19.06.2013 16:39 Merkliste 0

Wahlrecht: Wir sind Papst

MICHAEL FLEISCHHACKER (Die Presse)

Überraschung: Österreichs Parlamentarier möchten ihre Jobs nicht verlieren.

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Parlamentarische Arbeitsgruppen zu Fragen des Wahlrechts sind eine originelle Angelegenheit. Das ist ungefähr so, als würde man das Kardinalskollegium damit beauftragen, die Detailplanung für die liturgischen Abläufe der Frauenpriesterweihe zu übernehmen – noch ehe der Papst entschieden hat, wie es in der Frage Frauenpriestertum überhaupt weitergeht.

Die Kammerkardinäle und Verbandsbischöfinnen der sogenannten repräsentativen Demokratie in Österreich haben sich also beraten, und das Ergebnis lautet: keine großen Wahlrechtsreformen. Es sollen weiterhin die Sozialpartner bestimmen, wer im Parlament sitzt, nicht die Wähler.

Besonders humorvoll agieren die Grünen. Sie möchten eine „Regionalisierung“ des Parlaments verhindern: Nicht auszudenken, welchen Schaden die Demokratie nehmen könnte, wenn sich Abgeordnete und ihre Wähler gegen die Parteien verschwören.

Die Teilnehmer an den parlamentarischen Wirtshausdebatten zum Thema Wahlrecht handeln, das sollte man nicht vergessen, vollkommen rational: Warum sollten 183 Menschen, die im wirklichen Leben nur einen Bruchteil ihres derzeitigen Einkommens erzielen könnten, ihre Jobs freiwillig aufgeben?

Bevor man also die unwilligen Kardinäle ranlässt, sollte man den Papst um eine Entscheidung bitten. Und da hatte „Bild“ schon recht: Wir sind Papst! Wenn man etwas in einer Volksabstimmung entschieden muss, dann wohl genau diese Frage.

 

michael.fleischhacker@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.06.2012)

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28 Kommentare
 
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"Warum sollten 183 Menschen, die im wirklichen Leben nur einen Bruchteil ihres derzeitigen Einkommens erzielen könnten, ihre Jobs freiwillig aufgeben?"

wieviel, herr fleischhacker, würden SIE im wirklichen leben verdienen?
aktuell verdienen sie mit sicherheit mehr, als ein nr-abgeordneter...

ps.: als anhänger von direkten volksentscheiden freuen sie sich vermutlich schon auf jenen tag, an dem die krone eine initiative zur abschaffung der presseförderung einleiten wird, oder?

Re: "Warum sollten 183 Menschen, die im wirklichen Leben nur einen Bruchteil ihres derzeitigen Einkommens erzielen könnten, ihre Jobs freiwillig aufgeben?"

Ist die Omi oder der Opi im NR?

Re: Re: "Warum sollten 183 Menschen, die im wirklichen Leben nur einen Bruchteil ihres derzeitigen Einkommens erzielen könnten, ihre Jobs freiwillig aufgeben?"

weder noch.
ich bin bloß nicht solch ein schnorrer und neider, der glaubt, dass ~4000 netto ein rieseneinkommen wäre.
der großteil der abgeordneten würde in völlig normalen berufen bei weniger belastung mehr verdienen!

ps.: wenn du schon neidisch bist auf arbeitslose einkommen, dann frag doch mal deinen parteivorsitzenden bumsti, wieviel er verdient.

Wieder ein genialer Fleischhacker!

Danke!

im wirklichen Leben nur einen Bruchteil ihres derzeitigen Einkommens


das mag ja bedingt stimmen. Aber um den Stundensatz, den ein Parlamentarier erhält finden Sie keine Putzfrau.

Antworten Gast: Wieviele.
19.06.2012 17:09
2 0

Wieviele

Wieviele Prozent der Putzfrauen sind Putzfrauen weil sie nichts anderes finden? Wieviele Prozent der Politiker sind Politiker weil sie nichts anderes finden? Seltsam ich wollte eigentlich zwei Sachverhalte gegenüberstellen, nun sehe ich überraschend Parallelen. Nur die einen sitzen eben an den Fleischtöpfen...

Antworten Gast: wina
19.06.2012 14:39
2 1

Re: im wirklichen Leben nur einen Bruchteil ihres derzeitigen Einkommens

gut gesprochen! ERHÄLT, denn verdient wäre wohl zu viel gesagt...
welcher Parlamentarier 16 Stunden arbeitet, sei dahingestellt... wie ais vielen TV Übertragungen ersichtlich, wird wohl auch fürs Zeitunglesen, Schlafen und tratschen bezahlt, mein Mitleid hält sich in Grenzen! Fleischhacker hat den Nagel wieder mal auf den Kopf getroffen, weiter so!

Re: im wirklichen Leben nur einen Bruchteil ihres derzeitigen Einkommens

na, da bin ich nicht so sicher: Nehmen wir den fleißigsten der fleißigsten NR, und unterstellen ihm, er arbeite täglich 16 Stunden, auch Samstags und Sonntags. Dann kommt er immer noch auf einen Stundenlohn von 16,45 EUR, auch wenn der Monat 31 Tage hat.

Um EUR 16, 45 lässt sich bestimmt eine Putzfrau finden.

Re: im wirklichen Leben


ja, aber netto und bar aufs Handerl

Re: Re: im wirklichen Leben

nicht wirklich, ich glaub der Mindestlohn für Reinigungskräfte liegt so bei EUR 7,30 pro Stunde BRUTTO. Da ließe sicher jemand abwerben!

Re: im wirklichen Leben


kostet eine Putzfrau 12 bis 15 € netto, bar aufs Handerl. Fragen Sie Ihre Freunde!

Re: Re: im wirklichen Leben

Sie haben gern Recht, oder? Sie dürfen aber nicht Äpfle mit Birnen vergleichen. Ein Abgeordneter verdient regulär so um die 8000 EUR, also muss ich auch ein reguläres Entgelt für Reinigungskräfte heranziehen, brutto, und das liegt eben bei unter 8 Euro. Damit ist der Mythos, dass Abgeordnete eigentlich nichts verdienen, weil sie ja sooo viel arbeiten, als Mythos bestätigt. Leider nicht der Wahrheit entsprechend.

Selbst wenn man den Zeitaufwand durchgehend als "Arbeitszeit" bezeichnet, kommen sie immer noch auf sehr ordentliches Gehalt, dass sich die meisten Dienstnehmer in Österreich erträumen. Also, ein NR ist sicher nicht schlecht bezahlt, und darum geht es.

Re: im wirklichen Leben

nicht gern, aber dafür meistens

rechtskonservativer anti-parlamentarismus von anno dazumal


FLE, der offenbar seit neuestem nach zeile bezahlt wird, schließt nahtlos an die konservativ-christlichen demokratiehas.s.er der zwischenkriegszeit an. so wie sie verwirft er den "parteienstaat" und strebt nach so etwa wie der "wahren demokratie". in fle's traumwelt bestimmen jetzt angeblich die bösen parteien und die noch böseren sozialpartner wer ins parlament kommt...nur leider halten diese halblustigen vorurteile dem realitätcheck nicht stand.

wir, die wählerInnen, können nämlich zwischen sieben oder mehr parteien auswählen. es ist also das volk, dass in freier wahl die zusammensetzung des parlaments bestimmt, und NICHT die sozialpartner. die denunziation des verhältnis- und listenwahlrechts als angeblich nicht "wirklich" demokratisch ist gar nix neues, herr fle, da haben sie sich nur bei ihren kath. betbrüdern seipel, dollf. & co. eine scheibe abgeschnitten.

ihre antidemokratischen scharlatanerien sollten sie sich viell. besser für die nächste friedrich-august-hayek-séance bei schell& co. aufheben, dort wären solche attituden eher am platz als im leitartikel einer angeblich "liberalen" tageszeitung im 21. jahrhundert.

Es gibt nichts anti-parlamentaristischeres als das Listenwahlrecht.

Es reduziert die Aufgabe des Parlaments auf das Abnicken anderswo getroffener Entscheidungen.

Im Übrigen ist es das Modell der Sozialpartnerschaft, das ganz massiv ständestaatliche Züge trägt, nicht ein wirkliche Parlamentarismus mit unabhängigen, dem Wähler verpflichteten Mandataren.

Gerade jemand mit einem derartigen "Ständestaats-Reflex" sollte dies eigentlich glasklar erkennen können, aber offensichtlich zählt für Manche der Stallgeruch mehr als die Realität.

Da zeigt sich wieder,

was das alles für ein verhaberter Sumpf ist. Ausgerechnet die Grünen, die so überhaupt keine regionale Basis haben, regen sich über "Regionalisierung" auf.

Dabei ist das ja die Urangst von Rotschwarz vor einem Mehrheitswahlrecht. Dass den Gottkönigen in Bundes- und Landesparteien die Kontrolle über die regionalen Abgeordneten verloren gehen könnte.

Gast: iona
18.06.2012 22:09
15 0

es gibt mehrere themen wo sich die politiker und beamten eigentlich für befangen erklären müßten.

vor allem wenn es um ihre eigenen privilegien bei einkommen und pension geht.

zumindest müßten wir sie dazu zwingen können, daß alles, was sie sich selber an vorteilen zuschanzen, auch für alle anderen gelten muß. muß.
dann kommen sie vielleicht eher wieder auf den boden der realität.

leider scheint es im ganzen land keine funktion zu geben die für diese fundamentale gerechtigkeit zuständig ist. deswegen müssen wir uns endlich selber darum kümmern.

Lieber Herr Fleischhacker!

Die Funktionärsdemokratur entspricht etwa dem was sich allzu viele Bürgerinnen und Bürger unter Demokratie von österreichischen Zuschnitt vorstellen. Es reicht alle fünf Jahre wählen zu gehen, man tut es ohnehin auf Gemeinde-, Landees- und Bundesebene getrennt. Dazu kommen Wahlen in den Kammern. Bei diesen Wahlen können wir bequem die Verantwortung an Personen abgeben deren Gesichter wir auf Plakaten sehen. Alles andere ist uns noch zu mühsam, müssten wir uns doch "den Kopf zerbrechen".

Gast: b754
18.06.2012 20:15
3 21

das haben unsere politieker mit den systemschreibern der presse gemeinsam

die uns gerne einen unabhängigen journalismus vorgauckeln

Antworten Gast: BKM
19.06.2012 10:47
6 0

Re: das haben unsere politieker mit den systemschreibern der presse gemeinsam

Der von dieser Seite übliche, inhaltsleere Kommentar. Gähn.

Re: das haben unsere politieker mit den systemschreibern der presse gemeinsam

Und was kann der arme Gauck für Ihre Rechtschreibung?

Re: Rechtschreibung ...


ich habs schon des öfteren gesagt, dass unser b754 vermutlich den gleichen Bildungsweg gegangen ist, wie sein Parteivorsitzender.

Re: Re: Rechtschreibung ...

aha..er hat auch in der "Z" promoviert?

Gast: Die Wahrheit macht frei
18.06.2012 19:52
11 0

Theodor Fontane

"Ich glaube an die Wahrheit.
Sie zu suchen, nach ihr zu forschen in und um uns, muß unser höchstes Ziel sein. Damit dienen wir vor allem dem Gestern und dem Heute.
Ohne Wahrheit gibt es keine Sicherheit und keinen Bestand.
Fürchtet es nicht, wenn die ganze Meute aufschreit. Denn nichts ist auf dieser Welt so gehaßt und gefürchtet wie die Wahrheit.
Letzten Endes wird jeder Widerstand gegen die Wahrheit zusammenbrechen wie die Nacht vor dem Tag."

Die Abnstimmungsmarionetten im Parlament haben die Wahrheit nicht. Sie haben sie auch nie gesucht, das ist sicher.


Antworten Gast: machmuss verschiebnix
18.06.2012 20:19
3 0

Re: Theodor Fontane

stimmt - überall, wo was weitergeht (positiv), dort wird beinhart
die Fakten-Lage analysiert .

Die Wissenschaft ist ein hervorstechendes Beispiel dafür,
wie wenig Stellenwert die Lüge dort hat (es sein denn für
psychologische Feldstudien).

Nur unsere Politiker sind zutiefst davon überzeugt, daß sie
uns dies nicht sagen und jenes nicht breittreten dürfen. Letztes Beispiel: "Es könnte sein, daß Italien Hilfsgelder braucht ..." (Fekter) - ja zum Kukuck nochmal, wem gibt das Grund um Erbost zu sein !!!


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Warum sollten 183 Menschen, die im wirklichen Leben nur einen Bruchteil ihres derzeitigen Einkommens erzielen könnten, ihre Jobs freiwillig aufgeben?

Genau so ist es!!!

 
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