Sowohl die Verfechter des Hochdeutschen als auch Westösterreicher, deren Sprachfärbung härter ausfällt als das weiche Wienerisch, wundern sich, warum in der und um die Hauptstadt so gern verkleinert und verharmlost wird: Da isst man ein Schnitzerl, trinkt nur paar Achterln, höchstens ein Krügerl, nimmt im Supermarkt ein Wagerl. Manchmal liegt die Betonung auf dem „l“, woran das unterschätzte Meidling bis heute leidet. Aber war es bisher die Einladung auf ein Kaffeetscherl, die normal hörende Menschen zur Weißglut brachte, ist es nun – das ärgerliche Parkpickerl.
Dieses stellt weniger eine ökologische Maßnahme zur Parkraumbewirtschaftung oder Reglementierung der Pkw-Anzahl dar als eine lieb gewordene Geldbeschaffung der Lokalpolitik. Die Grünen mögen mit der Ausweitung der Dauergebühr noch ihren dümmlichen Kampf gegen das Auto führen. Wiens SPÖ (früher hatte sie die ÖVP an ihrer Seite) will frech Geld verdienen.
Doch nun scheint der Plan der Ausweitung der – nennen wir das Pickerl doch ab sofort beim Namen – Parksteuerbestätigung zu scheitern oder zumindest zum Pyrrhussieg für Rot-Grün zu werden. Die SPÖ, die sonst recht gern zu unterhaltsamen Volksbefragungen aufruft (Wollen Sie eine sichere 24-Stunden-U-Bahn an schönen Wochenenden? Wollen Sie das Donauinselfest wöchentlich?), will nun doch nicht gleich abstimmen lassen. Und auch die Grünen, bei denen die Basis sonst auch über die Bekleidung der Parteichefin und die Buffetauswahl beim Grünen-Winterfest entscheidet (Weihnachtsfeier gibt es keine, die wäre diskriminierend), halten sich zurück. Aber vielleicht heißt Basisdemokratie ja, dass die grüne Basis für die Bevölkerung bestimmt.
Nein, die Abstimmung über die Verkehrspolitik nach Einführung der Parkvignetten ist eine „Pflanzerei“, wie es der Salzburger SPÖ-Bürgermeister Heinz Schaden in Richtung Michael Häupl ausdrückte. Schaden weiß, wovon er spricht, wie jeder Salzburger Stauteilnehmer täglich erleben kann. Die Wiener ÖVP hatte mit 150.000 Unterschriften einen echten Erfolg, Manfred Juracka seinen „lucky punch“. Die Wiener FPÖ konnte nur staunend zuschauen.
Wirklich hart wird es für Michael Häupl aber in der „Krone“, die gegen die rot-grüne Verkehrspolitik Stimmung macht. Für die Samstagsausgabe erreichte sie den Kanzler in den Ferien. Faymann sei „der Aufstand der Wiener Genossen“ gegen die Ausweitung natürlich nicht verborgen geblieben, hieß es über den Ex-Wohnbaustadtrat. Und: Er halte sich mit Ratschlägen für Michael Häupl vornehm zurück, das mache dieser bei ihm schließlich auch so. Aber – und da wird es subtil gemein: Er habe volles Vertrauen zu Häupl, „einem erfahrenen Politiker, der natürlich weiß, was die Leute im Wirtshaus so reden“. Der Gipfel der parteiinternen Infamie: „Ich bin mir sicher, dass Michael Häupl das weiß und entsprechende Schritte setzen wird. Wien ist bei ihm in guten Händen.“
Vermutlich wartet der Wiener Bürgermeister bereits auf dem Flughafen auf Faymann. Für ein Ohrenreiberl.
rainer.nowak@diepresse.com
("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.07.2012)















