25.05.2012 13:56 | Meine Presse Merkliste 0

Gottschalk und die Wiener ÖVP haben dasselbe Problem

MICHAEL FLEISCHHACKER (Die Presse)

Fernsehformate wie „Wetten dass..?“ und Politikformate wie Parteien haben dasselbe Problem: So geht es nicht mehr. Anders auch nicht.

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Die Frage, wer Thomas Gottschalk als Moderator von „Wetten dass..?“ nachfolgt, bewegt seit Monaten die Medienbranche. Kein Wunder, Gottschalks Sendung war das letzte Bollwerk des Fernsehens, wie wir es kannten: Die Samstagabend-Familien-Show, in der Unterhaltung im klassischen Mix der 1980er- und 90er-Jahre geboten wurde, mit internationalen Showgrößen, politischen Berühmtheiten, Sportstars und einem Moderator, der auch im fortgeschrittenen Alter über bubenhaften Charme verfügte.

Dass das so nicht mehr geht, weiß man schon lange. Nur hilft einem das nicht weiter, solange man nicht weiß, was geht. Der ORF hat diese Erfahrungen mehrfach gemacht, am nachhaltigsten mit dem Ende der „Durchschaltung“ der „Zeit im Bild 1“. Die dahinterliegende Überlegung war zweifellos richtig: Dem Publikum um 19.30 Uhr zwangsweise auf beiden Kanälen Nachrichten zu servieren, das ging und geht nicht mehr. Aber was geht? Darauf fand der ORF keine Antwort. Er sendet seit der Einstellung der gefloppten Eigenproduktion „Mitten im Achten“ die US-Serie „Mein cooler Onkel Charly“, auch nicht wirklich ein Ausweis für den forcierten Qualitätsanspruch öffentlich-rechtlichen Fernsehens.

Kürzlich war in dieser Zeitung der ironische Hinweis zu lesen, dass die Wiener ÖVP die einzige Veranstaltung sei, für deren Leitung es noch mehr Absagen gebe als für Gottschalks Nachfolge bei „Wetten dass..?“. Dieser Hinweis trifft den Kern der Sache. Denn das, was sich derzeit an fundamentalen Umwälzungen im Bereich des Fernsehens ereignet, gilt über weite Strecken eins zu eins für die Politik: Es ist ist nicht mehr möglich, sich an „alle“ zu wenden.

Nur: So wie „Wetten dass..?“ bei allen Schwierigkeiten und Ausdünnungserscheinungen immer noch eines der erfolgreichsten Formate ist, sind die alteingesessenen Formen politischer Kommunikation über Parteien und Verbände trotz kontinuierlich schwindender Mitglieder- und Stammwählerzahlen in ihrer Wirkung bislang unerreicht. Fernsehmacher und Politikmacher sehen sich also dazu verdammt, die alten Formate aufrechtzuerhalten, um nicht auch noch die Alten zu vergrätzen. Auch wenn „Wetten dass..?“ weiter an Quoten verliert, zeichnet sich kein Format ab, das kurzfristig in der Lage wäre, an Samstagabenden so viele Zuschauer vor die Fernsehschirme zu bringen. Selbst wenn die Wiener ÖVP bei den kommenden Wahlen ein Ergebnis im einstelligen Prozentbereich einfährt, würde sie mit einiger Wahrscheinlichkeit stärker sein als alles, was sich derzeit in der Vorstellungswelt enttäuschter Bürgerlicher an neuen „Bewegungen“ tummelt.

Es wird also hier wie dort am Bestehenden herumgedoktert, um zu retten, was noch da ist. Das ZDF hat Thomas Gottschalk vor zwei Jahren eine blonde Allerweltsschönheit zur Seite gestellt, in den alteingesessenen Parteien ist man permanent auf der Suche nach präsentablen Gesichtern, weil angeblich „Personalisierung“ das einzige Mittel ist, die bestehenden Strukturen und Mechanismen am Laufen zu halten.


Die Folge dieser Entwicklung ist, dass in den großen Strukturen der öffentlich-rechtlichen Medien und der Politik immer mehr Geld für immer weniger Leute ausgegeben wird. Da immer mehr, vor allem junge Menschen den berechtigten Eindruck haben, dass sie für ihr Geld – Gebühren, Steuern – immer weniger bekommen, steigt der Veränderungsdruck. Während der vergangenen Jahre hat dieser Druck zu einer Nivellierung nach unten geführt. Die öffentlich-rechtlichen Sender kopieren die Privaten, die Politik hat sich dem Populismus verschrieben.

Auch dieser Ausweg hat nicht funktioniert. Es wird Zeit für die öffentlich-rechtlichen Institutionen, ernsthaft auf die gesellschaftlichen Veränderungen zu reagieren. Die Menschen wollen selbst entscheiden, was sie denken, konsumieren und tun. Man wird nicht umhinkommen, ihnen dafür auch die Mittel zur Verfügung zu stellen. Das heißt, dass die öffentlich-rechtlichen Sender mit weniger Gebühren und die politisch Verantwortlichen mit weniger Steuern auskommen sollten. Dafür können sie sich dann wieder auf die Aufgaben konzentrieren, die sie eigentlich haben.

 

E-Mails an: michael.fleischhacker@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.12.2011)

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42 Kommentare
 
1 2
bula sagt
04.12.2011 20:10
1 0

gottschalk hatte nie ein problem

und jetzt schon gar nicht.
die wiener övp hat seit langem probleme und jetzt erst recht.
insofern hinkt der vergleich stark.
die spirale der qualität - im tv und in der politik - dreht sich weiter nach unten. in österreich schneller als in deutschland. dort haben sich ard und zdf etwas erfangen.
und mit dem niedergang der bildung hierzulande - da nützen auch volksbegehren wenig - wird´s noch lange so bleiben.

Gast: Domenico
04.12.2011 13:22
0 0

Leider haben Sie recht

.. und ich denke, Ihre politische Analyse trifft.

Doch ob Sie die Betroffenen damit erreichen?

Die lesen wohl eher die U-Bahnzeitungen, scheint es :-)

lg

und was ist mit den 68ern?


die haben sie vergessen, fle! die sind an allem schuld, das hätte doch auch noch platz haben können. echt der ewige refrain geht mir etwas ab in letzter zeit.

Antworten Ka_Sandra
03.12.2011 21:53
3 0

Re: und was ist mit den 68ern?

Ach herrjeh, Sisyphus wieder einmal bei seiner aussichtslosen Arbeit ;-)

Falls Ihnen gerade fad ist: Nowak hat auch schon wieder was geschrieben. Das können Sie auf keinen Fall unkommentiert lassen!

Re: Re: und was ist mit den 68ern?

der n. ist heute so schlecht, fad UND banal...nicht mal ich konnte mich zu einem kommentar durchringen, obwohl ich sein treuester fan bin. das richtet sich schon von selbst.

Antworten Antworten Antworten Ka_Sandra
03.12.2011 23:03
0 0

Re: Re: Re: und was ist mit den 68ern?

Kneifen gilt nicht! Wofür werden Sie schließlich bezahlt?

Übrigens hat schon ein Cousin von Ihnen dort drüben gepostet. Tja, Verwandte kann man sich halt nicht aussuchen ;-)


Re: Re: Re: Re: und was ist mit den 68ern?

ach so, der fuchs. der ist ja nur schellhorns echo-chamber. irgendwie sinnlos, dass der hier postet. wie wenn ich mich selber kommentieren würde.

so, muss jetzt noch ein paar leserbriefe an krone/heute/österreich schreiben...


Re: Re: Re: Re: und was ist mit den 68ern?

stimmt, du hast recht. laura wird sauer, wenn ich nicht mein pensum abliefere. muss mich ranhalten...

ps: wer ist mein verwandter? wer ersetzt mich da? SCHOCK!

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Ka_Sandra
03.12.2011 23:45
1 0

Re: Re: Re: Re: Re: und was ist mit den 68ern?

Tja, Rotfüchslein, dann strengen Sie sich mal an!

Was Sie da auf Facebook an Werner-Elogen abgeliefert haben, war auch nicht gerade das Gelbe vom Ei. Ziemlich patschert, diese Aktion.

Nicht umsonst heißt es, wer solche Friends hat, braucht keine Feinde mehr ;-)))))

Re: Re: Re: Re: Re: Re: und was ist mit den 68ern?

ja, mea culpa. hab gedacht, der werner freut sich, wenn ich ihm jeden tag 3000 schicke, junge, gutaussehende fans schenke. und jetzt sind sie alle bös...man kann's keinem recht machen. seufz.


Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Ka_Sandra
04.12.2011 10:34
0 0

Re: und was ist mit den 68ern?

Ja, so ist es oft im Leben. Gut gemeint ist nicht unbedingt das Synonym von gut gemacht.

An Ihrer Stelle würde ich die Message der dritten Strophe von „Fuchs, du hast die Gans gestohlen“ beherzigen.

Dann kann eigentlich nichts mehr schiefgehen und Laura und Werner haben Sie wieder lieb!

P.S.: Ich befürchte allerdings, Sie kennen diesen Song nur mehr in der verhunzten Butterbrot-Version.

Gast: tom green
03.12.2011 15:57
0 0

ich habe, wie ich meine...

ich habe, wie ich meine, eine geniale idee. soll doch gottschalk die wiener övp und auch gleich den öaab übernehmen. und mikl-leitner "wetten daß..." leiten.
die frau ist telegen, rhetorisch perfekt - und kennt ihren wert: "her mit dem zaster...!".

Antworten Gast: Vogel Strauss
03.12.2011 17:42
0 0

Re: ich habe, wie ich meine...

Super-Idee, nur glaub ich nicht, dass die Wr. ÖVP so ein großes Budget hat.

Antworten Gast: kein_Gast
03.12.2011 16:42
1 0

durchaus denkbar

Vor einigen Tagen wurde Gottschalk von irgendeinem österreichischen Sender über Arnold Schwarzenegger interviewt - da hat er mit spontanen (oder zumindest so wirkenden) und guten Antworten wirklich einen positiven, intelligenten Eindruck hinterlassen, ich traute meinen Augen und Ohren kaum (starker Kontrast zu "Wetten, dass...").

Jedenfalls erheblich besser als die unnötigen Worthülsenspender in der österreichischen Spitzenpolitik (und das ist wörtlich gemeint, nicht abwertend).

Gast: b754
03.12.2011 13:58
0 0

in der politik sinds faymann spindeleger

bei der presse fleischhacker und schellhorn

1 6

korrekte bestandsaufnahme, falsche schlüsse...

"Die öffentlich-rechtlichen Sender kopieren die Privaten, die Politik hat sich dem Populismus verschrieben."
diesen beispielen könnten noch viele andere folgen, zb:
der produzent einer qualitätsware stellt eine produktionslinie ab für die erzeugung von ramsch.
fluglinien bieten nicht komfort und sicherheit sondern es fliegen immer mehr seelenverkäufer mit sitzabständen für liliputaner.

usw. usf.

bei fleischhacker ist der öffentlich rechtliche sender schuld, die politik/politiker.
bei nachfolgenden beispielen wären dann wohl der unternehmer bzw die fluglinie schuld an den zuständen?

doch es ist natürlich nonsens:
verantwortlich sind (große) teile der
*tv-zuseher
*wähler
*konsumenten
*fluggäste.

die wollen das so, so läuft die nachfrage!!!

mir ist schon klar, dass fleischhacker nicht die eigenen leser beschimpfen kann und als mit- bzw hauptschuldige an den kritisierten zuständen bezeichnen kann.
wenn ich allerdings das richtige nicht schreiben kann/will, dann ist es besser gar nichts zu schreiben als obigen unsinn!

Antworten grazer100
03.12.2011 22:04
1 0

Re: korrekte bestandsaufnahme, falsche schlüsse...

Es kann meines mE überhaupt keine Frage sein, dass Sie mit dem, was Sie über die Verantwortlichkeit sagen, recht haben.

T rotzdem: was den ORF anlangt, soll er von mir aus halt noch mehr Gebühren verlangen, aber er hat die Aufgabe, seinen öff. rechtlichen Auftrag zu erfüllen - und dazu gehört mehr und bessere Inforamtionspolitik.
Wenngleich es - wie gesagt - völlig richtig ist, dass er das bringt (auch wenn angeblich viele jammern), was die Leute mehrheitlich sehen wollen. Was seinen Auftrag anlangt, kann dieser jedoch nicht nur in einer möglichst hohen Zuseherquote liegen.

Antworten Boris
03.12.2011 12:58
7 0

Re: korrekte bestandsaufnahme, Schlüsse auf dem Punkt...

Das stimmt so nicht.

Das exakte Gegenteil davon ist wahr.

In Österreich ist das Angebot eben in weiten Strecken nicht marktbedingt sondern wird durch gefinkelte Schachzüge dem Markt entzogen.
Das geht von der eindeutig politmafiaartig strukturierten Verlagswesen, ÖBB, ORF, Bankenwelt, Raiffeisen Jumbo über die unzähligen Gremien und Kammern bis hinunter zum einzigen privaten Bestattungsunternehmen Wiens , das man gekillt hat.

Österreich wird nicht nur deshalb mit NordKorea verglichen weil unser über alles geschätzter BP Vorsitzender der Nordkoreanisch / Österreichischen Freundschaftsclubs ist (an sich ein Schande und in jedem anderen westlichen Land Grund für einen sofortigen Rücktritt) sondern auch markttechnisch gibt es Parallelen

1 1

Re: Re: korrekte bestandsaufnahme, Schlüsse auf dem Punkt...

wovon reden sie jetzt?
auch vom orf, auf den sich fleischhacker bezogen hat mit "Die öffentlich-rechtlichen Sender kopieren die Privaten"?

was hat das denn mit ihren verschwörungstheorien zu tun?
da wird ganz einfach das gemacht, was eine wachsende mehrheit von zusehern will.

ja klar, ich sehe es eh an den reaktionen: es ist natürlich viel schöner auf irgendwelche mafiaorganisationen einzuschlagen, von deren existenz man so überzeugt ist, als die verantwortung bei sich selbst und seinen mitbürgern zu suchen.

um abseits des alko-stammtischs ernstgenommen zu werden, reicht es aber nicht!


Antworten Antworten Gast: Machmuss Verschiebnix
03.12.2011 13:47
6 0

Re: Re: korrekte bestandsaufnahme, Schlüsse auf dem Punkt...

Ganz richtig - wir leben in einer Roten Medien-Diktatur.

Gast: Machmuss Verschiebnix
03.12.2011 10:05
9 0

Wer vermißt eine Partei, von der er längst nicht mehr vertreten wird ?

Es gibt derzeit keine Partei für einen konservativen Wähler !
Da laufen nur lauter pseudo-sozialistische Links-Aspiranten rum

1 9

Re: Wer vermißt eine Partei, von der er längst nicht mehr vertreten wird ?

die politik ist ein klassischer marktplatz, wo angebot und nachfrage die regenten sind.

wenn sie es bedauern, dass es kein konservatives angebot gibt, dann gibt es dafür eine einzig logische erklärung: es gibt keine nachfrage dafür!


Antworten Antworten Gast: Machmuss Verschiebnix
03.12.2011 13:38
1 0

RE: Was glauben Sie, was los wäre, wenn alle die so denken wie ich, von heute auf morgen keine Steuern/Abgaben mehr abliefern würden !@?

Keine Nachfrage - lächerlich - bloß, wir leben in einer medialen
Diktatur vom feinsten, das ist der Grund, warum sich keine neue
Partei etablieren kann.

Antworten Antworten Boris
03.12.2011 13:01
6 0

Re: Re: Wer vermißt eine Partei, von der er längst nicht mehr vertreten wird ?

Es ist nicht die Nachfrage die fehlt.

Sogar die Industriellenvereinigung hat Schiss eine auf die Beine zu stellen. Die Politmafia und der Beamtenstaat erwürgen solche Initiativen eiskalt im Kindbett.

Das ist der Grund warum es zwar eine Heerschar (die absolute Mehrheit der Wahlberechtigten) von Wutbürgern und Nichtwählern gibt, die aber keine Wahlmöglichkeit auf dem Wahlzettel find

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Re: Re: Wer vermißt eine Partei, von der er längst nicht mehr vertreten wird ?

korrektur:
nachfrage verlangt natürlich ein "danach"

Gast: Vogel Strauss
03.12.2011 07:40
0 0

Im Gegensatz zu Politikern ...

... treffen dem Gottschalk seine Entscheidungen nicht mein Geldbörsel!

 
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