21.11.2009 17:29 | Meine Presse Merkliste0

Logik statt Twitter

MICHAEL FLEISCHHACKER (Die Presse)

Die Audimax-Demonstranten sind gute Österreicher. Sie verwechseln Chancengleichheit und Leistungsfreiheit.

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Studentenrevolten sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren, werden sich die alten Kameraden denken, die in den 60er-Jahren die Welt im Allgemeinen und die Universitäten im Besonderen verbessern wollten. Die Mischung aus Flashmob-Party und Voodoo-Ideologie im Audimax der Uni Wien, die man als Internetnutzer in Echtzeit verfolgen konnte, hinterlässt einen ambivalenten Eindruck.

Da lassen sich zunächst wieder die Organisationsformen und -muster beobachten, die spätestens seit der iranischen „Twitter-Revolution“ als Musterbeispiele „wirklicher Demokratie“ gelten. Die etablierten Institutionen schauen in solchen Situationen ein wenig alt aus, diesfalls die Österreichische Hochschülerschaft (ÖH) als gesetzliche Interessenvertretung der Studierenden. Sie unterstützt das Ding irgendwie, scheint aber nicht zu wissen, was sie wollen soll. Die politischen Parteien wissen auch nicht, was sie mit der Sache anfangen sollen. Und dass Peter Pilz der Party einen Besuch abstattete, um zu versichern, dass er spätestens dann wieder da sein würde, wenn die Polizei versuchen sollte, das Audimax zu räumen, sagt auch mehr über den Zustand des Peter Pilz aus als über den Zustand der österreichischen Universitäten.

Um diesen Zustand geht es ja eigentlich bei den Protesten. Und der ist miserabel, da haben die selbst organisierten Studenten sicher recht. Allerdings gehen die Forderungen, die man aus dem Wust der basisdemokratischen Meinungsflut destillieren kann, an den wirklichen Problemen der österreichischen Universitäten meilenweit vorbei. Der alte Hut vom freien Hochschulzugang passt nicht mehr.


Schon vor zehn Jahren hat sich gezeigt, dass der österreichische Sonderweg in der Universitätspolitik am Ende der Sackgasse angekommen ist, in die man unter der Führung von Bruno Kreisky so stolz geschritten war. Die Idee, dass der freie Hochschulzugang großflächig „soziale Mobilität“ – also das Ende der „Vererbung“ akademischer Abschlüsse von einer Generation auf die andere – zur Folge haben würde, hat sich schon damals als Irrtum erwiesen. Statt für eine Chancenumverteilung zu sorgen, hat er ein System der Umverteilung von unten nach oben etabliert und zementiert: Es wurden weiter in erster Linie die Kinder von Akademikern Akademiker, nur wurden diese Abschlüsse nun nicht mehr von den Akademikerfamilien finanziert, sondern von der öffentlichen Hand. Also auch von den Eltern jener Jugendlichen, die weiterhin keinen akademischen Abschluss erwarben.

Hinter dieser Fehlentwicklung steckt ein prinzipieller Irrtum, der in Österreich zum gesellschaftspolitischen Common Sense geworden ist und nicht nur die Bildungspolitik, sondern auch die Sozialpolitik an den Rand der Unreformierbarkeit gebracht hat: die Verwechslung von Chancengleichheit und Leistungsfreiheit. Eine Gesellschaft, die ihre öffentlichen Zuwendungen nicht an Leistungskriterien bindet, schafft keine Chancengleichheit. Sie verhindert sie, indem sie Erfolgsaussichten an bereits vorhandene materielle Ressourcen bindet.


Die von der schwarz-blauen Regierung eingeführten Studiengebühren waren eine – funktionierende – Notlösung zur Reduktion der Studierendenzahlen und Erhöhung der Mittel. Das hätte die Möglichkeit geboten, im nächsten Schritt das einzig sinnvolle Universitätssystem zu etablieren: eine begrenzte, aber gut ausgestattete Zahl von Studienplätzen, die nach Leistungskriterien vergeben werden. Studiengebühren, die als Gegenleistung für verbesserte Zukunftschancen zu dieser Ausstattung beitragen und über umfangreiche Stipendienangebote soziale Selektion verhindern. Das schafft Chancengleichheit. Leistungsfreiheit hingegen führt nur dazu, dass die zu einem Abschluss gelangen, deren Eltern sich das Studium ihrer Kinder lange genug leisten können.

Man muss der schwarz-blauen Regierung vorwerfen, dass sie diese Chance nicht genutzt hat. Mit der Abschaffung der Studiengebühren in der Wahlgeschenksorgie vom 24. September 2008 ist aber auch der notdürftige Damm der Studiengebühren gebrochen. Wir stehen wieder dort, wo wir 2000 gestanden sind. Wissenschaftsminister Johannes Hahn tut so, als ob es mit der Wiedereinführung der Studiengebühren getan wäre. Er irrt. Sie könnten maximal die Atempause bringen, die sie schon 2000 gebracht haben. Vielleicht hofft er, dass das bald nicht mehr sein Problem ist.

Die protestierenden Studenten im Audimax schlagen zur Lösung ihres Problems die Maßnahmen vor, die es verursacht haben. Vielleicht wäre es schlauer, per SMS eine Logikvorlesung zu organisieren, als Uraltparolen zu twittern.


michael.fleischhacker@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.10.2009)

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103 Kommentare
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Gast: ...
14.11.2009 11:59
0 0

Sehr geehrter Herr Fleischhäcker

Das Problem an der ganzen Geschicht is halt, dass die Studiengebühren in erster Linie zum Stopfen von Budgetlöchern und nicht zur Finanzierung der Unis verwendet wurde.

Hinzu kamen noch durch die Autonomie bedingte zusätzliche Ausgaben (Mieten, MwST, Pensionen) welche sich nicht unerheblich auf das Budget niederschlagen. Viele dieser "Gebühren" geht auch mehr oder weniger auf direkten Wege an den Finanzminister retour (BIG - 100% im Staatseigentum). Die TU-Wien z.B. wendet 17% ihres Budgets nur für Mieten an die BIG auf - für marode Gebäude...

Gast: manuel
01.11.2009 22:34
0 0

Der Staat macht durch Studierende sogar Gewinn!

"Der Abschluss eines Studiums ist außerdem auch für den Staat ein gutes Geschäft: Österreich nimmt durch einen Akademiker um 37.586 Dollar (kaufkraftbereinigt) mehr ein, als er für dessen Studium ausgegeben hat (55.608)."

http://www.zukunftwissen.at/cms/zukunft-wissen/schule-und-bildung/service_volltext.html;jsessionid=aRNX3WU_kMZ6?level=1&id=CMS1252422406163
" target="_blank">http://www.zukunftwissen.at/cms/zukunft-wissen/schule-und-bildung/service_volltext.html;jsessionid=aRNX3WU_kMZ6?level=1&id=CMS1252422406163


Weiters bescheinigen Studien der OECD das die Zukunft Österreichs im Tertiärensektor liegt, eine Tatsache die selbst die Regierung erkannt hat! Wenn man also nicht will das die Arbeitslosigkeit in den nächsten Jahrzehnten erheblich steigt - z.B.: Aufgrund der Abwanderung der Produktion vieler Unternehmen in Billiglohnländer muss JETZT in Bildung investiert werden.
"Die OECD warnt zudem, dass die hohen Kosten für die Studenten eine "Entscheidung über eine weitere Bildungsteilnahme im Tertiärbereich äußerst schwierig" machen. Vor allem für Einkommensschwächere stehe oft "viel auf dem Spiel". " http://orf.at/090908-42325/?href=http%3A%2F%2Forf.at%2F090908-42325%2F42326txt_story.html
" target="_blank">http://orf.at/090908-42325/?href=http%3A%2F%2Forf.at%2F090908-42325%2F42326txt_story.html

Aus diesem Grund ist die Wiedereinführung von Studiengebühren nicht zielführend.

lb15
14.11.2009 09:08
0 0

Re: Der Staat macht durch Studierende sogar Gewinn!

Ja, aber sicher nicht mit dem unnötigen 937. Soziologen oder dem Tausendsten Architekten an der TU, weil es nur dort keine Aufnahmsprüfung gibt (an den Kunstakademien hingegen schon! Dort sind es auch nur 50 oder 60.

Antworten Antworten Gast: ...
14.11.2009 12:04
0 0

Re: Re: Der Staat macht durch Studierende sogar Gewinn!

Beschäftigen Sie sich bitte vorher eingehend mit Architektur bzw. mit den Architekturstudenten an der TU-Wien, bevor Sie solche unqualifizierten Meldungen wie mit dem 1000den Architekten (eine Zahl, welche übrigens bei genauer Betrachtung über die letzten 5 Jahre mehr oder weniger stabil ist...) von sich geben.

lb15
14.11.2009 15:21
0 0

Re: Re: Re: Der Staat macht durch Studierende sogar Gewinn!

Lieber Gast! Ihre Kritik geht ins Leere. Diese unqualifizierten Äußerungen über die fehlende Sinnhaftigkeit von 1000 Architekturanfängern an der TU Wien stammt von deren Rektor, Prof. Skalicky. Bitte wenden Sie sich an ihn. Ich habe die Zahl nicht erfunden.

Gast: sumi
31.10.2009 10:26
0 2

Sie sprechen uns aus der Seele

Wir haben es mittlerweile satt für die ohnehin gut verdienenden zu bezahlen. Der gestrige Beitrag in der ZIB 24 bezüglich der sozialschmarotzenden Studentenschaar gefolgt von der ernüchternden Meldung über eine Million Österreicher unter der Armutsgrenze, hat uns sehr mitgenommen. Die Studenten haben keine Ahnung was Armut bedeutet, denn sie sitzen im Warmen auf Kosten der kleinen Arbeiter und des Mittelstands. Wir dürfen ihre Parties finanzieren, während ein Achtel der Österreicher friert und hungert. Das ist schon lange nicht mehr sozial. Wir sind nicht für Twitter oder Facebook, aber gerne bereit bei einer Demonstration für mehr Chancengleichheit und echtes soziales Verhalten teilzunehmen. Und ich glaube da sind wir nicht die Einzigen.

Antworten Gast: Artischoke
04.11.2009 05:22
0 0

Re: Sie sprechen uns aus der Seele

http://1090.vienna.at/news/om:vienna:bezirk:1090/artikel/arme-studenten-die-haelfte-hat-zu-wenig-geld/cn/news-20091014-09542140

Klar gibts genug gstopfte Studenten, aber in meinem Bekanntenkreis leben die meisten von unter €700 netto pro Monat. Der wesentliche Unterschied zu vielen anderen unter der Armutsgrenze ist, dass die meisten Studenten später mehr verdienen werden.

Antworten Gast: manuel
01.11.2009 22:45
0 0

Re: Sie sprechen uns aus der Seele

Es gibt unter nicht studierten Personen ebensoviele schwarze Schafe die vom Arbeitslosengeld, Sozialhilfe leben und nebenbei Schwarzarbeit betreiben bzw. die Krankanstände zum Urlaub missbrauchen (siehe ÖBB und die daraus gefolgten Entwicklungen), und so dem Staat "auf der Tasche liegen". Trotzdem würde es mir NIE einfallen nicht studierte Personen kollektiv als Sozialschmarotzer zu bezeichnen!

Gast: A feine
27.10.2009 05:07
1 3

Klasse

Frei seit 1848!

Aus gegebenen Anlass stelle ich mir die Frage ist ihre Zeitung gegen die Zeit oder mit der Zeit gegangen. Sie reden von den 60-iger Jahren, haben sie diese miterlebt, ich zu meinem Teil habe diese nicht miterlebt. Schön dass sie so leistungsorientiert sind, die Meinung der alten Kameraden so auf einen Punkt reduzieren und damit den Keim der Chancengleichheit zur Betrachtungsweise der Lage anderer revolutionärer Kollegen vorwegzunehmen. Danke auch für ihren nostalgischen Rückblick und die fokussierte, pardon ich müsste an dieser Stelle wohl eher schreiben „ihrer wirkungsorientierten Analyse der Sinnhaftigkeit der Studentenbewegung“. Wenn sie von einer gerechten sozialen Selektion sprechen, so muss ich ihnen mitteilen da wo Barrieren auftreten verliert das Wort Gerechtigkeit seine Bedeutung, egal welches System angewendet wird. Um ihre Leistung über ihr verfasstes Kommentar zu bewerten, möchte ich festhalten die Zeit bzw. Geschwindigkeit in Anbetracht des Erscheinungstermin war gut, aber die Arbeit ihrer Recherche ist leider sehr dürftig. Da sich Leistung auf diese 2 Terme beschränkt, dürfte das Ergebnis wohl genügend für diese Gesellschaft aber für einen kleinen Teil nicht genügend lauten. Leider ist die Bemühung von Ihrer Seite die Vorgänge und den Sinn der Stundenproteste zu rationalisieren und auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen missglückt und anderen Denkansätzen stehen sie wohl etwas bieder gegenüber. Stichwort „bieder“ so hieß ja eine Zeitepoche, die sie mit ihrer Zeitung und Studenten beendet haben, Entschuldigung fällt mir gerade so ein, da ich noch ein wenig nostalgisch angehaucht bin durch ihren Artikel.

1 2

Soso...

Laut Fleischahcker gibt es also nur zwei Typen von Studenten: Entweder die ganz Reichen, für die Studiengebühren eh kein Problem sind und die ganz Armen, für die eh der Staat zahlt.
Aber wo ist hier die Mehrheit, der ARBEITENDEN Mittelschichts-Studenten, denen Papi mehr alles zahlt, aber die nicht genug (Studiengebühren) oder knapp zuviel (Abgabenpflichtig) verdienen?

Antworten Gast: anonymous coward
27.10.2009 12:04
3 0

Re: Soso...

"Hoechstverdienenden" bzw. die arbeitenden Mittelschichts-Studenten waeren doch auch bei den Leistungsstipendien dabei, oder? Somit verstehe ich ihr Problem nicht.

Die Auflagen der aktuellen Leistungsstipendien sind ambivalent: sinnlos geringe Mindeststundenanzahl pro Semester und gleichzeitig eine Beschraenkung auf Mindeststudiendauer+1 Semester. Macht absolut keinen Sinn.

Aber mir fiel schon auf, dasz Logik nicht gerade ihr Metier ist.

Gast: leuchstern
26.10.2009 22:56
1 1

parolen von gestern - einfallslosigkeit von heute

der heutige studienkörper kann gar nicht in der lage sein, etwas intelligentes hervorzubringen, leistungdruck und ökonomisierung des bildungssystems haben dazu geführt das wir nicht mehr wissen was wir tun, wir streiken ohne ziele. ein monotoner bildungsweg, der keine charakterbildung vorsieht.
wir sind wirklich nicht mehr was die 68er waren, denn wir haben keine zeit zum werden. die universitäten stellen sich einem wettbewerb, der studienkörper auch. wer nicht dem anforderungsprofil entspricht fällt durch das raster, praktika, sprachen, wissen, leistung.

Gast: wurzelkur
26.10.2009 20:54
2 1

Lösungen statt Feuerlöschen!

Herr Fleischhacker, in vielen Punkten haben sie völlig recht: Völlig freier Hochschulzugang ist sicher weder möglich noch realistisch (wenn man sich das genau überlegt, fordern die Studenten das ja auch nicht, die Matura braucht es ja weiterhin).

Der Kern der Sache ist jener: Österreich braucht gut ausgebildete Arbeitskräfte. Immer mehr Menschen möchten studieren. Fehlt nur noch eines: das liebe Geld.

Vorschlag von Minister Hahn: Studentenzahlen durch Studiengebühren reduzieren. Das wird a) nicht funktionieren (suchen sie mal einen Job mit Matura!) und ist b) keine Lösung, sondern sowas wie eine Schmerztabelle bei schwerer Erkrankung.

Was Österreich braucht ist eine Wurzelkur. Wir sollten froh sein, dass junge Leute studieren wollen und einen Beitrag leisten wollen! Verschließen wir uns nicht, geben wir die Mittel frei damit diese Herren und Damen einmal unser Sozialsystem erhalten! Investition in Bildung ist eine gute und sinnvolle Investition - in schon wenigen Jahren könnten wir die Früchte ernten!

Paul Katz
27.10.2009 18:39
0 1

Das wäre prima

wenn alle diese freien Zugänger auch abschließen würden. Das freier als anderswo zugängliche Studium in Österreich produziert aber eine der höchsten Abbrecherquoten.

Außerdem wollen diese Studenten , wie man hier lesen kann, ja nicht ökonomisiert werden und Anforderungsprofilen genügen.

Wird also wohl nichts mit dem Zurückgeben des in sie investierten, haben sie wohl auch gar nicht vor.

Antworten Antworten Gast: gast
28.10.2009 09:38
2 1

Re: Das wäre prima

man kann auch als studienabbrecher was werden - siehe fleischhacker.

Tom93
26.10.2009 11:20
2 3

ehrendoktor für fleischi!

wer sich so für die leistungsträger (ab einem gewissen einkommen) im allgemeinen und für die akademische elite im besonderen einsetzt, sollte nun auch endlich in zweitere aufgenommen werden! darum: EHRENDOKTOR FÜR FLEISCHHACKER JETZT! für seine besonderen verdienste im kampf gegen die teuflische massenuni wird m.f. die ehrendoktorwürde der uni wien verliehen! hätte es zu seiner zeit schon solche gebühren gegeben, statt von sozialistischer alles-ist-gratis-mentatlität verseuchte fakultäten voll mjit linkslinken, dann hätte er selber vielleichts ein studium auch beenden können. aufgrund der gnadenlosen unterdrückung des leistungsgedankens ("was nichts kostet ist nichts wert!") durch kreisky &co. konnte er das aber nicht, darum: her mit dem ehrendoktor!

Tom93
26.10.2009 10:30
1 2

fleischi so handzahm? hat das mit der medianalyse zu tun?

der herr chefredakteur versucht unter aufbietung aller kraft nicht seinem und dem instinkt seiner leserschaft hier nachzugeben. also keine forderung nach tränengas, gummiknüppel und schießbefehl, sondern ein mühsamst das eigene ressentiment zügelnder artikel, in dem ein bißchen verständnis für studenten geheuchelt wird. immerhin sind das ja potentielle leser, die die presse laut mediaanalyse ganz dringend bräuchte!

allerdings kommt der wahre fleischi natürlich doch durch: die studenten sind seiner meinung nach ein bißchen blöde, weil sie nicht FÜR studiengebühren eintreten, die die lösung aller probleme an der uni bedeutet, und an so nutzlosem firlefanz wie dem freien hochschulzugang festhalten wollen. schuld an allem sind diesmal nicht die 68er (vielleicht wieder nächste woche) sondern....kreisky! und der ist auch schuld an dieser umverteilung von unten nach oben, die in dieser zeitung immer gnadenlos bekämpft wird! danke für diesen ehrlichen artikel!

Tom93
26.10.2009 10:23
2 1

fleischhacker kann seine verachtung für die studenten kaum verbergen...

...die sind natürlich bestenfalls fehlgeleitete dummerchen, denen man mal erklären muß wie die welt funktioniert. und fleischi packt sofort die konservative allzweckwaffe gegen die uni-krise aus: STUDIENGEBÜHREN!!! die werden uns retten, standards wiederherstellen, es wird eine lust sein zu leben, alle studenten werden studieren können unter den weltbesten bedingungen.

für wie blöd hält der uns? das haben grasser&gehrer auch versprochen. der benachteiligten arbeiterklasse, für die das herz aller rechten zu schlagen anfängt, wenn sie als argument für die einführung von gebühren n unis herhalten muß, hat das allerdings auch nichts genutzt. den unis insgesamt schon gar nicht, aber wenn man so denkfaul ist wie fleischhacker, dann muß man halt mit den alten ladenhütern kommen, um die leitartikel-seite zu füllen.

Gast: Fabian M.
26.10.2009 09:22
0 3

Elitär statt egalitär (Teil 2)

Es ist absurd eine hervorragende und somit teure Ausbildung zu verlangen, aber gleichzeitig nichts dafür zahlen zu wollen.

Meiner Meinung nach sind folgende Punkte unerlässlich:

1) Wiedereinführen der Studiengebühren bei gleichzeitiger Vergabe höherer Stipendien für sozial schlechter gestellte Studenten und Vergabe von staatlich geförderten Studiums-Krediten.

Studiengebühren führen dazu, dass vorwiegend diejenigen Studieren, die es auch wirklich wollen, also fest dazu entschlossen sind und nicht jeder, der glücklicherweise ein Maturazeugnis „geschenkt bekommen hat“, aus purer Langeweile, oder fehlender Motivation einen Beruf zu ergreifen, auf die Idee kommt, irgendein Pseudostudium zu belegen.

2) Einführung von Zugangsbeschränkungen und Aufnahmetests. Sie könne mir liebend gern Arroganz vorwerfen, aber ich empfinde es als eine bodenlose Frechheit, wenn jeder dahergelaufene Vollidiot, auf Kosten der Allgemeinheit studieren kann was er will, nur um Jahre später, ohne jeglichen akademischen Erfolg dahinter zu kommen, dass es doch nicht „das Richtige“ war, daraufhin sein Studium abbricht und einen Beruf ergreift, den er auch schon vor drei Jahren ergreifen hätte können.

Ich fordere also eine Auslese nach Leistungskriterien anstatt einen freien Zugang für alle. Davon profitiert einerseits die Allgemeinheit, weil fähige Akademiker „produziert“ werden, andererseits die Studierenden selbst, da die Hörsäle nicht mehr mit faulen Taugenichts voll gestopft wären.

Tom93
26.10.2009 11:45
1 0

Re: Elitär statt egalitär - fabian ist weder das eine noch das andere...

...sie sind auch nicht bloß arrogant sondern wohl einer dieser von ihnen so freundlich apostrophierten "dahergelaufenen voll....", denn sie wollen nicht begreifen, dass wir nicht WENIGER sondern MEHR akademiker bräuchten. dass bildung ein hohes gut ist, das möglichst vielen menschen nahegebracht werden sollte, das ist ja sowieso schon zu hoch für sie, wenns nach ihnen ginge reicht wohl das alphabet aus, und alles über vier jahre volksschule ist "sündhaft teuer" und belastet die "allgmeinheit". sie und ihresgleichen belasten uns hier viel mehr mit ihrem stumpfsinn als alle studenten dieser welt zusammen!

Gast: Fabian M.
26.10.2009 09:19
0 1

Elitär statt egalitär (Teil 1)

Ich bin selbst Student an der TU Wien und habe mir sowohl die Protestveranstaltungen, die Reden als auch die Parties im Audimax der Hauptuni angesehen.
Darüber bleibt mir folgendes zu sagen:
Zuallererst muss ich den Tatendrang der österreichischen Akademiker loben. Sie machen durch ihre Aktionen auf die Missstände in unserem Bildungssystem aufmerksam, anstatt alle Schweinereien widerstandslos hinzunehmen und sich später darüber zu beschweren, zu raunzen, wie es in Österreich weit verbreitet, ich möchte fast sagen, wie es Usus ist.
Des Weiteren bin ich wirklich beeindruckt, die Arbeitsgruppen und Mediensprecher, die Lifeverbindungen via Videostream zu anderen Universitäten oder die Beschaffung des Proviants durch „Dumpstern“, sind nur ein paar Beispiele dieser spontanen und doch sorgfältig organisierten Besetzung.
Was ich jedoch aufs schärfste kritisiere sind diejenigen Demonstranten, welche mit Dosenbier und Joint die ausgelassene Festivalatmosphäre genießen, hirnlose Parolen wiederholen und stur eindimensionale Forderungen stellen, ohne sich über die Ausmaße und Ursachen der vorherrschenden Probleme im Klaren zu sein.

Die Protestanten kritisieren, dass die Kapazitäten der Universitäten erschöpft sind, sprich zu wenige Hörsäle, Professoren, Geldmittel, etc. vorhanden sind. Sprechen sich aber gleichzeitig gegen eine Wiedereinführung der Studiengebühren und für einen unbeschränkten Zugang für alle aus.
Zwei Forderungen, die meines Erachtens nach nicht zusammenpassen.

Gast: bruno
26.10.2009 09:07
0 1

Dünkelhaft

In Ihrem Artikel negieren Sie sämtliche vergleichenden Untersuchungen aus den übrigen europäischen Ländern, wo es die positiven Ergebnisse echter Chancengleichheit gibt und man erfährt da auch, wie man derartige Ziele bei uns verwirklichen könnte. Wenn es bei uns seit 20 Jahren die Gesamtschule gäbe und sich damals wie heute die ÖVP nicht einzementiert hätte, wären wir schon weiter. Das Übel beginnt oftmals ab der VS.
Aber wenn man dünkehaft unter sich bleiben will, und seine Kinder nicht mit dem "Abschaum" zusammenbringen möchte, wird sich nichts ändern.

schmeiser
26.10.2009 09:07
0 1

"Statt für eine Chancenumverteilung zu sorgen, hat er ein System der Umverteilung von unten nach oben etabliert"

wo haben sie denn das her, herr fleischhacker? - wie erklären sie sich denn die massiv zunehmenden studierendenzahlen? ist die oberschicht um so viel größer geworden? das wäre dann doch wohl ein indiz sozialer mobilität? in diesem fall müßten sie kreisky nicht ein scheitern, sondern das gelingen seines vorhabens vorwerfen. jetzt ginge es darum, mit dieser errungenschaft etwas anzufangen, um sie als stärke ausspielen zu können - und nicht darum, sie wieder loszuwerden.

Gast: komisch
25.10.2009 21:48
1 0

komisch

wieviele deklarierte Studenten hier Meinungen posten, die für Studenten, die ja ein wenig Einblick in den Alltag des Unilebens haben, absolut untypisch sind.

"Übrigens ich bin Akademiker und finde Akademiker auch sch..." ist wohl da das Motto.


pirat
25.10.2009 20:39
0 1

Ja, das mit der Leistung

ein weiterer Logikfehler in Ihrem (Fleischackers) Kommentar ist Ihr Pochen auf Leistung und dann "über umfangreiche Stipendienangebote soziale Selektion verhindern." Wissen Sie, ich habe die Einführung der Studiengeb. miterlebt. Was Sie natürlich nicht wissen ist, dass es heutzutage notwendig und üblich ist, ein naturwissenschaftliches oder technisches Studium mit einer Sprache oder BWL zu kombinieren. Ich nenne es Leistung, wenn jemand das hinbekomt. Sie halt nicht. Das Stipendien- und Fam.beihilfesystem bestraft nämlich jene, die sowas machen - für die Berechnung zählt stets das schnellere/leichtere Studium, was wiederum nicht mit dem Studienplan zusammenhängen muss. Ebenso sieht es bei den vielen SWS an Wahlfächern aus. Dann wird eben statt Biotec-Algorithms gender mainstreaming gemacht, statt Finite Elemente ein Häkelkurs, hauptsache billig - geht ja schneller, da kann man nebenbei noch arbeiten um die Gebühren zu zahlen und dem Formalismus ist genüge getan. Früher hatten die Studenten wenigstens den Biss, sich auch mit schweren Fächern zu beschäftigen. Da hat man halt ein Semster von Diffgleichungen und Bier gelebt, manchmal kam sogar eine gute Software oder Geschäftsidee dabei raus. Kann man vorher halt nicht genau wissen, so ist das in der Wissenschaft nun mal. Vieles ist berechenbar, nur nicht der wissenschaftliche Erfolg. Heute kann sich das keiner mehr leisten. Das nennen Sie dann Leistung. Mir kommt das unlogisch vor.

2 0

unzureichend

lieber herr fleischhacker,

sie verlieren kein einziges wort über den beginn dieser protestwelle, und das finde ich sehr schade. denn dann würden sie auf sehr dünnes eis gelangen, wenn sie versuchen würden die anfänge zu verstehen.
sie würden auch zugeben müssen dass es sich nicht um einen orientierungslosen studenten flash mob handelt.
sie könnten ja mal bei den professorInnen der akadmie recherchieren, diese geben ihnen sicherlich auskunft über die mechanismen gegen die sie ihren unmut zum ausdruck bringen.

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