24.05.2013 00:50 Merkliste 0

Gegenseitiges Fußabstreifen reicht nicht

KARL ETTINGER (Die Presse)

In Kärnten ist noch immer Großreinemachen angesagt. Dem Land ist weder mit einer Jörg-Haider-Glorifizierung noch mit quälender Taktiererei der Parteien geholfen.

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Spätestens seit Montag weiß ganz Österreich, was es heißt, wenn Stefan Petzner eine politische „Bombe“ platzen lässt. Als medialer (Selbst-)Vermarkter war der BZÖ-Mandatar und einstige Sprecher von Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider schon immer talentiert. Im Klagenfurter Gericht hat er nun seinen 2008 verstorbenen „Lebensmenschen“ Haider von allen Anschuldigungen in Sachen Parteienfinanzierung ausgenommen und die ganze Schuld auf die Landes-ÖVP abgeladen.

Damit steht Petzners Zeugenaussage nun gegen jene von Martinz und Steuerberater Birnbacher. Alles eine Idee des schwarzen Steigbügelhalters und Ex-ÖVP-Landeschefs? Haider als mächtiger Stratege und Landeslenker also maßlos überschätzt? Das klingt jedenfalls sehr danach, dass Petzner auch nach dem Tod sein Idol weiter im Glorienschein sehen will. Damit liefert er sich mit dem (erfundenen) Jörg-Haider-Gedächtnis-Verein einen Wettkampf mit Peter Westenthaler. Dieser hat sich schon Ende Juli dagegen verwahrt, sich an einem Verstorbenen „die Schuhe abzuputzen“.


In Kärnten sind Justiz und Landespolitik am heutigen Dienstag parallel unterwegs, das Großreinemachen im politischen Schlammfeld der Vergangenheit fortzusetzen. Dabei waren die Enthüllungen im Birnbacher-Prozess im Klagenfurter Landesgericht bisher polit-hygienisch gesehen wichtiger als das gegenseitige Fußabstreifen der Politiker. Am Montag sind sogar jene 65.000 Euro, die Steuerberater Dietrich Birnbacher nach eigenen Aussagen Martinz am Rande einer Weihnachtsfeier in einem Kuvert zugesteckt hat, aufgetaucht. Tagelang will keiner gewusst haben, wohin die hübsche Summe gekommen ist.

In der Landespolitik steht immer noch das parteitaktische Kalkül im Vordergrund. Jetzt, immerhin fast zwei Wochen nach dem Geständnis von Ex-ÖVP-Landeschef Martinz über illegale Parteienfinanzierung im Gefolge des Hypo-Verkaufs, geruht Landeshauptmann Gerhard Dörfler, die Parteien zu Gesprächen über Neuwahlen in Kärnten einzuladen. Davor wurde der Kärntner Landtag schon zweimal für Sondersitzungen zusammengerufen. Das war dann nicht viel mehr als eine politische Fleißaufgabe, weil die Kärntner Freiheitlichen einmal sogar gleichzeitig eine Sitzung des FPK-Klubs abhielten und damit die Volksvertretung zur Nebenbühne degradierten. Da darf sich dann wirklich niemand mehr wundern, wenn sich viele vor den Kopf gestoßen fühlen.

Selbst in dieser Situation, in der Kärnten politisch und finanziell ruinös dasteht, ist Parteitaktik nach wie vor oberste Handlungsmaxime. Selbst der letztwöchige Rücktritt von Uwe Scheuch ist nicht aus der Einsicht erfolgt, dass ein – nicht rechtskräftig – zu einer bedingten Freiheitsstrafe verurteilter stellvertretender Landeshauptmann einfach keine politisch-moralische Leitfigur ist, sondern aus Wehklagen über die angebliche „Medienhetze“.


Dabei sind die Kärntner Parteien in diesem Wahlkampf, der ohnehin längst voll im Gang ist, gerade wieder dabei, der Bevölkerung etwas vorzugaukeln. Denn nun beginnen – von der SPÖ angefangen – alle so zu tun, als würden die Landespolitiker vor der Landtagswahl in Sack und Asche herumlaufen müssen. Völlig ohne Wahlkampfkosten will nun SPÖ-Chef Peter Kaiser auskommen. Da wird den Wahlberechtigten und zugleich auch allen Österreichern wieder ein X für ein U vorgemacht. Denn die Millionen an öffentlicher Förderung, die den Kärntner Parteien zufließen, sind schon jetzt üppig. Ob ein Teil dieses Geldes auch noch extra mit dem Mascherl Wahlkampfkosten versehen wird, ist da einerlei.

Wenn Dörfler, wie er betont, keine Angst vor Neuwahlen hat, spricht nichts dagegen, dass er sich mit den anderen Landesparteien heute auf einen baldigen Termin für vorgezogene Wahlen einigt. Dörfler ist ohnehin überzeugt, dass das Bild von seinem Bundesland ein durch die Medien völlig verzerrtes ist. Dabei sollte auch er einmal bemerken: Gegenseitiges politisches Fußabstreifen reicht längst nicht. Dafür gibt es einfach zu viel politischen Schlamm in Kärnten.

 

E-Mails an: karl.ettinger@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.08.2012)

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13 Kommentare
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Da schimpft

ein Esel den anderen Packelträger.

"Politiker" wäre die treffendere Beleidigung.

Kaltschnäutzigkeit

Wieder einmal hat ein Exponent der Buberlpartie jene Kaltschnäutzigkeit bewiesen, welche bei den Herren dieser Truppe seit Jahren zu beobachten ist. Herr Petzner will uns tatsächlich glauben machen, sein Mentor und Sonnenschein Dr. Jörg Haider hätte von all diesen Machenschaften nichts gewusst, war dieser doch bloß Landeshauptmann in Kärnten. Wann werden die Kärtnerinnen und Kärntner diese Rotzbubenpartie endlich abwählen und wann wird bei den anderen Kärtner Parteien endlich jene Vernunft einkehren, die ihnen Glaubwürdigkeit bei ihren Wählerinnen und Wählern zurückbringt?

Da kann der Petzner

reden was er will. Den Haider wird er bei mir nie "reinreden" können. Für mich war und ist der Haider der Schuldige und Anstifter dieser ganzen Misere. Und Leute wie Scheuchs, Petzner und Martins haben davon mehr als sehr gut gelebt und leben immer noch königlich davon.

Gast: Da schau her !
07.08.2012 07:37
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Wohin sind die 6 Mio. "Beraterhonorar" geflossen ?

Irgendwie ist das seltsam :

Da bekommt Hr. Birnbacher völlig überhöhte 6 Mio. Honorar. Und die einzige Weitergabe sollen mickrige 65.000 an Hrn. Martinz gewesen sein ? 500.000 an das BZÖ sollen nur gefordert, aber nie bezahlt worden sein ?

Was geschah mit dem restlichen Geld (abzüglich Steuern) ?

Gast: Dolfi Teufel
06.08.2012 22:59
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Wenn ich recht verstehe, waren in Kärnten und im Bund

in den letzten Jahren zwar das BZÖ bzw. die Roten in der Politik tonangebend, die Skandale werden aber der ÖVP "umgehängt"!

Wenn also BZÖ in Kärnten und die SPÖ im Bund in den letzten Jahren, wo ja die "Skandale" passiert sind, die politische Hauptverantwortung gezogen haben, warum haben diese Parteien nicht gegen den Sumpf in den von ihren Parteien geführten Landesregierungen nichts unternommen? Da besteht dringender Klärungsbedarf, Herr Petzner!

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NIBELUNGENTREUE

Was tut man nicht alles für einen "Lebensmenschen". Da lässt man schon eine Politknallfrosch platzen. Gähn.......

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Re: NIBELUNGENTREUE

Als Draufgabe werden nur die Gegner angepatzt und den eigenen Gesinnungsfreunden ein Persilschein ausgestellt. Toll...

Gähn.

Gast: b754
06.08.2012 19:48
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und der eigentliche gauner im hintergrund wolfgang schüssel lacht sich ins fäustchen

weil die övp ihn immer noch schützt so wie die journalisten auch

Re: und der eigentliche gauner im hintergrund wolfgang schüssel lacht sich ins fäustchen

Haben Sie irgendeinen stichhaltigen Grund für solche Vermutungen, oder ist da nur der Wunsch der Vater des Gedanken?

Re: und der eigentliche gauner im hintergrund wolfgang schüssel lacht sich ins fäustchen

da müssen wir uns leider noch ein bisserl gedulden. bis zum 18. April 2013. an diesem tag findet in der Grugahalle in 45131 Essen, Norbertstraße 2 , die nächste hauptversammlung von RWE statt. und vermutlich wird w.s. bis dahin durch ausübung seines aufsichtsratsmandats derartig ausgelastet sein, dass er nicht mal eine minute zeit hat, partei, justiz und medien rede und antwort zu stehen.

aber nach diesem termin ist er eh von dieser last befreit: denn in deutschland ist es NOCH üblich, leuten deren dreckiger stecken nicht mehr zu übersehen ist, die last eines solchen mandats nicht aufzubürden.

Re: Παράνοια

Die Betroffenen leiden an einer verzerrten Wahrnehmung ihrer Umgebung in Richtung auf eine feindselige (im Extrem bösartig verfolgende) Haltung ihrer Person gegenüber. Die Folgen reichen über ängstliches oder aggressives Misstrauen bis hin zur Überzeugung von einer Verschwörung anderer gegen sich.

Man sieht hier den harten Kern der Schüssel-Pranoiabetroffenen.

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Ist "Die Presse" jetzt eine Filiale der

" Kleinen Zeitung"?

Wer das Styria Medienhaus kennt

weiß, welche die gewichtigere Marke ist...

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