25.05.2012 13:45 | Meine Presse Merkliste 0

Europas Politiker erpressen ihre Bürger mit dem Euro

MICHAEL FLEISCHHACKER (Die Presse)

Die Eurobonds sind reine Fiktion: Sogar ihre Befürworter wissen, dass derzeit die Voraussetzungen für ihre sinnvolle Einführung politisch nicht herstellbar sind.

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Die Diskussion über die Einführung von Eurobonds ist ein Offenbarungseid über den Zustand der Europäischen Union. Und dieser Zustand ist mit „besorgniserregend“ einigermaßen wohlwollend beschrieben. Der Teufelskreis, innerhalb dessen sich die Union immer schneller in Richtung rasender Stillstand bewegt, sieht ungefähr so aus:

Ja, Eurobonds wären ein geeignetes Mittel, die Finanzierung der Euromitgliedstaaten zu einheitlichen Zinssätzen zu organisieren. Das wäre eine spürbare Erleichterung für jene Staaten, die ihre Staatsanleihen derzeit nur mit schwer bewältigbaren Zinssätzen im Markt unterbringen können. Und es würde eine spürbare Belastung für jene Euroländer bedeuten, die sich jetzt aufgrund ihres AAA-Ratings relativ günstig Geld auf den Märkten besorgen können.

Am stärksten würde das Deutschland, den derzeit besten Schuldner der Eurozone, treffen. Man könnte natürlich sagen, die höheren Finanzierungskosten – Schätzungen schwanken zwischen 15 und 50 Milliarden Euro – wären ein gerechter Preis dafür, dass der Exporteuropameister Deutschland am stärksten von der gemeinsamen Währung profitiert hat. Und man kann auch davon ausgehen, dass Angela Merkel am Ende bei den Eurobonds mitgehen würde. Dass sie damit ihre Glaubwürdigkeit verlöre, ist ein Gerücht. Die ist längst dahin, seit sie der Umwandlung des Griechenland-Rettungsschirms in einen permanenten Mechanismus ohne nennenswerte Sanktionsmöglichkeiten für die stabilitätsorientierten Staaten zugestimmt hat.

Diese Sanktionsmöglichkeiten in Form einer zentralen Organisation der europäischen Wirtschafts- und Finanzpolitik werden auch von den meisten Befürwortern der Eurobonds als Voraussetzung für deren Einführung gesehen. Würde man die gemeinsamen Anleihen unter den gegenwärtigen institutionellen Bedingungen auf den Markt bringen, wäre das mit einiger Sicherheit der Untergang des Euro. Der Hinweis darauf, dass man ja „nur“ jene 60 Prozent Staatsverschuldung finanzieren wolle, die den Maastricht-Grenzen entsprechen, ist nicht eben ein Grund zur Beruhigung. Es würde die andere Hälfte der Schulden hoch verschuldeter Staaten de facto unfinanzierbar machen.

Frau Merkel wird also nicht in die Verlegenheit kommen, ihre nicht mehr vorhandene Glaubwürdigkeit zu verlieren: Selbst oder gerade mit jenen Staaten, die am stärksten auf die Finanzierung durch Eurobonds angewiesen sind, wird es die weitgehende Aufgabe der staatlichen Souveränität nicht geben. Darüber trauern derzeit viele EU-Enthusiasten, sie sehen darin einen Beweis für den massentauglich gewordenen Mangel an proeuropäischer Gesinnung.

Und stolpern damit in die nächste Windung des europäischen Teufelskreises: Der europäische Zentralstaat, der zur Rettung des Euro die wesentlichen Souveränitätsrechte seiner Mitglieder übernimmt, ist genau das, was die Bürger nicht wollen. Und man hat ihnen mehrmals hoch und heilig versprochen, dass es ihn nicht geben werde. Jedenfalls nicht ohne ihre Zustimmung.

Die Europäer werden derzeit mit immer mehr angeblich „alternativenlosen“ Schritten in Richtung eines zwangssolidarischen Zentralstaats gedrängt. Es begann mit dem Griechenland-Rettungsschirm, für dessen Umwandlung in die „Europäische Fazilität für finanzielle Stabilität“ (hübscher Name, oder?) es eigentlich einer Vertragsänderung bedurft hätte. Die Aufgabe der „No-Bail-out-Klausel“ ist mehr als die technische Adaption, als die man den Vorgang verniedlicht hat. Der österreichische Bundeskanzler konnte sich immerhin auf die Zusicherung eines „Kronen Zeitung“-Innenpolitikredakteurs verlassen, dass wir in Österreich dafür keine Volksabstimmung brauchen.

Die Europäer haben eine gemeinsame Währung eingeführt, ohne vorher das dafür Nötige zu tun, weil es politisch nicht durchsetzbar gewesen wäre. Jetzt erpressen die Politiker ihre Bürger: „Entweder ihr stimmt dem Zentralstaat zu, oder der Euro explodiert.“

Was, wenn er trotzdem explodiert? Dann wird man der versäumten Gelegenheit nachtrauern, rechtzeitig voneinander getrennt zu haben, was nie zusammengehört hat.

 

E-Mails an: michael.fleischhacker@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.08.2011)

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169 Kommentare
 
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Gast: Hoffnungsvoll
18.08.2011 14:36
1 2

Der Euro explodiert? - Das trifft nur die,die einen haben!

Ist die Sprengkraft mcquadrat ? Keine Reichen mehr ? Wahnsinn!

Antworten makaberich
18.08.2011 19:28
1 1

Doch, doch,

... die Reichen haben Grundstücke, Edelmetalle, Firmen ...
Das gibts auch dann noch, wenn die Armen ihr Sparbuch und ihre Zusatzpension verloren haben.

Gast: Megagneißßer
18.08.2011 14:32
1 4

Nur Zorres um die Vermögen der Reichen zu schützen!


2 7

aha.

Und was bitte gehört zusammen? Österreich und Südtirol? Fleischhacker und die platitüde? Die Polemik und der Irrtum?

Gast: smilefile
18.08.2011 10:32
2 11

Monokultur,...

Hm.....

tja,...der Euro als Monokulturwährung. Spekulativ weit einfacher zu bearbeiten,...als eine Vielzahl von Nationalwährungen. Und wie es bei Monokulturen so ist,. wenn einmal der Wurm drin ist,....


Fritz
18.08.2011 08:19
2 12

Konsequenzen.

"..rechtzeitig voneinander getrennt zu haben, was nie zusammengehört hat."

Deshalb habe ich heute mein PRESSE-Abo gekündigt.

Antworten modestus
18.08.2011 11:30
3 5

Re: Konsequenzen.

da wird sich der fleischi aber kränken :-)))

Antworten Antworten Fritz
18.08.2011 13:53
0 5

Re: Re: Konsequenzen.

Was der Fleischhacker denkt, ist ziemlich wurscht. Wichtig ist, was sich der zuständige Vorstand der Styria Media Group AG denkt, wenn das viele Abo-Bezieher tun!

Antworten Antworten Antworten modestus
18.08.2011 14:47
2 1

Re: Re: Re: Konsequenzen.

es gibt keinen exodustrend in der abo-division
ceterum..die meisten blogger die hier so nonchalant ihr "abo" kündigen haben keines..ausser am sonntag aus dem gratisbeutel

eher infantil und durchsichtig

Antworten Antworten Antworten Antworten makaberich
18.08.2011 19:31
1 0

Doch, doch.

Wenn man die Mediaanlayse betrachtet, sieht man, dass die Presse am eingehen ist. Der STANDARD hat sie schon hinter sich gelassen.
Recht so!
Die Presse hat versucht, auf pc zu wechseln. Aber das kann der STANDARD besser. Reaktionär, der ich bin, war ich viele Jahre Presse-Leser. Ich habe mein Abo schon lang storniert, daher kann ich es nicht mehr tun.

3 9

Re: Konsequenzen.

Man sollte nicht den überbringer der schlechten nachrichten köpfen. bringt nix

Antworten Antworten Fritz
18.08.2011 11:35
1 5

Re: Re: Konsequenzen.

Ich habe keine Probleme mit den Überbringern schlechter Nachrichten. Allerdings habe ich Probleme mit falschen Diagnosen und völlig falschen Rezepten.
Dass es schlechte Nachrichten gibt weiß ich selber, daher brauche ich keinen Boten.
Wenn für diese Probleme jetzt der EURO oder die EU dingfest gemacht werden sollen, dann ist das einfach Unsinn, weil die wahre Ursache, die Überschuldung bereits lange vor der EU und dem EURO salonfähig wurden. Die USA haben die gleichen Probleme ohne EU und ohne EURO!!!

Wenn der so kluge österreichische Wähler seit über 40 Jahren fast nur Politiker gewählt hat, die ihm das blaue vom Himmel versprochen haben, notwendige Sparmaßnahmen als "kaputtsparen" diskreditiert worden sind, unerwartete Steuer-Mehreinnahmen sofort zur Verteilung kamen und damit verkonsumiert, statt investiert wurden, dann kann dieser Wähler und Steuerzahler, weil politisch nicht umsetzbar, nur mehr durch "Erpressung" zum Schuldenabbau gezwungen werden!

Daran ist aber nicht der EURO schuld, sondern das Jahrzehnte lange LEBEN ÜBER DIE VERHÄLTNISSE.

Die Rechnungen werden einmal fällig, das ist jetzt der Fall, ob mit und ohne EURO!

Unsere neue Währung würde dann
1 STRACHME zu 100 BÄRENTALERN sein!!!

Mir graust davor!!!

Antworten Antworten Antworten spontan
22.08.2011 09:41
0 0

Re: Re: Re: Konsequenzen.

Hallo Fritz,
"Erpressung" halte ich nicht für den richtigen Weg!
Aber wie wäre es mit einem europa-, oder weltweiten Schuldenerlass(?): Es wäre das einfachste, und dieser würde die Schere zwischen arm und reich wieder schließen!

Egal welche Politische Parteien (es waren ja mehrere Farben unter ihnen auch schwarz) in den letzten 40 Jahre regiert haben, es war eine Zeiterscheinung Schulden zu machen. Dabei kam es zu Investitionen, die aus heutiger Sicht pure Geldverschwendung waren:
Bahnbegradigung, damit man schneller von Wien nach Salzburg kommt (z.B. Tunnel zw. Amstetten und St. Valentin).
aus heutiger Sicht völlig unnötig, da dass Zeitalter der Verlangsamung eingesetzt hat (gestrichene Bahnverbindungen von Ost nach West, überbesetzte Waggons zwingen nach wie vor Menschen einen Zug wieder verlassen zu müssen und auf den nächsten zu warten z.B.)

Antworten Antworten makaberich
18.08.2011 11:25
1 0

Wenn man die Löschphilosophie ...

... betrachtet (auch im Bereich der Religionsdiskussion) ist es unendlich schwer, mit der Presse noch zurecht zu kommen.
Wie ja auch die Verkaufszahlen zeigen, war der Versuch, sich dem Standard in der politischen Grundrichtung anzugleichen, nicht von Erfolg gekrönt.
Letztlich ist die Presse ein Produkt und muss verkauft werden. Wenn sie beginnen, gegen den Leser zu schreiben, erleben sie ein ähnliches Schicksal wie der Kurier.
Wer hält die Presse eigentlich noch aufrecht? Die kann ja keine Gewinne mehr machen.

Antworten Antworten Antworten nimmgib
19.08.2011 20:56
0 1

Eines muss ich schon sagen,

Tja, wenn jetzt einer Zeitung nur mehr schreiben darf, was dem Leser genehm ist, dann werden die Journalisten in Geiselhaft genommen.

Mit welchem Recht? Das finde ich ja gerade so löblich, dass sich ein Blatt wie die Presse noch nicht von ihrer Leserschaft erpressen lässt. Die Leser und Leserinnen müssten sich ihre Zeitung halt selber schreiben, wenn sie das lesen wollen, was sie lesen wollen.

Mit Verlaub gefragt: Darf ein Blatt ihre Linie (ist ja schon schlimm, dass es so etwas wie einen Vorschreibe-Journalismus überhaupt gibt) nur mit Zustimmung ihrer Leserschaft ändern?
Ich stell mir gerade vor wie da die Kirche täte, die sich ja solch einem Prozedere nicht aussetzen möchte. Aber wenn: Von welcher Gruppe würde sie sich die Zustimmung oder deren Ablehnung zu einer Veränderung denn holen?
Wer sind also die Presseleser und Presseleserinnen? Spricht da hoffentlich nicht einer für alle, wie in der Kirche?

Antworten Antworten Antworten Antworten Fritz
20.08.2011 11:13
1 0

Re: Eines muss ich schon sagen,

Na selbstverständlich soll eine Zeitung das schreiben, was sie für richtig hält.
Aber genauso habe ich -umgekehrt- das Recht, nur die Zeitung zu lesen bzw. zu KAUFEN, deren Linie ich für richtig halte.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten gelb
20.08.2011 19:28
0 0

Re: Re: Eines muss ich schon sagen,

Hallo Fritz!
Kann es sein, dass wir einander kennen? - Ich bin einfach neugierig! m.h.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Fritz
20.08.2011 20:00
0 0

Re: Re: Re: Eines muss ich schon sagen,

Das kann ich so nicht sagen! Möglich ist es, geben Sie einen Hinweis!

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten gelb
20.08.2011 20:20
0 0

Re: Re: Re: Re: Eines muss ich schon sagen,

Kärnten/Hörtendorf/Welzenegg


Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Fritz
20.08.2011 23:47
0 0

Re: Re: Re: Re: Re: Eines muss ich schon sagen,

Völkermarkterstraße 165 ?

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten gelb
23.08.2011 18:13
0 0

Re: Re: Re: Re: Re: Re: Eines muss ich schon sagen,

Leider weiß ich nicht, ob meine Antwort jetzt angekommen ist! Es wäre nicht die Völkermarkterstrasse sondern die Afritschstrasse gewesen.
Eine Antwort würde mich freuen!

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten gelb
21.08.2011 22:00
0 0

Eines muss ich schon sagen,

Tut mir leid, dass ich keine genauere Angabe gemacht habe! Aber wenn schon denn schon "Afritschstrasse"?

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Fritz
23.08.2011 19:19
0 0

Re: Eines muss ich schon sagen,

Ich habe eher an KIKA und vor allem an die dortige BKS gedacht.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten nimmgib
20.08.2011 12:02
0 1

Re: Re: Eines muss ich schon sagen,

Na, dann bin ich schon beruhigt.
Um ehrlich zu sein, ich durchschau die Philosophie der Presse derzeit überhaupt nicht. Ich hatte lange den Verdacht, dass sie Meinungsplattform eines Erzischofs ist.
Also mir hat der Artikel zu denken gegeben. Ich gebe zu, dass ich nicht über diese ganze Komplexität Bescheid weiß wie Sie, aber ich habe mittlerweile meine berechtigen Zweifeln an der gesamten Eu.

Burgos
18.08.2011 07:49
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Die Eurobonds

sind auch in naher Zukunft zu vergessen, dies wurde völlig zutreffend dargetan. Der Euro ist nach wie vor ein gutes Projekt, setzt allerdings ein Mindestmaß an gemeinsamer Wirtschaftspolitik voraus, das bisher nicht vorhanden war! Die Hilfe für Griechenland ist eine ökonom. Notwendigkeit und wird sich im Laufe der Zeit zugunsten der EU amortisieren. Das ZIB2-Interview hat eher provokative Fragen von Lou aufgezeigt, weil nunmehr seit Jahren alles seitens der linken Reichshälfte propagiert aber kaum etwas realisiert worden ist.
Von weiteren Steuern ist grundsätzlich abzusehen, weil die allenfalls eintretende Steuervermeidung einen höheren Ausfall einbringt als das zu erwartende Steueraufkommen.
Wichtiger wäre es eine Staatsreform durchzuführen. Einen Anfang gibt es bereits beim Bundesland Steiermark.

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Re: Die Eurobonds

Ob wir unser Geld über Inflation oder höhere Steuern verlieren ist eigentlich egal. Reformen sind jetzt ebenfalls nicht mehr ausreichend (auch wenn wir so ein reformfreudiges land sind).

Was bemerkenswert ist: wirklich international bekannte ökonomen geben zu diesen themen seit monaten keinen kommentar mehr ab.
Als E. Hobsbawm vor Jahren schrieb: "Es wird Blut fließen, viel Blut". Habe ich gedacht er übertreibt. Jetzt glaube ich ihm (Er hat die Krise in den 30igern selbst miterlebt).

 
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