23.05.2013 21:35 Merkliste 0

Die Causa Birnbacher ist nur die Spitze des Eisbergs

CHRISTIAN HÖLLER (Die Presse)

Die Sanierung der drei Problembanken hat Österreich bislang 4,5 Milliarden Euro gekostet. Das Geld werden die Steuerzahler nicht wiedersehen.

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Das Birnbacher-Gutachten über den Verkauf der Hypo Alpe Adria zeigt eindrucksvoll, wie Kärnten zu einem Selbstbedienungsladen auf Kosten der Steuerzahler geworden ist. Die Kärntner Landesregierung könnte ihre Sitzungen mittlerweile gleich in einem Gerichtssaal abhalten, in keinem anderen Bundesland wird gegen so viele Regierungsmitglieder ermittelt wie dort.

Der Kärntner ÖVP-Chef Josef Martinz hat seinem früheren Steuerberater Dietrich Birnbacher einen Sechs-Millionen-Euro-Auftrag für ein schlampig recherchiertes Gutachten zugeschanzt. Wäre der ebenfalls dafür verantwortliche Ex-Landeshauptmann Jörg Haider nicht 2008 bei einem Autounfall ums Leben gekommen, säße er jetzt auch auf der Anklagebank.

Völlig unverständlich ist es, dass die Justiz erst jetzt wegen des 2007 verfassten Birnbacher-Gutachtens Anklage erhoben hat. Dabei müsste jedem Staatsanwalt von Anfang an klar gewesen sein, dass Birnbachers sechs Seiten niemals sechs Millionen Euro wert sein können. Viele Fragen sind weiterhin ungeklärt: Hat jemand bei dem Millionenauftrag mitgeschnitten? Gab es tatsächlich keine Parteienfinanzierung, wie die Angeklagten versichern?

Birnbacher ist nur die Spitze des Eisbergs. Als Ende 2009 die Hypo Alpe Adria verstaatlicht wurde, setzte die Bundesregierung die Ermittlertruppe CSI Hypo ein. Diese brachte bei der Staatsanwaltschaft 60 Sachverhaltsdarstellungen ein. Die Anklagebehörde hat in den meisten Fällen noch keine Entscheidung getroffen. Bei den wirklich großen Hypo-Brocken wird immer noch recherchiert – wie beim Vorwurf der Bilanzfälschung in den Jahren 2006/2007.

Weitgehend in Vergessenheit geraten sind die Probleme bei der Kommunalkredit und deren Bad Bank namens KA Finanz. Beide Institute mussten mit Milliardenbeträgen vom Steuerzahler gerettet werden. Die Rettungsaktion für die Kommunalkredit passierte im Herbst 2008. Und was macht die Justiz? Sie ermittelt noch immer gegen den Ex-Vorstand und ehemalige Aufsichtsräte. Dabei ist das Verfahren ebenso brisant wie bei der Hypo. Denn die Staatsanwaltschaft untersucht auch die Rolle von Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ). Sie saß von 2004 bis 2006 im Vorstand der Kommunalkredit. Schmied bestreitet alle Vorwürfe.

Die Österreicher haben ein Recht darauf, dass die Verantwortung jener Manager, die diese Finanzinstitute an die Wand gefahren haben, lückenlos aufgeklärt wird. Und dabei wäre etwas mehr Tempo wünschenswert.

Wenn die Justiz schon Jahre für die sechs Seiten von Birnbacher braucht, wie lange wird erst die Überprüfung der Hypo-Bilanzen dauern?

Rund 4,5 Milliarden Euro musste Österreich bislang in die Sanierung von Hypo, Kommunalkredit, KA Finanz und Österreichische Volksbanken AG (ÖVAG) stecken. Ein Betrag, der nicht ausreichen wird. Die Hypo könnte heuer noch einmal bis zu 1,5 Milliarden Euro brauchen. Und auch bei der KA Finanz gibt es Gerüchte, dass ein weiterer Staatszuschuss von 500 Millionen Euro notwendig ist.

Genauso wichtig wie die Aufarbeitung der Vergangenheit ist ein Konzept über die Zukunft der Staatsbanken. Dafür wäre eigentlich Finanzministerin Maria Fekter (ÖVP) verantwortlich. Doch man hat den Eindruck, dass die Manager und Aufsichtsräte der Staatsinstitute selbst nicht so richtig wissen, wie es weitergehen soll.

Zu glauben, dass man Hypo, Kommunalkredit und ÖVAG so gut sanieren kann, dass ausländische Investoren in einigen Jahren Schlange stehen werden, ist naiv.

Seit Jahren betonen Nationalbank und Finanzmarktaufsicht, dass Österreich „overbanked“ ist. Es gibt zu viele Bankmitarbeiter und Filialen. Selbst die Ertragskraft der gesunden Finanzkonzerne ist schwach. Wie sollen dann erst die maroden Staatsbanken überleben?

Vermutlich wäre es am sinnvollsten, ÖVAG, Hypo und Kommunalkredit abzuwickeln und vom Markt zu nehmen. Dann müsste die Regierung den Österreichern aber langsam reinen Wein einschenken und zugeben, dass die für die Sanierung des Finanzsektors eingesetzten Milliarden verloren sind.

 

E-Mails an: christian.hoeller@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.07.2012)

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15 Kommentare
Gast: Tester_again
18.07.2012 14:10
0 0

Wenn das wahr ist...

Direkt von der Natoinalbank und der FMA, deren Funktionstraeger einfordern; persoenliche Haftung fuer Duchatczek und Zoellner muss her

War da nicht auch ein Herr Pinkel?

Zuerst wurde die Volksbank AG an die Wand gefahren, Abschied mit golden handshake und dann weiter zur HypoAlpeAdria und wieder Abschied mit g.h.. ....so ein Zufall!
Der Mann wusste wahrscheinlich zu viel.

Gast: Kinimod
16.07.2012 14:44
0 0

Völlige Strategielosigkeit

Was hier fehlt ist eine Strategie! Nach einer kurzfristigen Hauruck-Aktion wäre Zeit für eine Strategie und ein Konzept gewesen. Doch geschehen ist nichts!!

In AT regiert völlige Strategielosigkeit!!

Und niemand konfrontiert unseren Bundeskanzler mit diesen Fragen?!!

Gast: Durchblicker2
16.07.2012 11:51
1 1

Selbstbedienung

... ob Haider auf der Anklagebank säße, wenn er noch lebte, bezweifle ich. Das Vertuschen wäre nur in noch größerem Ausmaß weitergegangen.
... suchen Sie nicht nur nach direkter Parteienfinanzierung aus dem 6 Mio. Honorar! Die Antwort auf die Frage, warum es dieses Gutachten überhaupt brauchte ist nicht so schwer: Haider und Konsorten hatten den Deal ja schon komplett ausverhandelt, also brauchten Sie nun jemanden, der formal bestätigte, daß alles in Ordnung sei. Vielleicht muß man den Deal selbst noch genauer untersuchen !?
… bei der Liste der Bankenrettungen fehlt noch die Constantia Privatbank, die ebenso wie die Kommunalkredit oder die Volksbank (in ihrem jetzigen Zustand) definitiv nicht systemrelevant ist

"unverständlich dass die Justiz erst jetzt" ...

Unverständlich ist das aber auch nur für jemanden der (vielleicht um einen guten Job zu behalten) seit Jahrzehnten absichtlich den Kopf in den Sand steckt.

Wir müssen und unsere Reporter sollten einmal zur Kenntnis nehmen dass unsere Staatsanwaltschaft niemals das Niveau der eines westlcihen REchtsstaates hat sonder in Monarchistisch-Absoluten Rechtsverständnis stecken geblieben ist.

Näher an Rumänien liegt als an Deutschland - selbst in Italien würden solche Zustände nicht geduldet werden.

Gast: Luzifer
16.07.2012 11:05
1 1

Begriffe wie "Unternehmerisches Risiko" sind manchen Presse-Redakteuren

halt fremd. Die werden nie verstehen, daß einmal andere Parteien als die abgewirtschafteten Roten versucht haben, Kärnten wirtschaftlich nach vorne zu bringen. Im Gegensatz zu den großkoalitionären Großbanken haben Haider (den man jetzt leicht angreifen kann, weil er sich nicht mehr verteidigen kann) u. sein Vize noch rechtzeitig versucht, die Kärntner Landeshypo mit Gewinn zu verkaufen, uzw. 2 Jahre vor dem Crash. Nur den Kärntner Grünen war die Tagespolitik wichtiger. Sie haben nicht geruht, bis sie endlich etwas gefunden haben, um trotz der anfechtungsdichten Veräußerungsurkunden der Bayern doch noch ein Hölzerl für Schadenersatzklagen in Millairdenhöhe zum Nachteil des Landes zuzuwerfen!

Pröll beschreitet jetzt mithilfe seines Landesbank in NÖ einen ähnlichen Expansionskurs. No na, mit Sozialbürokratismus und Reichensteuer wird man ein Land wohl nicht zum wirtschaftlichen Erfolg führen können. Es sei denn, man macht es wie in Wien, wo der "Fortschritt" im Wege des Finanzausgleichs hauptsächlich durch Steuermitteln aller Österreicher finanziert wird!

Antworten Gast: alpha-tierchen
16.07.2012 12:17
0 0

Re: Begriffe wie "Unternehmerisches Risiko" sind manchen Presse-Redakteuren

unternehmerisches risiko?? sie sind ein scherzkeks oder?? habe síe den smiley vergessen??

wo ist unternehmerisches risiko vorhanden, wenn alle abgänge vom steuerzahler beglichen werden u. etwaige, normalerweise nicht vorhandene überschüsse in den taschen der politiker u. in den kassen der parteien verschwinden (oder eben geld vom steuerzahler dorthin verschoben wird, wenn es keine überschüsse gibt)??


Antworten Antworten Gast: Luzifer
16.07.2012 21:14
0 1

Re: Re: Begriffe wie "Unternehmerisches Risiko" sind manchen Presse-Redakteuren

Sie geifern und merken nicht, daß
a) auch Wien seine "Soziale Wärme" (Verweigerung des Mitziehens bei der Pensionsreform) sich durch alle österr. Steuerzahlen finanzieren läßt;
b) daß ohne die "Aktivitäten" der Grünen das Geschäft mit der Hypo-Alpe-Adria über die Bühne gegangen wäre, ohne daß der österr. Steuerizahler hätte einspringen müssen.
Es ist doch so: um jeder nichtrote Partei in Kärnten zur Sau machen zu können, nimmt man jedes Risiko für den österr. Steuerzahler...

Mißgunst und KIeinlichkeit - eine österr. Erfindung!

nicht vergessen:

die 6 mio euro für das gutachten waren ursprünglich 12 mio!

Gast: WFL
16.07.2012 09:07
2 0

"in Vergessenheit geratene" Kommunalkredit

Die Kommunalkredit ist also "in Vergessenheit geraten"?
Na geh!
Das ist aber ein Zufall!
Könnte es sein - eine ganz wilde Vermutung,
Hr. Höller - dass die rote Einheitsmedienfront die Kommunalkredit bewusst tot schweigt?
Dass alle rötlichen "Enthüllungsmedien", von profil bis NEWS, ihre Gesinnungsschwester Claudia Schmied nicht in Verlegenheit bringen möchten?
(Man stelle sich mal vor, ein Ex-Vorstandsmitglied der Hypo Alpe Adria wäre heute Unterrichtsminister: Das wäre jeden 2. Tag die Spitzenmeldung der Zib...)

Aber die "Presse"kann ja Abhilfe schaffen und die Aufklärung um die Kommunalkredit bewusst voran treiben!
Da könnten dann allerdings gewisse Presseförderungen in Gefahr geraten...


Gast: Selbstdenker1
16.07.2012 01:26
1 0

reiner Wein wäre gut,

aber bitte gleich mit den vollständigen Namen aller jener Vorstandsmitglieder, welche die ach so große Verantwortung trugen, aufgrund derer Gehalt, Boni etc. bezahlt wurden.

Gast: Argesauge
15.07.2012 23:20
0 3

Bis heute schützt die

OEVP diese abzocker !!!!

Aber die wahren leistungstraeg werden zur kasse gebeten !

wann hoert die oevp endlich auf die faulen abkassierer zu vertreten ?

Wann steht die OEVP wieder für echte Leistung?

Wann distanziert sich die OEVP endlich von den autoritären bzw. Bankenlobbyisten, den prölls, strassers, kopfs, usw. und wendet sich an aufgeklärte geister?

ist die oevp so reaktionär geworden, dass sie einen pröll als bp akzeptieren wuerde....?????

Antworten Gast: Gelernter Österreicher
16.07.2012 17:50
0 0

Re: Bis heute schützt die

Ich kann als Stichtag den "Sanktnimmerleinstag" empfehlen. Vorher wird sich dass leider nicht mehr ausgehen.

Gast: Mai
15.07.2012 20:44
0 0

Sehr seltsam

"Weitgehend in Vergessenheit geraten sind die Probleme bei der Kommunalkredit und deren Bad Bank namens KA Finanz."

Ja. das ist sehr seltsam.

Gast: b754
15.07.2012 18:52
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wenn die bundes övp nur einen funken glaubwürdigkeit behalten will

muss die kärntner regierung zurücktreten und es muss neuwahlen gebendenn das was in kärnten passiert hat mit rechtsstaat und demokratie nichts mehr zu tun und nur die övp kann dem spuk ein ende setzen

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