18.05.2013 22:30 Merkliste 0

Niederösterreich wünscht sich also eine neue Kontrollbehörde

RAINER NOWAK (Die Presse)

Niederösterreichs ÖVP ignoriert einen kritischen Bericht des Rechnungshofs. Damit gebe man den Prüfern eine Ohrfeige, heißt es in St. Pölten. Das sagt doch einiges.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Auf den ersten Blick könnte man Erwins Prölls niederösterreichische ÖVP fast für ihre Ehrlichkeit loben: St. Pölten ignoriert den Rechnungshofbericht über die neuen Spitalsbauten Baden, Wiener Neustadt, Neunkirchen und Mödling, ihre Sinnhaftigkeit und die damit verbundenen Kosten. Zum ersten Mal in der Zweiten Republik wird ein Landtag einen Bericht des Rechnungshofs offiziell nicht zur Kenntnis nehmen. Inoffiziell machen das ohnehin fast alle kritisierten Ressorts, Länder, Gemeinden und die jeweils verantwortlichen Politiker so. Kritik und Empfehlungen der Prüfer landen in der Schublade.

Auf den zweiten Blick zeugt die symbolische Aktion von der Allmacht und den dazugehörigen Fantasien der Politiker Erwin Prölls. Der Klubobmann der Pröll-Partei, Klaus Schneeberger, nennt den Akt wörtlich „eine Ohrfeige für den Rechnungshof“. Und man braucht nicht viel, um sich die Genugtuung vorzustellen, mit der diese Generation von Landespolitikern Ohrfeigen an Kritiker platzieren würde.

Allerdings hat Schneeberger in seiner Argumentation laut Verfassungsexperten wie Heinz Mayer, der nicht gerade als Parteigänger der niederösterreichischen Schwarzen gilt, möglicherweise recht. Schneeberger sagt, der Rechnungshof habe kein Recht („verfassungsrechtlich bedenklich“), eine politische Entscheidung zu prüfen oder zu kritisieren, die im Landtag von allen Parteien einstimmig gefällt worden sei.

Die Einstimmigkeit ist rechtlich irrelevant. Aber: Nicht die politische Entscheidung einer Gebietskörperschaft, nur deren Umsetzung dürfte vom Organ des Gesetzgebers geprüft werden, so die Einschätzung. Demnach gäbe es aber im Land keine Einrichtung, die hinterfragen dürfte, ob der politische Entscheid für vier neue Spitäler in einer einzelnen Region sinnvoll oder zu verhindern sei. Man muss Herrn Schneeberger fast dankbar sein, dass er dieses Defizit so gut aufzeigt: Da herrscht Reformbedarf. Allerdings darf sich der Rechnungshof mit den laufenden Kosten beschäftigen – und diese werden südlich von Wien pro Kopf mit vier Spitälern viel höher sein.

Ein anderer Vertrauter Erwin Prölls, sein Stellvertreter Wolfgang Sobotka, erkennt gar eine politische Verschwörung: Der Rechnungshof sei „instrumentalisiert“. Das ist eine interessante Einschätzung, bisher haben SPÖ und SPÖ-nahe Institutionen den Rechnungshof immer eine rechte Schlagseite zugunsten von FPÖ und ÖVP unterstellt. Dessen Präsident kommt aus dem Umfeld Jörg Haiders, er war einst Klubdirektor der FPÖ und wurde unter Regierungschef Wolfgang Schüssel in das Amt gewählt. Aber in St.Pölten ist man mit der Einteilung der Feinde recht großzügig: „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns“ lautet die Devise.


Erwin Pröll denkt nicht daran, sich bei der Ausgestaltung seines gar nicht kleinen Reichs von Bundesbehörden, Auflagen, Journalisten oder anderen Mühlsteinen auf dem Weg zum Sonnenkönig stören zu lassen. Die Worte seines Klubchefs stehen übrigens auch für das niederösterreichische Verständnis einer extrem repräsentativen Demokratie: Die niederösterreichische ÖVP wurde von den Wählern mit einer absoluten Mehrheit gesegnet. Das ist nichts anderes als ein klarer Auftrag, auch absolut zu regieren, so die allgemeine Einschätzung.

In einem Punkt handeln Pröll und Kollegen nicht logisch: Wenn nur der Föderalismus Sinn hat, und wenn nur klare Mehrheiten wie in Niederösterreich gute Politik ermöglichen, müsste er den Schweizer Radikalföderalismus für Österreich fordern. Die Steuerhoheit und damit Verantwortung würden an die Landeshauptstädte gehen, auch die volle Kompetenz über Gesundheit, Soziales und Bildung würde dann nach St.Pölten, Salzburg und Linz gehen. Die Bundesregierung würde – verkleinert – nur noch Außen-, Innen-, Justiz- und Landesverteidigung mit ein paar Beamten organisieren. Die wahre Politik und das volle Reformpotenzial wären hingegen in den Ländern. Niederösterreich wäre ein ziemlich großer Kanton.

Warum Pröll das nicht will?

Schwer bis unmöglich zu sagen. Feigheit kann es nicht sein. Denn wer dem Rechnungshof locker eine Ohrfeige gibt, muss doch mutig sein.

 

E-Mails an: rainer.nowak@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.07.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

33 Kommentare
 
12

System Pröll

zum Kotzen ...

Gast: pensionär
06.07.2012 20:02
0 0

Ohrfeigen

teilt der Prölli selber recht gern aus, einstecken tut er aber nichts.

Antworten Gast: Hubertus
06.07.2012 21:17
0 0

Re: Ohrfeigen

Wenn das Gerücht wahr ist, soll er einmal eine von einem empörten Bürger nach dem Marchhochwasser bekommen haben.

Gast: Spaßverderber
06.07.2012 18:18
0 0

Jammern über vergossene Milch

Der finanzielle Rahmen gehört schon bei Gesetzwerdung (im Landtag, im Nationalrat) deutlicher abgesteckt. Es sollte so etwas wie ein finanzielles Veto schon im Vorfeld geben.! - Immer öfter kann der Rechnungshof nur hintennach meditierend kalkulieren (oder kalkulierend meditieren). Immer öfter kann die Jugend die Zeche für eine Infrastruktur zahlen, die sie eher nicht glücklich machen wird.

Gast: allerhöchstezeit
06.07.2012 16:59
0 0

Mehr Aufdeckungsjournalismus

Kritik und Empfehlungen der Prüfer landen wie immer in der Schublade.
Sinnvolles und politisch Opportunes sind oft nicht deckungsgleich, weshalb hierzulande bei Bildungsfragen, in der Gesundheitspolitik, beim Integrationsthema etc Stillstand herrscht. Ernsthafte Diskussionen mit vernünftigen Ergebnissen sind in einem Land der rot-schwarz-grünen Meinungsmonopolisten schon lange nicht mehr erwünscht. Wann wird endlich wieder Transparenz in allen gesellschaftspolitischen Fragen kommen? Die arrogante Verlogenheit rundum ist widerlich geworden!


Gast: superquant
06.07.2012 13:52
0 0

Staatsanwaltschaft ermittelt

Aus gut informierten Quellen habe ich erfahren,dass die Staatsanwaltschaft St. Pölten gegen die Verantwortlichen im RH ermittelt. Da leider Majestätsbeleidigung nicht mehr verfolgt werden kann überlegt man sich ob Kritik am Willen Prölls nicht unter den Tatbestand Hochverrat fällt.

Gast: Schämer
06.07.2012 12:52
1 0

Ich schäme mich

Niederösterreicher zu sein. Ich entschuldige mich bei allen ÖsterreicherInnen für diese Politiker.

Wieso nur NOE?

Warum wird nicht auch wien kritisiert, Häupl ist ja der Freund des Herrn Pröll. Wien wirft genau so das Geld beim Fenster hinaus und denkt nicht ans Sparen, immerhin gehen die Magistratsbeamten noch immer sehr zeitig in Pension und alle Steuerzahler müssen da herhalten. Nicht mit zweierlei Maß messen. Das Herr Pröll abgehoben reagiert sind wir ja schon gewöhnt.

0 1

Re: Wieso nur NOE?

frage ich mich auch !

Denn sowohl W als auch N samt anderen Bundesländer, leisten sich all die weiterhin mehr als möglich wäre, gäbe es da nicht weiterhin entgegen Sparprogramme welche allein das Volk gerichtet sind, möglich wären und sind !

0 0

Re: Wieso nur NOE?

Die "Presse" hat Wien durchaus des Öfteren schon für die Handhabung der Steuergelder kritisiert, also kann da von "mit zweierlei Maß messen" keine Rede sein. Diesmal ist halt ein besonderer Anlass passiert, der eben NÖ betrifft.

Gast: yoshi1
06.07.2012 10:31
0 0

Warum Pröll das nicht will?

Das wissen wir doch alle.. er soll machen können was er will, Schuld an Fehlschlägen soll jedoch immer und zu jeder Zeit der Bund haben.

Diese Ruhe stört mich!

Die Kolomnisten der Presse gehen ihren Tagesgeschaefte nach. Sie tun so als ob sich nichts geaendert haette. Sind sie sich so sicher, dass ihre Lebenstandards sich nicht aendern werden oder ist das die Ruhe vor dem Sturm?

Gast: Peter Hofmueller
06.07.2012 09:39
0 0

Noe wuenscht sich eine neue Kontrollbehörde

Euer "Häuptling" kocht immer gerne sein eigenes Süppchen...."New's"???
Unglaublicher Affront gegenüber dem Rechnungshof!In nicht nur Noe Landen,ist schon alles möglich an Verhöhnungen....

Gast: NÖin
06.07.2012 09:33
1 0

Auch NÖer wollen einen raschen Anfahrtsweg in nächste Spital

Wahrscheinlich sind alle, die sich hier so aufregen, WienerInnen- denn die habens ja nicht weit ins nächste Spital. Es ist leicht, auf dem Rücken anderer zu sparen!

Antworten Gast: Tirolazz
06.07.2012 12:24
0 0

Und wir Österreicher

zahlen euch ja so gerne die Luxuskrankenhäuser im 4km Abstand.

Antworten Gast: Gast: Leser
06.07.2012 11:52
0 0

Re: Auch NÖer wollen einen raschen Anfahrtsweg in nächste Spital

Stimmt in meinem Fall nicht: ich wohne im Bezirk Baden, ausgerechnet 4 km vom Badener Spital entfernt, stehe aber den neuen Spitalsbauten ebenso kritisch gegenüber. Wäre absolut damit einverstanden, wenn es z.B. nur noch den Standort Mödling geben würde. Musste übrigens schon einigemale bei akuten Fällen in die Ambulanz nach Wr. Neustadt (Augen, HNO), weil es so etwas weder in Baden noch in Mödling gibt (hoffentlich zumindest in Zukunft in einem davon).

NÖ ist Griechenland

NÖ ist ja um nichts besser als Griechenland, was durch solche Aussagen und Geisteshaltungen unmittelbar deutlich wird.

Tatsächlich ist auch NÖ seit Jahren damit beschäftigt, seine Schulden unter Zuhilfenahme von Beratern auszulagern und zu verstecken.

Das wäre einmal eine Rechercheaufgabe für Journalisten.

Diese völlige Verantwortungslosigkeit, mangelnde Integrität und Selbstherrlichkeit unserer Politiker (beileibe nicht nur in NÖ) wird uns teuer zu stehen kommen.

Was haben wir, die Wähler, falsch gemacht, dass fast nur noch solche Gestalten an der Macht sind?

Gast: fulca
06.07.2012 08:11
2 0

Der Verschwender

Wieso gibt es eigentlich keine gesetzliche Handhabe gegen Institutionen, die RH-Berichte ignorieren, nicht darauf reagieren. Die renitenten Politiker müssten eigentlich ihr Amt verlieren und zur Rechenschaft gezogen sowie bestraft werden.

Das Ignorieren des Rechnungshofberichts durch LH und Landesregierung wäre eine gute Anlassfall, den Föderalismus-Moloch Bundesländer samt deren präpotente Landesfürsten und Vasallen los zu werden!

Gast: Gastone
06.07.2012 08:11
2 0

Gehts noch?

"Schneeberger sagt, der Rechnungshof habe kein Recht („verfassungsrechtlich bedenklich“), eine politische Entscheidung zu prüfen oder zu kritisieren, die im Landtag von allen Parteien einstimmig gefällt worden sei."

Am besten solche lästigen Kontrollinstrumente gänzlich abschaffen, damit die Mafia nicht belästigt wird.

bald ist die ÖVP eine Kleinpartei

für mich war sie immer das kleinere Übel, aber jetzt ist Schluss. mangels Alternativen werde ich gar nicht mehr wählen und meinen Wohnsitz nach Afrika verlegen, da brauche ich keine Illusionen über die Qualität der politischen Kaste.

Gast: N wie Nordkorea - Kim Jong Pröll
06.07.2012 00:40
6 0

In Österreich wird ein PSEUDO-Föderalismus betrieben: der Bund kassiert Steuern, die feudalen Länder und Gemeinden werden per Kontingent (Finanzausgleich) quasi "verpflichtet", ihren riesigen Anteil am Steuertopf zu verplempern.

Bei den Parteien ist es aber umgekehrt, hier kassieren die Landesorganisationen und alimentieren die Bundesparteien. Somit sind Bundespolitiker von Landesfürsten finanziell erpressbar, desöfteren praktisch passiert.

Das hat nichts mit Föderalismus zu tun.

Denn de facto bestehen SPÖ und ÖVP aus LANDESORGANISATIONEN, deren jeweilige Vorsitzende zugleich praktischerweise auch Landeshäuptling/LHStv sind.

Wenn jetzt ein Kanzler oder Vize auf die dumme Idee kommt, auch die Länder zum Sparen bewegen zu wollen, dann richten die Landeshäuptlinge BELEGBAR den jeweiligen Sparvorschlägern das Götz-Zitat aus, sie "werden die Zahlungen an die Bundespartei stoppen", wie der Oberverhinderer Erwin Pröll meinte.

So wird die absolut fiskalpolitisch ohne Verantwortung agierende Landeshauptleute-Ebene zum Schwanz, der beliebig mit dem Hund wedeln kann!

Diese Kaste Pfründner muss schleunigst auf dem Misthaufen der Geschichte entsorgt werden!

Deshalb:

x) Ersatzlose Abschaffung der unnötigen Landesgesetzgebungen und Landesverwaltungen, deren Struktur auf dem Jahre 1850 basiert.

x) Zusammenlegung der Gemeinden auf Bezirksebene, Verschmelzung Gemeindeamt mit Bezirkshauptmannschaft.

Einsparungspotenztial:

Direkt: mehr als 2 Milliarden jährlich.
Indirekt durch Abschaffung der politischen Verhinderer: unschätzbar!

Gast: Hubertus
06.07.2012 00:18
2 0

Keine Trauer

Der RH soll sich nicht grämen. Er soll es mit Aristoteles halten: Bin ich beleidigt, wenn mich ein Esel tritt? Weiters gilt: Nur praepotente Dumme und Kleingeistige (auch pepita= schwarz/weiß und kleinkariert genannt) ertragen keine Kritik.

2 0

"Warum Pröll das nicht will?"

Das ist keineswegs schwer oder gar unmöglich zu sagen, im Gegenteil:
Das Geld anderer Leute gibt sich am ungeniertesten aus, die Länder WEHREN sich doch mit Händen und Füssen Steuerhoheit - und damit Verantwortlichkeit für für die Einnahmen - zu erlangen.

Kontrolle

Das Prinzip der repräsentativen Demokratie besteht darin, dass Personen gewählt werden die Entscheidungen treffen dürfen. Es gibt in unserem System keinen klar definierten Auftrag der Wähler, gegen den ein Landtag verstoßen könnte. Eine Kontrolle ist daher garnicht möglich.

Die Kontrollfunktion des Rechnungshofes beschränkt sich folgerichtig darauf, ob die Verwaltung (also die LandesREGIERUNG) sich bei der Umsetzung der Entscheidungen der Volksvertreter an ihre gesetzlichen Aufträge hält - insbesondere auch die haushaltsrechtlichen Vorgaben der Effizienz, Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit.

Möglich wäre allenfalls eine Beratungsfunktion gegenüber dem Landtag, in dem Probleme (und Vorteile) verschiedener Möglichkeiten aufgezeigt werden. Die Entscheidung liegt dann aber nach wie vor beim Landtag. Und natürlich beim Wähler, aber das nur alle paar Jahre.

Das ist nicht optimal, insbesondere da der Unterschied zwischen Regierung und Landtag meist mit freiem Auge garnicht mehr erkennbar ist. Aber was ist die Alternative? Den Rechnungshof über die gewählten Volksvertreter stellen? Völlig undemokratisch. Und nach welchem Maßstab prüft er dann?
Es wäre deutlich sinnvoller Entscheidungsbefugnis und Verantwortung (also Steuerhoheit) zu verbinden und durch mehr direktdemokratische Möglichkeiten den Spielraum des Landtages einzugrenzen. Mit zusätzlichen Kontrollbehörden hat das aber nichts zu tun.

Oder würde es Ihnen, Herr Nowak, genügen Pröll heuchelte Demut, so wie alle anderen auch?

Gast: b754
05.07.2012 21:21
1 0

http://www.youtube.com/watch?v=X2MLSZeEoUM

immer wieder entlarfend

Gast: b754
05.07.2012 20:09
1 2

das ist einfach die geisteshaltung der övp


 
12

Mehr Kommentare:

Top-News