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Herrn Spindeleggers letztes Aufgebot

RAINER NOWAK (Die Presse)

Wieder überrascht der ÖVP-Obmann mit Personalentscheidungen: Der brave Städter Waldner muss nach Kärnten, Steirer-Profi Lopatka steigt in Wien auf.

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Glück hatte er bisher nicht gerade. Michael Spindelegger kämpft auch mehr als ein Jahr nach seinem Amtsantritt mit massiven Korruptionsvorwürfen gegen einst maßgebliche Mitstreiter und eine ganze Landespartei (Kärnten!). Für notwendige inhaltliche Festlegungen oder Schwerpunktsetzungen blieb kaum Zeit, obwohl die Partei sie gut brauchen könnte. Und wenn der VP-Chef einmal versuchte, mittels neuen Programms mehr direkte Demokratie zu positionieren oder zumindest mit einem witzig-gemeinen Schwarzbuch Rot-Grün, die Innenpolitikgemeinde und die kleinen Formate zu unterhalten, platzte die nächste Beule auf. Kärntens Landesparteichef gestand vor Gericht, Geld genommen zu haben. Und schon ging Michael Spindeleggers ÖVP thematisch wieder unter.

Nur in einem hatte der Mann mit dem bisher geheimen Charisma ein glückliches Händchen: Die meisten Personalentscheidungen waren richtig. Das begann mit der überraschenden Kür des jungen Sebastian Kurz als Staatssekretär für Integration, ging über die Wiener ÖVP, in der der bis dahin völlig unbekannte Landesobmann Manfred Juraczka plötzlich mit 150.000 Unterschriften gegen die Ausweitung des Parkpickerls Rot-Grün eine schwere Niederlage zufügte, und zeigt sich bei Karlheinz Töchterle, der sein Amt mitunter so entspannt anlegt wie seine ausgedehnten Skitouren. Nun schickt der Vizekanzler ausgerechnet den bisher stillen Staatssekretär im Außenamt, Wolfgang Waldner, als Landesrat nach Kärnten. Das ist auf den ersten Blick eine absurde Entscheidung, die Spindelegger beim betroffenen Staatssekretär wohl nur mit roher Gewalt durchsetzen konnte. Immerhin hatte der schon den Wiener ÖVP-Chef brüsk abgelehnt.

Waldner mag gebürtiger Kärntner sein, wohl fühlt er sich eher in Wien-Hietzing oder Manhattan, wo er als Leiter des Österreichischen Kulturinstituts gearbeitet hat, als in den Brauereien Klagenfurts und Villachs oder den FPK-Hochburgen. Auf den zweiten Blick hat die Bestellung Sinn: Waldner ist sauber. Seine größten Vergehen haben bisher höchstens darin bestanden, in Flughafen-VIP-Lounges auf Dienstreisen eingeschlafen zu sein oder als Museumsquartier-Chef Glühbirnen verschwendet zu haben. Und vor allem: Waldner kennt die Lokalpolitik aus seiner Wiener Zeit gut. Als halber Direktor, halber Hausmeister des Areals lernte er Intrigen, Eitelkeiten und Einladungslistenmachtkämpfe kennen. Seither ist er in diesen Kategorien besser, als man es dem unauffälligen Sekretär zutraut.

Die zweite Entscheidung des Mittwochs dürfte aber wohl noch wichtiger für Spindelegger sein. Es gilt als offenes Geheimnis, dass in der Partei, vor allem aber der steirischen Landesgruppe, die Messer gewetzt wurden. In der ÖVP, deren erste politische Leidenschaft die Obmanndebatte ist, wurden zuletzt wieder einmal Stimmen laut, der brav-biedere Vizekanzler und Außenminister könne weder Werner Faymann noch Heinz-Christian Strache besiegen. Dass der Niederösterreicher nun ausgerechnet Reinhold Lopatka holt, beweist, dass ihm die innerparteiliche Machtbalance mittlerweile wichtiger als sein außenpolitischer Ruf ist: Es war Reinhold Lopatka, der seine Ablöse als Finanzstaatssekretär nicht von Spindelegger, sondern aus den Medien erfuhr. Die steirische ÖVP, die Drama-Queen unter den schwarzen Landesparteien, stilisierte dies zum Casus Belli zwischen sich und der Bundespartei. Später wurde Lopatka Europa- und Außenpolitik-Sprecher. Mit dem Staatssekretariat ist die ÖVP-Welt in Ordnung. Dass mit Lopatka jemand ins Außenamt kommt, dessen außenpolitische Expertise trotz seiner letzten Tätigkeit im Parlament eher jener eines Landesrats entspricht, den sein Vorgänger, der bisherige Experte, nun geben muss, ist Treppenwitz und Frechheit zugleich. Die ÖVP wendet zu Recht ein, dass Lopatka ein politischer Vollprofi sei. Dass er intellektuell vor allem seinen Nachfolgern als Parteisekretär überlegen war, darf sie leider nicht sagen.

Spindelegger ist mit der kleinen Rochade der SPÖ zuvorgekommen, die ihrerseits dem Vernehmen nach Claudia Schmied mit Josef Ostermayer austauschen will. Der ÖVP-Chef hat sich eine Atempause verschafft. Mehr nicht. Er sollte sie für programmatische Zuspitzung und persönliches Coaching nützen.

 

E-Mails an: rainer.nowak@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.08.2012)

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32 Kommentare
 
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Gast: lieber andere
25.10.2012 06:33
0 0

Spindelegger - Für mich unwählbar.

Ich weiss immer noch nicht, für was dieser eigentlich wirklich steht.

Die "Werte" der ÖVP stimmen ja nicht mit deren Ausführung in der Realität überein.
So blöd dies nicht zu erkennen, wird wohl (hoffentlich) keiner sein.

Gast: ich bin aus der Partei draussen.
25.10.2012 06:27
0 0

"witzig-gemeines Schwarzbuch Rot-Grün?" - Sachpolitik machen und Problemstellungen bearbeiten wäre mir lieber (gewesen)

Ich brauche kein dummes Farbenspiel-Gegeneinander auf Kosten des Steuerzahlers, um die Bürger gegeneinander zu spalten und diese mit Oberflächlichkeit zu blenden. Das erhaltene Buch hab ich in den Müll geworfen.

Ich weiss nicht, was daran witzig sein soll- aber ich arbeite auch nicht für diePresse und muss deshalb notgedrungen einen besonderen"Humor"an den Tag legen.

Was sind die Problemstellungen des Landes? -
1) unser vorhandenes Geldsystem steht wieder einmal - wie alle paar Jahrzehnte schon technisch bedingt - an - dies ist an der Bankenkrise gut ersichtlich. Vorhandene Spitzenpolitiker fördern Banken, zahlen darf die Masse.
2) Politikdesinteresse über Jahrzehnte durch derartiges Farbspielgegeneinander gefördert. Demokrateiabbau siehe Untersuchungsaussschuss abdrehen durch ÖVP und SPÖ
3) Kommende verstärkte Geldentwertung. Inflation ist ja in diesem Geldsystem, das auf Kredite mit immer neuer notwediger Kreditvergabe basiert, normal. Dank ÖVP-SPÖ- SPÖ-ÖVP und deren Geldsystem- und Schuldenmach-Wegschauen, die Masse Dummhalten, wird diese kommende stärker werden.
4) Arbeitslosigkeit wird steigen. Die Jugend wird auch in Ö- siehe Spanien, Portugal, Gri besonders mehrfach draufzahlen dürfen
5) Mittelstandabbau und größere Einkommensschere, Wohlstandsverteilung dank nur Förderung großer Unternehmungen auf Kosten der Kleinunternehmen, Angestellten und Arbeiter- soziale Probleme durch dieses Aufspalten der Gesellschaft werden sich auf tun.

Danke. Mir reicht die ÖVP.

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aufgebot für spindi???

er ist das letzte.

Bravo weiter so,

die Medien haben Gott sei Dank etwas zu schreiben und da ist es egal, ob der Herr Faymann noch nicht aus dem Schneider ist mit der Inseratenaffäre, aber mit dieser Partei darf man es sich nicht verscherzen, vielleicht bekommt man über eine Hintertüre wieder Geld herein. Über die Affäre Gusenbauer und wie er das angestellt hat, daß er in kürzester Zeit die Schulden von ATS 350 Mio abgetragen hat, ist nie recherchiert und auch nie gesprochen worden. Das nenne ich Pressefreiheit.

Gast: beschwerer
23.08.2012 22:21
0 2

waldner ist eh ein nowakfreunderl

also wird es sicher gutgehen bei den wahnsinnigen dort, hm?

letztes aufgebot??

das klingt nach defregger...sensen und mistgabeln
soweit sind wir nicht herr nowak
ausserdem..lopatka ist eine starke stimme für europa!!

Re: letztes aufgebot??

Na ja, die Lage der ÖVP ist mehr als ernst, und da greift man halt als Journalist gern zu drastischen Ausdrücken, um drastische Schritte wie diese Personalentscheidungen zu kommentieren.

Na, hoffentlich sind es nicht wirklich die letzten Reserven, die hier aufgeboten werden!

Re: Re: letztes aufgebot??

der nowak ist halt ein tiroler bua

Re: Re: Re: letztes aufgebot??

Ja, und die haben es faustdick hinter den Ohren, siehe Andreas Khol ;-)

Re: Re: Re: Re: letztes aufgebot??

der andi ist mein lieber freund und kollege...und ein excellenter verfassungsjurist

wenn wir auch über das MHW recht verschiedener meinung sind

Re: Re: Re: letztes aufgebot??

dear ka_sandra

von 6 posting sind 5 verschwunden
leider
alle in der causa FLE...d.h. ein kleiner blick hinter die kulissen

Re: Re: Re: Re: letztes aufgebot??

Die Wahrheit ist eine Stieftochter der Presse....

Re: Re: Re: Re: Re: letztes aufgebot??

das soll aber jetzt wieder besser werden...so wie früher unter chorherr..unterberger..

Gast: aufgebotehinuher
23.08.2012 16:25
2 1

die spindelegger VP wird wegen ihrer einseitigen sozialabbaupolitik gegen die asvg arbeitnehmer u.asvg pensionen wohl verliren. und der faymann SPÖ als steigbügelhalter zu dienen, ist auch keine leistung


Gast: Dr. Nalysos Dimitrios
23.08.2012 15:22
2 4

solange die ÖVP Unsinn wie den Wehrpflicht-Erhalt mitten in Binnen-Europa betreibt, und das nur wegen "ihrer" Klientel ...

... wird mit der ÖVP nichts mehr werden.

Da muss ein zukunfts-orientiertes Programm her, ohne konservativ-rückständiges Geschwurbel von wegen "Wehrpflicht ist gut für junge Männer" und derartiger Schwachsinn ...

und weil das die Bauern- und Trachtenpartei nicht performen kann, wird sie bei der Wahl 2013 UNTERGEHEN ....

UND DAS IST GUT SO !

Re: solange die ÖVP Unsinn wie den Wehrpflicht-Erhalt mitten in Binnen-Europa betreibt, und das nur wegen "ihrer" Klientel ...

unkenntnis der tatsachen quillt aus ihrem posting
die övp wollte schon immer ein hochqualifiziertes berufsheer, dass sich in die gesamtverteidigung europas einfügt. allerdings ist das wesentlich teurer als die allgemeine wehrpflicht und seit beginn der krise aus eis gelegt.
die tatsache, dass wir angeblich von freunden umzingelt sind enthebt uns nicht unserer pflichten. konflikte und kriege werden im 21 jht. asymmetrisch geführt.geographische nähe verliert an bedeutung.
ceterum...die weitaus weniger begüterten tschechen und ungarn sorgen für ihre militärische unabhängigkeit..das weitaus wohlhabendere österreich will gratis mit fahren?? denn das bedeuted ja wohl ihr terminus "binneneuropa"

Gast: spartacus
23.08.2012 14:41
4 1

Lopatka will "EU-Gegner alt aussehen lassen"

damit wird dieser Herr im Rekordtempo selbst uralt aussehen. Man erinnert sich noch zu gut an die Aussagen der Schottermizzi, daß die EU-Rettungsschirme für Österreich ein gutes Geschäft wären. Die Abgabe der Finanzsouveränität durch den ESM nach Brüssel werden die Wähler der ÖVP auch nicht so schnell vergessen. Im Konnex mit den zahlreichen Korruptionsskandalen, wo Anklagen von der Justitzministerin verhindert werden, ist diese Partei für die meisten Österreicher unwählbar geworden.

Ein Artikel mit Klasse...

...und ein Chefredakteur mit stärkerer Statur als der selbstverliebte Vorgänger.
Respekt.

Re: Ein Artikel mit Klasse...

Du handelst wohl mit Schmiermitteln!

Gast: Meinninger
23.08.2012 12:31
2 0

klartext

..im politischen Klartext heisst das vielmehr--der saubere Waldner hat keine Chance in dieser Partei, und wird in Kärnten verheizt.
die Drama Queen Lopatka ist it allen Wassern gewaschen (kein Zeichen herausragender Intelligenz) und kommt zum Schaden Österreichs auch noch als Belohnung in Aussenamt,..
aber das ist ja seit Spindelegger sowieso aussenpolitisch total isoliert.
(Spiegel-Bericht über die Wendehälse in Österreich)

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welches cheffi ??

der nasenbär kann auch nichts mehr retten. problem ist das die politik verwildert ist. aber nur dir menschen. bei den tieren gäbe es nicht in dieser form. und alles wiederholt sich. und der hundsviehdorfer erinnert mich an den elsner. es kommt nur abschaum danach,

Gerade Chef und

schon lehnt er sich aus dem Fenster raus...
Die Kirche ist anscheinend auf dem "Teufel komm raus" tripp... Ob es gut geht?

Solange die ÖVP ein Faymann-Wahlverein ist kann sie aufbieten was sie will, sie wird verlieren

Nirgendst auf der Welt braucht man eine konservative Partei die nur dazu da ist den Sozis REgierungschef und Regierungsprogramm zu ermöglichen. Das ist ja logisch

Jede andere konservative Partei geht daher in Opposition gewinnt sie nicht die Wahlen und kommt dann halt ein anderes mal dran.

So lange die ÖVP gegen dieses 1 x 1 der Demokratie ankämpft wird sie verlieren - und das ist auch gut so.

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Wenn diese

beiden intelligenten Politiker, beide mit einschlägiger Erfahrung und vor allem - soweit man weiß - sauber, als letztes Aufgebot bezeichnet werden, als was muss man dann einige Regierungsmitglieder/-Chefs (und ich spreche von allen Couleurs) bezeichnen?

Gast: heinz zimper
23.08.2012 09:09
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personalnotstand

lopatka muss wieder ran. als nächstes erleben wir vielleicht noch einen aufstieg von Sobotka, schneeberger oder gabmann in die bundespolitik. um das Gesicht des Erwin P. zu wahren, darf man diese herren nicht rausschmeißen, sondern man muss sie für höhere weihen schweren herzens ziehen lassen.

Michael Spindelegger

Der bisher schlechteste Parteiobmann der ÖVP Geschichte!

 
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