19.05.2013 16:53 Merkliste 0

Achtung, jetzt kommt Usain Darabos

Christian Ultsch (Die Presse)

Nach der Londoner Olympia-Schlappe kündigt Sportminister Norbert Darabos, das Reformgenie aus dem Verteidigungsressort, beinharte Strukturänderungen an. Wenn das nur gut geht.

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Null Medaillen bei Olympischen Sommerspielen für eine Weltmacht wie Österreich? Das geht gar nicht. Und deshalb muss jetzt der Sportminister ran. Norbert Darabos, im Nebenberuf Verteidigungsminister, übt das Sportamt schon seit Februar 2009 aus. Er hatte also genug Zeit, sich ein Bild zu machen – und nichts zu tun. Das verleiht seinen harten Ansagen mindestens ebenso viel Autorität wie die cremefarbene Trainingsjacke, die das Regierungsmitglied neuerdings vor Fernsehinterviews überstreift.

Seit der Schlappe von London kennt das burgenländische Pingpong-Ass kein Pardon mehr. Er werde durchgreifen und Strukturen umkrempeln, sagt Darabos in jedes Mikrofon. Gefördert werde nicht mehr nach dem Gießkannenprinzip, sondern gezielt. Teufel auch, so sieht Verantwortung nach dem Gockelprinzip aus: Dreieinhalb Jahre lang schaut man dem Misthaufen im eigenen Hof beim Wachsen zu, um sich am Ende wie ein Hahn draufzusetzen und empört zu krähen, wie sehr alles zum Himmel stinkt.

Wobei: In diesem Zusammenhang von einem Misthaufen zu sprechen, ist auch schon wieder übertrieben. Natürlich kann es Momente patriotischer Freude auslösen, wenn ein Österreicher einen internationalen Wettbewerb gewinnt. Aber letztlich ist es für das Fortkommen einer Gesellschaft irrelevant, ob Athleten bei Olympischen Spielen Gold, Silber, Bronze oder Blech holen.
Die Idee, sportliche Erfolge sozialtechnisch zu planen, ist ähnlich überholt wie die DDR. Spitzenleistungen lassen sich nicht staatlich verordnen, sondern außerhalb autoritärer Systeme nur individuell erzielen. Es wäre deshalb absurd, das Londoner Debakel zum Sputnik-Moment zu stilisieren und eine nationale Kraftanstrengung zu organisieren, um schon 2016 in Rio den Medaillenspiegel wieder zu heben.

Wie soll das Züchtungsprojekt funktionieren? Müssen ab Montag die 1000 schnellsten Schüler Österreichs einmal pro Monat zum Sprinttraining nach Jamaika? Oder sind künftig Wiener Beamte verpflichtet, in Kajaks durchs Kanalsystem zur Arbeit zu paddeln und nach Dienstschluss das Schießen mit der Freien Pistole zu üben? Beim Gewichtheben wäre auch noch was drin: Scouts könnten bei McDonald's nach jungen Talenten suchen und ihnen eine Hantelausbildung in Nordkorea nahelegen. Ja ja, und in der Hofreitschule bietet die Republik Gratis-Dressurkurse an und abends Beachvolleyball-Turniere fürs Volk. Denn in den Nischen lauert der Erfolg und in der Breite. So hat der Visionär Norbert Darabos, der sein strategisches Reformgenie schon beim Bundesheer unter Beweis stellte, den Pfad zum Olymp vorgezeichnet. Eine Stunde mehr Turnunterricht pro Woche schlägt er vor. Der Rest ergibt sich dann von selbst.
Klar, und in der Zwischenzeit kämpfen die ÖOC-Funktionäre darum, neue olympische Bewerbe ins Programm aufzunehmen. Beim Schmähführen, Bierstemmen und Spazierengehen wären wir im Sommer sicher ganz gut. Oder auch beim Pfitschigogerln und beim guten alten „Wiener Dreikampf“: Nörgeln, Raunzen, Angerührtsein. Darabos kann gar nicht verlieren.

christian.ultsch@ diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.08.2012)

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30 Kommentare
 
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Gast: Niederösterreicher
14.08.2012 22:31
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Armer Darabos

Kein wahlkampftaugliches Bild mit bei den Olympischen Spielen siegreichen österr. Sportlern! Der als Werbegag gedachte Foto-Termin in London für die Katz!

Statt dessen Bilder von der Olympia-Pleite mit dem Sportminister drauf! Das sind die richtigen Bilder für die kommende NRW!

Pingpong ist nicht Tischtennis

Wir leisten uns einen Verteidigungsminister, der den Wehrdienst verweigert hat, und als Draufgabe dann noch Sportminister wird, ohne jemals ernsthaft einen Sport ausgeübt zu haben. So weit, so absurd. Dass Herr Darabos aber noch vor (!) dem Ende der Olympischen Spiele die Sportlerinnen und Sportler inklusive deren Verbände wegen Erfolglosigkeit in abfälliger Art und Weise durch den Kakao zieht, hat mit vernünftiger Kommunikationspolitik ebenso wenig zu tun wie mit taktischem Fingerspitzengefühl.
Man kann Christian Ultsch daher im Wesentlichen durchaus zustimmen, eines sollte dabei jedoch nicht übersehen werden: Herr Darabos hat sicher nicht unrecht mit seiner Kritik daran, dass der gesamte österreichische Sport seit Jahren von immer denselben zehn Personen kontrolliert wird; gleichzeitig wäre aber auch zu hinterfragen, warum er das erst jetzt mit trotziger Miene verkündet, nachdem er seit mittlerweile drei Jahren Sportminister ist.
Und sein Hobby wird wohl eher Tischtennis gewesen sein und nicht Pingpong.

Dem Artikel ist nichts hinzuzufügen,

außer:

Darabos ist nicht die einzige Flasche als Minister,
aber irgenwie bringt er sich andauernd ungeschickt ein.
Er war nicht bei den hilfleistenden Soldaten in der Stmk - dafür hat er unqualifizierte Meldung im olympischen Dorf gemacht (=Nestbeschmutzung) - besser in der Stmk als moralische Unterstützugn dieser Truppe, das wäre politisch für Darabos gut gewesen - aber welche Dienstreise ist wohl angenehmer ?

Gast: Kuya
12.08.2012 20:20
3 0

die besten Sportler zählen oft zu den schwächsten" Schülern

. . . so fand ich, dass die Begabung meist sehr einseitig ist, obwohl Fächer überlappen, wie Musik und Sprachen.
Nichtsdestotrotz bedingt Begabung Interesse, um Klasse zu sein.
So sind die Olympischen Spiele, wo nur drei Glückliche, ja Glückliche zu brillieren vermögen, eine globale Verschwendung. "Sport" müsste in jeder Nachbarschaft als gesundheitliche Übungsmöglichkeit für jung und alt im Rahmen der schulischen Einrichtungen geboten werden.

Hab unseren lieben Minister Darabos gerade im Fernsehen gesehen-


Re: Hab unseren lieben Minister Darabos gerade im Fernsehen gesehen-

angetan mit der kleidsamen, cremsfarbenen Sportjacke und erinnerte mich schmunzelnd an den unterhaltsamen Artikel von Herrn Ultsch....köstlich, böse und leider wahr, was er da so schrieb!

Gast: mh
12.08.2012 18:58
3 0

beinharte Strukturänderungen

wie Kasernen verkaufen, Bundesheer abschaffen sind ja schon begonnen und Spitzenleistungen abschaffen mittels Gesamtschulen wird auch noch gelingen .


Gast: Manfred Laaber
12.08.2012 17:20
2 0

Leitartikel 1. Seite am Sonntag/Darabos

Wie alle bereits zum Besten gaben, können wir von Darabos keine großartigen Leistungen erwarten, geschweige denn Wunderdinge.
Von einer der führenden Tageszeitungen Österreichs zumindest ein Mittelmass an Vorschlägen und Ideen zur Lösung dieser selbstverständlich unzufriedenstellenden Situation in London ist jedoch Pflicht, anstelle dieses Gesudere auf der ersten Seite. Viele der Kommentare in diesen Tagen von den Sportlern bis zum Bundespräsidenten und jetzt noch heute morgen von der Presse geben ein Spiegelbild für das Abschneiden bei Olympia. Dass sich jeder Sportler wie alle Menschen mehr Respekt verdienen würden, wäre wünschenswert, aber leider viel zu selten in einer von Geld und Vordergründigkeit geprägten Gesellschaft.

Gast: Krpmf
12.08.2012 16:45
5 0

Belassen

Bitte lasst ihn doch den Sport reformieren, sonst wendet sich die "Lichtgestalt" wieder dem Heer zu !!!! -oder macht ihn endlich zu dem was seine wirkliche Aufgabe ist - Kassenprüfer beim südburgenländischen Tischtennisverband.

Gast: gast x
12.08.2012 16:43
7 0

Titeländerung

Passender als Usain: "Useless" Darabos

Gast: Niederösterreicher
12.08.2012 14:03
6 0

Statt herumzuquatschen sollte man dem feinen Herrn Minister

lieber den Rücktritt nahelegen, damit jemand, der wirklich etwas vom Sport versteht, die nötigen Bedingungen in unseren Staat schaffen kann!

Der Herr Minister ist längst vom SPORTMinister zum SPOTT-Minister mutiert!

"...und beim guten alten „Wiener Dreikampf“: Nörgeln, Raunzen, Angerührtsein."

na dann trainieren sie weiter fleissig, herr ultsch. für blech reicht es schon heute!

Gast: auch Sportlerin
12.08.2012 11:09
2 1

Medaillenfixiertheit

Es ist unsinnig den Wert sportlicher Aktivität vor allem in Preisen/Medaillen zu sehen. Entscheidend ist mitzumachen und die Freude daran !

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NMS - Norberts Mittelschule

Dass ausgerechnet ein glühender Verfechter der Neuen Mittelschule nicht mit dem Mittelmaß zufrieden ist, sondern Spitzenleistungen einfordert, ist an Ironie kaum zu überbieten.

Wie denn jetzt? Profitieren denn die Besten nicht, wenn sie mit den Schwächeren gemeinsam trainieren?

Und überhaupt: jetzt kündigt er "beinharte Strukturänderungen" an. Soll das heißen, dass man mit Gesprächen, Ermahnungen und Lob doch nicht weiterkommt?

Empfehle bei mangelnden Sporterfolgen in Analogie zum Schuleschwänzen folgenden Stufenplan:
a) bei unentschuldigten Fehlleistungen, die mehr als 2 Wochen andauern, verpflichtendes Gespräch zwischen Trainer, Athlet und Eltern.
b) nach 4 Wochen wird in einem weiteren Gespräch überprüft, ob die Vereinbarungen eingehalten wurden.
c) Einbeziehung von Athletenvertretern, Sportpsychologen und wenn möglich, auch Platzwarten.
d) Meldung ans Sportministerium
e) Einschaltung der Sportwohlfahrt
f) Anzeige beim ÖOC, Verhängung einer Strafe über 440 Euro.

Re: NMS - Norberts Mittelschule

Fein formuliert, okay.
Doch nicht alles was hinkt, ist ein Vergleich.

Gast: Nero13
12.08.2012 08:55
6 1

Wunderwuzzi

Der gleiche Minister hat beim Vergleich mit Eurofighter für den Umtausch neuer Flugzeuge auf gebrauchte dem Auftragnehmer eine "Prämie" in der Höhe von 57 Millionen Euro zugestanden. Nachzulesen im Rechnungshofbericht: Luftraumüberwachungsflugzeuge: Vergleich der Republik Österreich mit der Eurofighter Jagdflugzeug GmbH, Seite 11, ff -

Link: http://www.rechnungshof.gv.at/fileadmin/downloads/2008/berichte/teilberichte/bund/bund_2009_01/Bund_2009_01_Band5_2.pdf

Vielleicht interessieren sich auch die Medien und letztlich die Justiz für dieses Verhandlungsgeschick.

Ein Schelm, der Böses denkt, oder ?

Re: Wunderwuzzi

Ich lese in dem besagten Bericht des RH nichts von einer "Prämie", sondern nur davon, dass die Eurofighter-GmbH 57 Millionen Euro "Abbestellungskosten" verrechnete, was eine Reduzierung des Kaufpreises ergab (TZ 4, 17).
Alles andere ist Ihre fantasievolle Interpretation.

Ein Schelm, der Böses dabei denkt, oder.

Gast: MuninundHugin
12.08.2012 08:09
8 0

Na, hamma Mitleid?

@B.Kiddo u Athos: Als Verteidigungsminister hat er versagt, wobei er sich ja als Sportminister sah und definierte. Gut, da hat er auch versagt, denn schließlich muss man ihn ja an seinen Leistungen messen. Jetzt Reformen anzukündigen wirft die Frage auf, was er vorher gemacht hat, jedenfalls nicht den Verteidigungsminister.

Re: Na, hamma Mitleid?

(1)Ja, Darabos hat so ziemlich alles falschgemacht, was er hätte falsch machen können; die SP-Granden haben ihn in dieses Amt gedrängt, das er nicht wollte; nun muss er damit leben; strenggenommen muss er das nicht, er könnte auch alles hinschmeißen, aber dafür ist er der Parteispitze zu hörig.

(2) Der Autor Ultsch macht seine Sache um kein Jota besser; anstatt mögliche Lösungen anzuregen, teilt er bloß aus, knapp an der Gürtellinie; soll ja schließlich ein Leitartikel sein.

Ich habe kein Mitleid - mit beiden.

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Achtung, jetzt kommt H.C. Ultsch

Und was machen Sie, werter Herr Ultsch ?

Außer einer Anhäufung von zynischen und sarkastischen Bemerkungen ist hier nichts zu entdecken. Sie sind sicher gut beim >Leitartikel-Dreikampf<: Auslachen, Bashing, Verbal-Prügel. Sie können gar nicht verlieren, das ist ja schließlich Ihr Job.

Gast: Anmerkung
12.08.2012 05:53
6 1

Darabos wird sich hüten,

den bisherigen Weg zu verlassen. Das Wichtigste für einen Sozialisten ist die Gleichheit! Und die Gleichheit in Österreich nimmt zweifellos zu, wenn der Leistungsabstand zwischen Spitzensportlern, Amateursportlern und „Couch Potatos“ schrumpft.

Na gut, die gleichheitsunterworfenen Spitzensportler können zwar außerhalb ihres österreichischen Pfuhls nichts mehr gewinnen. Aber einem sozialistischen Funktionär ist eben der Gleichheitsgewinn in der sozialistischen Volksgemeinschaft allemal wichtiger.

Gast: Till aus dem Haus der Freude
12.08.2012 00:07
3 1

Fein formuliert...

...und voll auf die Zwölf.

Vielleicht sollte man Darabosch-Bashing als olympische Disziplin einführen? Obwohl, sportlich ist das Visier auf den Nebenerwerbs-Verteidigungsminister zu richten nicht: eine quakende "lame duck" abzuschießen ist keine Herausforderung.

Aber immerhin haben wir für 2016 die reelle Chance, dass Norbi bis dahin selbst in eine seiner zahlreichen Gruben gelandet ist und in den Annalen als der schlechteste Burgenländerwitz aller Zeiten vergessen wird.

Wäre ein Gewinn für Land & Leute, wer braucht da noch Medaillen?

Gast: Freiheit
11.08.2012 21:28
0 1

naja in der schule wird einem ja eingeredet sportler

seien dumm, das ist nur macho (was mit den sportlerinnen ist frage ich mich nur) getue, etc. es ist doch viel wichtiger kuenstler, soziologe, etc zu werden....

was wichtig fuer ein land waere so viele wie moegliche erfolgreiche sportler und kuenstler etc zu haben.

USA IN presse

und anderen medien hakt befehlgemäss auf darabos hin...

weil fertigmachen durch USA IN bmlvs nicht ausreicht...

wie fad und vorhersehbar....

Re: USA IN presse

Was heißt "USA IN bmlvs"?

Gast: b745
11.08.2012 20:26
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im vergleich zu den blindgängern der övp ist darabos eine lichtgestalt

und wenigstens nicht korrupt wie die schwarzen

 
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