23.05.2013 06:09 Merkliste 0

Der Neid als Wahlkampf-Thema

NORBERT RIEF (Die Presse)

Die SPÖ bereitet sich offenbar auf vorgezogene Neuwahlen im Frühjahr 2013 vor und setzt dafür auf Altbekanntes: eine Neiddiskussion über Reiche und Bauern.

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Frank Stronach sollte sich mit dem Registrieren seiner Partei beeilen. Die österreichische Bürokratie ist nicht die schnellste, und bevor es sich der Austrokanadier versieht, hat er vielleicht schon eine Frist für die Nationalratswahl 2013 versäumt.

Denn der Wahlkampf hat am Sonntag inoffiziell begonnen. Finanzsstaatssekretär Andreas Schieder hat seinem Koalitionsfreund und Gesinnungsfeind Nikolaus Berlakovich wegen der hohen Förderungen für die Bauern einen „heißen Herbst“ angekündigt. Und der könnte nahtlos in einen heißen Winter und in eine vorgezogene Neuwahl im Frühjahr 2013 übergehen. SPÖ und ÖVP dürften sich die Chance nämlich kaum entgehen lassen, die Österreicher zu den Urnen zu rufen, solange die Skandale in Kärnten noch gut in Erinnerung sind, die Jörg Haider und seinen Ablegern und Nachahmern angelastet werden.

Das Thema des SPÖ-Wahlkampfs können wir erahnen: Es wird eine große Neiddebatte, die in Österreich immer funktioniert, weil hierzulande stets jemand jemandem etwas neidet. Bei der Kritik an der steigenden Zahl der Frühpensionen geht es ja beispielsweise nicht um die Sorge, dass wir uns das Pensionssystem nicht mehr leisten können. Es geht vielmehr darum, dass andere früher in Ruhestand gehen, während man selbst bis 65 arbeiten muss.

Das SPÖ-Ziel einer Reichensteuer ist auch nicht, das Budget zu sanieren, sondern lediglich, zusätzliche Einnahmen zu lukrieren, um sie unter einer Wählerschicht verteilen zu können, die etwas breiter gestreut ist als die Millionäre. Ihr geht es auch nicht um völlig ausgeuferte Privilegien der Bauern, sondern darum, die ÖVP dazu zu zwingen, ihre wichtigste Wählerklientel zu verärgern.

Wir werden also ab Herbst eine Debatte führen über höhere Steuern für Besserverdiener; für jene, die das Vermögen dieser Besserverdiener erben, und über den Bauern als Millionär. Den Slogan dafür hat die SPÖ schon 2010 in einer Kampagne für Werner Faymann ausprobiert: „Zeit für Gerechtigkeit“.

Schön wär's, würde die SPÖ tatsächlich für Gerechtigkeit kämpfen. Bei der Landwirtschaft können wir ja noch diskutieren, ob eine Steuerpauschalierung gerecht ist. Vielleicht noch für Kleinbauern, die ums Überleben kämpfen und die weit davon entfernt sind, in unserer überregulierten Welt, in der sogar der Ab-Hof-Verkauf von Milch ein Problem ist, zu überleben. Nicht gerecht ist eine solche Pauschalierung aber für Bauern, die 110 Hektar ihr Eigen nennen und dennoch nur ein paar hundert Euro pro Jahr Einkommensteuer bezahlen.

Das gehört geändert – nicht aus Neid, sondern aus den gleichen Gründen, warum die Hacklerpension abgeschafft und Schlupflöcher für die Frühpension geschlossen gehören: Der Staat kann es sich einfach nicht mehr leisten, wenn er weiterhin unter anderem Pflegegeld, zwei Karenzjahre und einen kostenlosen Uni-Zugang bieten will.

Unter „Gerechtigkeit“ fällt aber nicht ein ideologischer Kampf gegen Vermögende. Angefangen bei der Erbschaftssteuer – egal, ob die erst ab einer Million Euro greift oder ab zehn Millionen: Das Geld, mit dem der Verstorbene sein Haus oder seine Autos finanziert hat, ist ja (in den meisten Fällen) nicht gestohlen oder (in keinem einzigen Fall) vom Himmel gefallen. Jemand hat dafür hart gearbeitet und für das Verdiente bereits Steuern bezahlt – und nicht zu wenig!

Und gegen die Reichensteuer wurde schon alles gesagt: Geld ist in unserer globalen Welt schnell verschoben oder von klugen Beratern vor der Steuer versteckt. Es gibt einen Grund, warum Großbritannien nach nur zwei Jahren den Spitzensteuersatz heuer wieder von 50 auf 45 Prozent gesenkt hat.


Eine Steuerdiskussion wäre durchaus notwendig, etwa über das Faktum, dass Umweltsteuern nur 5,7 Prozent des Steueraufkommens ausmachen. Ein Unternehmen kann also in Österreich recht günstig Ressourcen verschwenden und die Umwelt verschmutzen, wenn es aber Menschen beschäftigt, wird es dafür mit hohen Steuern bestraft. Das sollte man unter dem Schlagwort „Gerechtigkeit“ diskutieren.

Vielleicht wählen wir doch besser erst im Herbst 2013, und die SPÖ sucht sich bis dahin ein paar ernsthaftere Themen.

 

E-Mails an: norbert.rief@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.08.2012)

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124 Kommentare
 
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Neid vs. Privilegien

Ich denke, es geht nicht um Neid, wie es der Autor interpretiert, sondern schlicht und primär um (nicht mehr zeitgemäße) Privilegien bzw. Steuervorteile für Bauern (mit ihren Uralt-Einheitswerten) und jene Reichen, die teils legale und teils illlegale Steuertricks nutzen, um Steuern zu "sparen".

PS/ Jede Partei bereitet sich auf die nächste Wahl vor, nicht nur die SP, und jede Partei betreibt Klientelpolitik, nicht nur die SP. Und jede Zeitung interpretiert das Geschehen auf ihre eigene Weise, nicht nur die "Krone" ... sondern auch DiePresse.

Antworten Gast: Mai
15.08.2012 14:54
2 0

Re: Neid vs. Privilegien

Als würden nicht fast alle Bausparkassenhäuseln in AT "so" errichtet werden. Am Großteil der Abgaben vorbei.

Je mehr STeuern und Abgaben, desto mehr Tricksereien.

So einfach ist das.

Re: Re: Neid vs. Privilegien

Heißt das jetzt im Umkehrschluss:
Weniger Steuern, weniger Tricksereien?
Keine Steuern, keine Tricksereien?

Neid ist keine polit. Kategorie,
Privilegien (einzelner Gruppen) jedoch schon: von den Bauern bis den ÖBBlern, von den Superreichen, die kaum Steuern zahlen bis zu den Beziehern der Hacklerpension (vorwiegend Beamte).

Also heute haben die

Löwelstrassler wieder Hochkonjunktur beim Schreiben, soviele " Gaststotterer und Her-mit-mit-der-Marie-der-anderen " finden sich normalerweise nicht. Ja, wenn der Wahlk(r)ampf beginnt, muss auch der kleine Baddeisoldat seine Dienste anbieten und in die Schlacht ziehen ......

Gast: Dolfi Teufel
15.08.2012 11:36
7 2

Kommt jetzt zum Grasser-Bashing auch noch das

SWAROVSKY-Bashing, mit dem Ziel, auch noch die Schwiegereltern von KH gegen diesen aufzubringen?

Heute entdeckte ich zufällig im Teletext des bekannt tiefrot eingefärbten ORF die Meldung, das DIE FA SWAROWSKY ZÖGLINGE VON ERZIEHUNGSANSTALTEN 10 STD (!!!!) im Tag für sich schuften habe lassen, um Kristalle zu schleifen.

Zum bösen, bösen, bösen Grasser jetzt auch noch eine böse, böse, böse Fa. Swarowsky!!!!

Davn hätte ein ehem. Zögling dem ORF berichtet!!!

Zufällig weiß ich, was damals wirklich vorging. Die Erziehungsanstalten waren natürlich nicht nur Schlösser, wo die schwer Erziehbaren von livrierten Dienern bedient wurden und in aller Ruhe seinen "Joint" drehen durfte, wie es sich vielleicht ein gestandener Progressiver erträumt hätte. Damals mußten die Jugendlichen zwecks Wiedereingliederung in die Gesellschaft sogar einen Beruf erlernen. Das Produkt ihrer Arbeit wurde (gegen Bezahlung!!!!!) vermarktet. Es gab also richtige Werkstätten, wo die jungen Damen und Herrn auch Leistungen erbringen mußten und nicht nur (wie sich in Wiener Heimen herausstellte) zu Sex für die "Erzieher" der Stadt Wien missbraucht wurden.

Aber daraus kann man natürlich unschwer einen Skandal für die Fa. Swarowsky konstruieren! Die "Negative-Compaigner" sollten also lieber vor ihrer eigenen "Haustüre kehren"!

Antworten Gast: asdfghjp
16.08.2012 21:14
0 0

Compaigner?

Versteh' ich nicht.

Antworten Gast: noch einer
15.08.2012 12:24
2 2

Re: Kommt jetzt zum Grasser-Bashing auch noch das

Nur so nebenbei :
Die größte Zwangsarbeitsindustrie ist in den USA ,
wo 2 millionen Häftlinge( in privaten Gefängnissen) Zwangsarbeit leisten müssen .

Re: Re: Kommt jetzt zum Grasser-Bashing auch noch das

Ich bezweifle, dass in China weniger als zwei Millionen Zwangsarbeit leisten.


Gast: netter gast
15.08.2012 11:31
2 4

Raffgier

Ist der Neid auch für den Untergang
von totalitären ausbeutenden Königstümern
verantwortlich ?

Neid ist das Argument der Raffgierigen

Gast: Gerechtigkeit_Jetzt
15.08.2012 11:19
2 7

Es geht nich um Neid

Jeder soll nach seiner Kraft zur Gemeinschaft beitragen. Leider wird in Österreich der Mittelstand immer mehr ausgesaugt z.B. mitttels kalter Progession. Kein anderes Land in Europa erhebt so weinig Steuern von Grund und Boden, Immobilien und Kapital. Es ist einfach nicht gerecht. Wenn die OEVP das nicht kapiert ist sie dem Untergang geweiht.

Gast: b745
15.08.2012 09:17
0 8

vielleicht kann ja die övp worauf sich dieser neid beziehen soll

auf asoziale wie mateschitz stronach wlaschek und wie sie alle heißen

Re: vielleicht kann ja die övp worauf sich dieser neid beziehen soll

Sie haben Glück: Dummheit ist nicht strafbar!

Re: vielleicht kann ja die övp worauf sich dieser neid beziehen soll

.....und ewig stinkt die löchrige Socke .....

Gast: Peter Hofmueller
15.08.2012 08:56
2 2

"Der Neid" als Wahlkampfthema...

"Alle reden von Steuern,wir zahlen keine"!("Bund der Steuerflüchtlinge und Steuerhinterzieher.)
Aufhebung der Steuerprivilegien der Privatstiftungen!
Besteuerung von Zinserträgen nach der Einkommenssteuer!
Traum & "Wirklichkeit"?

Gast: Neeidteo
15.08.2012 00:07
2 2

Bravo Norbert Rief

Eine scharfsinniger Denker wie Christian Ortner.
Bei Thema Neid verraten sich die Schreiber als rote linke nach Gerechtigkeit und sozialen Wärme Durstenden Gutmenschen. Und das sie in diesem Sinne den Wahlkampf führen ist verständlich.

Ideologie

Die Einführung einer Schenkungs- und Vermögenssteuer hat auch ideologische Gründe.

Vererbt und verschenkt wird in erster Linie innerhalb der Familie, fallweise auch des Freundeskreises, Strukturen, die in erster Linie auf privaten Beziehungen beruhen und den Bolschewisten daher höchst unwillkommen sind, da sie dem Allmachtsanspruch des Staates diametral gegenüber stehen. Der Versuch der Schwächung dieser Strukturen zieht sich wie ein roter Faden durch das Parteiprogramm (siehe auch Ganztagsschulen, Genderwahn, überzogene Antidiskriminierungsgesetze usw).

Gast: Humerus
14.08.2012 21:07
8 2

Komische Definition von Neid

Wenn ich nicht will, daß die Wiener Beamten heut mit 50 in Pension gehen (mit beinahe vollen Bezügen) und ich dann halt mit 75 weil nix mehr da ist außer Schulden, bin ich also ein Neidhammel?

Komische Definition von Neid, komischer Artikel.

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wahlkampfthema ist die gerechtigkeit

und nicht der neid - der neid sitzt dort wo die millionen logieren und nicht dort wo abgabengerechtigkeit gefordert

aber das wissen die schwarzen ja und veteidigen trotzdem die geldsäcke und die armen hascherl von ahnungslosen verteidigen das auch noch....

Antworten Gast: Karl Huber
15.08.2012 08:43
8 0

Re: wahlkampfthema ist die gerechtigkeit

Wir haben Österreich verlassen weil wir GENUG haben von der Roten Schutzgelderpressermafia und dummen Menschen wie Ihnen die wirklich annehmen sie haben das Recht in meinem Geldtascherl um zu rühren.
Glaubens mir. Es kommt der Tag an dem die Nettozahler sagen werden "ES REICHT!!".
Dann werden viele Rot/Grün-Wähler über Nacht überlegen müssen wohers des Papperl fürn nächsten Tag nehmen...
Mit den Linken ist es wie mit allen Religionen/Sekten.
Man muß nicht ein kompletter Depp sein um auf die rein zu fallen aber es hilft ungemein...

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Re: Re: wahlkampfthema ist die gerechtigkeit

Lieber herr huber - danke dafür, dass sie österreich verlassen haben.
es wäre schön wenn alle intelligenzbestien wie sie das land verlassen!


Re: Re: wahlkampfthema ist die gerechtigkeit

Gott sei Dank gibt es so gescheite Menschen wie Sie.

Österreich wird ohne Sie schwer auskommen, aber wir werden es trotzdem versuchen !

Gast: Karl Schlosser
14.08.2012 18:52
6 0

Chancen-Gerechtigkeit verbessern ?

Hat nicht schon "Gusi" (realistischer) Chancen-Gleichheit die dann zu Chancen-Gerechtigkeit führt gefordert ?
Der Neid ist gut, wenn er dazu motiviert sich mehr anzustrengen, weil man die Chance nutzen will auch mehr zu haben.
"Monopole" verhindern den Aufstieg und beuten alle aus, die man nicht hineinlässt und fördern unproduktiven Frust und Neid.
Es geht also um ALLE Privilegien, die "erkämpft" aber nicht erarbeitet wurden, weil man gebraucht wird und nicht ersetzbar ist.
Da spielts aber dann Granada in den Parteien !

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Ernsthaftere Themen...

Wie können Sie annehmen, die SPÖ werde sich ernsthafteren Themen zuwenden, wenn der "Suchende" Faymann heisst.

Gast: 4gi
14.08.2012 15:59
2 0

Was Rief unter NEID versteht, scheint auch mehr zu Parteizwecken geeignet sein, als zur sachlichen Argumentation. Gerechte und gleiche Ordnung auch im Steuerrecht hat nichts mit Neid zu tun.

Kritisieren kann man bei der SPÖ, dass es dies seit Jahrzehnten gibt und sie schon längst dieses Problem hätte lösen können, wenn sie entweder nicht zu machtgeil oder sich durch andere Dinge hätte ablösen lassen, um in die Koalition einzutreten.

Es sind daher bei der SPÖ davon auszugehen, dass es wieder nur Wahlkampgetöse ist, das linke Wähler bei der Stange halten soll, aber nach der Wahl wieder auf dem Koalitionsaltar geopfert wird, um in die Regierung zu kommen.

Nicht nur der RH hat Überzahlungen für VP-Klientel "Bauern" ohne Rechtsgrundlage in gigantischem Ausmaß festgestellt, sondern nicht allein jenes Geld, das man durch Arbeit erhält soll besteuert sein, sondern zuallererst eigentlich jenes, das man ohne Arbeit bekommt!

GERECHTIGKEIT nennt man dies und nicht NEID

Gast: Austrianer
14.08.2012 15:53
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Vorschlag zur Güte

Keine Gelder ans Ausland (div. Mitgliedsbeiträge, Entwicklungshilfe mittels Sachleistungen österreichischer Betriebe)
Keine Gelder an die NGO`s
Beamten und Politikerprivilegien abschaffen
Einheitliches Pensionssystem
Nur eine Krankenkasse
Asylmissbrauch bekämpfen
Sozialleistungen nur für Österreicher und EU-Bürger
Halbierung der Abgeordnetenzahl im Parlament
Halbierung der Politikergehälter (Wie kann es sein, dass Hr. Bundespräsident mehr verdient als
Obama)
Und schon haben wir die Wirtschaft in Ö angekurbelt und Milliarden gespart.
Die Österreicher immer mehr zu besteuern und gleichzeitig dass eingenommen Steuergeld anderen in den Ar..ch zu schieben hat nichts mit sozialer Gerechtigkeit zu tun, im Gegenteil.
Also GenossInnen die Österreicher haben genug davon ausgeplündert zu werden. Und bei anderen Parteien würdet ihr eure Rhetorik als Hetze deffinieren.

Re: Vorschlag zur Güte

es würde schon reichen, wenn Sozialleistungen (auch Gemeindewohnungen u. Billigstmieten) mit dem Einkommen abgegliechen werden. Da würden viele aus dem 'sozialen Netz' herausfallen.

 
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