22.05.2013 12:04 Merkliste 0

Leitartikel: Hier kommt Kurt, der Sprengmeister

RAINER NOWAK (Die Presse)

Auch nach der jüngsten dreisten Rochade der Gebrüder Scheuch dürfte die politische Geiselhaft des Bundeslandes weitergehen. Und die Wahlkampfhilfe für Rot-Grün.

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Dass selbstherrliche Lokalpolitiker kritische Journalisten von Pressekonferenzen ausladen, ist absurd, aber in Österreich schon passiert. Dass Uwe Scheuch bei seinem vermeintlichen Rücktritt „aufgrund der Medienhetze“ einen Fotografen aus dem Saal wirft, weil dieser „Meuchelfotos“ von ihm gemacht habe, zeigt die besondere Kärntner Spielart von Selbstverständnis in Blau. Es ist die Eitelkeit Scheuchs, die hier zum Ausdruck kommt. Der Zorn, nicht fesch aus der Zeitung zu lachen, ist größer als alles andere.

Auch sonst bemüht sich die von Skandalen gebeutelte Spitze der Kärntner Freiheitlichen um die Bestätigung gängiger Klischees der Kärntner Landespolitik. Vermutlich dachten die beiden Brüder Uwe und Kurt Scheuch wieder einmal an (einfluss-)reiche Russen, als sie ihren politischen Taschenspielertrick planten. (Oder an Kuba, wo Fidel an Bruder Raoul Castro übergab.)

Wladimir Putin und Dmitrij Medwedjew hatten einfach Positionen gewechselt und weiterregiert. Die Scheuch-Variante schaut zwar anders aus, hat aber denselben Effekt: Zwar tritt der Jüngere wegen der Verurteilung in erster Instanz aus der Politik zurück, der bisherige Klubchef und große Bruder übernimmt dessen Job als Landesparteichef und Vizelandeshauptmann. Es ist davon auszugehen, dass beide die Partei weiterführen werden, vorn darf Gerhard Dörfler wie bisher den väterlich traurigen Clown geben. Zurückgetreten wird nur wegen einer „Hetzkampagne“, eine Rückkehr ist nicht ausgeschlossen.

Die Dreistigkeit, mit der die Gebrüder Scheuch die Rochade durchführen, beweist ganz deutlich, dass sich die Spitze der Kärntner Landespartei einigermaßen sicher ist, trotz aller Vorwürfe, trotz aller gefällter und zu erwartender Schuldsprüche mit guten Chancen in eine Wahl gehen zu können. Denn, egal, was in Österreich berichtet, geschrieben oder kommentiert wird, die politische Konkurrenz ist schwach, die Frustration groß und das erfolgreich geschürte Lager-Opfer-Gefühl in Kärnten besonders ausgeprägt. Die von der FPK stets verwendete Botschaft: Außerhalb der Landesgrenzen will man uns nicht verstehen. Das stimmt ja auch irgendwie. SPÖ, ÖVP und Grüne werden in Kärnten – zu Recht – auf ihrem Kurs in Richtung Neuwahlen bleiben. Doch die drei Herren dieser Parteien verströmen alles andere als Siegeswillen und Reformkraft. Sie können, wollen und trauen sich schlicht nicht, eine Koalition mit der Partei der Jörg-Haider-Erben auszuschließen. Das verbessert die Argumentation von Neuwahlen nicht unbedingt. Aber vielleicht wird der langsame Niedergang der Partei Jörg Haiders ohnehin nicht von außen, sondern von innen erfolgen: Kurt Scheuch ist erfahrener politischer Sprengmeister. Er führte 2002 in Knittelfeld maßgeblich die Spaltung der Freiheitlichen herbei, revoltierte gegen die Regierungsbeteiligung, indem er theatralisch das Kompromisspapier zerriss. Die Folge war, dass die Kärntner Freiheitlichen, die Kurt Scheuch als Landesgeschäftsführer in die Nationalratswahl führte, ein besonders enttäuschendes Ergebnis einfuhren. Er trat damals zurück.

Die politischen Implikationen der Kärntner Misere sind nicht zu unterschätzen und dürften eigentlich nicht im Sinne der Kärntner Freiheitlichen sein: Die Rückkehr Kurt Scheuchs in die erste Reihe, die angekündigten Auszüge bei jedem Neuwahlantrag und die interne Nichtaufarbeitung der illegalen Parteienfinanzierung betonieren vorerst die rot-schwarze Koalition in Wien weiter ein. Auch wenn sich Heinz-Christian Strache über den Rückzug des einen Scheuch vordergründig freut: Er weiß genau, dass die Wahrscheinlichkeit von Schwarz-Blau aktuell gegen null geht. Der Graben zwischen den beiden Parteien war schon durch den unterschiedlichen EU-Kurs sehr breit geworden. Die Kärntner Hypothek der FPÖ und die Rückkehr Kurt Scheuchs verunmöglichen die rechte Option nun weiter.

Auch wenn dank teils dilettantischer Lokalpolitik wie in Wien Rot-Grün rechnerisch in weiter Ferne steht, es würde zur (unfreiwilligen) Komik der Kärntner Landespolitik passen, dass die Gebrüder Scheuch wichtige Wahlhelfer einer linken Regierung in Österreich werden. Ein schlechtes Gewissen hätten sie nicht. So etwas kennen sie nämlich gar nicht.

 

E-Mails an: rainer.nowak@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.08.2012)

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42 Kommentare
 
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Alles Posse in Ö?

Gibt es tatsächlich noch jemanden, der das politische Possenreissen in Ö noch ernst nimmt? Die Medien spielen brav und naiv mit, die Akteure, als Clown in Tracht verkleidet, mimen werbewirksam das Unschuldslamm und übergießen alle Andersdenkende mit rotzbübischer Häme! Das Publikum tobt im Festzelt bei Bier und Würschtl und läßt sich gerne als Idiot vorführen. Doch hinter all diesen inszenierten Possen steckt beinhartes Machtkalkül, übt sich ein Freunderl-Netzwerk in politischer Kraftprobe!

Wie weh tut das eigentlich Herr Nowak?


Antworten Gast: ein Noch-Presse-Leser
03.08.2012 23:07
0 1

Re: Wie weh tut das eigentlich Herr Nowak?

jetzt wissen die Leser woran sie sind. Der neue Chefredakteur der Presse biedert sich den SPÖVP-Machthabern an...

Re: Re: Wie weh tut das eigentlich Herr Nowak?

ich bin fassungslos - ein Putchversuch in der Presse?

Gast: Lukas
02.08.2012 22:18
0 1

der Nowak hat sich verirrt

der Leitartikel war für den Standard gedacht...

Gast: hby
02.08.2012 19:06
0 2

Linke Dilettanten

Ahja! Die dilettantischen Wiener Politiker mit ihrer Idee einer kubanisch-diktatorischen Parkraumbewirtschaftung. Fast hätte ich diesen größten politischen Skandal der Nachkriegsgeschichte vergessen. Danke für den Hinweis auch im Rahmen der Berichterstattung über vergleichsweise Lappalien in Kärnten.

Gast: b754
02.08.2012 14:43
3 1

die neuauflage von blauschwarz scharrt schon in den startlöchern

die wirklich korrupten sind die övpler die uns mit ihrem ehrenkodex verhöhnen

Re: die neuauflage von blauschwarz scharrt schon in den startlöchern

.......und ewig stinkt die löchrige rote Socke ....

Antworten Antworten Gast: horst mayer
02.08.2012 17:21
2 1

Re: Re: die neuauflage von blauschwarz scharrt schon in den startlöchern

du solltest mal ein paar worte dazulernen dein kommentar stink nämlich auch schon

Antworten Antworten Antworten Gast: Hansi Hüpfer
02.08.2012 17:52
0 2

Re: Re: Re: die neuauflage von blauschwarz scharrt schon in den startlöchern

Besser stinken als so einen haarsträubenden Unsinn wie du schreiben. An deinem Deutsch solltest du auch arbeiten. Da gibt's ein enormes Verbesserungspotential.

Gast: Gast362
02.08.2012 13:43
5 14

Ein niveauloser Fotograf

mit seinen linken Propagandafotos ("Meuchelfotos") hat nichts mit kritischem Journalismus zu tun!

Rainer Nowak beweist zum wiederholten Male, dass er ein Musterbeispiel für niveaulosen Journalismus ist!

In der Zwischenzeit ist es leider so, dass auch in der Presse die Niveaulosigkeit immer schlimmer wird. Diese hetzende Propagandaartikel haben doch als einzige Folge, dass die Abozahlen immer mehr einbrechen.

Schauts doch einmal auf die Abozahlen zur Unterberger-Zeit. Bis 2 Jahre nach dem Unterberger-Abgang war die Qualität noch exzellent und dann ging es steil bergab.

Ein Substandard in Österreich reicht doch wirklich!


6 1

Re: Ein niveauloser Fotograf

Aber in der Sache haben Sie offenbar nichts dagegen zu sagen...und wenn sie schon so ein Fan von einseitigen "Journalismus" sind passt Unterberger bestens zu ihrer Gesinnung...

Gast: schlÄchter
02.08.2012 13:28
5 9

sg herr nowak!

warten wir mal ein wahlergebnis in kärnten ab....

die wähler und nicht die kritischen journalisten "urteilen" über die politiker.

und wenn sie die brüder scheuch ("nationale familie" "großbauern" "sprengmeister" "reißwolf" usw.) mit den castros oder den russischen oder nordkoreansichen staatslenkern vergleichen, dann frage ich mich schon:
soviel "ehre" den scheuchs?
oder verstehen sie solche vergleiche gar als kritischen journalismus ?

solche "kritischen" medienberichte und kommentare werden nicht wirkungslos bleiben, die frage ist nur wem sie nützen sollen und wem sie wirklich nützen.

mfg
s.


die wähler ... "urteilen" über die politiker

Genau das ist das Problem.

Und glauben Sie mir - von aussen sieht das grottenschlecht aus, was sich da abspielt (was jetzt die etwas kurze und wenig kunstvolle Zusammenfassung des Artikels war).
Wem das nützt? Niemandem. Sollte es das?

Antworten Antworten Gast: schlÄchter
02.08.2012 13:57
5 2

Re: die wähler ... "urteilen" über die politiker

sg cc!
die medien sind leider "part of the game".

mfg
s.

6 0

völlig

sauberes politisches Gewissen umständehalber abzugeben - es wurde nie gebraucht!

Gast: Gast 2012
02.08.2012 12:33
6 13

verärgert, Herr Nowak?

das kann ja wohl nicht sein, daß es jemand wagt die Jounalisten oder deren Fotografen zu kritisieren oder gar auszuschließen. Wenn wer austeilt, dann die System-Medien, die sind ja von SPÖVP und deren Justiz gedeckt. Die Wurzel alles Übels der Politik Österreichs liegt jedoch nicht bei Haider, sondern in der jahrzehntelangen großen Koalition samt deren Vorfeldorganisationen wie Kammern und Bünde. Gott sei Dank, gibt es noch Leute, die sich gegen das mafiöse System in Politik und Medien wehren!

Gott sei Dank, gibt es noch Leute, die sich gegen das mafiöse System in Politik und Medien wehren

Wirklich? Bitte um Namen!

Gast: Sara K.
02.08.2012 12:09
6 0

Die SCHEUCHS regieren weiter Kärnten!

Die Menschen haben die Machenschaften satt. Schlimmer als in einer afrikanischen Diktatur!

Re: Die SCHEUCHS regieren weiter Kärnten!

Ich wage die vorsichtige Prognose, dass sich in Kärnten nicht viel ändern wird. Neuwahlen hin oder her, vielleicht werden ein bis drei Köpfe ausgewechselt, aber wie gesagt, hinter den Kulissen gehts weiter, als wär nix geschehen. Und die unverstandenen Kärntner werden vermutlich in einer "Jetzt-erst-recht"-Mentalität aufgehen und das Kreuzerl an der selben Stelle wie in den letzten 15 Jahren machen *schulterzuck*

Nachsatz

das Kreuzerl mangels Alternativen an der selben Stelle (Kärntner mögen mir das verzeihen, es ist nicht als Verunglimpfung Kärntner Landsleute gemeint)

Gast: bua
02.08.2012 12:03
2 2

Parteien

ÖVP NÖ, SPÖ Wien und FPK Kärnten haben alle das gleiche Level

So ist es, oder glaubt ihr in Kärnten sind die Menschen anders als in anderen Teilen Österreichs!

Gast: Bürger&Wähler
02.08.2012 10:50
9 5

Der Verbrecherverband Kärntens nennt sich FPK. Und die Straches sind auch auf diesem kriminellen Niveau.


Leute, diese Scheuchbrüder und ihr rechtsradikaler Hofstaat ist doch echter Abschaum!

Überschätzungen

Die Presse überschätzt den durchschnittlichen Wähler - sowohl was Kärnten, als auch was Wien betrifft.

Wäre der Kärntner ein hellhöriger, interessierter, aufgeklärter Wähler, dann hätte er diesen Chaotentrupp niemals, niemals dorthin gebracht, wo er jetzt ist. Wenn die bisherigen Umtriebe nicht zum Fall dieser Politpeinlichkeit geführt haben, warum sollte sich das jetzt ändern?

Und in Wien? In Wien interessiert "den kleinen Mann" doch nur, ob bzw wie Strache gegen die Zuwanderer, gegen den Islam und natürlich gegen Brüssel hetzt. Auch da wird dieser Skandal nicht die geringsten Auswirkungen haben.

Das ist eben die Folge einer moralisch und intellektuell degenerierten Gesellschaft. Leider kann man daran nichts ändern, wenn man nicht zum Zensuswahlrecht zurückkehren will.

Re: Überschätzungen

was wäre an einem Zensuswahlrecht so schlecht - dann könnten wenigstens die Transferleistungsempfänger nicht mehr darüber abstimmen, wieviel Geld sie den Leistungsbringern belassen ! Aber so endet die Demokratie in einer Ochlokratie.

Antworten Gast: AuskennerIn
02.08.2012 13:04
3 0

Re: @Minimaximus

"In Wien interessiert "den kleinen Mann" doch nur, ob bzw wie Strache gegen die Zuwanderer, ..."

... und nicht zu vergessen das wohlerworbene Recht auf Frühpension quer durch alle Branchen und Bildungsniveaus! Wer überhaupt nur DAS verspricht, kann IMMER mit der Mehrheit rechnen.

Im Ihrem letzten Absatz haben leider auch völlig recht :-(

 
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