25.05.2012 13:46 | Meine Presse Merkliste 0

Israel ist in die Defensive geraten

MICHAEL FLEISCHHACKER (Die Presse)

Man muss hoffen, dass die antiisraelischen Kräfte nach dem Arabischen Frühling nicht im Fahrwasser eines naiven Revolutionsglaubens die Oberhand gewinnen.

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Lange Zeit schien es so, als spielte sich der Arabische Frühling, der in Tunesien, Libyen und Ägypten lang gedienten Diktatoren die Macht gekostet hat, an der Peripherie dessen ab, was man den „Nah-Ost-Konflikt“ nennt. Die Ausnahme bildete der im Vergleich zum libyschen Militäreinsatz der Nato verhaltene Umgang des Westens mit dem brutalen Vorgehen des Assad-Regimes gegen die Demokratiebewegung in Syrien. Syrien, hieß es, sei zu nah am Glutkern des Konflikts, ein Militäreinsatz gegen Assads Truppen könnte unbeherrschbare Konsequenzen haben, die bis zu einem neuen Krieg im Nahen Osten führen könnten.

Die Auseinandersetzungen zwischen Ägypten und Israel und zwischen der Türkei und Israel zeigen, ebenso wie die bevorstehende Debatte über die Aufnahme des Palästinenserstaates in die Vereinten Nationen, dass der Arabische Frühling auch ohne ein schärferes Vorgehen gegen Syrien sehr direkte Auswirkungen auf das Verhältnis zwischen Israel und seiner arabischen Umwelt hat.

Israel ist in die Defensive geraten. Das Argument, dass ein Staat, der als Reaktion auf den Holocaust gegründet wurde und sich als einzige Demokratie in einem Umfeld von arabischen Despotien im permanenten Kriegszustand befindet, nicht nur ein Recht, sondern geradezu die Pflicht hat, Sicherheitsinteressen höher zu bewerten als etwa ein EU-Mitglied, das in einen großen Friedensteppich eingewoben ist, scheint an Kraft verloren zu haben.

Man wird nicht umhinkommen, die Reaktionen der Regierung Netanjahu auf die Revolutionen in der Nachbarschaft als ungeschickt bis fahrlässig zu bewerten. So zu tun, als sei nichts passiert, geht selten gut. Die sich jetzt verfestigende Sprachregelung, dass nach der wundersamen Demokratisierung der arabischen Welt Israel als einziger böser Militärstaat übrig bleibe, der die armen, unschuldigen Palästinenser knechtet, ist allerdings nicht weniger realitätsfern und fahrlässig.

Die Debatte über den Antrag des Westjordanland-Präsidenten Abbas auf Aufnahme eines Palästinenserstaates, der auch den von der Hamas beherrschten Gazastreifen umfasst, folgt bereits dem neuen antiisraelischen Mainstream: Die bösen Israelis, heißt es, wollen mit brutalen Drohungen verhindern, dass die armen Palästinenser endlich ihren lang ersehnten Staat bekommen, auf den sie doch ein Recht haben.

Ja, die aktuelle Regierung Israels blendet die neue Realität in der arabischen Nachbarschaft aus. Allerdings ist es bestenfalls naiv, so zu tun, als ob diese sich erst formierende Realität bereits zu einer substanziellen Veränderung der israelischen Sicherheitslage geführt hätte. Und es ist doch zumindest verwunderlich, dass jene, die Israel vorwerfen, neue Realitäten zu ignorieren, ohne Weiteres bereit sind, ihrerseits die Gaza-Realität zu ignorieren, die der Anerkennung eines Palästinenserstaates zum jetzigen Zeitpunkt diametral gegenübersteht.

Israel ist dabei, die Schlacht um die Lufthoheit über den internationalen Debattentischen zu verlieren. Schon bisher haben die Islamversteher des Westens so getan, als wären die Fundamentalisten, die dem Judenstaat jedes Existenzrecht absprechen und diese ihre Position jederzeit durch terroristische Gewalt zu untermauern bereit sind, lediglich eine Erfindung der israelischen Propaganda. Der Regimewechsel in Ägypten, dessen Endergebnis noch immer aussteht, und die noch weniger absehbare Entwicklung in Syrien gelten ihnen jetzt als Beweis für ihre These.


In der kommenden Woche wird eine der großen Schlachten im Nah-Ost-Konflikt geschlagen. Wie in militärischen Auseinandersetzungen kommt es auch in diplomatischen Gefechten darauf an, die Lage auf dem Schlachtfeld mithilfe von öffentlichen und vertraulichen Informationen richtig einzuschätzen. Das ist die Schwäche der israelischen Regierung: Ihre Aufmerksamkeit ist derzeit so sehr von innenpolitischer Taktik im Interesse des Machterhalts absorbiert, dass ihr zu viele Fehler in der Einschätzung der äußeren Wirklichkeit unterlaufen. Man muss hoffen, dass die antiisraelischen Kräfte nicht im Fahrwasser eines naiven Revolutionsglaubens die Oberhand gewinnen. Die Regierung Netanjahu gibt dieser Hoffnung nicht wirklich Nahrung.

 

E-Mails an: michael.fleischhacker@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.09.2011)

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22 Kommentare
Gast: Gast 2011
19.09.2011 12:40
1 0

obwohl meist einer Meinung

mit Fleischhacker kann ich diesen Artikel in keiner Weise nachvollziehen. Mein Mitleid mit dem von der USA fast bedingungslos unterstützten Israel hält sich bei den überheblichen Poltikern dieses Landes sehr in Grenzen. Es wäre Zeit, daß auch die europäischen Politiker ihre gebückte Haltung gegenüber Israel überdenken.

Gast: vergiss-die-presse
17.09.2011 22:27
1 0

Unwürdig eines Chefredakteurs

Wenn ich es gebraucht hätte, wüsste ich wieder, warum ich die Presse nicht mehr brauche.... Schade, unter Chorherr war es ein großartige Zeitung!

2 2

wer mühsamst nach (unzulänglichen) vergleichen sucht, ist schon ziemlich im eck...!

"Das Argument, dass ein Staat, der als Reaktion auf den Holocaust gegründet wurde und sich als einzige Demokratie in einem Umfeld von arabischen Despotien im permanenten Kriegszustand befindet, nicht nur ein Recht, sondern geradezu die Pflicht hat, Sicherheitsinteressen höher zu bewerten als etwa ein EU-Mitglied, das in einen großen Friedensteppich eingewoben ist, scheint an Kraft verloren zu haben."

auch in europa gab es krieg. auch europäische staaten hatten sicherheitsinteressen.
dennoch haben die siegermächte nach wk2 nicht die besatzung aufrechterhalten und ö und d auf immer und ewig zu ihren untertanen und sklaven erklärt, die gefälligst für die sünden ihrer väter und großväter zu büßen hätten.

wer frieden tatsächlich will, der bekommt ihn auch.
wer aber glaubt, ohne frieden die höhere siegesdividende ernten zu können, der SOLL auf die nase fallen wie es israel jetzt nicht erspart werden wird!

Antworten Arethas
23.09.2011 11:07
0 0

Re: wer mühsamst nach (unzulänglichen) vergleichen sucht, ist schon ziemlich im eck...!

"...dennoch haben die siegermächte nach wk2 *nicht* die besatzung aufrechterhalten und ö und d auf immer und ewig zu ihren untertanen und sklaven erklärt, die gefälligst für die sünden ihrer väter und großväter zu büßen hätten. (...)"

Wie bitte?!


Gast: Kniescheibe
17.09.2011 14:48
3 1

Mit klaren Feindbildern hat der Tag Struktur.

Nachdem ich eben die Artikel in der Printausgabe gelesen habe stellen sich mir ein paar grundsätzliche Fragen zur Wahrnehmung der Verfasser. Zum einen natürlich ob es eine redaktionelle Vorgabe zur Verwendung der Begriffe "Hass" und "Antiisraelisch" gab um die Artikel so schön düster zu halten, man kann ja wohl als Moslem oder Araber nicht einfach nur zornig über Opfer israelischer Überreaktionen sein, nein man muss Hassen und Israel vernichten, drunter geht gar nichts. Dann gibt es einen Politiker der, leider als eher einer der Einzigen, erkennt welches Potential in dem sich veränderten nahen Osten steckt und sich aus der Pole-Position dort engagiert, während alle anderen zu blöd oder zu feig sind um dies zu tun. Leider ist er ein Türke, ergo ist er ein Neosultan und muss gekaramustafazifiert werden um im rechten, schlechten Licht zu bleiben, ganz ein Gefährlicher der, nicht? Dass es auch in Israel innenpolitisch heftig brodelt, dass es auch in Israel ultraorthodoxe religiöse Irre und bewegungsunfähige Militärs sind, die den Konflikt mit allen Mitteln am leben erhalten müssen, weil sie sich nur mehr dadurch legitimieren können scheint für ein einseitiges und undifferenziertes Leitartikelchen einfach ausserhalb der Scheuklappen zu liegen - Hauptsache man kann einmal herzhaft "Islamversteher" in den Raum rülpsen - Mahlzeit. Aber für 15 mal "antiisraelisch" in dem Leitartikelchen gibts sicher ein goldenes Sternchen ins Mitarbeitsheft, gut gemacht!

Antworten Arethas
23.09.2011 11:11
0 0

Re: Mit klaren Feindbildern hat der Tag Struktur.

Sie haben recht.

Ein Neosultan ist er trotzdem.

Die Türkei hat sich auch nie für die etwa 100.000 Getöteten und Verschleppten (Zahl von nö. Historiker Karl Gutkas) während der Türkenkriege entschuldigt.
Wenn die Türken jetzt das osmanische Reich hochleben lassen, sollten bei uns die Alarmglocken schrillen.

Gast: hallo
17.09.2011 13:10
2 2

Fleischhacker, Fleischhacker...

Respekt gebührt derPresse allerdings dafür, dass sie immer wieder auch israelkritische Artikel veröffentlicht, wie etwa am 16.9. das starke Interview mit Moshe Zimmermann (´In Israel begreifen die Leute nicht...´)

ps.: für mein Empfinden übrigens ist geheuchelter Philosemitismus fast ebenso schlimm und ekelhaft wie Antisemitismus.

(Und ich bin gespannt, ob diese meine Wortmeldung wieder zensuriert wird. Weil man könnte sie ja ´antisemitisch´ interpretieren. ´Die wahre Gesinnung ist ja oft zwischen den Zeilen.´ Wie der Schelm halt denkt...)

2 4

erstaunlich tendenziöser artikel

hätte ich mir von Michael Fleischhacker nicht erwartet.

Svenco
17.09.2011 09:38
3 5

Nur eine Frage an MICHAEL FLEISCHHACKER.

Würden Sie den Liebermann als Aussenminister eines EU-Landes akzeptieren? Wenn Sie ja sagen, kann ich Sie nur um die EU bemitleiden.
Wenn Sie nein sagen, würde ich nur sagen, dass Liebermann etwas darüber nachdenken soll!

Gast: Karl Huber
17.09.2011 08:15
6 3

Sehr geehrter Fle.

Ich habe auf einen Beitrag zu diesem Thema gewartet. Die spitze Feder heute im Schrank belassen?

Das die Regierung Netanjahu derzeit weder Innen- noch Außenpolitisch besonders glänzt ist leider wahr. Ich kann es den Isis aber nicht ankreiden. Wir, wie Sie richtig schreiben im Friedensteppich der EU eingewoben, haben wenig bis keine Ahnung wie die Lebensumstände in Israel wirklich sind.
Wir, Sie als Journalist wie ich als ländlicher Österreicher, müssen unsere Informationen aus allen Ecken zusammentragen und uns darauf verlassen das ein Teil davon sogar der Wahrheit entspricht.
Meine persönliche Erfahrung mit Israel sind, daß die Isis ein aufgeschlossenes, selbstbewußtes Volk, in einem rechtsstaatlichen Gebilde zu Hause, (in dem selbst ein Präsident angeklagt und verurteilt werden kann. Österreich kann von Israel viel lernen!) die einzige funktionierende Demokratie im ganzen Nahen- und großen Teilen es Fernen Osten ist.
Wenn für den Westen etwas "Alternativlos" ist, dann die Unterstützung Israels.
Doch der aufkeimende Antisemtismus, speziell aus dem linken Spektrum (die werden das wohl NIE ablegen...), um politisches Kleingeld zu gewinnen und deren "Neuwähler" an der Stange zu halten machen diese Aufgabe schier unmöglich.

Ich denke wir haben schon aus Eigeninteressen die Pflicht Israel zu unterstützen. Wenn sich die Türkei weiterhin wie Irre aufführen, Ägypten und Libyen der Scharia verfällt kann das zu einem Flächenbrannt ungeahnten Ausmaßes führen.
Wollen wir das....?

Antworten Svenco
17.09.2011 09:41
4 7

Re: Sehr geehrter Fle.

Du möchtest also, dass die Isis weiter morden dürfen!

Antworten Antworten Gast: Wambo
17.09.2011 12:55
2 1

Nein, DU möchtest, dass deine Hamas

beim Morden freie Hand bekommt!

3 1

Re: Nein, DU möchtest, dass deine Hamas

Schon mal auf den Gedanken gekommen dass jemand der Meinung sein kann dass ALLE ZWEI mit dem Scheiß aufhören sollen??

Die Israelis sollen aufhören UND die Hamas sollen aufhören und Legitimation zum Leute umbringen haben sie ALLE ZWEI keine.

Was ist den daran jetzt so schwer zu kapieren (ausser dass das Feidbild fehlt)??

Trog
17.09.2011 00:27
7 1

Im Ende des vorletzten Absatzes

steckt die Quintessenz: Eigentlich gibt es keinen arabischen Frühling, Syrien ist Chaosgebiet, Ägypten fällt als Treppenwitz der Weltgeschichte aufgrund des "arabischen Frühlings" als ehemaliger sicherer Nachbar weg. Der gefährliche Brei wird noch von der Türkei kräftig gerührt, weil man dort als Islam-, aber nicht arabischer Staat das so lange ersehnte Profil gewinnen will, weil man bis jetzt weder von Europäern noch von Arabern ernst genommen wurde.

Gast: Wahrheitssucher
16.09.2011 20:02
13 14

Lächerlicher Artikel

Dieser Artikel ist so einseitig, dass er von Liebermann geschrieben worden sein könnte.

Israel ist nicht in die Defensive geraten: Israel hat sich mit seiner menschenverachtenden Politk ins Eckerl gestellt.


Gast: check
16.09.2011 20:00
14 5

Das war doch von Anfang an klar


Der massive Antisemitismus in den arabischen Nachbarstaaten konnte nur durch pragmatische Diktatoren, die sich im realen Krieg mit Israel keine blutige Nase holen wollten, unter Kontrolle gehalten werden.

Jetzt, nach dem sich die "Generation Facebook" als Isl amistenhaufen geoutet hat, kommt der nicht unbegründete molsemische Minderwertigkeitskomplex wieder voll zum Vorschein und manifestiert sich in Aggressionen gegenüber Israel.

"Das beste Argument gegen die Demokratie ist ein 10-minütiges Gespräch mit dem Durchschnittswähler" lautet eine alte Weisheit.

In den arabischen Ländern genügt ein 30-Sekunden-gespräch!

Antworten Sangreal
17.09.2011 13:59
1 1

Re: Das war doch von Anfang an klar

bravo, selten ein so gutes Kommentar gelesen!

Gast: g749+
16.09.2011 19:26
0 11

das kann nicht passsieren die haben keine övp


Antworten Gast: Niederösterreicher
16.09.2011 20:39
6 0

Re: Ob es herpaßt oder nicht -

Hauptsache ist, Sie haben sich Ihrer Emotionen entledigt! Und unter Bezug auf den Beitrag von "Check": bei Ihnen genügt bereit ein Blick auf Ihr Geschreibsel ....

2 4

Re: Re: Ob es herpaßt oder nicht -

schon wieder die stinkende rote Socke aus der Löwelstraße - stinken Sie sich nicht schon selber zuviel ?

Gast: Analyst
16.09.2011 19:21
6 12

Angesichts dieses sehr einseitigen...

... Artikels kann dem Redakteur nur empfohlen werden, sich entweder eingehender mit der Geschichte des Konflikts um Palästina und um den Nahen Osten zu befassen, oder aber derartige Artikel von jemandem anderen schreiben zu lassen. Dieses Geschreibsel ist jedenfalls eines Chefredakteurs unwürdig, weil nicht nur sachlich falsch, sondern auch tendenziös!

8 4

Re: Angesichts dieses sehr einseitigen...

Analyst! Statt nur mit diffusen Beschuldigungen auf CR Fleischhacker hin zu prügeln, hätten sie besser das tun sollen, was man von Ihrem Pseudonym eigentlich erwarten kann: Nämlich wirklichzu ANALYSIEREN! Also: Noch einmal versuchen und den Artikel auf "sachliche Fehler" abklopfen! Vielleicht gelingt es Ihnen dann sogar, die Leser des Online-Forums von Ihren "besseren" Argumenten zu überzeugen...

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