Hoffentlich bleibt Herr Alex wenigstens bei Herrn Niko

MICHAEL FLEISCHHACKER (Die Presse)

Alexander Wrabetz geht nicht ganz entspannt in seine zweite Amtszeit. Selbst schuld: Keine Idee haben und zu feig sein, zu ihr zu stehen, ist ein bisserl viel.

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Die ersten Wochen des neuen Jahres werden für den alten und neuen Generaldirektor juristisch interessant. Am heutigen Montag hätte eigentlich sein neuer Büroleiter Nikolaus Pelinka beginnen sollen. Allerdings läuft die Ausschreibung des Postens, die aus Gründen der Effizienz erst nach der Bekanntgabe des Ergebnisses erfolgt ist, noch. Arbeitsrechtsexperten werden vermutlich gerade ein paar nicht uninteressante Fragen klären: Ist die öffentliche Bekanntgabe der neuen Funktion von Herrn Pelinka ein konkludenter Dienstvertrag, dessen Erfüllung Pelinka einklagen könnte? Ist Herr Pelinka noch Stiftungsrat? Oder sogar wieder? Hat er oder hätte er mit der Bekanntgabe seiner aktiven ORF-Funktion das Stiftungsratsmandat zurücklegen müssen? Oder wurde er gleichzeitig in den Betriebsrat gewählt, sodass er seinen Sitz im Stiftungsrat behalten kann?

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Alles nicht sehr lustig, das. Aber Alexander Wrabetz hat es so gewollt. Der eher nach Harmonie strebende Generaldirektor des öffentlich-rechtlichen Rundfunks beklagt sich immer wieder darüber, dass er in seiner Funktion wie ein Politiker behandelt werde. Würde er ja nicht, wenn er nicht wie ein Politiker, und zwar wie ein österreichischer Politiker, agierte. Wer sich mit Hunden ins Bett legt, sagt das alte Sprichwort, sollte sich nicht wundern, wenn er mit Flöhen aufwacht.

Interessant bleibt aber auch die inhaltliche Position der Redakteure, die gegen die Bestellung von Nikolaus Pelinka protestieren und notfalls rechtliche Schritte ergreifen wollen. Vor allem wenn man weiß, dass Herr Wrabetz seit dem Rauswurf von Elmar Oberhauser bis zum 31. Dezember auch Informationsdirektor und damit direkter Linienvorgesetzter aller Journalistinnen und Journalisten des Hauses war. Oder sogar noch ist, denn Alexander Wrabetz hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass er die neue Struktur seines Direktoriums dazu nutzen will, inhaltlich im Geschäft zu bleiben: Kathrin Zechner soll nach Wrabetz' Vorstellung als Fernsehdirektorin nicht entscheidend mehr Kompetenzen haben als zuletzt Wolfgang Lorenz, also die Fernsehunterhaltung.

Nachdem man ausschließen kann, dass die immer topinformierten Fernsehstars all das nicht wissen: Warum haben sie nie öffentlichen Protest dagegen erhoben, dass der Informationsdirektor des ORF, dem der Fernsehchefredakteur direkt in der Linie zugeordnet ist, all die politischen Geschäfte gemacht hat, die er eben gemacht hat, um seine Wiederwahl zu sichern? Warum haben sie nicht öffentlich Klarheit darüber eingefordert, welche konkreten Auswirkungen die neue, politisch ausverhandelte Struktur für den Informationsbereich haben würde?

Und wie steht es mit Frau Zechner? Hat die kein Problem, von Herrn Alex als simple Unterhaltungschefin abgespeist zu werden, weil ihr der pompöse Titel Fernsehdirektorin auch ohne Kompetenzen recht ist? Falls nicht, was hat eigentlich Frau Zechner für Vorstellungen davon, wie ein öffentlich-rechtlicher Sender mit zwei Vollprogrammen heutzutage Information und Unterhaltung auszubalancieren hätte? Hat ihr der Herr Generaldirektor dazu irgendetwas sagen können, als er sie zur Wahl vorschlug?

Man kann das ausschließen. Da ist nichts. So schaut das aus, wenn man an der Spitze eines Unternehmens steht und inhaltlich genau keine andere Vorstellung hat als die, dortzubleiben, koste es, was es wolle – personell, strukturell und intellektuell.


Für Alexander Wrabetz ist jetzt Zahltag. Der junge Herr Pelinka hätte gern das, was man ihm versprochen hat: einen Spitzenjob als Gegenleistung für den Spitzenjob von Herrn Wrabetz. Man kann nur hoffen, dass Herr Alex wenigstens die Cojones hat, bei seiner Entscheidung zu bleiben. Schlimm genug, wenn er jemanden, der ungefähr so denkt wie Laura Rudas, braucht, um sich in der Welt zu orientieren. Wenn er jetzt auch noch zu feig ist, sein Versprechen einzuhalten und zu seiner jugendlichen Politprothese zu stehen, muss er damit rechnen, dass ihn auch die ORF-Portiere nicht mehr grüßen, weil sie ihn so verachten. Dass einen Büroleiter der Chef und nicht die Gender-Beauftragte aussuchen sollte, versteht ja vielleicht sogar die Wohlmeinendenkommune auf dem Küniglberg.

 

E-Mails an: michael.fleischhacker@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.01.2012)

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45 Kommentare
 
12
Gast: tom green
03.01.2012 21:32
1

was für eine...

was für eine freak-show ist denn das eigentlich hier? rudas, st. nikolaus, wrabetz, spindelegger, feymann, strache, petzner...
gehts noch, österreich?

man merkt allein am

Umstand das auf Orf.at fast nichts über den Postenbesetzungsskandal berichtet wird wie sehr die Zensur dort bereits greift.

Fleischhacker jetzt als ORF-Beziehungstherapeut?

Hat ja auch schon Robert Misik im Standard dazu sein Herzblut (vergeblich - war wohl die falsche Blutgruppe) gespendet und eben erst sah sich auch unsere Literatur-Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinkek zu einem bitteren Kassandraruf genötigt, allein: Wrabetz & Ko(mplizen) werken weiter. Das hat ja auch sein Gutes - für alle, die sich schon lange nach einer Erneuerung sehnen. Der Krug zerschellt gerade am Brunnen.

Gast: b754
02.01.2012 13:41
1

warabetz hat den niko

der fleischhacker den schellhorn

Re: warabetz hat den niko

und b754 hat seine/ihre Drogen

Antworten Antworten Gast: b754
02.01.2012 17:08
0

Re: Re: warabetz hat den niko

aber gute

Eine besondere Lernmöglichkeit....

.... in der Frage von Medien und politisches System bietet uns die Bestellung einer sehr jungen und bereits parteiabhängigen Person auf einen Posten im unmittelbaren Umfeld jenes Mannes der auf der angeblich größten Medienorgel spielen darf. Erstens zeigt Vorgangsweise ein weiteres Mal den hohen Grad an Durchgriffsmöglichkeit einer Partei in Österreich. Zweiten zeigen die Vorgänge wie manipuliert wird Bürgerinnen und Bürger in einer völlig gleichgeschalteten Medienlandschaft in einem autoritäten Einparteienregiem wären. Die SPÖ - Spitze setzt offensichtlich nicht wirklich auf tatsächliche Reformen, sondern auf die Hilfe des wichtigsten Medium bei der Manupulatin der Öffentlichkeit in der Richtung: Lösung der Probleme durch Steuererhöhung und Absicherung der eigenen Position in der Partei.

Antworten Gast: fionus
02.01.2012 15:20
3

Re: Eine besondere Lernmöglichkeit....

Aber die Laura hat gesagt, dass sie gar nix gemacht hat...!

tritt in den anus

wenn herr alex fliegt, dann sollte herr niko mitfliegen...insofern ist ihre schlagzeile doch zu rechtfertigen

Gast: WFL
02.01.2012 11:31
4

Niko wird de facto der neue Boss

Sehr geehrter Hr. Chefredakteur,
jeder politisch interessierte Bürger hat begriffen, dass Niko Pelinka nicht irgendein "Büroleiter" werden wird, sondern der De Facto Neue ORF-Boss. (Wrabetz ist ein gefügiger100%-Parteisoldat und sonst gar nichts.)
Und jeder politisch interessierte Bürger hat weiters begriffen, dass dies die endgültige Machtübernahme der Löwelstraße im ORF bedeutet. Wie "profil" richtig schreibt:
Damit hat die Löwelstraße Zugriff auf sämtliche Personalakten des ORF, Gehälter, Familienverhältnisse etc. Das wird auch die letzten "Widerstandsnester" sehr schnell sehr gefügig machen.
Und Sie schreiben, dass man sich doch bitte nicht so aufregen solle...
Der Hr. Niko solle ruhig kommen...
Tatsächlich?
Unter all Ihrem kunstvollen Leitartikel-Geschwurbel sind Sie halt leider auch nur ein weiterer angepasster Mitläufer der Medien-Einheitsfront.




Ein super Kommentar gleich am Jahresbeginn!

Ich freu mich auf das neue Pressejahr mit Fleischhacker!
Und den ORF kann ich ja ausgeschaltet lassen....

Gast: Adyingwish1000
02.01.2012 10:50
0

Der Fleischi hat seinen HASS nicht unter Kontrolle.


traurig

Antworten Gast: b754
02.01.2012 17:08
0

Re: Der Fleischi hat seinen HASS nicht unter Kontrolle.

neid triffts eher

Re: Der Fleischi hat seinen HASS nicht unter Kontrolle.

Was Sie als "Hass" identifizieren, sieht für mich eher nach "brennender Sorge" aus. Einerlei: Sie können ja auch bei Elfriede Jelinek nachlesen.

Re: Re: Der Fleischi hat seinen HASS nicht unter Kontrolle.

„...mit brennender Sorge“ klingt mir jetzt schon eine Spur zu pathetisch-päpstlich ;-)

Klar ist, dass FLE bei bloßer Erwähnung des ORF einen Adrenalin- und Testosteronschub hat, der ihn rot sehen lässt.

Solange er derartige Aggressionen in konstruktive Energien umsetzen kann, ist daran auch nichts auszusetzen. Die Zustände im ORF sind ja in der Tat im höchsten Maße reformbedürftig.


Gast: condorcet
02.01.2012 10:25
6

Was regn mir sich auf?

Die Überschrift ist absichtlich so geschrieben. Ich möchte nämlich gern dedn linkslinken Jargon der ORF-Führung treffen.

Ich weiß jetzt Bescheid, Niko hin, Niko her, was dort für Typen zugange sind. Denn:

Da war vor kurzem ein Interview mit dem Wolfgang Lorenz (auch ein Ungustl). Aber, meist unabsichtlich, erfährt man etwas über diese Typen. Und Lorenz sagt darin:

Nach einer kritischen öffentlichen Äußerung, die er einmal gemacht habe, habe ihn der Wrabetz wissen lassen, er Lorenz, habe "den ORF angebrunzt".

Na, da brauch ma kane Details mehr, da wiss ma schon, was das für Leut sind, netwahr?

Antworten Gast: Ein Zeitungsleser
02.01.2012 11:05
7

Re: Was regn mir sich auf?

In Kreisen der Salonlinken und Luxus-Sozis mit Porsche und dickem Bankkonto, wo sich Wrabetz, die Pelinkas, Rudas und Konsorten herumtreiben, gilt ein Wortschatz wie in einem Wiener Vorstadtbeisl als fortschrittlich.

Re: Re: Was regn mir sich auf?

Wortschatz? Unseren lieben Herrn Bürgermeister haben Sie vergessen.

Antworten Antworten Gast: b754
02.01.2012 17:09
0

Re: Re: Was regn mir sich auf?

das wäre ja eine annäherung an die fpö

Antworten Antworten Antworten Gast: die matrix
13.01.2012 16:12
0

Re: Re: Re: Was regn mir sich auf?

bla bla blubb!!.........Was tätet Ihr Armutschgerl bloß ohne den Popanz, den Staatsfeind Nr.1: FPÖ/H.C.et al??

Re: Re: Was regn mir sich auf?

um nicht zu sagen: "elitär"

Re: Was regn mir sich auf?

Die Sache mit der Anbrunz-Email wurde seinerzeit in den Medien eh ziemlich breit getreten.

Gast: Minimaximus
02.01.2012 09:58
6

Die Wurzel allen Übels...

...ist meines Erachtens die GIS.

Denn erst die Zwangsvergebührung des ORF erlaubt es den Beteiligten, abseits jedweder rationeller Strukturen zu wirtschaften und ein Programm zu bieten, für das sich mittlerweile die meisten "Privaten" schämen müssten.

Wenn es die Möglichkeit gäbe, privatautonom entscheiden zu können, ob man den ORF empfangen will, oder nicht, müssten sich die Entscheidungsträger endlich wieder vorwiegend dem widmen, für den sie ohnedies da sein sollten - dem Fernseh-seher.

Denn dass öffentlich-rechtliche Sender nicht unbedingt schlecht sein müssen, zeigen ua der hervorragende Sender arte, aber auch die schweizer Sender SF 1 und SF 2.
Beispiel: warum ist es auf SF 2 längst standard, alle neueren Filme im Zweikanalton auszustrahlen? während der ORF das nur bei ein paar Samstagnachmittagserien zustande bringt? jämmerlich

Gast: tempa
02.01.2012 08:21
2

Ach,

läuft das so in der österreichichen Politik?
"Der junge Herr Pelinka hätte gern das, was man ihm versprochen hat: einen Spitzenjob als Gegenleistung für den Spitzenjob von Herrn Wrabetz."
Wo fangen und wo enden die persönlichen Interessen von Personen,deren Macht ihnen von den Parteien gegeben wurde?

"Man kann nur hoffen, dass Herr Alex wenigstens die Cojones hat,..."
Was Herr Alex Cojones betrifft, sollte man nicht allzu optimistisch sein. Herrn Alex Turbo-Hoden sollten für einen entsprechenden Testosteron-Spiegel führen.In dem Fall sollten wir einen grossen, athletischen, kahlköpfigen Hünen als Generaldirektor haben. Den Herrn Alex habe ich allerdings anders in Erinnerung. So ziehe ich also den Schluss , das entsprechendes Körperteil unterentwickelt oder erst gar nicht vorhanden ist. Vielleicht sollte man also den historischen Vergleich zu den Enuchen des chinesichen Hofstaates ziehen, deren grosse Anzahl auch irgendwann zum Systemversagen beitrug.

No guts, no glory?

oder eher:

NO guts & NO glory.....

Gast: b754
01.01.2012 19:00
2

da haben ja wrabetz und fleischhacker viel gemeinsam

beide hängen am tropf einer partei

 
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