24.05.2013 04:11 Merkliste 0

Von der Erhöhung der Eigenförderung

RAINER NOWAK (Die Presse)

Die deutliche Erhöhung der Parteiförderung im Bund wird zwar wortreich relativiert, ist aber nicht zu erklären. Außer mit dem Fehlen von Gespür und Anstand.

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Es ist alles ganz anders und genau genommen ziemlich einleuchtend: Gerade da es (semi-)private, moralisch mehr als fragwürdige Parteispenden waren, die die neuen Transparenzregeln notwendig gemacht hatten, wird nun die Förderung an die Bundesparteien erhöht. Dann sind private Parteispenden, die gleichzeitig auch erschwert werden, auch nicht mehr so notwendig wie bisher. Zudem schafft die bessere finanzielle Ausstattung der jeweiligen Bundesparteizentrale und der zeitgleiche leichte Sparkurs für die Landesparteien ein wenig mehr Unabhängigkeit für die Bundesparteichefs und ihre Bundesregierung von Landeshauptleuten, deren Macht auch wegen ihrer finanziellen Unterstützung an die jeweilige Mutterpartei so groß war und ist. Daher ist die neue großzügigere Regelung eigentlich ein Fortschritt für die Demokratie in Österreich. Dann heißt es da sogar noch: Die Wahlkampfkostenrückerstattung werde natürlich gestrichen, was wieder die Wahrscheinlichkeit von Neuwahlen senke.

Wer dies sagt und/oder glaubt, befindet sich im Gefangenendilemma der österreichischen Innenpolitik oder ist Pressesprecher beziehungsweise Generalsekretär von SPÖ oder ÖVP. Alle anderen werden die Erhöhung der (Bundes-)Parteifinanzierung, die insgesamt schon bisher eine der höchsten der Welt war, als das sehen, was sie ist: eine in Krisenzeiten einigermaßen obszöne Selbstbedienung der finanziell schwer angeschlagenen Regierungsparteien. Ob nun damit Erwin Prölls Einfluss auf Michael Spindeleggers kleinen Parteiapparat abnimmt oder zumindest nicht größer wird, ist das Problem der ÖVP und tut nichts zur Sache.

Die Regelung macht auch deswegen sprachlos, weil ihre Erfinder in den beiden Regierungsparteien in einer Mischung aus frecher Selbstverständlichkeit und nonchalanter Dreistigkeit den Griff in die Steuerkassen schönreden und -rechnen: Insgesamt komme sicher eine Null heraus, denn nicht nur die Landesparteien bekommen weniger, auch die Flüsse an die Bezirksparteien werden gedeckelt. (Wie viel die bisher bekamen, weiß in einem laut Selbsteinschätzung technisch und politisch hoch entwickelten Land wie Österreich einfach keiner.)

Die enorme Finanznot der beiden Parteien – „Die Presse“ berichtete – hat diese ungenierte gesetzliche Selbstversorgung offenbar notwendig gemacht. Die Situation muss so unangenehm gewesen sein, dass beide Parteien auch das moralische Verdienst des gesamten Transparenzpakets riskieren und demolieren. Immerhin sind die durch diverse Skandale notwendig gewordenen Bestimmungen für Lobbyismus bei und mit Politikern sowie für die Meldung von Nebenbeschäftigungen von Mandataren ein begrüßenswerter Schritt in Richtung politischer Normalität, die neuerdings nun Transparenz genannt wird. Denn mit den neuen Gesetzen werden vielfach Tätigkeiten beschränkt oder offiziell unterbunden, die mit normaler Kinderstube und der landläufigen Einschätzung, was man darf und was nicht, ohnehin keinem Politiker oder Lobbyisten hätten passieren dürfen.

Aber offenbar muss man gesetzlich festhalten, dass sich strafbar macht, wer „mit dem Vorsatz, sich dadurch in seiner Tätigkeit als Amtsträger beeinflussen zu lassen“ Geschenke fordert oder einen „ungebührlichen Vorteil“ annimmt. Das hätte man bereits seit einigen Jahren annehmen dürfen. Denn nun wird das „Anfüttern“ offiziell zum Delikt. Und nein, Regierungsmitglieder dürfen dennoch als Gäste zu den Salzburger Festspielen fahren, da an deren Besuch „ein amtliches Interesse“ besteht.

Dass nun auch Parteispenden spät, aber doch (teil)publik gemacht werden, muss ebenfalls als überfälliger Entwicklungsschritt zu einer funktionierenden parlamentarischen Demokratie gewertet werden. Dass die Eigentumsverhältnisse sowie die Inseratengeschäfte der Parteien offengelegt werden müssen, ist wohl auch nur in Österreich eine kleine positive Nachricht. Allerdings: Irgendwas sagt uns, dass auch in Zukunft versucht wird, mit Geld gefügig zu machen oder sich machen zu lassen. Denn die meisten handelnden Personen und Parteien bleiben dieselben. Siehe die Erhöhung der Eigenförderung.

 

E-Mails an: rainer.nowak@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.06.2012)

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30 Kommentare
 
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Ich glaub ich geh jetzt auch in die Politik.

In der Gemeinderat- Sitzung ein paarmal brav das Handerl heben - 120€. Dann ist die Parteienförderung die man mir wegnimmt wieder im Sackl. Und wenn ich brav tue was mir gesagt wird schaff ich es vllt noch zu Höherem...
Mal schauen was so ein Paddeibiachl kostet (ja, richtig: kostet(!). Parteienförderung und Korruption alleine ist halt zuwenig für diese Gierschlunde).
Selbstverständlich geh ich gleich zu den Profis (was das "Geldverdienen" anbetrifft) - und weil OÖ in ÖVP- Hand ist.

Gast: 1. Parteiloser
27.06.2012 16:39
0 0

Die wollen unbedingt Gaddafi Schicksale erzwingen!

Wenn handelnden Personen diesen Drang haben, dann dürfen die das auch.

Nur, es wird dann zu erheblichen Schmerzen für Österreich führen. Daher kommen diese Grausigen auch der Verantwortung für Österreich nicht nach.

Leider ist es schon lange so, dass sich die Parteien um die Kassen bewerben, eine Verantwortung gegenüber den Österreicher können diese Typen schon lange nicht mehr erkennen.

dass es in österreich zu grossen

politischen "würfen" oder reformen - schon gar nicht wenn es um den parteieigenen goldesel namens parteienfinanzierung geht - kommen wird, ist inzwischen immer mehr auch nicht zu insiderkreisen gehörenden menschen klar.
und so stehen wir vor halben zielen, erreicht mit halber (willens)kraft.
ein weiteres unterstützungsprodukt für eine stärkere fpö, die allerdings teilweise unfähig ist, daraus noch mehr kapital zu schlagen.
denn eindeutige zeichen in richtung gespür und anstand zu setzen sind nicht das ihre.
dass die grünen hier mit zu devotem vorschuss zukünftige partnerschaften andienen, macht alles nicht viel besser.
anscheinend ist für die nächsten wahlen eine dreierkoalition (falls spö und övp unter 50% rutschen) von spö, övp und grünen in überlegung.
und alle gegen die fpö.
da nun die geldtöpfe für alle gut gefüllt sind, wird das eine nette schlacht auf unsere kosten.

Gast: Geld istweg!
27.06.2012 15:33
2 0

Ist doch ohnehin schon alles egal, das Image der SPÖVP ist sowieso schon im Keller, da könnens ungeniert in die Staatskasse greifen, weil noch weniger Stimmen wie sie 2013 bekommen werden, geht sowieso nicht.

Was jetzt im Zusammenhang mit (nicht) direkter Demokratie, Zustimmung zum ESM, Gutheissen eines zentralistisch geführten Europas usw. uns von diesen undemokratischen Parteibonzen vorgesetzt wird, das ist der wahre Skandal, da sind die Selbstbediener der Parteikassen nur Nebenschauplätze!

Rechtspositivistische Diktatur der Parteien ist

vergleichbar mit einer gottlosen aber geordneten Räuberbande.

Gedanken sind frei

Ich frage mich - offiziell bekommt man wenig schlüssige Antworten - ob unsere verehrten Funktionsträger in der Bundespolitik neben ihren Bezügen vom Bund auch noch irgend eine Form von Zuwendungen (Gehalt, Aufwandsersatz, Diäten o.ä.) von ihren Parteien erhalten und ob diese mit den neuen Einnahmen aus der Parteienförderung erhöht werden. Das wäre dann sicher eine gute Ergänzung zu den Bezügen, die sie sich schließlich seit Beginn der Krise geradezu masochistisch nicht mehr erhöht haben, um mit gutem Beispiel voranzugehen ...

herr nowak


wie wahr, wie wahr......

mir sind die grausbirnen aufgestiegen, als ich in der zib von diesen neuen parteienförderungsgestz gehört habe, sogar an die inflationsanpassung haben sie dabei gedacht und es in ihr paket aufgenommen, ob sie das bei der neuen pensionserhöhung auch machen werden?

Wer sagt eigentlich...

...dass wir Partein brauchen?

Re: Wer sagt eigentlich...

Wir bräuchten nicht unbedingt diese derzeit vorhandenen Parteien welche tief in die Taschen der Österreicher greifen.Es würden ein paar neue Bewegungen genügen welche wirklich für den Bürger arbeiten und nicht als Selbstzweck für ihre Mitläufer viel Geld kassieren.Wie wäre es mit einer Bewegung für Solidarität und Gerechtigkeit und ehrenamtlichen Politikern in den gesetzgebenden Körperschaften ? Siehe:www.ehrenamtliche.at

Re: Wer sagt eigentlich...

und was gibt es sonst? Wirklich?

Re: Re: Wer sagt eigentlich...

Es gab auch schon demokratische Strukturen vor den Massenpartein.

1 0

Re: Wer sagt eigentlich...

Die Parteien.

Parteienförderung

Dreist!

Das Schutzgeld an die Polit- und Beamtenmafia hat sich erhöht - na und?


Viel schwerer wiegt bei den ohnehin schon unmoralischen Ausgaben für die Verwaltung und für die pensionierte Verwaltung, dass wir die Chance auf eine funktionierende Demokratie verlieren!

Parteien, betrachten Steuergeld als "ihr" Eigentum und wer mitspielt, darf zur Kaffeejause kommen und muß nachher nur ein Schnapserl zum Vergessen runterwürgen. So ist das Spiel, das auch als System Pröll in NÖ im Ausland für kopfschütteln sorgt.

Was ist los mit Österreich?

Ist dieses Land wirklich unfähig eine moderne Demokratie zu werden?

5 0

Parteienförderung

Die geradezu unglaubliche Deistigkeit, mit der unsere Parteien in den Steuertopf greifen, wird höchstens noch übertroffen von der kridataren Art, mit Geld umzugehen. Weil man erst in einem Jahr erkennen könne, ob die neue Regelung der "gläsernen Kassen" ein "ausreichendes" Maß an Spenden bringen würde, erhöht man sofort die Zuwendungen zu Lasten der Steuerzahler.
Wozu noch ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss zur Korruption - an der die teilnehmenden Parlamentarier noch dazu glänzend verdienen - was hier geschieht, ist doch nichts anderes, als legalisierte Korruption !!

Gast: Mai
27.06.2012 07:48
9 0

Unverständlich

Es ist einfach ekelhaft und ich frage mich, wieso wir uns das alles gefallen lassen.

Man wird auf die Straße gehen müssen.
Sie verstehen es sonst nicht.
Widerstand.

Das Rätsel "Rainer Nowak":


Vorweg: Oben stehender Beitrag gehört imho zu den grenzgenialen Werken Herrn Nowaks, und da gab es im Laufe der Zeit gar nicht so wenige.

Daneben verfasst Herr Nowak immer wieder Meinungs-Elemente, die einem "die Schuach ausziehen". Nicht wegen deren zeitweise geradezu irrwitzigen Inhalte (Meinungselemente sollen ja u.a. dazu da sein, dem Autor größtmögliche intellektuelle Freiheit zu geben). Aber da sind vor allem Machwerke dabei, deren Stil schlicht verworren ist, in denen der Autor mitten drin sämtliche aufgenommenen Fäden verliert, und die in völligem Chaos enden.

Subjektive Meinung dazu: Herr Nowak scheint manchmal an zu vielen Themenkreisen gleichzeitig zu arbeiten. Das spricht einerseits für ihn, weil es beweist, wie weit sein geistiges Spektrum gestreut ist. Andererseits kommt es vor, dass diese oft gegenläufige Argumentations-Vielfalt innerhalb eines einzigen Kommentars den Leser ratlos zurücklässt.

Würd Herr Nowak ein Eitzerl WENIGER arbeiten, wär er schon jetzt einer der ganz Großen des heimischen Journalismus, auch wenn ich öfter über ihn herzieh (was ihm hoffentlich beim A... vorbei geht). Bin mir bei ihm aber ganz sicher, dass das noch kommen wird...

Re.: "Die Wahlkampfkostenrückerstattung werde natürlich gestrichen, was wieder die Wahrscheinlichkeit von Neuwahlen senke."


Hinzu kommen zwei weitere Effekte zum Vorteil der Österreich in Geiselhaft haltenden Parteien:

1. Die bei Wahlgängen neu antretenden Parteien werden benachteiligt, was allein schon ein Neuantreten erschwert und den Machterhalt der etablierten sichert.
"Politische Konkurrenz? - Nein danke!"

2. Absolute Stimmenverluste bedeuten dann keinen finanziellen Nachteil mehr für die etablierten Parteien.

Die Folge: Mit der intendierten Neuregelung hat man noch mehr Geld als bisher, und dies dazu noch in zweifacher Hinsicht besser abgesichert. Somit bleibt als Steigerung für "Zynismus" nur noch "Parteienwirtschaft".

"in einer Mischung aus frecher Selbstverständlichkeit und nonchalanter Dreistigkeit den Griff in die Steuerkassen schönreden"


besser hätte ich die presse-blattlinie zu schüssel/grasser/strasser/rauch/mensdorff/meischi & co. auch nicht auf den punkt bringen können.

wie oft hab ich hier von der "ungeheurern reformkraft" des "genialen polittaktikers" und "reformkanzlers" wolfgang sch. und seines hervorragenden teams gelesen. seit sich die STA näher mit schüssels team befasst, ist eher schweigen im walde.

erst ignorieren, dann leugnen, dann schönreden, dann relativieren...und dann wieder ignorieren lautet die devise-und in dem stadium befindet sich die pr. gerade wieder, denn auch am tag 4 der enthüllungen bez. mensdorff hat's diese zeitung nicht geschafft in einem kommentar dazu stellung zu nehmen.


Antworten Gast: BKM
27.06.2012 07:41
4 0

Re: "in einer Mischung aus frecher Selbstverständlichkeit und nonchalanter Dreistigkeit den Griff in die Steuerkassen schönreden"

Thema verfehlt. Wie meist.

Antworten Gast: Martin_S
26.06.2012 21:44
7 1

Re: "in einer Mischung aus frecher Selbstverständlichkeit und nonchalanter Dreistigkeit den Griff in die Steuerkassen schönreden"

Enthüllungen? Bitte lassen Sie uns alle teilhaben an Ihren unglaublichen Informationen!

Re: Re: "in einer Mischung aus frecher Selbstverständlichkeit und nonchalanter Dreistigkeit den Griff in die Steuerkassen schönreden"


als "presse"-leser lebt man ja bekanntlich in einem parallel-universum, in dem grasser ein vorbildlicher citoyen, mensdorff ein ehrenmann und schüssel ein großartiger reformer ist.

aber leider hat diese scheinwelt nix mit der wirklichkeit zu tun; lesens einmal ein anderes medium, oder drehen sie das radio auf, sehen sie fern, oder reden sie mal mit nicht-nur-presse-lesern - da werden ihnen echt die augen aufgehen...

Re: Re: Re: "in einer Mischung aus frecher Selbstverständlichkeit und nonchalanter Dreistigkeit den Griff in die Steuerkassen schönreden"

Ach ja, sie entnehmen ihre geschätzten Infos den Zeitungen? Doch nicht etwa jenen Medien, die von unserem Kanzler mit Inseraten am Leben gehalten werden?
Sie informieren sich beim ORF? Gratuliere, das österreichische Staatsfernsehen ist sicherlich ein Hort der unabhängigen Berichterstattung.
Und diese Empfehlungen publizieren sie noch?
Entschuldigung, aber entweder habe ich die Satire und die Ironie hinter ihren Worten nicht gefunden, oder ihre Realitätswahrnehmung ist derart geschädigt, sodass nur mehr ärztliche Hilfe Abhilfe schaffen kann.

alles unterwandert!


soviel zum thema "geschlossenes weltbild". hatte ja ganz vergessen, dass alles von der rrrroten weltverschwörung beherrscht wird, fernsehen und radio sowieso, zeitungen, verlagswesen ministerien...alles rot! und klarerweise werden wir gehirngewaschen von dieser allumfassenden rrrroten gefahr, die einzige rettung liegt in der "PRESSE"!

obwohl, ist die nicht auch schon unterwandert? warum darf ich sonst hier posten. bin ich auch schon der lange arm faymanns? wahrscheinlich. ohne es selbst zu wissen? gefinkelt links&fies ist das...

ps: unser trinkwasser wird auch von diesen sozis kontrolliert. was die da wohl reinmischen? irgendetwas, das uns glauben macht, das KHG nicht der größte finanzminister aller zeiten war, tststs...

Re: alles unterwandert!

Jetzt also die Bestätigung: Sie leiden tatsächlich an Wahrnehmungsproblemen und Realitätsverweigerung.
Im Landesklinikum Tulln, psychiatrische Abteilung, da wird ihnen geholfen.
Baldige Genesung!

Re: Re: alles unterwandert!

sie scheinen ja schon einschlägige erfahrung gemacht zu haben. können sie das landesklinikum empfeheln, ja? gehts ihnen seit sie dort waren wiklich besser? nach ihren postings zu schließen eher nicht, aber was noch nicht ist, kann ja noch werden!

alles gute!

 
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