18.05.2013 18:40 Merkliste 0

Werner Faymann kann das alles egal sein

RAINER NOWAK (Die Presse)

Der Kanzler wird von der Staatsanwaltschaft verdächtigt, in der Inseratenaffäre nicht die Wahrheit gesagt zu haben. In Österreich schadet ihm das offenbar nicht.

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Werner Faymann in einem langen TV-Interview war und ist eine Sensation per se. Nicht, weil Armin Wolf die Fragen stellt, auch nicht, weil der Kanzler im schummrigen Hotel Altmannsdorf mehr oder weniger freiwillig kleine Einblicke in seine Biografie zuließ, sondern, weil der Kanzler auftreten musste. Denn der regierende SPÖ-Chef verweigert sich gern kritischen Journalistenfragen. Seine politische Kommunikation besteht seit jeher mehr in Kaffee-und-Gugelhupf-Storys wie jene in seiner „Krone“, denn in unberechenbaren Interviewsituationen wie in der ORF-Sendung „Report“ oder etwa in einem „Presse“- Interview. Anfragen dafür landen seit Jahren in endlosen Warteschleifen. (Wie fadenscheinig gestern, Montag, von der SPÖ verhindert wurde, dass Faymann unter den gleichen Bedingungen wie die anderen Parteichefs befragt werde, nämlich untertags in Form einer Aufzeichnung, belegt die Taktik. Er sei im Ausland, hieß es. War er gar nicht, stellte sich aber heraus.)

Das mag menschlich verständlich sein, offenbart aber das problematische Medien- und wohl auch Demokratieverständnis Faymanns. Der Mann war nicht immer so zurückhaltend: Sein politischer Aufstieg ist ganz eng mit seiner Medienpräsenz verknüpft. Über Jahre spielte er fast täglich – natürlich begleitet von Fotos, für die er sein heute charakteristisches Lächeln üben konnte – das Testimonial in eigener Sache. Egal, ob die Grundsteinlegung für einen neuen Gemeindebau oder Spatenstiche für neue Viertel der Stadterweiterung: Nicht einmal Erwin Prölls Kreisverkehrfeiern erreichten eine solche Frequenz.

Der ehemalige Wohnbaustadtrat übernahm sein persönliches PR-Erfolgsrezept in die Bundesregierung, es führte indirekt in die Inseratenaffäre. Fest steht, dass der damalige Infrastrukturminister Faymann, heute Bundeskanzler, und sein damaliger Bürochef Josef Ostermayer, heute Staatssekretär im Bundeskanzleramt, staatsnahe Unternehmen trotz fehlender Konkurrenz auf dem Markt dazu tatkräftig ermuntert haben, in befreundeten, mehr oder weniger auflagestarken Boulevardmedien zu inserieren. Wie sehr er die von ihm abhängigen Manager bearbeiten oder überzeugen musste und ob dies Schaden in diesen Unternehmungen angerichtet hatte, versuchte die Staatsanwaltschaft – in zwei Anläufen – zusammenzutragen. Wörtlich heißt es in einem im „Profil“ veröffentlichten Bericht der Staatsanwaltschaft Wien, dass Werner Faymann in einer Einvernahme eine „Schutzbehauptung“ aufgestellt habe. Also definitiv nicht die volle Wahrheit gesagt zu haben. Das wäre in einer benachbarten Demokratie wie der Schweiz oder in Deutschland kaum denkbar. Vor allem aber: In Österreich scheint Faymanns Verhalten ohne Konsequenzen zu bleiben.

Denn der Mann muss trotz zahlreicher offener Fragen über seine politische Verantwortung für die Inseratenvergabe nicht vor den U-Ausschuss. Der wurde zwar von den Grünen zuletzt in eine „unguided missile“ verwandelt, aber insgesamt hat er gute Aufklärungsarbeit geleistet. Dabei hatte Faymann noch vor Kurzem am Rande des Fotoausflugs mit seiner Koalitionspartnerin in spe, aber ohne gemeinsame Mehrheit, Eva Glawischnig, gemeint: Er stehe als Auskunftsperson immer zur Verfügung. Und: „Das gehört dazu, man muss Rede und Antwort stehen.“ Das klingt aus heutiger Sicht so höhnisch, dass davon auszugehen ist, dass er vom Einlenken der ÖVP gewusst haben muss. Warum die Volkspartei umgefallen ist, bleibt ein gut gehütetes Geheimnis. Die Gefahr neuer Inseratenenthüllungen aus dem großen PR-Reich von „Lebensminister“ Nikolaus Berlakovich könnte geholfen haben – die ÖVP steht ohnehin schon seit Monaten am Pranger.

Interessanterweise passen jüngste Aussagen Spindeleggers nicht zu dieser koalitionären Deckung: Wenn Anklage gegen Faymann erhoben werde, müsse dieser gehen, posaunte der ÖVP-Chef. Fantasielos sowie inhaltsleer sei er, der Kanzler, so sein Vizekanzler sinngemäß. Ersteres wird vermutlich nicht passieren, der andere Vorwurf ist Faymann egal, das weiß er ja.  Vielleicht war es nur die Frustration Spindeleggers: Er weiß, dass Faymann als Kanzler moralisch nun kaum tragbar ist. Aber Spindelegger weiß auch, dass Faymann im Gegensatz zu ihm, dem ÖVP-Chef, aller Voraussicht nach wieder Kanzler werden wird.

E-Mails an: rainer.nowak@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.09.2012)

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55 Kommentare
 
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Und jetzt muß auch schon der ORF in den faymannfreundlichen Zeitungen inserieren...

....damit das Sommergespräch mit dem lächerlichen Bundeskanzlerimitator eine möglichst hohe Einschaltquote erreicht!!!

Gast: gasteiny
11.09.2012 13:55
10 2

Lügner!

Wie nennt man jemanden, der bewusst die Unwahrheit sagt?

Man nennt ihn einen Lügner!

Er soll sich vom Acker machen, dieser Lügner! Er soll endlich verschwinden!

10 1

Faymann lügt, was sagt unser HBP Fischer dazu?

Übersetzung aus dem Juristischen:
Schutzbehauptung = Lüge
Faymann hat also vor Gericht gelogen. Wo ist eigentlich unser Moralapostel, der HBP Fischer?

Re: Faymann lügt, was sagt unser HBP Fischer dazu?

auf dem Haus mit dem Herzchen!

Re: Faymann lügt, was sagt unser HBP Fischer dazu?

im kleinbüro namens OO

ohne faymann in schutz nehmen zu wollen, ...

... aber die staatsanwaltschaft ist nicht das gericht und faymann ist als beschuldigter nicht verpflichtet, gegen sich selbst auszusagen. auch vor gericht muss sich niemand selbst beschuldigen. die beweiswürdigung obliegt dann dem gericht.

nur der zeuge steht unter wahrheitspflicht, kann sich aber der aussage entschlagen, wenn er sich damit selbst belasten würde.

uhbp hat also recht, wenn er sich dazu nicht äußert.

3 1

Re: ohne faymann in schutz nehmen zu wollen, ...

Das heißt im Klartext: Es ist das Recht des Beschuldigten sich mit Lügen zu verteidigen. Nur blöd, dass Caps Äußerung, wonach der BK immer und stets die reine Wahrheit spricht, so gar nicht dazu passt.

ja das heisst es vor dem ...

... staatsanwalt und im rechtlichen sinn.

davon zu unterscheiden ist jedoch die moralisch-politische verantwortung. aber die gibt es in österreich ohnehin nicht - ganz egal, was passiert. und was der cap sagt, da möge sich jeder seinen teil denken.

Gast: karrenschieber
11.09.2012 11:39
2 3

nicht zu fassen, der entdeckt

völlig unerwartet die Moral, aber, nach christlicher
Weise natürlich für die anderen. So ein Geschwulbel.

Gast: lincoln3
11.09.2012 11:37
10 1

Bitte um Aufklärung...

...in allen Zeitungen wird zwar berichtet, dass insb. ÖVP und SPÖ den Ausschuss absichtlich blockieren. In Nebensätzen (Presse, Kurier) wird von den Kommentatoren aber immer wieder Frau Mosers "ungeschicktes" Verhalten erwähnt. Kann mir jemand sagen was sie falsch gemacht hat?


Antworten Gast: Alien (Dauerzensuriert)
11.09.2012 14:35
4 1

Re: Bitte um Aufklärung...

Sie hat die Frechheit gehabt, den Regierungsparteien zu wiedersprechen.
Das ist eine Handlung gegen den ausdrücklichen Wählerwillen und daher in Österreich nicht erlaubt. (Sarkasmus Ende)

Re: Bitte um Aufklärung...

spontane seitenhiebe auf die grünen werden sich wahrscheinlich häufen. das hat mit den zerfallserscheinungen eines politischen lagers zu tun, das bis vor kurzem noch relativ intakt war. man sieht ja, wie hier verkrampft versucht wird, neue denkschienen für eine bürgerliche grundhaltung zu verlegen...

Gast: bz125
11.09.2012 11:12
4 0

Faymann wird wieder gewählt ?

Was macht sie da eigentlich soo sicher ?

Re: Faymann wird wieder gewählt ?

vielleicht rechnet der artikelschreiber mit der fast grenzenlosen indoktrinierten dummheit des "stimmviehs", welches halt immer wählt wie es gewählt hat , und manche davon seit generationen.

Antworten Antworten Gast: Vogel Strauss
11.09.2012 19:17
2 0

Re: Re: Faymann wird wieder gewählt ?

Schätze mal, da liegt er nicht so verkehrt ... der Masse ist einfach alles wurscht. Erst wenn es keine Mindestsicherung mehr gibt, werden die aktiv werden!

Gast: TomDooley
11.09.2012 11:06
2 2

Was ist denn mit der Presse passiert?

ich bin ganz von den Socken!
Ein erster Anflug von Courage?!

4 5

Heuchelei

Und ab Morgen bitte die Presse inseratenfrei. Mal sehen wie lange das gutgehen würde, lebt sie doch wie alle anderen Medien von Inseraten und Werbung

Gast: Lenz N
11.09.2012 10:16
18 0

Gott bewahre uns

Vor einem neuerlich gewählten Faymann als Kanzler!

Re: Gott hat sich schon lange von Österreich abgewandt!

Der SPÖVP-Filz widert ihn an!

Re: Re: Gott hat sich schon lange von Österreich abgewandt!

woher wissen sie das??

Gast: Unverstaendnis...
11.09.2012 08:46
11 1

Warum die Volkspartei umgefallen ist, bleibt ein gut gehütetes Geheimnis.

Und warum sind Blau und Orange umgefallen? Jetzt, wo sie endlich auf die Regierungsparteien losgehen könnten, lassen sie die Grünen alleine stehen und stellen sich hinter Faymann.....

Gast: UKW
11.09.2012 08:04
6 0

Ich glaube Spindi ist nicht mal in der Lage zu erkennen, dass er selbst gegen einen Typen wie Faymann chancenlos ist.


Re: Ich glaube Spindi ist nicht mal in der Lage zu erkennen, dass er selbst gegen einen Typen wie Faymann chancenlos ist.

Der Spindi selbst weiß das ganz genau selber! Aber sein "Mentor" Pröll will ja gar keinen schwarzen Bundeskanzler, denn zunächst will er weiter von Pröllistan aus die ÖVP regieren und dann will er doch noch Bundespräsident werden, was auch höchstens gegen einen Faymann als BK klappen könnte....

"Er weiß, dass Faymann als Kanzler moralisch nun kaum tragbar ist"

obwohl ich es begrüße, dass faymann für die angelegenheit viele mediale watschen kassiert, so könnte die große empörung etwas nach verlogenheit riechen... denn darf jemand, der kanzler werden will, die ungeschriebenen spielregeln des vorauseilenden gehorsams ignorieren? ich glaube nicht.

die hand die einen füttert, beißt man nicht. bzw. wenn du mich nicht fütterst, dann beiß ich dich! (je nachdem, wer grad am stärkeren ast sitzt).

ist mir anderswo aufgefallen: da wird monatelang intensiv bundesbahn-bashing betrieben. und von einem tag auf den anderen...

ZIB24

Alexandra Föderl-Schmid, und dem „Presse“-Chefredakteur Rainer Nowak ...

http://orf.at/stories/2140267/

Warum sagen Sie denn nichts, Herr Nowak?

Wieso sollte der faymann, oder irgendein politiker links der mitte diesem blatt ein interview geben?


Das ist doch verschwendete zeit. Wieso sich von marktreligiösen schnöseln ankläffen zu lassen, was für ein böser sozialist man ist, wenn man möchte, dass millionäre steuern bezahlen? Wieso soll man sich den tag vermiesen lassen für ein als interview getarntes selbstbestätigungsritual von fpövp-sympathisanten, das noch dazu jenseits der döblinger und hietzinger villengegend eh niemand liest?

 
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