20.05.2013 09:26 Merkliste 0

Ein paar Pickerln für Häupl

Leitartikel von Rainer Nowak (Die Presse)

Rot-Grün handelt sich wie erwartet massive Probleme wegen der tolldreisten Parkpickerl-Ausweitung und des Ablenkungsmanövers mit Volksbefragung ein. Sogar Werner Faymann traut sich vor.

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Sowohl die Verfechter des Hochdeutschen als auch Westösterreicher, deren Sprachfärbung härter ausfällt als das weiche Wienerisch, wundern sich, warum in der und um die Hauptstadt so gern verkleinert und verharmlost wird: Da isst man ein Schnitzerl, trinkt nur paar Achterln, höchstens ein Krügerl, nimmt im Supermarkt ein Wagerl. Manchmal liegt die Betonung auf dem „l“, woran das unterschätzte Meidling bis heute leidet. Aber war es bisher die Einladung auf ein Kaffeetscherl, die normal hörende Menschen zur Weißglut brachte, ist es nun – das ärgerliche Parkpickerl.

Dieses stellt weniger eine ökologische Maßnahme zur Parkraumbewirtschaftung oder Reglementierung der Pkw-Anzahl dar als eine lieb gewordene Geldbeschaffung der Lokalpolitik. Die Grünen mögen mit der Ausweitung der Dauergebühr noch ihren dümmlichen Kampf gegen das Auto führen. Wiens SPÖ (früher hatte sie die ÖVP an ihrer Seite) will frech Geld verdienen.

Doch nun scheint der Plan der Ausweitung der – nennen wir das Pickerl doch ab sofort beim Namen – Parksteuerbestätigung zu scheitern oder zumindest zum Pyrrhussieg für Rot-Grün zu werden. Die SPÖ, die sonst recht gern zu unterhaltsamen Volksbefragungen aufruft (Wollen Sie eine sichere 24-Stunden-U-Bahn an schönen Wochenenden? Wollen Sie das Donauinselfest wöchentlich?), will nun doch nicht gleich abstimmen lassen. Und auch die Grünen, bei denen die Basis sonst auch über die Bekleidung der Parteichefin und die Buffetauswahl beim Grünen-Winterfest entscheidet (Weihnachtsfeier gibt es keine, die wäre diskriminierend), halten sich zurück. Aber vielleicht heißt Basisdemokratie ja, dass die grüne Basis für die Bevölkerung bestimmt.

Nein, die Abstimmung über die Verkehrspolitik nach Einführung der Parkvignetten ist eine „Pflanzerei“, wie es der Salzburger SPÖ-Bürgermeister Heinz Schaden in Richtung Michael Häupl ausdrückte. Schaden weiß, wovon er spricht, wie jeder Salzburger Stauteilnehmer täglich erleben kann. Die Wiener ÖVP hatte mit 150.000 Unterschriften einen echten Erfolg, Manfred Juracka seinen „lucky punch“. Die Wiener FPÖ konnte nur staunend zuschauen.

Wirklich hart wird es für Michael Häupl aber in der „Krone“, die gegen die rot-grüne Verkehrspolitik Stimmung macht. Für die Samstagsausgabe erreichte sie den Kanzler in den Ferien. Faymann sei „der Aufstand der Wiener Genossen“ gegen die Ausweitung natürlich nicht verborgen geblieben, hieß es über den Ex-Wohnbaustadtrat. Und: Er halte sich mit Ratschlägen für Michael Häupl vornehm zurück, das mache dieser bei ihm schließlich auch so. Aber – und da wird es subtil gemein: Er habe volles Vertrauen zu Häupl, „einem erfahrenen Politiker, der natürlich weiß, was die Leute im Wirtshaus so reden“. Der Gipfel der parteiinternen Infamie: „Ich bin mir sicher, dass Michael Häupl das weiß und entsprechende Schritte setzen wird. Wien ist bei ihm in guten Händen.“

Vermutlich wartet der Wiener Bürgermeister bereits auf dem Flughafen auf Faymann. Für ein Ohrenreiberl.

rainer.nowak@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.07.2012)

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29 Kommentare
 
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ich tippe mal

auf ein baldiges ende der rotgrünen abzockerkoaliton.

seit ihrem antreten werden wir wiener nach strich und faden abgezockt!

Na servas

Wir sind sehr traurig, dass der Parkplatz uns genommen,
aber der Nowak lässt uns nicht verkommen.

Heinz Schaden

Die Presse (ohne Anführungszeichen) sollte wirklich mehr über diesen mutigen Politiker mit Rückgrat schreiben. Er wird nie nach oben kommen, weil er Leute wie Faymann und Häupl viel zu oft - viel zu gerechtfertigt - anpatzt.

Auch als überzeugter Liberaler habe ich großen Respekt vor diesem Menschen, der es geschafft hat, sich in einer Großpartei zu positionieren ohne dabei seine Integrität zu verlieren.

Gast: Austrianer
23.07.2012 09:45
2 1

Besser geht es nicht! Danke


Gast: RKim
22.07.2012 16:53
2 11

Absolut unwürdiger Leitartikel

Man kann ja gegen das Pickerl sein und auch die 170.000 Stimmen haben natürlich ein Gewicht, aber darüber wie untergriffig und polemisch dieser Artikel geschrieben ist, bin ich ziemlich erstaunt. Ich bin der Meinung, dass es Begleitmassnahmen für dieses Pickerl geben muss, um Alternativen bieten zu können (wie auch immer die aussehen: Park+Ride etc). Aber den Kampf gegen das Auto als "dümmlich" zu bezeichnen ist angesichts immer weiter steigender PKW-Zulassungen in Wien und ebensolcher Massnahmen (zB Umweltzonen) in einer Vielzahl anderer europäischer Städte sehr kurzsichtig. Und die Bekleidung der Parteichefin in so einen Artikel hineinzuziehen ist ziemlich deplatziert. Man gewinnt den Eindruck Herr Nowak kann nicht mehr gratis parken. Bin übrigens Autofahrer und Wechselwähler.

Antworten Gast: KRim
23.07.2012 15:31
1 1

Re: Absolut unwürdiger Leitartikel

bla, bla, bla Genosse! Freundschaft!

7 0

Treffer, versenkt.

Exzellenter Artikel.

11 0

Dass (vor allem) die Wiener SPÖ ein Haufen von ... ist, ist ja nichts Neues.

Aber dass die noch immer von so vielen Menschen gewählt werden, verstehe ich einfach nicht und treibt mich zur Weißglut.

Antworten Gast: Odeon
22.07.2012 18:47
0 5

Ärger

Ja, mir ergeht es ähnlich wie Ihnen, allerdinges mit der Wiener FP unter Strache und Gudenus.

10 1

Die Stadt Wien steht finanziell mit dem Rücken zur Wand:

von 2010 (rund 3 Mrd. Euro Schulden) stieg die Verschuldung in 2012 auf rund 4 Mrd. Euro. Die Ausweitung der Parkpickerl-Zonen ist - nach den heurigen drastischen Gebührenerhöhungen für Wasser, Abwasser, Müllabfuhr etc. - nur eine weitere Maßnahme, Geld in die Stadtkasse zu bekommen. Schließlich müssen eine Reihe verunglückter Projekte wie das Cross-Border-Leasing von Stadteigentum, Prater-Vorplatz, Beteiligung Flughafen Wien etc. finanziell wieder ausgeglichen werden. Dazu kommt noch die Finanzierung der unzähligen "Beauftragten" - vom Schulschwänzer-Beauftragten bis zum Hundstrümmerl-Beauftragten.

Gast: Mohel
22.07.2012 13:52
12 1

Juhuuuuu!

Wieder mehr Kohle durch die "Parkraumverwirtschaftung" für mehr SPÖ Cross-Border Leasing Geschäfte, welche die Fr. Brauner und ihre linken KonsortInnen dann in den Roten Sand setzen können!

Danke liebe (Un)Sozialistische Partei Österreichs!!!

Freie Fahrt für freie Bürger!

Re: Juhuuuuu!

es steckt doch schon im wort worum es geht:
"parkraumBEWIRTSCHAFTUNG"

Re: Juhuuuuu!

Fein, dass alle anderen Bundesländer (z.B. Kärnten, NÖ, etc.) so vorbildhaft mit den ihnen anvertrauten Steuergeldern umgehen und Gewinne durch optimale Veranlagungen erzielen.

PS/ Auch freie Bürger müssen sich an die bestehenden Gestze halten, schließlich entscheiden sie selbst, wer die Nase politisch vorne hat.

Gast: justerix
22.07.2012 10:11
7 0

ein paar Pickerln fürn Häupl

Innerhalb des Gürtels und im 2.und im 20.Bezirk hat sich das Parkpickerl sicher bewährt; der Widerstand in anderen Bezirken kommt vorallem daher, weil die Ausdehnung auch auf Gegenden erfolgen soll, wo keineswegs Parkplatzmangel herrscht- siehe im 12.(Hetzendorf) wo man aber in der Zwischenzeit wieder abgekommen ist.
Der Verdacht der Abzocke besteht daher durchaus zu recht.
Außerdem gibt es auch in wien Gegenden, die mit Öffis schlecht erreichbar sind.
Und die ständigen Zugsausfälle auf diveresen U-Bahnlinien sind natürlich das nächste Problem.

wann endlich?

die presse sollte endlich bei den wahlen antreten. bis dahin lesen wir weiterhin: die presseaussendungen der presse in der presse.

"..als eine lieb gewordene Geldbeschaffung der Lokalpolitik"

das klingt irgendwie ähnlich wie abzocke.

aber ist es abzocke, wenn ein bürger für von ihm verursachte kosten eh nur die hälfte zahlt und man dann einen obolus in peanat-höhe verlangt?

es sind die autofahrer, die die gesellschaft abzocken. und nicht umgekehrt!

2 0

Re: "..als eine lieb gewordene Geldbeschaffung der Lokalpolitik"

Sie müssen bei mehreren Gelegenheiten zu kurz gekommen sein.

Wahrscheinlich nicht ohne Grund.

Antworten Gast: Snotling
22.07.2012 10:59
8 1

Re: "..als eine lieb gewordene Geldbeschaffung der Lokalpolitik"

Sie Armer !

Re: Re: "..als eine lieb gewordene Geldbeschaffung der Lokalpolitik"

sie uninformierter!

Das Parkpickerl

in den inneren Bezirken hat sich den letzten Jahren bestens bewährt: viele Autofahrer müssen abends nicht ständig 30-45 Min. im Kreis kurven, sich darüber ärgern und noch dazu die Luft verpesten. Das wird die Mehrheit der Autofahrer in diesen Bezirken auch bestätigen. Nun soll diese durchaus sinnvolle Maßnahme weiter ausgedehnt werden. Die Opposition spricht jedoch nur von Abzocke, weiter nichts. Kein einziges Wort über das bisher positive Echo in den inneren Bezirken.

Was ist daran tolldreist?
Vielleicht die Verbindung der beiden Themen "Parkpickerl-Ausweitung" und mehr "Direkte Demokratie". Ja, da haben sich vor allem die Grünen tief in die polit. Nesseln gesetzt, und der Wiener-SP ist es nicht gelungen, diesen geschickten Schachzug der Wiener VP zu verhindern. Diese beiden Themen sollte man trennen und unabhängig voneinander diskutieren, denn beides ist sinnvoll.

Gibt es Alternativen zum Packpickerl?
Ja, eine mögliche Alternative wäre, das Packpickerl spürbar zu verbilligen (-30%), wie dies die Grünen analog bei der Jahreskarte der Wr.Linien gezeigt haben. Und viele Wiener haben dies bereits sehr positiv aufgenommen: die Zahl der Jahreskartenbesitzer steigt, und der Autoverkehr sinkt um einen kleinen Teil.

Jetzt haben wir jedoch, dank der polit. Unfähigkeit, vor allem der Grünen und der arroganten Wiener -SP, eine Schlammschlacht, die uns nicht weiter bringt. Das freut zwar die Wiener-VP, die dies mitinitierte, doch vernünftige Lösung haben wir keine.

Antworten Gast: A. Singer
22.07.2012 11:38
6 1

Re: Das Parkpickerl

Tolldreist, ist das Vorhaben einer Stadtregierung zwecks Geldbeschaffung zur Sanierung eines Gemeindebudgets, die Abzockerei der Bürger munter weiter zu leben. Es werden hemmungslos Gebühren erhöht bzw. erfunden! Da die Wiener Lokalpolitik sich durch Stimmenkauf (= Subventionssystem bis Donauinselfest) verwirklicht, kommt so ein Gedanke wie "Sparen" od. "Kürzen" erst gar nicht auf deren Agenda. (ÜBERRASCHUNG - Hr, Chorherr) Die Parkraumbewirtschaftung schafft keinen einzigen zusätzlichen Parkplatz - das kann ich als Bewohner eines Wr. Innenbezirkes bezeugen! Die vorgebliche Steuerung des Pkw-Aufkommens in der Stadt durch Gebühren ist der reinste Holler - keine einzige Pkw-Fahrt wird dadurch verhindert. Gehen Sie davon aus, dass die rot-grüne Koalition sich dessen bewusst ist.

In Wirklichkeit ist das ganze Vorgehen eine eindrucksvolle Darstellung von rot-grünem Politikverständnis, sowie deren unheilvollem weil demokratiefernen Regierungsstil. Ein abschreckendes Lehrstück angesichts aktueller Wunschträume für die nächste Nationalratswahl! Wehret den Anfängen!

Re: Re: Das Parkpickerl

Schade, dass Sie das so negativ sehen.
Die Zeit, die ich seit der Einführung des Parkpickerls im 4. Bezirk zur Parkplatzsuche aufwende, ist erheblich kürzer als vorher, wo ich teilweise sogar in den 10. Bezirk ausweichen musste. Jetzt kann ich zumindest in meiner unmittelbaren Wohngegend parken, ohne 10-15 minütigen Fußweg zu meinem Wohnhaus.

Was schlagen Sie also vor?
Parkpickerl gänzlich abschaffen?
Dann kurven wir abends wieder 45 Minuten im Kreis.
Ist das eine vernünftige Lösung?


Was würde die VP bzw. FP machen, wäre sie in der Stadtregierung, um dieses Problem in den Griff zu bekommen?
Nur Empörung ist zuwenig!
Was also tun mit den Unterschriften?

Übrigens, wenn Sie ein Auto kaufen, ist die Stadt nicht verpflichtet, Ihnen gleichsam einen kostenfreien Parkplatz im öffentlichen Raum zur Verfügung zu stellen!
Sie bezahlen für jeden Garagenplatz eine stolze Summe. Warum sollte also das Parkpickerl gratis sein?

PS/ Ihr Schluss-Statement find ich besonders interessant! Können Sie das näher erläutern, was Sie explizit damit meinen bzw. worauf Sie anspielen?

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Re: Das Parkpickerl

Versuchen's nicht, hier sinnvoll zu argumentieren, das gelingt in diesem Forum nur höchst selten. Lassens ein paar Rülpser über die bösen Linken und die gekauften Systemmedien ab (egal obs um die US-Wahlen, das Parkpickerl oder Kannibalismus in Papua-Neuguinea geht) und das Forum wird Sie lieben.

Recht haben Sie durchaus mit dem, was Sie schreiben.

Re: Das Parkpickerl

ihre beobachtung mit der positiven reaktion von betroffenen anrainern kann ich teilen. auch ich habe bislang NUR freudige reaktionen über die viel einfachere parkplatzsuche in der wohngegend erfahren.

wer also bleibt in der gruppe der kritiker?
es können nur jene sein, die vor ihrem haus keine pickerlzone erhalten werden, es aber gewohnt sind, andernorts gratis den bewohnern die parkplätze zu verstellen.
und natürlich jene, denen der 80er jahre slogan von der "melkkuh der nation" ins blut übergegangen ist, ohne das hirn zu streifen.

in diesem zusammenhang muss ich auch ihre forderung nach verbilligung des pickerls kritisieren:
1. es ist eh (verglichen mit dem, was autofahrer sonst so ausgibt für sein liebstes ding) sehr günstig.
2. die allgemeinheit zahlt nach wie vor viele, viele milliarden an subventionen für die autofahrer, das errichten eines parkplatzes wird durch diese gebühr nie und nimmer abgedeckt: warum dann ein rabatt? nur um rücksichtslose abzocker ruhigzustellen?
3. die stadt wien braucht in zukunft jeden einzelnen cent, um die öffis noch attraktiver und damit das leben in dieser stadt lebenswerter zu machen.

Echt jetzt?

Ich werde mich zum politischen Gehalt des Kommentars nicht äußern. (Schon das erste Posting von "cerberus" bestätigt nur die langjährige Beobachtung, dass PRESSE-Kommentare grundsätzlich ein Rülps- Appell an Polit-Trotteln und Kellernazis sind). Nein, was mich als Wiener stört, ist die Behauptung, dass man im Diminutiv-erl ein breites "palatales" /l/ hören könne. Das Meidlinger-L eben. Wirklich nicht. Dieses /l/ wird hauptsächlich im Wortinneren breit artikuliert und ist, geschätzter Herr Novak, wohl ein Erbe der tschechischen Zuwanderung. Ich seh aber auch nicht, warum den Meidlingern durch diese Zuordnung in irgendeiner Form ein Tort angetan wird...

"ein Rülps- Appell an Polit-Trotteln und Kellernazis sind)"

ich bin mir bezüglich der print-ausgabe nicht sicher: der einzig mir persönlich bekannte print-presse-leser, den ich gelegentlich in der trafik treffe, ist eigentlich eh ein ganz netter und normaler mitbürger.

was allerdings die printausgabe betrifft, bzw die hier vertretenen poster:
da haben sie mehrheitlich natürlich voll recht. ein braunes proleten-blattl, wie es im buche steht - das würde ein ortsfremder nach lektüre der posts feststellen. und ihre negativ-bewertungen sind noch ein zusätzlicher beweis für die richtigkeit ihrer behauptung!

ps.: was mich immer wundert - warum genieren sich die presse-redakteure und herausgeber nicht für ihre gratisblitzenden 'kunden' und stellen diese proleten endlich vor die tür???

 
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