20.05.2013 10:53 Merkliste 0

Beihilfe zur Heuchelei

CHRISTIAN ULTSCH (Die Presse)

Absurder geht es kaum: In Saudiarabien bedrohen die Wahhabiten jeden, der vom Islam abfällt, mit dem Tod. In Wien eröffnen sie mit rot-schwarzer Unterstützung ein Dialogzentrum der Religionen.

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Diese Woche konnte Saudiarabien wieder einen internationalen Spitzenplatz belegen. Das US-Institut „Freedom House“ bescheinigte dem Königreich, zu den neun repressivsten Regimes der Welt zu zählen. Im gastfreundlichen Wien stört das niemanden. Hier darf sich das Haus Saud mit großer Geste als Hort der Toleranz präsentieren, freundlich unterstützt von der Bundesregierung.

In der letzten Sitzung vor der Sommerpause segnete das Parlament mit den Stimmen von SPÖ, ÖVP und BZÖ die Errichtung des „König Abdullah Zentrums für interreligiösen und interkulturellen Dialog“ ab. Die neue Organisation, die am 26.November im Palais Sturany am Schottenring21 ihre Pforten öffnen wird, ist deshalb nach dem saudischen König benannt, weil er alles zahlt. Einen hohen zweistelligen Millionenbetrag ist dem greisen Monarchen das PR-Projekt wert. Sorgen um unerwünschte Folgen der Versuchsanordnung muss er sich nicht machen. Das Gespräch mit Vertretern anderer Weltreligionen findet in sicherer Entfernung von seiner Heimat statt. Und in Wien sieht sein treuer Diener Faisal Abdulrahman bin Muammar, Saudiarabiens ehemaliger Vize-Bildungsminister, als Generalsekretär des Zentrums nach dem Rechten. Ihm zur Seite freut sich Ex-Justizministerin Claudia Bandion-Ortner, die bisher ihr theologisches Expertenwissen erfolgreich geheim gehalten hat, über einen Versorgungsposten.

In Saudiarabien selbst ist die Dialogkultur bekanntlich nicht so stark ausgeprägt. Wer auf die Idee kommen sollte, vom Islam abzufallen, ist gut beraten, sich vorher ein Plätzchen auf dem Friedhof zu sichern. Denn ihm droht die Todesstrafe. Die wenigen Christen im Land, großteils Gastarbeiter, müssen ihre Messen privat im Untergrund feiern. Ihnen ist nicht gestattet, Kirchen zu bauen. Großmufti Sheikh Abdul-Aziz al-Sheikh möchte das weiterhin so halten und das wahhabitische Toleranzmodell sogar auf andere Länder ausweiten. Jüngst riet er dazu, alle christlichen Gotteshäuser auf der arabischen Halbinsel zu zerstören. Zu Juden pflegt Saudiarabien ein Sonderverhältnis: Ihnen ist nicht einmal erlaubt, ins Land der heiligen Stätten des Islam einzureisen.

Die Wahhabiten rechtfertigen mit ihrer mittelalterlichen Islam-Auslegung bizarre Einschränkungen grundlegendster Rechte. Während sich Bandion-Ortner für die absurde Wiener Palaver-Institution hergibt, dürfen Frauen in Saudiarabien nicht einmal Autos lenken. Auch in außerreligiösen Fragen versteht der Polizeistaat eher wenig Spaß.

Es ist naiv zu glauben, dass die ziellosen interreligiösen Lockerungsübungen am Schottenring positive Rückwirkungen auf Saudiarabien haben könnten. Näher liegt der Verdacht, dass König Abdullah die Pirouetten im Dialogzentrum drehen lässt, um das Image seines Regimes aufzupolieren und den Blick auf die üble Realität in Saudiarabien zu verstellen. Österreichs Regierung lässt sich für eine Heuchleraktion einspannen.

Wenn das die Nordkoreaner spitzkriegen, eröffnen sie demnächst ein Demokratiezentrum am Donaukanal.

christian.ultsch@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.07.2012)

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52 Kommentare
 
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das ist weider einmal


ein aufgelegter elfer für die fpö.

da greift man sich am kopf, welche naivlinge uns regieren.

oder haben sie von könig abdullah ein für den könig kleines taschengeld bekommen um seinen wünschen geneigt gegenüberzustehen?

dann sind sie nicht naiv, sondern das was sie schon immer waren, brauch ma halt wieder einen u-ausschuss.


für die nordkoreaner

hätten wir da einen spitzenpolitiker der halt immer aufs klo geht wenn eine gewissensentscheidung ansteht

Dies Kommentar ist bezaubernd schön!

Nur leider ist das kein Stoff für eine Oper, sondern die Realität und unsere Gutmenschen in Österreich arbeiten sohin tatkräftig mit diesen Verbrechern zusammen.

Es wär an der Zeit, Gutmenschentum strafrechtlich zu erfassen, so sehr geschadet wie diese Gedankenströmung hat uns bislang nichts vergleichbares.

Gast: Orange-in-Wien
10.07.2012 21:58
1 0

Alles Halbwahrheiten

Die FPÖ hat genauso wie ÖVP, BZÖ und SPÖ den Weg geebnet, dass es hierzu kommt.

http://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20120619_OTS0267/gruenes-licht-fuer-koenig-abdullah-dialogzentrum-beschluss-des-aussenpolitischen-ausschusses-mit-s-v-f-b-mehrheit

Und die Grünen: Haben sich durch Zustimmung zum ESM und dem nunigen verlangen nach einer Verfassungsklage in die Widersprüchlichkeit als Partei katapultiert!

Nur mehr das BZÖ ist demokratisch vertretbar in einer Regierung. Alle anderen heucheln die Wahrheit vor!

Gast: Mensch Meier
10.07.2012 18:48
7 0

Noch absurder ist allerdings,

dass der Westen nicht nur zu Saudi Arabien trotz der massiven Menschrechtsverletzungen im Land hält, sondern Seit an Seit mit Saudi Arabien und Qatar die wahhabitischen Suniten in Syrien (auch bekannt unter Begriffen wie "Rebellen" oder "Opposition") im Kampf gegen Assad unterstützt.

Gast: lou
09.07.2012 13:10
1 3

warum nicht

sollens die kohle bei uns abladen und wenns uns die CBO abnehmen um so besser.

4 0

Die Dankbarkeit von Abdulla wird in Geld nicht aufzuwiegen gewesen sein.

Der Herr König wird sich doch hoffentlich für das Entgegenkommen der Regierung mit einem kleinen symbolischen Bakschisch erkenntlich gezeigt haben!

Gast: Dr yahya hassan bajwa
08.07.2012 19:42
4 1

Beihilfe zur Heuchelei

Der Titel bringts auf den Punkt. Die Islaminterpretation in Saudi Arabien ist aus dem Mittelalter! Bei "Abfall" vom Islam erfolgt die Todesstrafe. Dieses Gesetz führte einst der Heilige Augustinus - der Kirchenvater - ein. Muslime der Saudiprägung haben dieses Gedankengut übernommen! Dies widerspricht dem Koran: "Es gibt keinen Zwang in der Frage des Glaubens". Die Frage ist berechtig: Wie kann ein Dialog stattfinden, wenn in der eigenen Heimat ein solcher gar nicht existiert!
Dr yahya hassan bajwa
Grüne Schweiz

Re: Beihilfe zur Heuchelei

Der heilige Augustinus führte dieses Gesetz mitnichten ein !!
Er konnte,als Bischof von Hippo keine Gesetze einführen !
Sein Hilferuf an staatliche Institutionen richtete sich gegen die häretische Sekte der Donatisten.
Dennoch bat er die staatlichen Autoritäten um Milde und lehnte die Todesstrafe auch für jene Häretiker ab, die etwa katholische Priester ermordet hatten.

Re: Beihilfe zur Heuchelei

Koran, 16 Sure, Vers 107 : Wer Allah verleugnet, obwohl er früher an ihn geglaubt hat, es sei denn gezwungen, indes das Herz noch fest im Glauben ist, wer also freiwillig sich zum Unglauben bekennt, den trifft der Zorn Allahs, und seiner wartet peinvolle Strafe.
und auch :
Koran, 3. Sure, Vers 86 : Wer eine andere Religion als den Islam sucht, - nie möge er sie annehmen - der gehört im zukünftigen Leben gewiß zu den Verlorenen.
Daraus geht hervor, daß erst im Himmel gestraft wird; es steht nirgends im Koran, daß schon auf Erden durch andere Menschen zu strafen sei.

Nicht nur daraus ist die Gefahr des Islams ableitbar: Die friedlich praktizierte Religion wird schnell verschärft, siehe Iran, und da kommen dann auch die friedlichen , Vernünftigen nicht raus.

Gast: luzifer
08.07.2012 18:23
0 2

Könnte es sein, daß sich die saudischen Wahabiten

von eigenen "arabischen Frühling" überzeugen lassen und sich in Richtung Demokratie und religiöser Toleranz entwickelnß Im Iran-Konflikt könnte sie gleich ein Exempel statuieren ....

Hofknicks vor dem König

Hat sich also die Bundesregierung dazu herbeigelassen, dem saudischen Regime ein Feigenblatt zu ermöglichen? Anders lässt sich dieses angebliche Dialogforum nicht bezeichnen. Und für Bandion dürfte der Job dort als gut dotierter Versorgungsposten sein, als Alibifrau für eine Institution, die nicht im Verdacht steht, der vollständigen Gleichberechtigung der Geschlechter das Wort zu reden. Zumindest dann nicht, wenn man die Situation in Saudiarabien betrachtet. Ist dieses "Dialogzentrum" ein Geschenk an den saudischen König? Man könnte dies gerne glauben.
Wenn schon dortorts in dialogischer Form konversiert werden soll, so sei vorneweg festgehalten: alle abrahamitischen Religionen stammen aus der Wüste des Nahen und Mittleren Ostens, ihre Verbreitung erfolgte meist mit Schwert und Blutvergiessen, da war von Dialog und Überzeugung kaum die Rede.

Antworten Gast: Geschichte
13.07.2012 09:02
0 0

Re: Hofknicks vor dem König

Die Juden haben mit dem Schwert ihre Religion verbreitet? Die Christen? Sind diese nicht in Rom den Löwen zu Fraß vorgeworfen worden, waren diese nicht
gezwungen über Jahrhunderte in die Katakomben zu fliehen ?


Gast: b754
08.07.2012 16:13
3 0

die BO braucht halt ein zusatzeinkommen


4 0

Der schiitische Mullah bei uns im Bezirk

war sehr schockiert, als er über dieses Zentrum mit den Wahabiten informiert wurde.

Aber es ist doch gut wenn die Saudis hier ihr Geld ausgeben!

So ein Institut ist eine gute Sache. Viele gscheite Leute die nachher in Lokale gehen und den Tourismus anheizen!

Antworten Gast: nur ums geld
08.07.2012 17:10
2 0

Re: Aber es ist doch gut wenn die Saudis hier ihr Geld ausgeben!

Sehr richtig! Es wird viel Geld nach Ö. fließen und es wird damit auch "Vieles" gefördert. Was damit passiert, interessiert jetzt niemanden. Blöderweise schert sich nur hier niemand mehr um Religion, und was jetzt in Nordafrika passiert, ist doch uns auch egal-net?
Ednan Aslan heißt der Herr, der zum Islam was weiss...

Gast: harakiri
08.07.2012 13:38
3 0

das muss man ganz

anders sehen. Österreich als ein einziges Wirthaus ist darauf angewiesen, dass sich solche Organisationen hier niederlassen. Da gibts
Kongresse, teure Übernachtungen, Restaurantbesuche und,und, und. Die Herrschaften lassen Kohle hier, besonders die mitreisenden Tiefverschleierten. Eine Ex- Ministerin als Unter- Gallionsfigur, wer kann das noch bieten.
Was die da so beraten und beschliessen juckt doch keinen. Man muss das pragmatisch sehen, wär doch schade, die würden nach Genf gehen.

lach..

ich seh schon wieder die 23iger..., da steckt doch viel mehr dahinter ;

Gast: Wirtschaftler
08.07.2012 11:17
9 0

Gratulation !

Zu diesem Artikel muss ich dem Verfasser gratulieren. Es ist auf den Punkt gebracht und mit der richtigen Feder formuliert !
Danke !!!

Antworten Gast: von wegen wirtschaft
08.07.2012 13:26
4 0

Re: Gratulation !

Obwohl dieser Beitrag auf Seite 1 erschien, ist zu befürchten, dass kein Aufschrei durch das Land gehen wird. Auf Grund der hier unüblichen Transparenz werden wir nichts über den eigentlichen Deal erfahren. Herr Ultsch, bitte bleiben Sie am Thema - Rot-Schwarz muss endlich zum Farbe bekennen gezwungen werden. Denn das Sprüchlein: "Geht`s der Wirtschaft gut, geht`s allen gut" stimmt nicht. Man verkauft laufend unsere Identität und beteuert immer die kulturelle "Bereicherung" .

Re: Re: Gratulation !

Sie haben die Grünen vergessen. Frau Korun stemmt sich vehement gegen diese Einrichtung; das ist der Aufschrei, den Sie vermissen.

Gast: Gast: Leser
08.07.2012 11:10
1 0

Kaum zu glauben

"... mit den Stimmen von SPÖ, ÖVP und BZÖ..." - ist ja kaum zu glauben: BZÖ stimmt zu, und die Grünen nicht? Oder hat sich Ultsch vielleicht verschaut/verschrieben?

Antworten Gast: mh
08.07.2012 15:37
7 1

Re: Kaum zu glauben

Hätten die Grünen zugestimmt, gäbe es keinen kritischen Artikel.

Und den Islam nur in Saudi-Arabien zu kritisieren ist auch mehr als seltsam.
Kritiker des Islam werden in Österreich normalerweise (überhaupt wenn sie seitens FPÖ kommen) angeklagt und verurteilt.

Es wäre sehr interessant die wirklichen Gründe der Kritiker an diesem Dialogzentrum zu erfahren. Bis jetzt haben sie nämlich keinerlei Kritik am Islam zugelassen!

Die Formulierung ist falsch!

Der Autor schreibt: Im gastfreundlichen Wien. Das ist falsch. Wien ist geldfreundlich!
Im übrigen. Das Bankgeheimnis ist auch nicht viel anders...
Fazit: In Österreich kannst du mit Geld alles machen!

Gast: Vogel Strauss
08.07.2012 08:28
4 0

Wien ist anders ...

Aber ja, kommt alle her, alle bekommen ein Dialogzentrum, die Al-Kaida, der Bin-Laden-Clan, die Kims - alle nach Wien! Hauptsache, die Knete stimmt! Tja, an Häupls Stelle würd ich es auch so machen, bei den Schulden, die Wien hat ...

 
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