25.05.2012 13:41 | Meine Presse Merkliste 0

Wir haben uns Straches Erfolg redlich verdient

MICHAEL FLEISCHHACKER (Die Presse)

Die Regierungsparteien haben seit Jörg Haiders Siegeszug nichts gelernt. Sie finanzieren mit Medien-Bestechung ein Ausbildungscamp für Strache-Wähler.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Die Frage, die derzeit den politmedialen Komplex in diesem Land umtreibt, wird teils bewundernd, überwiegend bang und zunehmend fassungslos gestellt:

Wie macht das der Strache?

Die FPÖ, die nach der freiheitlichen Kernspaltung in Orangen und Kornblumen vor weniger als einem Jahrzehnt am Ende schien, wird gerade zur stärksten Partei Österreichs.

Nun, er macht gar nichts.

Der Meinungsumfragen-Siegeszug der Freiheitlichen ist ausschließlich auf die (Nicht-)Arbeit der Großen Koalition zurückzuführen. Das war schon vor 20 Jahren so: Als Jörg Haider die FPÖ 1986 bei fünf Prozent übernommen hatte, trieb er die damals auf Ewigkeit gebildete Große Koalition („ohne Wenn und Aber“) von Wahlniederlage zu Wahlniederlage. Er konnte darauf zählen, dass immer mehr Menschen den Institutionenfilz in diesem Land satt hatten. Die Kombination aus sozialpartnerschaftlicher Ständestaatsstruktur und Großer Koalition hatte die Politik zum Paralleluniversum gemacht, in dem sich Privilegierte, die den Staat für ihr Privateigentum hielten, Posten und Aufträge zuschanzten.

Es brauchte damals einen Hochbegabten wie Haider, um dieses System zu erschüttern: Die Regierenden verfügten noch über ein überdurchschnittliches Maß an Bildung, und sie wurden durch „kritische Intellektuelle“ unterstützt, die sie durch Zuneigung und Zuwendungen dazu bringen konnten, gegen den weltgeschichtlichen Trend nicht den Mächtigen gegenüber kritisch zu sein, sondern die Opposition mit der Nazi-Keule niederzuprügeln.

Heute reicht ein glaubwürdig vom Neonazi zum Discoking gereifter Worthülsenfrüchtler wie Heinz-Christian Strache, um die sogenannte Regierung in Schach zu halten. Die „kritischen Intellektuellen“, die der amtierende Bundeskanzler, ein vertrauenswürdiger Anwalt der Bildungsfernen, „sogenannte Intellektuelle“ nennt, kümmern sich um Kindererziehung und Rotweinkultur. Vielleicht spricht sich vor der nächsten Wahl bis in die makrobiotischen Haubenküchen des Karmelitermarktes herum, dass der nächste Bundeskanzler Strache heißen wird. Lichtermeere wird es aber auch dann eher nicht geben. Die paar Künstler und Intellektuellen, die sich trotz des strengen geistfeindlichen Geruchs der Regierungsdarsteller noch mit Politik beschäftigen, haben nämlich etwas Entscheidendes verstanden: Einen Bundeskanzler Strache verhindert man nicht, indem man ihn und seine Partei als Nazis denunziert. Sondern, indem man den Sumpf trockenlegt, in dem seine exotischen Stil- und Gedankenblüten so prachtvoll gedeihen.

Auch daran hat sich seit 20 Jahren nichts geändert: Die große Mehrheit der Menschen, die damals Haider und heute Strache wählen, tut das nicht, weil sie für irgendetwas ist, das Strache sagt oder tut. Sie tut es, weil es die einzige ihr zugängliche Möglichkeit ist, den Altparteien und den Bewohnern des sozialpartnerschaftlichen Wolkenkuckucksheims zu sagen: Wir wollen das alles nicht mehr.


Die beiden Regierungsparteien haben aus den Erfahrungen mit Jörg Haider nicht nur nichts gelernt. Sie haben seinem Wiedergänger Heinz-Christian Strache auch noch den roten Teppich ausgerollt, auf dem er ins Kanzleramt spazieren kann. Der Versuch des Systems Faymann, sich durch die Bestechung des Boulevards die Macht zu sichern, geht voll nach hinten los. Das Verdummungsprogramm, das „Krone“, „Heute“ und „Österreich“ mit dem Geld der Regierung und der Stadt Wien veranstalten, ist eine Art Ausbildungscamp für Strache-Wähler.

Das wenige, das Strache selbst zu seinem Erfolg beitragen kann, tut er: Das neue Programm ist ein unspektakuläres, für Skandalisierungen keinen Anhaltspunkt lieferndes Kundenbindungsprogramm für das traditionelle deutschnationale Lager, angereichert um ein paar Lockangebote für von der Allerwelts-ÖVP enttäuschte Konservative.

Die Qualität der amtierenden Regierung und die Fähigkeit, Ressentiments aller Art blitzartig zu mobilisieren, machen Heinz-Christian Strache derzeit unschlagbar. Ein Erfolg, den wir uns alle redlich verdient haben.

 

E-Mails an: michael.fleischhacker@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.06.2011)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo
Als Gast kommentieren

...oder einloggen um als registrierter Benutzer zu kommentieren (Vorteile dieser Variante)


Mit dem Absenden Ihres Kommentares erklären Sie sich mit den Forenregeln einverstanden.

*... Pflichtfelder

Sicherheitscode
(Was bringt das?)*



Schwer lesbar?
Neuen Code generieren

Verbleibende Zeichen

159 Kommentare
 
1 2 3 4
Gast: AllwaysThereIsAWayOut
21.06.2011 22:40
3 1

@Ein Erfolg, den wir uns alle redlich verdient haben.

Die "Presse" war ja an vorderster Front dabei - kann man "stolz" sein drauf.

Je genderierter, je muslimischer, je zugewanderter je schriller desto besser und frau muss man sein und jung - so die Blattlinie in den letzten Jahren.
"Normalo" der die Fete erarbeiten und bezahlen durfte kam nur vor als beschimpfter "Spießbürger".

Der wählt halt jetzt den "anderen".

Fragt sich nur: War die Blattlinie Zufall oder Absicht ?

Antworten Gast: gäst
29.06.2011 11:57
0 2

Re: @Ein Erfolg, den wir uns alle redlich verdient haben.

Die reinste Absicht!
Um Spießbürger wie dich zu ärgern!
liebe Grüße,
eine junge muslimische Frau die ganz viel Party macht und ein wenig arbeitet.

alpentiger
21.06.2011 19:59
1 0

Jede Zeile wahr und real

Und unsere "Filzläuse" sehen keine Veranlassung an die Zukunft Österreichs zu verschwenden, sie leben von der Hand in den Mund, womit auch das Universum unserer Poltiker schon umschrieben ist.

Bevor sie umdenken, kaufen sie sich lieber Ohrenstöpsel, damit sie den Protest der Zivilgesellschaft nicht hören.

Gast: alistair crowley
21.06.2011 16:34
0 0

strache bundeskanzler?

strache bundeskanzler? wie soll das denn bitte gehen? bekommt er fünfzig prozent plus bei den nächsten wahlen? dann wird er kanzler.
wer soll denn den partner für die blauen dragoner abgeben, wenn hc die kanzlerfrage stellt? die övp? der rest an politischen instinkt wird einen solchen schritt verhindern.
die spö? die partei zerreißts als kleiner partner der nationalen heimatpartei in der regierung.
ich glaube, strache als kanzler bleibt ein feuchter traum des fleischhacker-meisters.
er schreibt ja fast jede woche strache als kanzler gross.
es gibt auch andere vorlagen für die rechte, herr fleischhacker...

Antworten Hugo99
01.07.2011 07:05
0 0

Re: strache bundeskanzler?

No, immerhin haben sich unsere ehemaligen Großparteien seit Kreiskys Zeiten halbiert.
Auch nicht schlecht?

mig29
20.06.2011 18:17
1 0

Nachsatz!

Nachsatz in eigener Sache: Strache und FPÖ Fan bin ich trotzdem beileibe keiner - nur ich sehe leider keine Alternativen!

Antworten Gast: gutes_gewissen
21.06.2011 09:42
1 1

Re: Nachsatz!

Wählen's trotzdem lieber weiß. Ist besser fürs Gewissen…

mig29
20.06.2011 18:15
4 1

Ich habe festgestellt,

wenn man sich so im Bekanntenkreis umhört, die Stimmung zunehmend gereizter und agressiver gegenüber der Regierung, speziell gegenüber der Faymann Partei geworden ist. Einerseits ist man generell politikverdrossen, andererseits möchte man dern Herrschaften möglichst schnell einen gewaltigen Denkzettel verpassen. Grundtenor: "So kann´s nicht weitergehen". Zumeist will sich keiner und zu Strache schon gar keiner deklarieren. Ich habe aber bei meinen Bekannten (wir sind eigentlich alle Rechtsliberal oder wertkonservativ - zumeist Akademiker) das Gefühl, dass sie aus Protest blau wählen werden. Weiß wählen ist sinnlos, grün wählen heißt absurden Ökomarxismus und letztendlich die SPÖ mitwählen und schwarz hat sich auf Grund ihrer verkrusteten Zwangsbündestrukitur und Rotanbiederung selbst aus dem Spiel genommen. Ich für meinen Teil denke, dass es nicht mehr schlechter werden kann. Außerdem hoffe ich inständig die roten nicht mehr auf der Regierungsbank sehen zu müssen!

Antworten Dagobert
21.06.2011 12:01
5 0

Re: Ich habe festgestellt,

Gute Analyse, die auch meinem Bild entspricht.

Um eine Änderung herbei zu führen, ist es unumgänglich die FPÖ zu wählen. Ob man das als gut, oder schlecht bewertet, ist kurzfristig nicht relevant.

Erst wenn Rot und Schwarz von den Futtertrögen vertrieben wurden, werden sie wieder beginnen Politik für Österreich zu gestalten.

Ich für meine Teil denke, dass uns die Belastungswelle erst noch erreicht und wir dann wissen werden, wie sich die Griechen bereits jetzt fühlen.....

Gast: exe666
20.06.2011 07:50
6 0

Vom Volk für das Volk

Egentlich müsste der Wahlspruch jeder Partei heißen.
"Vom Volk für das Volk"
Solange aber Rot Schwarz Grün nach dem Motto
"Vom Volk für die Banken für die EU für die Freunde" agieren dürfen die sich nicht wundern, dass HCS immer mehr zulauf hat.

5 0

Strache erntet Haiders Saat

Er hat es längst verstanden, daß, außer den Bedachten, keiner mehr das SVPÖ System aus Gewerkschaften, Kammern und Bünden mehr füttern will.

Haider ließ das System auflaufen. Jetzt vernichtet es sich bereits selbst. Strache muß nur mehr ernten.

Ist vielleicht garnicht so schlecht. Strache könnte als Bundeskanzler viel bewegen ohne selbst allzu aktiv zu sein. Alleine eine Aufbruchsstimmung könnte das Land positiv verändern. Prölls, Häupls und Co. verschwinden dann ganz von selber.

2 0

Es muss sich was ändern

Strache ist nur das Symptom und nicht die Ursache. Selbst die aktuell Regierenden sind nur "Opfer" eines Systems, das nicht mehr funktioniert.
Wir müssen selbst was unternehmen - oder uns mit Strache als Bundeskanzler abfinden. http://tiny.cc/ideeoe20

reini2060
19.06.2011 09:52
11 2

Hauptsache gegen HC Strache !

Ist schon Irre ! Die SPÖ/ÖVP Politiker fahren Österreich an die Wand und in den Staatsbankrot und die schwachsinnigen Speichellecker und Parteimitglieder der beiden Parteien kritisieren und Diskutieren über HC Strache. Diese Leute kapieren noch immer nicht , das es Ihre eigenen Parteien sind die uns Ruinieren. Hauptsache Feindbild Strache!

Antworten Gast: Adalbert M. Rohde
19.06.2011 13:12
1 6

Re: Hauptsache gegen HC Strache !

Aber mit Straches Wahlzuckerln-Exzessen im zeitlichen Vorfeld der letzten NR-Wahlen hätten wir selbst Griechenland noch links überholt. Strache versprach ein wohlfahrtsstaatliches Paradies zum steuerlichen Nulltarif.

Muss man schon ziemlich "deppert" sein um darauf hereinzufallen.

3 0

Worthülsenfrüchtler, Anwalt für Bildungsferne, ...

In dem Text finden sich gleich einige Schmankerln, welche die Lektüre zum Kulinarium machen. Und ja, mit den „kritischen Intellektuellen“ war es in Österreich nie so eine überzeugende Sache. Gibt es die überhaupt, die es verdienen als „kritische Intellektuelle“ bezeichnet zu werden? Mir will ad hoc nicht einer einfallen. Und Künstler? Da gäbe es das Zitat eines politischen Verbrechers, dem die Künstler seinerzeit die Fußsohlen schleckten: "Die Künstler sind schon ein unfassbar naives Völkchen. Von Politik keinen Schimmer."

Gast: muppetbasher
18.06.2011 18:49
2 11

Haider habe ich aus der Nähe erlebt.

Worin seine "Hochbegabung" bestand, habe ich bis heute nicht sehen können.
Er war ein Borderliner wie der Strache es auch ist. Und können nur hoffen, dass so einer nie BK wird.

Antworten Hugo99
01.07.2011 07:09
0 0

Re: Haider habe ich aus der Nähe erlebt.

Da ist halt die Rudas eine Leuchte.
Gell!

Antworten Gast: Quest
19.06.2011 15:33
5 1

Re: Haider habe ich aus der Nähe erlebt.

Bist sauer weil er dich nicht gepackt hat Genosse?
LOL

Gast: Condorcet
18.06.2011 18:40
13 2

San's wirklich deppert, die Strache-Wähler?

Eines ist ja besonders heiter: dass die Strache-Wähler immer als deppert verhöhnt werden, also als die 'bildungsfernen Schichten'.

Na, da habt's Ihr aber eine Ahnung! In meinem Bekanntenkreis sind fast nur sehr g'scheite Leut' in prima Positionen, und von Tag zu Tag werden's mehr, die nächstes Mal die FPÖ wählen wollen.

MF hat schon Recht: die Nazikeule wirkt nicht mehr....

Antworten Gast: Der neue Bundeskanzler
19.06.2011 20:54
0 0

Re: San's wirklich deppert, die Strache-Wähler?

Richtig!, die "Depparten" sind meistens auch Nichtwähler!!

2 0

Re: San's wirklich deppert, die Strache-Wähler?

Stimmt! Sieht man sich die Gefolgsschaft der politischen Konkurrenz an, dann drängt sich der Schluss auf, dass auch diese und jene nicht sehr einladend sind.

Was mich stört und verstört, ist der schäbige Populismus in allen Parteien, der regelmäßig auf eine Beleidigung des mündigen Bürgers hinausläuft. Darin sind sich alle Couleurs gleich.

Und Sie haben schon recht: Es ist unfair immer nur die FPÖ dessen anzuprangern.

Luzius
18.06.2011 18:19
4 2

hätte Haider sich nicht mit Schüssel verbündet

bzw sich von ihn an die Leine nehmen lassen, wer weiss wie die FP heute dastünde !

Es steht Ihnen aber NICHT zu, Strache erneut (im Auftrag der Sponsoren?) als Nazi zu betiteln !!!!

Aber es stimmt schon das die beiden Koalas Strache den Weg bereiten und er ihn natürlich gerne annimmt. Welche Partei würde sich dagegen sträuben; und WELCHE Alternative gibt es sonst ?!

Etliche Punjte seines Programs sind eben wichtig und richtig, um für und nicht gegen das eigene Volk zu regieren.
Genau deshalb verdient er die Chance um zu beweisen das er es auch ernst meint, und nicht wie Haider seine Buberl gut versorgt wissen will-



EURAMIS
18.06.2011 17:14
1 5

Nr.1????

Strache ist gut, aber Rudolf Gehring von CPÖ ist Besser.

murlibrumm
18.06.2011 17:14
2 2

Da bin ich aber froh!

Wir haben endlich wieder eine Zeitung von Weltgeltung, deren Chefredakteur sich an den Lichtgestalten der amtierenden Regierung reibt.

Wenn "Die Presse" so weiter macht, dann wird sie endlich einmal so viele Abonennten und Leser haben, dass sie die staatliche Presseförderung ernsthaft in Frage stellen und damit einen Beitrag zur finanziellen Gesundung unseres Landes leisten kann.

In der Zwischenzeit könnte der Herr Chefredakteur noch daran denken, dass es im vergangenen Jahrzehnt eine Regierung (oder waren es eineinhalb?) gab deren Ansehen im In- und Ausland noch weit geringer war als das der großen Koalitionen vor und nach der blau/orangen Beteiligung.

Oppositionspolitiker - und Journalisten - haben es leicht! Sie können raunzen und schimpfen in Wort und Schrift; es wird erst schlimm, wenn sie zeigen müssen, was sie von ihren hohen Ansprüchen (an die Andern) selbst umsetzen können.

Gast: TT1
18.06.2011 17:07
0 2

Faymann -Straches Wegbereiter

F. Ist selbst nicht gerade eine geistige Leuchte. Nur er beweist, dass man mit unterdurchschnittlichkeit auch ein paar Jahre als Bundeskanzler abdienen kann. Insofern nimmt er die Angst vor Strache, weil die Performance kriegen auch Zahntechniker hin. Nur für Österreich heisst: wieder Reputations- und Leistungsverlust auf Jahre. Griechenland wir kommen!

..

Österreich muss aufgelöst und an die umliegenden Nationen aufgeteilt werden.

Alles andere ist Zeitverschwendung.

 
1 2 3 4

Top-News

Mehr Kommentare: