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Obamas Bilanz lässt sich nicht schönreden

Leitartikel von CHRISTIAN ULTSCH (Die Presse)

So sehr sich US-Demokraten bemühen, die Republikaner als herzlose und gierige Provinzdeppen anzuschwärzen: Abgestimmt wird bei der US-Präsidentenwahl über den Zustand der Wirtschaft.

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Wer Barack Obama zuhört, glaubt zwischendurch noch immer, der Mann kann, wenn es wirklich hart auf hart kommt, Weißkopfseeadler vom Himmel und Moby Dick aus dem Meer reden. Auch nach fast vier Jahren im Weißen Haus ist Rhetorik seine größte Stärke. Es war eine schöne Ansprache, die der US-Präsident beim Parteitag der Demokraten in Charlotte hielt, gerade auch in ihren elegischen Demutsgesten („I am mindful of my own failings“). Doch die US-Wahlen am 6. November werden nicht nach ästhetischen Kriterien entschieden.

Die Poesie der Hoffnung mag Obama zu seinem Sieg vor vier Jahren und zu seinem unverdienten Friedensnobelpreis verholfen haben. Inzwischen jedoch zählt die Prosa einer bitteren Realität, die auch der begnadetste Phrasendrechsler nicht schönreden kann: Unmittelbar nach dem Parteitag der Demokraten trudelten die neuen Arbeitsmarktdaten ein. Die Arbeitslosigkeit über acht Prozent; die Quote ging laut Analyse der Obama-freundlichen „New York Times“ nur deshalb leicht zurück, weil hunderttausende Arbeiter aufgegeben haben, nach einem Job zu suchen. Der Effekt der 800-Milliarden-Dollar-Spritze, die der gute Präsident zu Beginn seiner Amtszeit der US-Wirtschaft als Gegengift zur Finanzkrise in die Venen gejagt hat, ist längst verpufft. Die amerikanische Ökonomie ist zwar besser in Fahrt als die europäische, aber bei Weitem nicht so angesprungen, wie es Obamas Team in diversen Budgetplänen erhofft hat.

Deutlich zugelegt haben lediglich die Staatsschulden, und zwar in einem Ausmaß, das bedenklich ist für den Status der Supermacht. Obama hat den Bleifuß am Schuldenpedal: Das wird als sein verhängnisvollstes Vermächtnis in die Geschichte eingehen. Natürlich wäre es unfair, ihm ungebremst die Folgen der Finanzkrise anzulasten, mit denen er seit seinem ersten Amtstag zu kämpfen hatte. Umgekehrt kann sich der 51-jährige Wortmagier nicht der Verantwortung entziehen. Welche Hypotheken auch immer auf den USA lasteten: Sobald Obama das Weiße Haus betrat, gehörte der Laden ihm. Er kann nun nicht mehr, wie noch im Wahlkampf 2008, glaubhaft als Anti-Bush auftreten. Denn sein verhasster Vorgänger, der Vater zweier unglückseliger und kostspieliger Kriege, ist mittlerweile klanglos in der historischen Versenkung verschwunden.

It's still the economy. Es geht bei dieser Wahl um die Bilanz Obamas, also um die Frage, ob es den Amerikanern besser geht als vor vier Jahren. Die zweite entscheidende Frage, die sich die US-Bürger stellen, lautet: Mit wem wird es uns in vier Jahren besser gehen, mit Obama oder Mitt Romney? Die Antwort auf die erste Frage fällt großteils negativ aus, und deshalb wollen die US-Demokraten den Eindruck vermitteln, dass mit einem Republikaner an der Spitze alles noch viel schlimmer gekommen wäre. Das kann man behaupten, aber kaum nachweisen. Nicht wegwischen lassen sich die miserablen Wirtschaftsdaten, die dem Präsidenten wie Mühlsteine um den Hals hängen. Auch da muss man einschränken, dass Obama erstens nicht allein für das Wohlergehen des Landes zuständig ist, zweitens sicher nicht alles falsch gemacht und drittens gerade auch die republikanische Opposition im Kongress so einiges blockiert hat. Aber so what? Im politischen Geschäft gelten andere Regeln als beim Turniertanz.

Die US-Demokraten werden in den kommenden Wochen versuchen, von ihrer Schwäche abzulenken und ihre Gegner anzuschwärzen. Ihre Propaganda-Abteilung wird die Republikaner als herzlose Geldmenschen porträtieren, als rückständige Frauenfeinde, als Provinzdeppen. Man kennt das. Den Ausschlag wird aber letztlich die Wirtschaftsfrage geben, und da hat der Manager Romney keine schlechten Karten, auch wenn er die Ausstrahlung einer 20-Watt-Glühbirne nach einem kleinen Stromausfall hat. Der Bedarf der Amerikaner nach Charisma und schönen Reden ist nach vier Jahren Obama gedeckt.



christian.ultsch@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.09.2012)

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29 Kommentare
 
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presse, austria und die US wählen

wow, also wenn man die Kommentare hier so liest, wird einem klar, dass die US wahlen im presse forum entschieden werden. we solemnly declare the US elections OPEN to the presse forum oder wie auch immer. ha ha....
bitte, bitte Leute: USA: romney, obama, feynman, austria: Spindelegger, HC, faymann. ersteres eine klare Klimax, zweiteres das Gegenteil.

Gast: beschwerer
09.09.2012 19:59
0 0

ultschbub

war einer der ersten, der obama verfallen ist, mei, hat der ihn anfangs hochgejubelt. seither ist er eingegangen.na ja, politikwissenschaftler können eben nur gscheidreden...

Gast: Gast: Leser
09.09.2012 12:03
2 1

Lügner

Obama hat sich ja vor allem in der Außenpolitik als ausgewiesener Lügner präsentiert: Krieg in Afghanistan ausgeweitet, im Irak die Soldaten in "Berater" umbenannt, das Lager Guantanamo (das er ja gleich nach seiner ersten Wahl "sofort" auflösen wollte) gibt es nach wie vor, ebenso den menschenrechtswidrigen "Patriot Act" usw. Allerdings interessiert sich die große Mehrheit der Amerikaner ohnedies nicht dafür bzw. hat auch keine Ahnung davon, sodass ihm diese Dinge wahrscheinlich kaum schaden werden.

Gast: Wasserlaeufer
09.09.2012 11:49
1 1

Wer auch gewaehlt wird

mag kleine Unterschiede hervorheben.

Allen gemeinsam ist aber die Erkenntnis,
dass es so oder so bergab geht.

Die Produktion wurde ins Ausland verlagert
weil niemand fuer 25 Cent den ganzen Tag ,
so wie in Asien, schuften will.

Schon jetzt ueberwiegen prekaere Dienstverhaeltnisse.
Drei Jobs sind nun noetig wofuer frueher
einer genuegte.
Nachdem keiner dieser Jobs, wegen zu
weniger Arbeitsstunden, als Voll-Job
gewertet wird fallen die Arbeitnehmer auch um die
Sozial, Kranken und Rentenversicherung um.
Sie gelten damit als SELF-EMPLOYED.

College degrees sind auch nicht mehr das was sie einmal nach dem II Weltkrieg waren.

Kurz und gut:

Es geht halt frueher oder spaeter bergab mit dem Live-Cycle jeglicher Kultur.

Sumerer, Aegypter, Griechen, Roemer, alle erlitten sie das selbe Schicksal naemlich der Bedeutungslosigkeit anheim zu fallen, weil
nur mehr alienated Sklaven die Arbeit verrichteten.

Nichts ist eben auf Ewig auf dieser Welt;
schon garnicht der Wert bedruckten Papiers auf das die Weltmacht Amerika gegruendet ist.


Gast: Schamott
09.09.2012 11:24
2 1

Die Obama-freundliche NYT

Das Gegengewicht kann dann nur eine Romney-freundliche Presse sein. LOL.

Es geht allen Europaern schlechter!

Waum sollte es den Amerikanern besser gehen, wenn die Weltwirtschaft miteinander verkoppelt sein sollte? Es geht aber den Amerikanern auf jeden Fall besser als den Europaern. D.h. Obama ist erfolgreich! Die Kirche möchte aber Rommney an der Macht haben. Die Presse sieht sich natürlich berufen diesen Steuerhinterzieher zu unterstützen!

Schönrederei auf beiden Seiten

Ja, Obamas Bilanz lässt sich nicht schönreden, das mag wohl zutreffen. Ergeht es nur mir so, dass ich zwischen den Zeilen dieses Artikels lese, dass man andererseits jedoch das Allheilmittel der (radikalen) Wirtschaftsliberalen "Steuersenkung", verbunden mit "Sozialkürzungen" versucht schönzureden, indem darauf hingewiesen wird, dass es letzlich die Wirtschaft sei, über die am 6.11.2012 abgestimmt wird?

Am 6.11.2012 wird nicht über die US-Wirtschaft abgestimmt, sondern die Amerikaner wählen ihren (neuen) Präsidenten; die wirtschftliche Lage wird ein (großes) Thema sein, aber nicht das einzige, das die Amerikaner bewegt.

Obama hat viel versprochen und nur wenig gehalten.
Romney verspricht noch viel mehr. Ob er auch nur einen Bruchteil dessen tatsächlich einlösen kann, wird sich zeigen; ob ihm die Wähler bis zur Wahl dies weiterhin glauben und ihn deshalb auch wählen; ich bezweifle es massiv.

Auch Romney ist bloß ein Schönredner (mit anderen Vorzeichen)!

Gast: Tourist
09.09.2012 01:09
4 4

Presse und Tea Party

nuff said,

"Die Presse"=Tea Party


"Taxed Enough Already"

Gutes Programm.

die hunde kläffen

und die Karawane ziehr weiter. Das ist natürlich zum Glück völlig unerheblich, ob ein Kläffer wie C.U. Präsident Obama ans Bein pinkelt. Aber über US Politik und die Kandidaten könnte man in zwei Leitartikeln innerhalb kürzester Zeit schon differenzierter und interessanter schreiben. Aber die Presse stürzt sich jetzt offenbar ins schwarze Loch (so wie sich der standard schon längst ins rot-grüne gestürzt hat und darin verkommt).

Gast: Bête noire
08.09.2012 22:34
5 8

Ahnungslos

Dies ist ein Kommentar von seltener Ahungslosigkeit, Uniformiertheit und Borniertheit; über die stilistische Dürftigkeit wollen wir an dieser Stelle großherzig hinwesehen. Um mit dem Herrn Verfasser zu sprechen: "Man kennt das." Vielleicht sollte dieser Herr Ultsch sich ein journalistische Domäne suchen, von der er etwas versteht (wird vermutlich aber schwer zu finden sein).

Ach, wär das schön, wenn der Schaumschläger abgewählt würde!

Mitsamt seiner groß.......en Tussi.

Re: Ach, wär das schön, wenn der Schaumschläger abgewählt würde!

Und, was ist an dem "Schaumschläger" Romney besser?
Der rührt bereits fleißig an seinem Cocktail aus Sozialkürzungen und Steuersenkungen damit es den (oberen Drittel) Amerikanern wieder besser geht, der Rest interessiert ihn nur wenig bis kaum.

Re: Re: Ach, wär das schön, wenn der Schaumschläger abgewählt würde!

Empfehlenswert: Mark Steyn, "After America".

Antworten Gast: b745
08.09.2012 22:06
2 5

Re: Ach, wär das schön, wenn der Schaumschläger abgewählt würde!

neidisch weil selber versagerin?

Si tacuisses

Manche Kommentare sagen sehr viel über ihre Urheber aus.

Re: Si tacuisses

Quod erat demonstrandum.

Ja, Ihre Aussage ist völlig zutreffend.
Was Sie uns mit Ihrer Replik eben ganz klar und deutlich bewiesen haben.

Re: Re: Si tacuisses

Das gilt für uns alle, Sie haben recht.

Re: Re: Re: Si tacuisses

Okey-dokey!

Gast: b745
08.09.2012 18:37
6 13

abgestimm wird darüber ob ein neoliberaler faschist oder ein mensch gewählt wird


Re: abgestimm wird darüber ob ein neoliberaler faschist oder ein mensch gewählt wird

....und ewig stinkt die löchrige rote Socke ......

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Re: Re: abgestimm wird darüber ob ein neoliberaler faschist oder ein mensch gewählt wird

Bitte fügen sie in Zukunft "die, löchrige, vergessliche rote Socke" hinzu. Jahrzehnte linksfaschistischer Versklavung scheinen diesen Kommentatoren aus den Gehirnlappen gerutscht zu sein...

Re: abgestimm wird darüber ob ein neoliberaler faschist oder ein mensch gewählt wird

....und ewig stinkt die löchrige rote Socke ......

Re: Re: abgestimm wird darüber ob ein neoliberaler faschist oder ein mensch gewählt wird

und noch mal, weils so schön war! sie wissen echt mit worten umzugehen, das muss ihnen der neid lassen!

Was die gar nicht herzlosen und überhaupt nicht frauenfeindlichen republikaner so von sich geben

http://www.washingtonpost.com/blogs/the-fix/wp/2012/08/19/todd-akin-gop-senate-candidate-legitimate-rape-rarely-causes-pregnancy/

 
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