Wenn Mitt Romney durch die Welt tourt, muss er natürlich von einem Fettnapf in den nächsten latschen. Es ginge gar nicht anders, denn er ist nicht nur Amerikaner, sondern auch Republikaner. Und republikanische Präsidentschaftskandidaten haben tollpatschig und dumm zu sein. So will es das Klischee vom tumben Cowboy-Politiker, das europäische Medien geradezu zwanghaft reproduzieren.
Bei Mitt Romneys Europareise mussten Journalisten nicht lange auf den ersehnten Fauxpas warten. Der Organisator der Winterspiele von Salt Lake City warf den Briten pünktlich zur fantastischen Eröffnungsfeier in London vor, vielleicht doch nicht ganz vorbereitet zu sein auf die Olympischen Spiele. Unhöflicher wäre wahrscheinlich nur noch gewesen, während der Trauung von Kate Middleton und Prince William an die Kanzel zu treten und über das Aussehen der Brautleute herzuziehen; doch zur Hochzeit war Romney nicht eingeladen.
Der von der britischen Boulevardpresse lustvoll breitgetretene Sager in London war zweifellos missglückt. Daraus jedoch Rückschlüsse auf die außenpolitischen Fähigkeiten des US-Präsidentschaftsbewerbers zu ziehen, ist überzogen. Eine ganz andere Brisanz hatte Romneys Auftritt im Heiligen Land. Mit seiner Forderung, die US-Botschaft in Israel von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen, bezog er klar zuungunsten der Palästinenser Stellung. Denn auch sie betrachten Jerusalem als ihre Hauptstadt.
Die Stellungnahme war, ohne Rücksicht auf diplomatische Balance, innenpolitisch kalkuliert. Romney präsentierte sich als super-pro-israelisch, um damit jüdische und evangelikale Wähler auf seine Seite zu ziehen. Das mag kurzsichtig und unausgewogen sein. Um eine Panne handelte es sich jedoch nicht. Abgehandelt wurde der Fall trotzdem in dieser Rubrik. Denn der republikanische Präsidentschaftsbewerber muss nun einmal der Pannen-Mitt sein. In Polen durfte dann Romneys Sprecher unfreiwillig als Pannenhelfer herhalten. Er beschimpfte Journalisten, und die machten gleich eine große Geschichte aus der völlig irrelevanten Petitesse.
Bei allem Verständnis für die Freuden der Häme: Inhaltlich unterscheiden sich Romney und der amtierende US-Präsident in ihren außenpolitischen Ansichten kaum. Beide sind Pragmatiker, beide können auch Härte zeigen. So hat Barack Obama den Anti-Terror-Kampf seines Vorgängers nahtlos fortgesetzt und Angriffe mit unbemannten Drohnen in Pakistan oder im Jemen sogar ausgebaut. Seine messianischen Ankündigungen blieben unerfüllt, vom israelisch-palästinensischen Frieden bis zum Senken des Meeresspiegels. Die globale Rolle der USA ist in seiner Ära geschrumpft, besonders in Nahost. Sie wird angesichts der ökonomischen Probleme des Landes und des Aufstiegs anderer Mächte nicht mehr wachsen, egal unter welchem Präsidenten.
Doch der Obama-Fanklub beschäftigt sich lieber mit Romneys angeblichen Patzern. Sie passen so schön ins gewohnte Bild.
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("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.08.2012)















