20.06.2013 13:54 Merkliste 0

Sankt Obama und der Pannen-Romney

CHRISTIAN ULTSCH (Die Presse)

Der internationale Obama-Fanklub stürzt sich auf jeden noch so irrelevanten »Patzer« Mitt Romneys. Das muss sein. Sonst lässt sich das Klischee vom dummen US-Republikaner nicht aufrechterhalten.

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Wenn Mitt Romney durch die Welt tourt, muss er natürlich von einem Fettnapf in den nächsten latschen. Es ginge gar nicht anders, denn er ist nicht nur Amerikaner, sondern auch Republikaner. Und republikanische Präsidentschaftskandidaten haben tollpatschig und dumm zu sein. So will es das Klischee vom tumben Cowboy-Politiker, das europäische Medien geradezu zwanghaft reproduzieren.

Bei Mitt Romneys Europareise mussten Journalisten nicht lange auf den ersehnten Fauxpas warten. Der Organisator der Winterspiele von Salt Lake City warf den Briten pünktlich zur fantastischen Eröffnungsfeier in London vor, vielleicht doch nicht ganz vorbereitet zu sein auf die Olympischen Spiele. Unhöflicher wäre wahrscheinlich nur noch gewesen, während der Trauung von Kate Middleton und Prince William an die Kanzel zu treten und über das Aussehen der Brautleute herzuziehen; doch zur Hochzeit war Romney nicht eingeladen.

Der von der britischen Boulevardpresse lustvoll breitgetretene Sager in London war zweifellos missglückt. Daraus jedoch Rückschlüsse auf die außenpolitischen Fähigkeiten des US-Präsidentschaftsbewerbers zu ziehen, ist überzogen. Eine ganz andere Brisanz hatte Romneys Auftritt im Heiligen Land. Mit seiner Forderung, die US-Botschaft in Israel von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen, bezog er klar zuungunsten der Palästinenser Stellung. Denn auch sie betrachten Jerusalem als ihre Hauptstadt.

Die Stellungnahme war, ohne Rücksicht auf diplomatische Balance, innenpolitisch kalkuliert. Romney präsentierte sich als super-pro-israelisch, um damit jüdische und evangelikale Wähler auf seine Seite zu ziehen. Das mag kurzsichtig und unausgewogen sein. Um eine Panne handelte es sich jedoch nicht. Abgehandelt wurde der Fall trotzdem in dieser Rubrik. Denn der republikanische Präsidentschaftsbewerber muss nun einmal der Pannen-Mitt sein. In Polen durfte dann Romneys Sprecher unfreiwillig als Pannenhelfer herhalten. Er beschimpfte Journalisten, und die machten gleich eine große Geschichte aus der völlig irrelevanten Petitesse.

Bei allem Verständnis für die Freuden der Häme: Inhaltlich unterscheiden sich Romney und der amtierende US-Präsident in ihren außenpolitischen Ansichten kaum. Beide sind Pragmatiker, beide können auch Härte zeigen. So hat Barack Obama den Anti-Terror-Kampf seines Vorgängers nahtlos fortgesetzt und Angriffe mit unbemannten Drohnen in Pakistan oder im Jemen sogar ausgebaut. Seine messianischen Ankündigungen blieben unerfüllt, vom israelisch-palästinensischen Frieden bis zum Senken des Meeresspiegels. Die globale Rolle der USA ist in seiner Ära geschrumpft, besonders in Nahost. Sie wird angesichts der ökonomischen Probleme des Landes und des Aufstiegs anderer Mächte nicht mehr wachsen, egal unter welchem Präsidenten.

Doch der Obama-Fanklub beschäftigt sich lieber mit Romneys angeblichen Patzern. Sie passen so schön ins gewohnte Bild.

christian.ultsch@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.08.2012)

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16 Kommentare

zu oft von Rep Lobbyisten eingeladen?

Dass Romneys Auslandtour ein rein innenpolitisches Programm war und keine unabsichtliche "Patzerei" ist schon klar. Dass Obama viel redet und wenig tut (tun kann) auch. Aber dass zumindest die Republikanischen Absichtserklärungen (Romney hat ja selbst früher ganz anders agiert) - zumindest für Europäer - völlig jenseitig sind, sollte auch Herrn Ultsch gelegentlich auffallen.


Re: vielleicht interessiert ja jemand, was Kommentatoren der ny times zu dem Thema schreiben

Die NYT ist nicht gerade objektiv, und Ms. Dowd schon gar nicht.

Re: Re: vielleicht interessiert ja jemand, was Kommentatoren der ny times zu dem Thema schreiben

Und wer ist objektiv?

Re: Re: Re: vielleicht interessiert ja jemand, was Kommentatoren der ny times zu dem Thema schreiben

Die Mainstreammedien und Hollywood, die Obama massiv unterstützen, sicher nicht. Immer noch sehr gut ist die Londoner Times.

Gast: LegendIn
04.08.2012 22:24
3 0

Hauptsache das Großmaul Obama ist bald auf dem Misthaufen der Geschichte entsorgt

2.000 Milliarden Dollar Schulden hat er angehäuft, und trotzdem liegt die Wirtschaft darnieder.

Und die Welt ist weit unsicherer geworden, seit Obama die USA laviert.

Aber bald kann die USA wieder aufatmen.

Re: Hauptsache das Großmaul Obama ist bald auf dem Misthaufen der Geschichte entsorgt

ich fürchte ihre begeisterung ist verfrüht.
die amis stimmen mit dem blick in ihre geldbörse, ab. nehmen die arbeitslosen ab und erhöht sich der konsum...dann hat obama gute karten.
das perverse am wahlsystem ist...die wähler entscheiden "innenpolitisch, während der präsident innenpolitisch ohne befugnisse ist und hauptsächlich aussenpolitisch agiert.

Gast: Relevant
04.08.2012 21:59
1 2

Schon wieder!

Ein weiterer völlig nicht relevanter Leitartikel von Ultsch. Regt den Romney, den Obama und auch sonst niemanden auf.

Schade nur, dass die Presse dem Gelaber so viel Platz bietet. Es gäbe genug wichtige Themen zu kommentieren.

Gast: b754
04.08.2012 20:51
0 6

ohne ultsch wäre die presse besser drann

vielleicht sollta man das jetzt noch bedenken

Gast: Schamott
04.08.2012 20:12
2 5

ist das

die Neuausrichtung der Presse? Unterstützung für die Reps?
um es höflich zu sagen: Naja....

Antworten Gast: F. Leritzky
05.08.2012 09:46
2 0

Re: ist das

Meinungsvielfalt scheint nun mal nicht ihre Sache zu sein ?Republikaner hat man eben immer schlecht finden......

Antworten Gast: defiant
05.08.2012 06:29
4 1

Re: ist das

sie koennen ja bei ihrem oertlichen stasi v-mann eine politische umerziehungsmassnahme fuer ultsch beantragen ... ;)

Gast: wissmaschon
04.08.2012 19:19
1 4

Ja, eh

Ja, wiss ma schon: der Obama ist böse.

Re: Ja, eh

Ja lieber Marx steh uns bei, man hat den Gottgleichen ins Irdische gezerrt. Hoffentlich könnens da heut überhaupt schlafen, lieber "wissmaschon" ;-)

Gast: b754
04.08.2012 18:11
1 5

wieso klischee


Antworten Gast: defiant
05.08.2012 06:33
4 0

Re: wieso klischee

weil nicht jeder 'dumm' ist der deine bescheidene meinung nicht teilt.

im gegenzug ist das ersetzen von argumenten durch die herabwuerdigung des politischen gegners nicht gerade ein zeichen von intelligenz ... ;)

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