25.05.2012 13:45 | Meine Presse Merkliste 0

Sie spüren, dass etwas Neues beginnt

Michael Fleischhacker (Die Presse)

Charles Moore und Frank Schirrmacher fragen sich, ob nicht die Linke recht habe mit ihrer Kritik, dass unser System nur die Reichen reicher und die Armen ärmer macht. Ist das wirklich die Frage?

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Die Anzeichen dafür, dass mit der Gesellschaft, in der wir leben, etwas grundsätzlich nicht mehr stimmt, häufen sich. Als jüngstes Fanal gelten die gewaltsamen Ausschreitungen in London und anderen britischen Städten. Der britische Premier David Cameron sprach nach den Krawallen von Tottenham von einer „kranken“ Gesellschaft, aber er konnte nicht sagen, welche Krankheit es ist, deren Symptome da auf so erschreckende Weise sichtbar wurden. Viele griffen bei dem Versuch, eine schlüssige Diagnose zu erstellen, auf das bewährte Mittel des Vergleichs zurück, man arbeitete die Unterschiede zwischen den Motiven der jungen Revolutionäre des Arabischen Frühlings und den „Indignierten“ Spaniens heraus. Viel mehr als die wenig überraschende Tatsache, dass die Ereignisse in Kairo, Tunis, Madrid, Athen und London schwer vergleichbar sind, kam dabei nicht heraus.

Der britische Kolumnist Charles Moore bot noch vor den Londoner Krawallen im „Daily Telegraph“ erstmals eine Erklärung an, die aufs Ganze geht. Er stelle sich die Frage, schrieb der bekennende Konservative Moore, ob nicht am Ende die Linke recht habe mit ihrem Vorwurf, dass das herrschende System nur dazu diene, die Reichen reicher und die Armen ärmer zu machen. Frank Schirrmacher, Feuilleton-Herausgeber der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, schloss sich Moore emphatisch an und warf den konservativen Parteien vor, sie hätten ihren bürgerlichen Wertekanon von neoliberaler Ideologie und „Marktfundamentalismus“ kapern lassen.

 

Zu wenig, nicht zu viel Marktwirtschaft

Man kann gegen Moores und Schirrmachers aufsehenerregende „Kehrtwende“ viel einwenden. Zunächst einmal den Verdacht, dass es sich um nicht viel mehr handle als um einen Akt von „Radical Chic“: Dass die Lordsiegelbewahrer des Konservatismus die Richtigkeit und Notwendigkeit linker Kritik am „neoliberalen Paradigma“ anerkennen, garantiert Aufmerksamkeit. Inhaltlich wird man sagen müssen: Die Idee, dass die Krise, ihre mangelhafte Bewältigung und das Ärgernis von fetten Boni für gerade noch von den Staaten herausgehauene Banker ein Beweis für den Kniefall der Bürgerlichen vor der Ideologie des Marktfundamentalismus sei, ist ziemlich absurd. Das genaue Gegenteil ist der Fall: Dass man nicht Banken rettete, sondern deren Eigentümer, zeigt nicht die Übermacht, sondern den Mangel an marktwirtschaftlichen Prinzipien.

Der Zorn über das Agieren der Banken vor, während und nach der Krise hat jede Berechtigung, auch wenn schon die Rede von „den Banken“ irreführend ist, weil es jene Bankhäuser zu Unrecht mit in die Kritik nimmt, die immer noch ihre klassische Rolle spielen als Versorger der Realwirtschaft mit Kapital, das sie als Einlagen verwalten. Es ist ein Ärgernis, dass Einzelne und Institutionen, die unter dem Titel „Risikoprämien“ über viele Jahre bessere Gewinne als mit großen Fremdkapital-Hebeln agierende Investmenthäuser gemacht haben, dann, als das Risiko schlagend wurde, ihre Verluste sozialisieren durften. Wer unternehmerisches Risiko als Eigentümer eingeht und scheitert, muss damit rechnen, dass er sein Eigentum verliert. Dass das nicht geschehen ist, gehört zu den Grundelementen der großen Wut, die sich bei jenen breitmacht, die von den Risikoprämien nie etwas gesehen haben, die aber jetzt für die Sozialisierung der Verluste geradestehen müssen.

 

Richtig liegen, ein Leben lang?

Was das wachsende Unbehagen in unseren Gesellschaften mit der Frage zu tun hat, ob „die Linke“ recht habe, ist allerdings schwer auszumachen. Haben Moore und Schirrmacher wirklich eine Debatte im Sinn, in der es um die alten Fragen zwischen links und rechts gehen soll? Ob also das Kollektiv Vorrang vor dem Individuum haben soll oder das Individuum vor dem Kollektiv? Will man wirklich verhandeln, ob das Eigentum an den Produktionsmitteln der Allgemeinheit oder dem Einzelnen zusteht? Nein. Die eigentliche Stoßrichtung dieser öffentlichkeitswirksamen Form bürgerlicher Selbstbefragung hat Frank Schirrmacher gleich zu Beginn seines Beitrages in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ offengelegt: „Es gibt Sätze, die sind falsch. Und es gibt Sätze, die sind richtig. Schlimm ist, wenn Sätze, die falsch waren, plötzlich richtig werden. Dann beginnt der Zweifel an der Rationalität des Ganzen. Dann beginnen die Zweifel, ob man richtig gelegen hat, ein ganzes Leben lang.“

Ob man richtig gelegen hat, ein ganzes Leben lang: Was für eine Frage. So sieht intellektueller Snobismus in Reinkultur aus. Man sieht, wie übrigens jeder andere auch, dass da einige Dinge ziemlich aus dem Ruder gelaufen sind. Man spürt, wie nur wenige andere, dass sich unter diesen Entwicklungen ein gesellschaftliches Sentiment zu bilden beginnt, das umstürzlerisches Potenzial hat. Und die bange Frage, die man sich stellt, ist, ob man richtig gelegen hat, „sein Leben lang.“ Hallo?

Was sich da an Kapital auf den internationalen „Zornbanken“ (Peter Sloterdijk) ansammelt, hat mit links und rechts wenig zu tun und absolut nichts mit der Frage, ob man richtig gelegen hat, sein Leben lang. Das gesellschaftsverändernde, ja umstürzlerische Potenzial dieser Wut rührt gerade daher, dass sie in den uns bekannten Kategorien von links und rechts, von sozialistisch und „bürgerlich“, nicht mehr beschreibbar ist. Dennoch haben die Wütenden und Zornigen, die den Eindruck haben, dass sie von allem nichts haben und der um sein lebenslanges Rechthaben besorgte Feuilletonist eines gemeinsam: Sie spüren, dass etwas zu Ende geht und etwas Neues beginnt. Und sie möchten gern dabei sein: der eine als erster Deuter und die vielen als Beteiligte. Diesmal wären sie gern dabei, diesmal würden sie gern ihren Anteil haben.

Partizipation ist einer der Schlüsselbegriffe für das Neue, das sich ankündigt. Menschen, die von den Einkommen, die sie mit harter Arbeit erzielen, kaum leben können, wollen mehr Anteil am gesellschaftlichen Reichtum. Manche von ihnen finden, der Staat müsste dafür sorgen, dass sie mehr und „die Reichen“ weniger bekommen. Sind das die Linken? Andere meinen, der Staat solle zurückhaltender werden bei dem, was er ihnen von ihrem Einkommen wegnimmt. Sind das die Rechten? Ähnliches tut sich im politischen Feld. Immer mehr Bürger haben den Eindruck, dass die überkommenen Institutionen nicht mehr dazu in der Lage sind, die öffentlichen Angelegenheiten zufriedenstellend zu regeln. Die Kämpfer für mehr direkte Demokratie – sind das Linke oder Rechte? Die „Wutbürger“, die die Dinge angesichts eines immer träger erscheinenden politischen Apparates selbst in die Hand nehmen möchten: Linke? Rechte?

Frank Schirrmacher beklagt, dass sich der „Neoliberalismus“, was immer das auch ist, im „Depot des bürgerlichen Denkens“ bedient habe: „Freiheit, Autonomie, Selbstbestimmung bei gleichzeitiger Achtung von individuellen Werten, die Chance zu werden, wer man werden will, bei gleichzeitiger Zähmung des Staates und seiner Allmacht.“

Ja, wo sonst als im Depot bürgerlichen Denkens sollte sich ein Liberaler denn bedienen? Erstaunlich ist nicht dies, sondern der Umstand, dass jemand, der den Eindruck hat, dass einzelne Akteure die Leihstücke aus dem Depot missbrauchen, die konservativen Parteien angreift, weil er sie für die brennende Sorge um sein eigenes Rechthaben verantwortlich macht. Die gerechte Strafe, scheint er zu denken, wäre wohl, dass nun doch die Linken recht gehabt haben.

 

Worum geht es?

Es geht nur nicht darum, wer recht gehabt hat. Es geht darum, zu verstehen, was die, die weder recht noch sonst etwas haben, sich von der Zukunft erwarten. Es geht darum, ihren Erwartungen realistische Szenarien gegenüberzustellen. Es geht darum, sie ernst zu nehmen, indem man ihnen nicht Märchen über gesicherte Pensionen und Pflege für alle erzählt. Es geht darum, ihnen zu beweisen, dass der Missbrauch von Freiheit nicht die Idee der Freiheit diskreditiert, sondern den Freiheitswächter, der zusieht. Es geht tatsächlich darum, dass jeder die Chance hat zu werden, wer er werden will. Und es geht darum zu begreifen, dass gleiche Chancen unterschiedliche Ergebnisse zur Folge haben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.08.2011)

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55 Kommentare
 
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Gast: N_espresso
27.08.2011 22:02
0 0

Welch ein kleinkarierter Kommentar . . .

stimmt.
a . ) zuwenig Marktwirtschaft ... kann auch nur ein in vwl. belangen Unterbelegter behaupten, denn 1.) gerade die Finanzinstitute (Fin.Märkte)sind von allen Märkten jene mit der "grössten Freiheit" ... denn der Kapitalverkehr ist grenzenlos (was ja der GELDWÄSCHE-PLATZ Österreich beweist) ... die Banken dürfen sogar ausserbilanzielle ( ? ) Gesellschaften in Steueroasen haben - was einer direkten Aufforderungen Schwarzgeschäfte in Mrd.Höhe zu betreiben, entspricht (1x darf der Autor raten, was diese taten...) ... und letztendlich wurden auch die Bilanzierungsregeln im OKT in 2 Wochen so geändert, dass deren Bilanzen nicht mehr wert als KLOPAPIER ...sind. 2.) dass das Vermögen - weltweit - u n g l e i c h e r verteilt ist als 1929, weiss auch jeder - ausser dem o.a. "Möchtegern-wirtschafts-versteher"...
b .) falsch / richtig ... sind ja keine Kategorien einer, halbwegs mit Kleinhirn, geführten Debatte - weil ideologiebehaftet, die dem Autor der o.a. Zeilen km-weit aus den Augen hängt... eine Orientierung an den ökonomischen Fakten gibt - NONA - sowohjl Moore als auch Schirrmacher "recht"...
c . ) Kollektiv / Individuum ...oder Eigentum an Produktionsmittel ... ist ja auch nicht die Frage (die der Autor eben nicht "behirnte") sondern einzig und allein : welches Wirtschafts(gesellschafts)modell den MEISTEN - und eben nicht nur 1-5 % - der Bevölkerung dient und ihnen Wohlstand bringt.
Sorry - das bürgerlich/konservativ/liberale Modell ist darn grandios ...gescheitert

Gast: die matrix
24.08.2011 02:14
1 0

Ich liebe Euch.

Fleischhacker, modestus, kassandra, grazer 100 dafür, was Ihr da schreibt!

Svenco
23.08.2011 16:29
0 0

Eine Diskussion ist überflüssig!

Laender, die durch die Kolonialismus Kapital angesammelt haben und diese durch neue Methoden vermehrt haben, verlieren dieses zusehens. Der Kapitalismus muss jetzt also erst im eigenen Nationalstaat überleben. Das geht nur durch die Ausbeutung eigener Bürger. Folglich müssen die Bürger in Österreich ihren Wohlstand aufgeben und mehr arbeiten.

Gast: Norbert Kortus-Petz
23.08.2011 08:42
0 0

Wirtschaft

Lieber Michael!

Schon lange beobachte ich immer wieder deine Kommentare in den Medien. Vielleicht reffen wir uns ja mal zu einem sicher kontroversiellen Gespräch. Was ich aber sagen wollte, ich habe gestern in Pro und Contra dich und die anderen Diskutanten gesehen. Ich bin froh, dass du Herrn Gehring seine pauschle Argumentation aufgedeckt hast, und, wie du vielleicht selbst bemerkt hast, war danach sehr ruhig. Diese Form der Diskussion macht es mit diesen Menschen wirklich schwer nicht einen Kropf zu bekommen.
LG und vielleicht meldest dich mal! (norbert.kortus@gmx.at)
Norbert

Esslinger
22.08.2011 00:21
0 0

Worum geht es?

Die Kritik von Michael Fleischhacker an Moore und Schirrmacher greift für mich zu kurz. Er wirft ihnen pauschal Profilierungsucht vor und kontert dann mit recht spitzfindiger Kritik an einzelnen Aussagen ohne dabei auf den Kern der angeführten Positionen einzugehen.

Für einen so prominent aufgemachten Leitartikel ist mir die Story zu dünn. Womit haben die beiden angesprochenen Kommentatoren in ihrer Systemkritik nun konkret unrecht? Sind ihre Argumente durchgängig so abstrus, dass man sie einfach pauschal als "Radical Chic" abtun kann?

Für mich ist es nicht minder populistisch, sich mit Gemeinplätzen (z.B. "Mangel an marktwirtschaftlichen Prinzipien" oder Bedarf an "realistischen Szenarien") um eine fundierte Systemkritik zu drücken.

Aber immerhin habe ich durch die Lektüre des Artikels erfahren, dass dogmatische Fragen, ob das Kollektiv Vorrang vor dem Individuum hat oder ob das Eigentum an den Produktionsmitteln der Allgemeinheit zusteht, für die aktuelle Diskussion nicht hilfreich sind. Für mich stellt sich allerdings die Frage, wer diese Positionen überhaupt zur Diskussion gestellt haben soll.


Antworten grazer100
22.08.2011 15:47
1 0

Populistisch ??

Absolut nicht.
Fleischhacker zeigt zum Einen Widersprüche an der Argumentation von Moore/Schirrmacher auf und zum Anderen - und das dürften Sie nicht richtig auf die Reihe gekriegt haben - stellt er völlig zu Recht die Wertigkeit (sprich Nutzlosigkeit) des Falsch/Richtig (links/rechts) Denkens von Schirrmacher bloß. Und weiters - völlig zutreffend auch - dass es keine Rolle von irgend einer Bedeutung spielen kann, wer Recht hat und wer nicht.

Noch mehr Nonsens ist es mE, wenn Sie meinen dass F. sich vor einer "fundierten Systemkritik" drückt. Wenn sie allerdings meinen, dass es irgend jemanden gäbe, der im Besitze der allumfassenden Weisheit ist.......?

Ich jedenfalls kann mit dem Beitrag von F. mehr anfangen, als mit jenen von Moore und Schirrmacher.
Realististische Szanarien halte ich im übrigen für keine Allgemeinplätz.

Antworten Antworten Esslinger
23.08.2011 14:29
0 0

Re: Populistisch ??

Mir gibt es wenig, wenn der Fokus der Diskussion nur darauf gelenkt wird was uns *nicht* weiterbringt. Wenn schon jemand vortritt und etwas als sinnlos oder falsch kritisiert, dann hätte ich mir konkretere Gegenpositionen erwartet. Ich bin auch der Meinung, dass irgendwelche dogmatischen Fragen zu rechts und links aus dem 19. Jahrhundert keinen Mehrwert bringen.

Aber wo haben sich Moore und Schirrmacher auf die angeführten domatischen Positionen bezogen? Welches sind überhaupt die Positionen "der Linken" und "der Rechten", die falsch sind? Und welche Argumente bringen seiner Meinung nach doch einen Mehrwert in die Diskussion und sollten daher näher untersucht werden? Warum wird die im Titel angesprochene Frage nach den systematischen Ursachen für die Schere zwischen arm und reich ohne jegliche Begründung als nicht relavant abgetan? Ein wenig mehr Substanz darf es dann ja doch sein.

Das Argument, dass Journalisten nicht im Besitz der allumfassenden Weisheit sind, kann ich als Ausrede nicht gelten lassen. Und das wir realistische Szenarien und veränderte marktwirtschaftliche Prinzipien brauchen, ist ein Gemeinplatz. Was sollten wir denn sonst brauchen? Unrealistische Szenarien und keine Marktwirtschaft? Vielleicht verwechseln hier manche Personen qualifizierte Systemkritik mit dem Eintreten für den Kommunismus.

Da empfehle ich den Gastkommentar von Andreas Khol weiter hinten in der Ausgabe, der hat mir mehr an konkreten inhaltlichen Positionen gegeben.


Esslinger
22.08.2011 00:20
0 0

Worum geht es?

Die Kritik von Michael Fleischhacker an Moore und Schirrmacher greift für mich zu kurz. Er wirft ihnen pauschal Profilierungsucht vor und kontert dann mit recht spitzfindiger Kritik an einzelnen Aussagen ohne dabei auf den Kern der angeführten Positionen einzugehen.

Für einen so prominent aufgemachten Leitartikel ist mir die Story zu dünn. Womit haben die beiden angesprochenen Kommentatoren in ihrer Systemkritik nun konkret unrecht? Sind ihre Argumente durchgängig so abstrus, dass man sie einfach pauschal als "Radical Chic" abtun kann?

Für mich ist es nicht minder populistisch, sich mit Gemeinplätzen (z.B. "Mangel an marktwirtschaftlichen Prinzipien" oder Bedarf an "realistischen Szenarien") um eine fundierte Systemkritik zu drücken.

Aber immerhin habe ich durch die Lektüre des Artikels erfahren, dass dogmatische Fragen, ob das Kollektiv Vorrang vor dem Individuum hat oder ob das Eigentum an den Produktionsmitteln der Allgemeinheit zusteht, für die aktuelle Diskussion nicht hilfreich sind. Für mich stellt sich allerdings die Frage, wer diese Positionen überhaupt zur Diskussion gestellt haben soll.


Gast: Clemens Neuber
21.08.2011 22:00
1 0

Links oder Rechts - Wer hat Recht?

Ausgangspunkt dieser Debatte sind die „Unruhen“, die vom Maghreb und der Levante ausgehend auf Europa übergreifen und von unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen getragen werden. Von zornigen arabischen und empörten spanischen Jugendlichen, von der besorgten israelischen und griechischen Mittelschicht und von Jugendlichen und Kindern in England, die sich einen Teil des Kuchens über Plündern holen wollen.

Machtlosigkeit, Hoffnungslosigkeit und Abstiegsangst sind die Triebfedern. Defizite , die bei einem funktionierenden Gesellschafts- und Generationenvertrag nicht aufkommen dürften. Wo liegt die Ursache, wo die Schuld.

Wenn ständig vorzeigt wird, wie sich die Elite „legal“ am Gemeingut bedient, wie die Elite „legal“ das Recht beugt, wie sich die Elite der gesellschaftlichen Pflichten „legal“ entledigt, darf es einem nicht wundern, wenn dies irgendwie nachgeahmt wird. Und es völlig egal in welchem Links-Rechts-Kontext. Der Egoismus der Eliten wird überall gelebt. Kein System, keine Partei, keine Ideologie ist auszunehmen. Überall wuchern die Beispiele.

Wenn nur mehr der Egoismus gelebt wird, geht das Gemeinsame verloren. Wenn man kein Recht hat, nimmt man sich das Recht. Wenn man keine Zukunft hat, zerstört man das System. Das Rezept der Revolutionen war immer gleich.

Es steht schlecht res publica! Es steht schlecht um die Moral!

Gast: fragen über fragen
21.08.2011 17:22
0 0

Logische Probleme

1. Banken sind Privatwirtschaftlich.
2. Banken sind "systemrelevant", also Politik.

3. Ist Deregulierung privater Banken dann zugleich Deregulierung der Politik und was soll ich davon halten?


Antworten Gast: Burgenländer
21.08.2011 19:10
0 0

Re: Logische Probleme und volkswirtschaftliches...

..... Paradoxon, da Geld eine volkswirtschaftlich gesteuerte "'Größe" ist, der Wert in hohem Maß auf Vertrauen in Politik beruht. Banken dürften daher keine rein betriebswirtschaftliche Aufgabenstellung haben und daher auch nicht ausschließlich mit gewinnorientierten Zielsetzungen geführt werden. D.h. aber auch nicht dem Wettbewerb ausgesetzt sein. Das ist aber geschehen, sodass Herr Ackermann - Chef der deutschen Bank - und alle anderen "Ackermänner" sich in einem Maß über die Politik stellen konnten. Nun denkt sich der sogenannte "kleine Mann" - ich selbst messe 1.78 m - er hätte mit seiner Beobachtung recht, dass nämlich "Geld die Welt regiert" und dies obwohl Geld eigentlich nur ein nützliches Mittel der Wirtschaft sein sollte. Diese Grundproblematik haben Sie mit "fragen über fragen" in drei kurzen Punkten auf den Punkt gebracht. Danke!!!

ökosoziale Marktwirtschaft und neue Ethik in Wirtschaft und Politik

Es muss das neue Lenkrad nicht erst erfunden werden. Bereits ab dem Zusammenbruch des Kommunismus wurde die Gefahr der Ausuferung des Kapitalismus erkannt. Die ökosoziale Marktwirtschaft sind erdacht, der dritte Wege schon in manchem Gehirn. Nunmehr hat der über das Internet oszillierende und das Börsennirvana produzierende Produktionsfaktor Kapital jenes Unheil hervorgerufen, das unter anderen Voraussetzungen bereits ankündigt war. Und nicht erst seit der Krise 2008. In der kleinen Welt - in der die große ihre Probe hält - Österreich, hat eine gewisser Bundeskanzler Schüssel (vom Schreiber dieser Zeilen einst als Kanzler angepriesen, da erfahren im Parlament und Regierungsfunktionen) einst über "Mehr Privat und weniger Staat" geschrieben. Bereits einer seiner sozialdemokratischen Vorgänger hatte die Privatisierung eingeleitet. Schüssel selbst hat diese einem Herrn Mag. KHG überlassen und damit ein Bespiel hervorgebracht, dass uns in eben dieser kleinen Welt Österreich, sehr anschaulich vor Augen führt, wie das Fehlen von Ethik jedes System untergraben kann. Der Mensch ist zwar nicht das Maß aller Dinge, sondern die Schöpfung (für Gläubige: der Schöpfer), aber wir Menschen sind es die gut durchdachten Prinzipien und Strukturen in Wirtschaft und Politik dann den richtigen Geist geben können, wenn dieser Geist von einer Ethik getragen ist die dem Egoismus Grenzen setzt. Gewinn wurde vom Motivator und damit Diener der Bedürfnisbefriedigung (Wirtschaften) zum Selbstzweck,

Antworten modestus
21.08.2011 18:30
1 0

Re: ökosoziale Marktwirtschaft und neue Ethik in Wirtschaft und Politik

schüssels verantwortungsvolle budgetpolitik hat uns in der krise nicht mehr als ein blaues auge gekostet...dafür wurde im das etikette "soziale kälte" verpasst und er wurde abgewählt. schüssels fehler war, dass er dachte..gute politik belohnt der wähler. was der wähler wirklich belohnt und was das am ende kostet sehen wir jetzt in griechenland.
klaus und schüssel waren verantwortungsvolle finanzpolitiker..beide wurden bestraft.
wie das funktioniert zeigt obiger poster.

Antworten Antworten Gast: Burgenländer
22.08.2011 17:51
0 1

Re: Re: ökosoziale Marktwirtschaft und neue Ethik in Wirtschaft und Politik

Ich in meinem Beitrag den positiven Beitrag zur Budgetpolitik der Schüsselregierung nicht in Frage gestellt, sonder ausschließlich die Problematik des moralisch nicht sattelfesten Finanzministers im Zusammenhang mit der Privatisierung angesprochen.

Antworten Antworten Antworten modestus
22.08.2011 19:01
0 0

Re: Re: Re: ökosoziale Marktwirtschaft und neue Ethik in Wirtschaft und Politik

burgenländer..ich nehme an sie sind der wutzelhofer..

herr grasser ist unbescholten...wo er moralisch nicht sattelfest ist steht aus. seine budgetpolitik war einwandfrei und seither nicht mehr erreicht.
die hatz auf grasser ist nur eine versteckte form der hatz auf schüssel. man will die 7 jahre schüssel unbedingt negativ belasten und schiesst auf grasser wenn man doch schüssel meint. was die spöbis heute nicht verkraftet ist die regierungsabsenz von 2000 bis 2006.
für eschatologische marxisten war das ein unfall in der geschichtsarithmetik..
jetzt da es schön langsam sichtbar wird, dass die vermeintliche soziale kälte, verantwortungsvolle zukunftsplanung war, ist es umso wichtiger endlich etwas gegen grasser zu finden..es gibt aber nichts, sonst hätte die justiz schon längst fündig werden müssen.
was ihre unfundierten vorwürfe gegen grasser betrifft, so sind sie williges opfer parteitaktischer propaganda...die unmoral ist die ihre

Antworten Antworten grazer100
22.08.2011 00:38
1 0

Re: Re: ökosoziale Marktwirtschaft und neue Ethik in Wirtschaft und Politik

So ist es.
Natürlich ist die scharzblaue Regierungszeit va für die Linken der Inbegriff des Bösen. In Wirklichkeit war sie für Ö. - bei aller Kritik, die man auch daran üben kann - das Beste, was lange vorher und va seitdem nicht mehr der Fall ist....

Geldfux
21.08.2011 11:24
1 0

"Spüren, dass es etwas Neues beginntt"

Das ist der fundamentale Irrtum der EU, der
EZB und der Mitglieder im EURO - Klub, und der Regierungen, die beim Konjunktur und Börsenkrach des Jahres 2007 glaubten, sie müssen unbedingt eingreifen und den systemerhaltenden Banken helfen! Doch so wie jedes Leben durch den Tod beendet wird, trotz aller medizinischen Fortschritte, sind Staatspleiten und Konkurse von Banken und Firmen unvermeidlich. Auch alle privaten Frmen überdauern die Zeiten nur, solange es eine hoch begabte und motivierte Erbengeneration gibt.
Auch die lateinische Münzunion ist gescheitert, so wird auch sicher der Euro scheitern. Das musste man schon erkennen, als sich Frankreich und Deutschland weigerten, die Grenze eines dreiprozentigen Zuwachs der Staatsschulden einzuhalten. Die dafür vorgesehenen Strafen wurden ausgesetzt. Der zweite gvravierende Fehler war, dass die EU und die EZB den statisichen Schwindel der Regierung Griechenlands bei der Aufnahme in den EURO Klub tolerierten. Der Rettungsschirm für Griechenland war de facto wirkungslos. Die Eurobonds würden nur weiter dazu beitragen, den Ernst der Lage noch eine Weile zu verheimlichen. Je länger die Frau Merkel und Herr Sarkossy verhandeln und die Pleite hinausziehen können, umso größer wird diese Pleite des Euro werden! Verschont von dieser Pleite werden nur diejenigen werden, die ihre Euro in Gold oder in ein paar noch sicheren Währungen veranlagen konnten. Das ist nicht neu,das war bei allen Krisen so. Die politischen Folgen unvorhersehbar!

Gast: Unternehmer
21.08.2011 11:17
1 0

Neolinke Kapitalismuskritik

Die Kritik am Neoliberalismus arbeitet vor allem mit Mythen, wobei der Begriff Neoliberalismus selber einer ist. Dann gibt’s da „die Reichen“ , von denen niemals klar, ist wo die eigentlich anfangen. Und glauben die Neolinken wirklich, dass, wenn man ein paar Billionäre enteignet, dass man damit den Rest der Welt glücklich machen kann.

Es geht um die Bekämpfung von Mißbrauch ( wie Boni für verkrachte Manager oder hemmungsloses Spekulantentum), ja, und Besserverdiener sollen mehr Steuern beitragen. Aber Planwirtschaft ist sicher nicht die Antwort auf ökonomische Probleme.

Antworten Gast: Burgenländer
21.08.2011 16:15
0 0

Planwirtschaft

Hat da jemand etwas von Planwirtschaft gesagt? Es ist kein Mythos wenn der Einkommensunterschied von den untersten Einkommen vor zwanzig Jahren etwa 1zu 40 und nunmehr einer von 1 zu 500 ist. Hier muss etwas Elementares passiert sein. Und zwar unabhängig von den gängigen Schlagwörtern: Neoliberal, linksliberal, links oder neolinks. Dieser Schlagwörter sind mediale Verkürzungen aber längst kein Beitrag zu einer sachlichen Diskussion. Wann werden wir das endlich verstehen?

grazer100
21.08.2011 05:04
4 0

Intellektueller Snobismus

Gefällt mir sehr gut wie Herr Fleischhacker sich ausdrückt. Ein meines Erachtens hervorragender, ausgewogener, interessanter Beitrag. Und intellektuellen Snobismus, der gewiss vielfach anzutreffen ist, kann man ihm ganz sicher nicht nachsagen...Von so etwas haben nämlich vor allem die Leser am allerwenigsten.
Während etwa der Standard (Rauscher, John) die Meinung von Moore mehr oder weniger blind goutieren, greift der Kommentar von Fleischhacker - untendenziös - viel weiter.

Für mich bleibt, dass die wesentliche Ursache der Miseren die Korruption bzw. der Missbrauch ist.
Vor allem aber nicht nur in diesem Zusammenhang sind die Schlag- und Kampfwörter Links, Rechts, (Neo)Liberalismus,mehr Staat usw. völlig belanglos und nicht dienlich. Diese übertünchen, nebenbei erwähnt, auch reale Gegebenheiten.

Daher geht es nicht um die theoretische Lösung von ideologischen Richtungen, mit denen in Wirklicheit keiner was anfangen kann, sondern in der Tat "nur" um REALISTISCHE Szenarien, die wir von der Politik erwarten. Und bitte keine anonymen Schuldige (Zocker), keine Träume, kein Wunschdenken, kein BlaBla, sondern offene und ehrliche Worte - auch wenn sie auf keine ungeteilte Zustimmung stoßen. Aber - und das Sprichwort stimmt - Ehrlichkeit währt am längsten.

Gast: chefredaktion
21.08.2011 00:10
0 1

also herr fle

ist ja auch niemals nicht in irgendeiner seilschaft hochgekommen, nicht...

Gast: tigerzahn
20.08.2011 22:01
0 1

es geht auch darum, daß kapitalismus und freie marktwirtschaft

nicht lüge, betrug und diebstahl legitimiert,

daß menschlichkeit nicht auf ausnutzen und ausgenutzt werden abzielt,

aber daß die politik genau das zum obersten ziel gemacht hat.

weil es das persönliche oberste ziel der zuletzt und jetzt machthabenden personen ist.

und jetzt flennen sie, weil sie nicht die einzigen mächtigen oder auch ohnmächtigen mit schlechtem charakter sind.


Paul Katz
20.08.2011 17:39
4 0

gesucht: echte Marktwirtschaft

Das Fatale ist ja, dass Mächtige/Superreiche nun als selbsternannte Marktwirtschaftsverfechter den "freien Markt" so defionieren wie er ihnen passt. Der klassische freie Markt der Theorie geht von gleich starken Marktteilnehmern aus, damit er funktionieren kann.

Eine Gesellschaft, in der die einen Marktteilnehmer Rechtsanwälte, Think Tanks und gekaufte Politiker auf zur Verfügung haben und dafür sorgen, dass die anderen sich nicht zusammenschließen, keine Aufsichtsbehörden, Konsumentenschutzorganisationen oder sonstigen Machtinstrumente zur Verfügung haben, das ist kein "freier Markt".

Das ist kein Markt sondern ein "company store", in dem Abhängige zu überhöhten Preisen schlechte Qualität ohne Wahl kaufen sollen. Das ist aber leider der "freie Markt" der sogenannten "Neoliberalen" vorschwebt.

Es ist derselbe "Markt", den Kommunisten und Sozialisten realisierten, nur dass die Übergewinne an einen anderen Klüngel gehen.

periskop
20.08.2011 16:37
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Warum sollte etwas Neues beginnen?

Die Unsicherheit auf den Märkten ist heute ungeheuer groß. Das hat aber gar nichts mit “links” oder “rechts” zu tun, sondern damit, dass die zwei bedeutendsten Wirtschaftsblöcke der Welt, die USA und die EU heute einen gefährlichen Kurs mit unabsehbarem Ausgang steuern:

In den USA gibt es eine mächtiger werdende Gruppe, die mit Absicht eine Rezession herbeiführen will, um Obama damit zu schaden und seine Wiederwahl zu verhindern. Niemand weiß, wohin das führen wird und ob man einen mutwillig herbeigeführten Abschwung dann rechtzeitig bremsen kann!

In der Wirtschaftspolitik der EU-Staaten gibt es zwei unvereinbare Richtungen: Länder, die eher am Mittelmeer liegen, fahren schon lange eine Politik, die nur mit regelmäßigen Währungsabwertungen machbar ist. Weiter nördlich setzt man aber auf Hartwährungspolitik und Stabilität. Eine einheitliche Währung ist aber nur mit gleicher Finanz-, Wirtschafts- und Sozialpolitik möglich, was bei der Euroeinführung völlig missachtet wurde!
Jetzt haben wir zwei unvereinbare Paradigmen mit denen eine konsistente Wirtschaftspolitik unmöglich ist. Die EU-Bonzen wollen ihren Fehler, eine einzige Währung für alle zu schaffen, aber auf keinen Fall zugeben und versuchen das Leben des unhaltbaren Euro mit sinnlosen Tricks zu verlängern.
Niemand kann voraussehen, wo das enden wird!

Das sind die Ursachen unserer endlosen Krise, nicht irgendwelche rechte oder linke Ideologien. Deshalb brauchen wir auch nichts "Neues" sondern nur politische Vernunft!

Antworten modestus
20.08.2011 17:00
3 0

Re: Warum sollte etwas Neues beginnen?

natürlich gibt es in den USA kampftaktiken gegen die wiederwahl von obama...aber niemand riskiert oder plant gar eine rezession..die gruppe die obamas wiederwahl verhindern will, würde von einer rezession den meisten schaden erleiden.
was den EURO betrifft, so hat er sich durch alle stürme und widerwärtigkeitenh erstaunlich gut geschlagen. si8cher wäre die USE zuerst und die währung danach besser gewesen...allein es war nicht möglich.
der euro wird weiter unsere währung sein und die EU verdichten..mit den resultat, dass wir doch ein staat werden und nicht ein zerstrittener haufen bleiben

Antworten Antworten periskop
21.08.2011 07:36
1 2

Re: Re: Warum sollte etwas Neues beginnen?

Die Rezession wird von der EU ausgehen, die mit ihrem Rettungsschirm nichts rettet, sondern nur Kurse manipuliert und die EZB zwingt, wertlose Staatspapiere zu Phantasiepreisen zu kaufen.
Dann werden auch in den USA die Staatseinnahmen sinken und die Staatsausgaben (z. B. für Arbeitslose) steigen. Deshalb wird die gerade erst mit Krampf erhöhte Schuldengrenze der USA nicht reichen. Kurz vor der Präsidentenwahl kann die Tea Party aber eine höhere Schuldengrenze nicht zulassen, dadurch wird die Rezession verstärkt. Ob man das "geplant" nennt oder nicht, ist nebensächlich!
Der Euro wird entweder auf Staaten mit gleicher Wirtschaftspolitik beschränkt werden oder untergehen!

 
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