18.06.2013 06:56 Merkliste 0

Gestatten, selbstständig, wo darf ich bezahlen?

JEANNINE HIERLÄNDER (Die Presse)

Die SVA will Unternehmer mit finanziellen Anreizen zur Vorsorge motivieren. Gute Idee. Auch, wenn damit nur von den eigentlichen Problemen abgelenkt wird.

Artikel drucken Drucken Artikel versenden Senden Merken AAA Textgröße Artikel kommentieren Kommentieren

Die Sozialversicherung der Gewerblichen Wirtschaft hat es also gewagt – und ihre Kunden vor die Wahl gestellt. Wer sich für ein gesünderes Leben entscheidet und damit auf Dauer die Allgemeinheit entlastet, kann sich so Geld ersparen. Dafür müssen die Versicherten gemeinsam mit ihrem Arzt Gesundheitsziele vereinbaren und diese auch einhalten. Solche Ziele können mehr Bewegung, weniger Alkohol oder Gewichtsreduktion sein. Wer sie erreicht, muss beim Arzt nur noch zehn statt regulär 20 Prozent Selbstbehalt berappen. Die rund 700.000 SVA-Versicherten müssen nämlich, wie auch die Beamten, schon bei einem einfachen Arztbesuch einen Teil der Kosten selbst übernehmen. Anders als Angestellte, für die ein Selbstbehalt erst in der Apotheke oder bei Kuraufenthalten fällig wird.

Die Reaktion der SPÖ auf den „neuen Weg“ der SVA kam nicht überraschend. Gesundheitsminister Alois Stöger kann mit dem Anreizsystem der SVA nichts anfangen. Es sei eine „Bestrafung der Kranken“, wenn diese beim Arzt mehr als gesunde Patienten bezahlen müssen. Aber Stöger ist nicht nur gegen das Bonussystem, sondern generell für die Abschaffung von Selbstbehalten.

Die ideologischen Gräben, die sich bei dem Thema zwischen SPÖ und ÖVP auftun, sind die eine Sache. Doch beim Thema Selbstständigenversicherung gibt es viele Baustellen, die vor allem für Kleinunternehmer und „Ich-AGs“ zunehmend zum Problem werden. Die heimischen Selbstständigen verkommen immer mehr zu den Melkkühen der Nation. Und damit scheint weder Gesundheitsminister Stöger noch der gesetzliche Unternehmervertreter Christoph Leitl ein Problem zu haben.

Ein Beispiel dafür ist der Mindestbeitrag zur Sozialversicherung, der vor allem für sogenannte EPU, also Ein-Personen-Unternehmen, zur existenziellen Bedrohung werden kann. Jeder SVA-Versicherte (es sei denn, er ist aus triftigen Gründen davon befreit) muss für Pensions-, Kranken- und Unfallversicherung zunächst einmal rund 2000 Euro pro Jahr in die Kasse einzahlen. Auch, wenn ihn sein Verdienst in die Nähe der Armutsgrenze treibt. Ein zweites Problem sind die hohen Nachzahlungen: Erst wenn der Steuerbescheid vorliegt, berechnet die SVA ihre Forderung für das betreffende Jahr. Diese Kosten fallen aber in der Regel erst mit drei Jahren Verspätung an. Wenn dann in einem schlechten Jahr plötzlich ein paar Tausender Nachzahlung ins Haus stehen, ist die Pleite vorprogrammiert. Eine weitere Absurdität ist, dass Selbstständige auch dann zur Kasse gebeten werden, wenn sie aufgrund eines Angestelltenjobs eigentlich schon bei der Gebietskrankenkasse versichert sind. Dann können sie beim Arzt wählen, über welche Versicherung verrechnet wird. Viele entscheiden sich natürlich für die GKK, weil dabei kein Selbstbehalt berechnet wird. Der Versicherte nimmt die Leistungen der SVA damit zwar nicht in Anspruch, einzahlen muss er aber trotzdem.


Wenn die SVA nun ihren Kunden anbietet, sich mit Vorsorgeuntersuchungen Geld zu sparen, ist das an sich keine schlechte Sache. Es wäre sogar überlegenswert, das System auszuweiten. Dann überlegt sich vielleicht so mancher, ob er zum Arzt geht, nur weil ihm zu Hause die Decke auf den Kopf fällt und er gern ein bisschen plaudern möchte. Dabei müsste es Ausnahmen für Menschen geben, für die der Arztbesuch eine ernsthafte finanzielle Belastung darstellt, wie chronisch Kranke oder Mindestpensionisten. Und wer dem Kranksein durch einen gesunden Lebensstil vorbeugt, dem könnte dieser Beitrag, wie bei der SVA, ganz oder zum Teil erlassen werden. Denn Österreich gehört zwar bei den Gesundheitsausgaben zu den absoluten Spitzenreitern. Jene für vorbeugende Maßnahmen bewegen sich aber im Bereich von wenigen Prozenten des BIPs.

Das System, wie es jetzt ist, ist ungerecht. Erstens werden die Selbstständigen ausgenommen wie Weihnachtsgänse. Zweitens nimmt man ihre Schwierigkeiten nicht ernst. So dient wohl auch die Debatte um das Bonussystem der SVA nur zur Ablenkung von den eigentlichen Problemen. Kein Wunder, dass der Österreicher drei Mal überlegt, ob er das Angestelltenleben gegen das Unternehmerdasein tauscht.

 

E-Mails an: jeannine.hierlaender@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.07.2012)

Testen Sie "Die Presse" 3 Wochen lang gratis: diepresse.com/testabo

Mehr aus dem Web

44 Kommentare
 
12
0 0

hmm in Praxis läuft nicht..

Ich wollte mit meinem Arzt Vereinbarung treffen, er hat gemeint, Sie sollten vorher bei mir Vorsorgeuntersuchung absolvieren.. Eigentlich keine schlechte Idee, aber auch wenn von Qualität nicht besonders gut, ich absolviere es lieber bei SVA in Ambulanz, well ich es dort ca. in 4 Stunden auf einmal schaffe, bei meinem Arzt, ja Sie müssen ins Labor, zu dem Arzt, zu dem Arzt usw... Als kleines Unternehmen kann ich mir nicht leisten so viel Stunden zu verschiedenen Zeiten zur Verfügung zu stellen....Betriebsausfall für 1-2 Wochen, Überall auch wartezeiten, bei meinem Hausarzt, eigentlich guter Arzt, aber unter 3 Stunden, sollte ich für einen Besuch nicht einplanen.....

0 0

Bravoooo

Auf den Kopf getroffen :-) Danke!

1 0

Mindestbemessung...

... und Höchstbemessung abschaffen. Dann können sich mehr Menschen selbstständig machen und das Beitragsaufkommen würde noch steigen.

Die Bevorzugung der hohen Einkommen auf Kosten der niedrigen, ist absurd.

Gast: Raviolix
24.07.2012 01:54
0 0

Viel zahlt man nur, wenn man wenig verdient...

Etwas wurde hier vergessen: Da es sowohl eine Mindestbeitragsgrundlage als auch eine Obergrenze für Beiträge gibt, zahlen Wenigverdiener prozentuell enorm hohe Beiträge und Vielverdiener extrem niedrige...

In Österreich will man halt keine selbstständigen

Sollen doch gscheite Beamte werden. Da mussens nix hackeln und nur rot ankreuzen bei der nächsten Wahl.

Gast: Daskannnichtsein
23.07.2012 21:06
1 0

Wollte mein ruhendes Gewerbe mit 1. August wieder anmelden - Bleibe jetzt lieber unversichert

Der Grund für diese Änderung liegt in den Beitragsmodalitäten der SVA: Obwohl ich dort bei Wiederaufnahme nur von August bis Dezember 2012 versichert gewesen wäre, würde meine SVA-Beitragspflicht dennoch auf das komplette Jahr 2012 hochgerechnet werden – obwohl ein tatsächlicher Versicherungsschutz nur für 5 Monate bestünde. Bei den enormen Beitragsgebühren ist es daher für mich günstiger bis Jahresende nicht-versichert zu sein, als für die letzten paar Monate für ein gesamtes Jahr Beiträge zu bezahlen. Hier stimmt etwas mit dem System nicht!

Gast: Jungunternehmerin
23.07.2012 13:47
2 0

Wenn Beamte für Unternehmer denken!

Und wer hat die Zeit, all die Evaluierungen und Reportings abzuarbeiten? Während ich laufend in die Arztpraxis bestellt werde, um Ziele und Erfolge meines Gesundheitsvorsorge-Programmes zu dokumentieren, macht meine Konkurrenz das Geschäft.

Blöder als in diesem Beamten- und Kammernstaat geht's doch wirklich nimmer!

Bringt nichts

Die neue Regelung bringt nur kranken Leuten was. Ein Gesunder der nie zum Arzt geht, hat davon nichts.
Besser wäre, die Beiträge zu senken, wenn man gesund lebt. Aber daran verdient halt niemand.

Antworten Gast: AiK
23.07.2012 20:03
0 0

Re: Bringt nichts

Ein Gesunder der nie zum Arzt geht (und auch nie etwas braucht), hat von keinem Krankenversicherungssystem etwas.

Auch ohne des neuen Angebots der SVA (welches man freiwillig annehmen kann oder auch nicht) "profitieren"ausschließlich Menschen die Gesundheitsleistungen konsumieren.

Ich persönlich bin lieber GESUND und gleichzeitig froh dass ich nur minimale Leistungen (manche Vorsorgeuntersuchungen) in Anspruch nehme.

Da zahle ich lieber einer gewissen Solidaritätsbeitrag, auch wenn ich der Meinung bin dass dieser sehr hoch ist.

Und man weiß nie was auf einem selbst gesundheitlich zukommt.

Gast: Geld istweg!
23.07.2012 10:35
3 0

Selbstbehalt + Bonus für gesündere Lebensweise

die Idee ist grundsätzlich nicht schlecht, das machen privat geführte Zusatzversicherungen auch so und fahren nicht schlecht damit.

Grundsätzlich wäre dafür eine Systemänderung notwendig: Versicherungspflicht mit freier Wahl des Versicherers, statt Pflichtversicherung! Dies funktioniert in D ganz gut für Versicherte ab einem bestimmten Mindestgehalt.

Dies würden weder die SPÖ noch die schon sehr weit links der Mitte gedriftete ÖVP zulassen. Diese Parteien sind durch die eigenen sozialistischen Doktrin (der Staat denkt für Alle, der Einzelne ist zu dumm dazu)für aufgeschlossene Ideen nicht zu haben.

Re: Selbstbehalt + Bonus für gesündere Lebensweise

völlig richtig ;
nur kleine Klarstellung: In Deutschland können auch Pflichtversicherte von einer Kassa zur anderen wechseln; diese konkurrieren untereinander.
In Österreich ist die Gebietskrankenkassa, auch die Bauernkrankenkassa ein Pflicht - Monopolbetrieb. Wie das mit EU-Prinzipien im Einklang ist, sollte mal wer klären.

2 0

zum unvollständigen Kommentar

"Die SVA will Unternehmer mit finanziellen Anreizen zur Vorsorge motivieren."

Dazu wäre zu sagen, dass es nicht um Vorsorge geht, sonder die Ärzteschaft als Wähler zu gewinnen und mit Patienten zu versorgen.

Denn: zuerst muss der Arzt die Bemühungen des Patienten bestätigen und dann die SVA auch noch diese Bestätigung akzeptieren.
Das kann aber nicht garantiert werden, wenn der Patient durch den Arzt diese gar nicht bekommt. Also alles womöglich für die Katz.
Wenn ja, dann werden die Vorgaben zeitlich beschränkt.
Bis dahin hat der ohnehin nicht kranke Patient ehebliche Ausgaben ohne Nachlass!!!!!


wer gesund ist und sich dennoch sv-kosten sparen will,

der möge anfangen zu rauchen, der möge mehr trinken als gesund ist und der möge sich etliche kilo hüftgold rauffuttern.
DANN gehst du zum arzt, welcher deinen erbärmlichen zustand diagnostiziert.
wenn du anschließend wieder zu deinem normalen leben von vorher zurückkehrst, musst du weniger zahlen.

wenn du allerdings all das routinemäßig schon seit jahren praktizierst, dann gehe besser nicht zum arzt, sondern warte lieber darauf, bis dein zustand akut geworden ist.


Antworten Gast: Eleonora K.
23.07.2012 10:07
1 0

Re: wer gesund ist und sich dennoch sv-kosten sparen will,

@oberst falaffel
Sie haben es auf den Punkt gebracht.
Unsere "Systeme" sind unübertrefflich.

In Ö undurchführbar

Auf dem Papier gute Idee, in der Praxis wohl katastrophal.

Wie viele Patienten sind denn bitte mit ihrem Arzt verbandelt? Wie viele "Krankschreibungen" gibt es da pro Jahr aus Gefälligkeit? Jetzt läufts dann halt aufs Gegenteil hinaus: "Na, ein paar Kilo hams ja abgnommen, also schreib ma, dass Sie sich verbessert ham"
Die, die sich mir ihrem Arzt gutstellen, können so effektiv Boni in Geld herausschinden. In einem Land wie Österreich sind die Auswirkungen schon vorprogrammiert.

Abgesehen davon, zeigt das Desaster der SVA sehr schön eine weitere Seite des grauslichen Sozialsystems Österreich. Anstatt dass es EINE gemeinsame Versicherungsanstalt gäbe, in die ALLE einzahlen, kann man sich, wenn man sowohl Angestellter als auch Unternehmer ist, DOPPELT versichern - verpflichtend, versteht sich. Das sollte man mal in der USA einführen, da gibts eine Revolte, gegen die der arabische Frühlung "a Lerchalschas" ist.

Warum man kleine Einzelunternehmer bis aufs letzte Hemd auszieht ist durch nichts zu rechtfertigen, passt aber ins Bild der leistungsfeindlichen österreichischen Politik. Lieber die Leute in die Mindestsicherung treiben, als ihnen die Führung eines Unternehmens zu ermöglichen. Letzteres könnte ja - Gott bewahre - Arbeitsplätze schaffen, dann wären die Leute vielleicht sogar mal unabhängig von staatlichen Fürsorgeleistungen. Nicht auszudenken.

Gast: Frau Holle
23.07.2012 09:05
3 0

Wieder Kosten

Um eine Vereinbarung mit dem Srzt zu treffen, muss man mindestens 2 mal zum Arzt gehen, das heisst WIEDER Kosten, weil Selbstbehalt, wo man sonst vielleicht gar nicht gehen würde. Alles eine Augenauswischerei. Zum Speiben.
Die beiden Arztbesuche müssten vorerst einmal Kostenfrei sein, dann würde ich zustimmen, aber so ?

Antworten Gast: 123abc
23.07.2012 20:10
0 0

Re: Wieder Kosten

Stellen Sie sich vor, man KANN dieses Angebot nutzen, man MUSS NICHT. Es ist freiwillig.

Augenauswischerei finde ich eher, dass 3 der 5 Gesundheitsziele NICHT wirklich ÜBERPRÜFBAR sind.
Nämlich Rauchen, Alkohol und Bewegung, die eigenen Angaben können gelogen sein. Gewicht und Blutdruck kann man messen.

Gast: S.R.
23.07.2012 08:06
2 3

SV

Ich habe gute Erfahrungen gemacht, wen einem das Geld ausgeht, bei der SV anrufen, die Gründe nennen und man wird runtergestuft, war kein Problem, ich denke schon auch, dass manche Leute unzureichend schnell reagieren, auf ihren eigenen Notstand und manches zu lange verschleppen und in den Erklärungsnotstandkommen. Ich konnte auch eine Ratenzahlung vereinbaren für zu hohen Betrag. Einfach reden mit denen, natürlich schicken die ihre Rechnungen, wenn sie nicht wissen , was los ist.

Damit Leitl seinen guten Draht zur Gewerkschaft behält und in den linken Medien gut weg kommt

hat er die Unternehmer immer mehr zur Melkkuh der Nation werden lassen oder anders gesagt verkauft.

Ich hoffe Leitl geht bald, weil er ist wirklich der Sargnagel der ÖVP.

Die Wirtschaftkompetenz ist nämlich die Kernkompetenz jeder konservativen Partei in Europa und durch Leitl hat die ÖVP die immer mehr verloren.

Gast: Mai
22.07.2012 20:26
1 11

So schaut das aus

Sie zahlen in den ersten 3 Jahren (später) als SVA-Mindestbeitrag / Monat:

8,25 Unfallversicherung, was in der Größenordnung einer Freizeitunfallversicherung beim Alpenverein liegt,

94,11 (114,60) Pensionsversicherung,

41,14 (51,33) Krankenversicherung

und Peanuts für die Selbstständigenvorsorge (die allerdings unnötig ist).

Sie sind jedenfalls in den ersten 3 Jahren für 49,39 und später bei geringem Einkommen für 59,58 / Monat unfall- und krankenversichert.

Wenn die selbstständige Tätigkeit das nicht hergibt, sollte man diese nicht machen.

Es ist dann eher ein Hobby oder Liebhaberei.

Antworten Gast: nocheingast
22.07.2012 23:37
7 1

Re: So schaut das aus

Das stimmt nur solange man bis ca.6400 € im Jahr verdient. Wenn mann drüber ist, zahlt man 3 Jahre später die Differenz bis zu 25% des Gewinns, wobei man die SVA Ausgaben diesem Gewinn addiert. Wenn ich also 1000 € im Monat netto als Selbständige verdient habe, zahle ich noch zusätzlich davon 250 € Sozialversicherung (monatlich). Und muss aus 750 € leben. Ah, und damit man 12.000 € im Jahr Reingewinn macht, braucht man einen Umsatz wenigstens doppelt so groß. Ah, und die Einkommenssteuer kommt auch noch dazu, ein Jahr später.

Es sind also JEDENFALLS NICHT "in den ersten 3 Jahren für 49,39 und später bei geringem Einkommen für 59,58 / Monat unfall- und krankenversichert."

Antworten Antworten Gast: Mai
23.07.2012 10:49
1 3

Re: Re: So schaut das aus

Sie haben elementare Dinge nicht begriffen.
So schwer kann es nicht sein.
Vereinfacht wie folgt:

Netto-Einnahmen - Netto-Ausgaben - Abschreibung=
SVA-Bemessungsgrundlage ("Bruttoeinkommen")
- SVA =
Steuerbemessungsgrundlage "roh"
- 13 % davon (Bis 3.900 ohne Nachweis, darüber Investerfordernis) =
Steuerbemessung für ESt

Die Sozialversicherzungsabgaben werden immer (SVA oder ASVG) von Ihrem "Bruttoeinkommen" berechnet, da wird nix dazuaddiert.

Daß Umsatz nicht gleich Reingewinn ist, darf man ruhig wissen.
Bei 12.000 € zahlen Sie praktisch auch kaum ESt. Bei etwas Geschick macht der Reingewinn nur 11.000 aus. Dann ESt = 0.

Ich gebe schon zu, dass bei geringfügig höherem Einkommen als der Bemessungsgrundlage der SVA-Beitrag prozentuell hoch ist.
Aber absolut ist das noch immer wenig.
Was wollen Sie eigentlich (einzahlen) ?
Versuchen Sie, um 200 Euro / Monat eine private Unfall-, Kranken- und Pensionsversicherung inkl. "Vorsorge" zu bekommen.
Viel Glück.
Wäre an so etwas dann auch interessiert.

PS: Gleich blöd wie oben ist es, wnn Sie geringfügig unter der Höchstbemessungsgrundlage bleiben und damit nicht mehr Geldleister sind. Sie zahlen dann plötzlich doppelt so viel Prämie bei der privaten Krankenzusatzversicherung oder > 1.000 Euro / Jahr an die SVA für die Geldleisteroption.

Re: Re: Re: So schaut das aus

Mai, darf ich Ihr Beispiel weiterrechnen? Von 11000 Gewinn im Jahr – das sind im € 917 – zahlt der Selbständige zwar keine ESt, aber Sozialversicherungsbeiträge. Und zwar genau € 230 pro Monat. Es bleiben ihm also € 686 zum Leben. Dieses Bespiel ist auch gar nicht aus der Luft gegriffen, sondern betrifft die Mehrzahl aller Ein-Personen-Unternehmen. Diese EPU könnten sich gerade noch bescheiden selbst erhalten, werden aber gezwungen, für die Versorgung anderer in den Sozialtopf einzuzahlen (Denn genau dafür werden die Beiträge ja verwendet, hoffentlich zumindest). Dadurch kommen sie selbst aus den Schulden nicht mehr raus und werden schließlich selbst zum Sozialfall. – Ist das in Ordnung so?

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Mai
23.07.2012 13:34
0 1

Re: Re: Re: Re: So schaut das aus

Wenn Sie im ASVG rd. 700 netto / Monat (12 Monate) verdienen sollen, haben Sie im Jahr SV-Beiträge wie folgt bezahlt:
DN 1.462,86
DG 2.132,34
3.595,20 / Jahr
299,60 / Monat

Ihre Arbeit war 12.856,48 / Jahr "wert"
Sie erhalten 8.337,14 / Jahr (694,76 / Monat)
Der Staat hat von Ihnen rd. 35 % verlangt.
Ist das fair ?
Eben.

Die Sache mit den EPU ist doch ähnlich wie bei den immer falsch angeführten Durchschnittsverdiensten, wo der überstundenleistende Facharbeiter mit der 20-Stunden-Job "Dazuverdienerin" in einen Topf geworfen wird.
Viele EPU machen ihren Job zusätzlich zu einer Angestelltentätigkeit oder halt nicht "ganz hauptberuflich".
Da schmerzen dann die Mindestbeiträge.
Aber diejenigen waren nicht die ursprüngliche Zielgruppe der Wirtschaftskammer und damit der SVA.

Wäre es fair, beim Partner mitversichert zu sein, als EPU immer an der Grenze der Steuerpflichtigkeit zu verdienen, die MWSt anteilig zurückzuholen und dann auch noch keine Krankenversicherungsbeiträge zu zahlen ?
Eben.
Ich behaupte, ein guter Teil der EPU, der "Neuen Selbstständigen" hat sich das so vorgestellt.
Aber das spielt es eben nicht.

Re: Re: Re: Re: Re: So schaut das aus

Ein Angestellter 2 seiner 14 Monatsgehälter steuerbegünstigt. Ich weiß nicht, ob Sie das in Ihrer Rechnung berücksichtigt haben.
Egal: Angestellte bekommen Mutterschutz, Karenzgeld, bezahlten Krankenstand (den ab einer gewissen Zeit auch die Krankenkasse übernimmt) - und Arbeitslose für ihre Beiträge. Und nicht zu vergessen: Sie zahlen keine 20 % Selbstbehalt.
Nein es ist alles nicht fair. Ich sage nicht, dass es Angestellten besser geht. Das gesamte Sozialsystem braucht eine Überarbeitung.

Re: Re: Re: Re: Re: So schaut das aus

Lieber Mai, Sie unterstellen einem Großteil der EPU Faulheit und Unehrlichkeit, verstehe ich das richtig? Dabei sind Sie es selbst, der zu Unehrlichkeit auffordert. „Bei etwas Geschick" könne man sein Einkommen für die ESt-Berechnung in Ihrem Beispiel um 1000 Euro verringern und damit der ESt entgehen. Dieses „Geschick", das Sie hier meinen, liegt nicht jedem. Ihnen halt schon - daher wohl auch dieses negative Menschenbild in Bezug auf die meisten EPU (sich selbst nehmen Sie wahrscheinlich dabei aus).
Warum Sie die SVA so vehement verteidigen, erschließt sich mir auch nicht ganz. Ob EPU nun ursprüngliche Zielgruppe der SVA waren oder nicht - ist das ein Grund, sie zu ruinieren? So auf die Art: Ihr seid nicht (erfolg)reich genug, zur Strafe machen wir euch kaputt? - Interessante Einstellung.

 
12

Mehr Kommentare:

Top-News