albrecht!
so sehe ichs auch - frau güner balci oder die auch hier das forum mit sehr gelungenen kommentaren bereichernde leserin "türkin" sprechen die probleme bemerkenswert ehgrlich und offen an, sind mmn wirkliche bereicherungen - um nochmals diesen begriff zu verwenden - für undere gesellschaft, unser zusammenleben.

mfg
s.

Gast: herr klamm
19.10.2009 14:11
1 7

lieber herr fleichhacker

offensichtlich haben Sie wenig ahnung von der interkulturellen realität in deutschen ballungsgebieten, in denen das integrationsbild, das türken und araber bieten, weder homogen ist, noch sich auf kopftuchmädchen und gemüsehändler reduzieren lässt.

das weiss auch thilo sarrazin, dem dieses ansonsten durchaus kluge interview schlicht und einfach entgleist ist - wie es ihm schon als berliner finanzsenator immer wieder passiert ist. thilo sarrazin ist ein intelligenter fachmann, aber ein miserabler kommunikator. das erliest sich auch gut aus dem rest des interviews: http://jove.prohosting.com/bonnmm/div/LETTRE-INTERNATIONAL-Thilo-Sarrazin/

ich bin das, was Sie wahrscheinlich einen politisch korrekten gutmenschen bezeichnen würden, finde aber, dass sarrazin seinen finger durchaus in existierende wunden legt. ich (wie alle gutmenschen, die ich kenne, und ich kenne einige) glaube auch nicht, dass alle migranten gut sind. wir wissen, dass in der integration (von allen seiten) viel schiefgelaufen ist und handlungsbedarf besteht. dafür bedarf es aber einer differenzierten diskussion, zu der ihr artikel genau gar nichts beiträgt.

das sarrazin-interview hilft vielleicht, diese diskussion nicht einschlafen zu lassen. Sie jedoch provozieren lau in dessen windschatten. Sie wollen nicht die realität analysieren, sondern nur Ihre vorurteile bestätigt wissen.

wir alle wollen ein integratives zusammenleben und verständnis verbessern. artikel wie diese bewirken jedoch genau das gegenteil.

1 0

Re: lieber herr fleichhacker

Recht herzlichen Dank für Ihren Link zum Sarrazin-Interview! Dieser Mann hat sich über die Zukunft Berlins wirklich Gedanken gemacht - und dafür wird er jetzt von Seiten der "politisch Korrekten" nach Strich und Faden abgewatscht! Als ob DAS was an den real existierenden gesellschaftsolitischen Problemen etwas ändern würde! In meinen Augen basiert die notorische Integrationsunwilligkeit von Türken und Arabern primär auf deren religiös-kulturell-traditionellen Hintergrund. So verhungern sie quasi vor der vollen Schüssel!

 
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