24.05.2013 23:57 Merkliste 0

Mit Europa ist kein Staat zu machen

FRANZ SCHELLHORN (Die Presse)

Die vergangenen sieben Tage haben das Zeug, in die Geschichtsbücher einzugehen. Die Politik hat nämlich zwei zentrale Weichenstellungen vorgenommen.

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Der deutsche Verfassungsrechtler Gunnar Beck wird sich wohl einmal kräftig auf die eigenen Schultern geklopft haben. Herr Beck sagte den am gestrigen Mittwoch gefällten Entscheid der deutschen Höchstrichter über den permanenten Rettungsschirm „ESM“ nämlich punktgenau voraus: „Wenn das Gericht den ESM-Vertrag tatsächlich kippen sollte, würde es damit die bislang größte Eurokrise heraufbeschwören. Ich bin mir sicher, dass die Richter den Vertrag nicht fundamental angreifen werden, obwohl er völlig rechtswidrig ist! Es wird allenfalls Vorschläge für kleinere Korrekturen geben.“

Und so kam es dann auch: Deutschland „darf“ für die Schulden anderer Eurostaaten haften, allerdings nicht unter Umgehung des Bundestages.

Nun könnte man freilich einwenden, dass es keine hellseherischen Fähigkeiten brauchte, um zu dieser Einschätzung zu kommen. Erstens standen nur zwei Wege offen, zweitens erwartete so gut wie niemand, dass die Karlsruher Verfassungsrichter den Eurorettern ins Handwerk pfuschen würden.

Nicht schwer zu erkennen ist freilich auch, dass sich in den vergangenen sieben Tagen Dinge zugetragen haben, die das Leben der Europäer nachhaltig verändern werden. Da hätten wir einmal den Beschluss der Europäischen Zentralbank (EZB) vom vergangenen Donnerstag, künftig „unbegrenzt“ Schulden notleidender Eurostaaten aufzukaufen. Damit hat die EZB klargestellt, alles zu tun, um ein Auseinanderbrechen der Gemeinschaftswährung zu verhindern.

Womit die europäische Geldpolitik völlig neu ausgerichtet wurde. Oberstes Ziel ist nicht mehr der Erhalt des Geldwertes, sondern die Finanzierung klammer Euroländer. Das mag tatsächlich die einzig wirksame Strategie sein, um den Zerfall der Eurozone zu verhindern, ändert aber nichts daran, dass der eingeschlagene Weg brandgefährlich ist. Die alles entscheidende Frage ist nämlich nicht, wer für die Hilfsgelder haftet, sondern warum auch nur ein einziger Staat seinen Haushalt in Ordnung halten (oder bringen) soll, wenn die benötigten Mittel ohnehin aus dem Bankomaten der Notenbank kommen.

Zwar wird der Ankauf von Staatsschulden der EZB an die Erfüllung von Auflagen geknüpft, den Regierungen in den Krisenländern ist aber bestimmt schon aufgefallen, dass sie auch dann gerettet werden, wenn sie auf die versprochenen Reformen pfeifen. Europa ist längst erpressbar geworden, allein die Aussicht auf einen Zerfall der Eurozone öffnet heutzutage alle Tresore.

Nicht zuletzt deshalb sind mit den jüngst gefällten Entscheidungen auch unweigerlich die Weichen in Richtung „Vereinigte Staaten von Europa“ gestellt. Die souveränen Mitgliedstaaten werden weite Teile ihrer Macht an einen übergeordneten „Superstaat“ delegieren müssen. Argumentiert wird die Notwendigkeit der Abgabe nationaler Souveränität bezeichnenderweise mit der budgetären Not der Eurostaaten: Werden deren Finanzen künftig nicht von übergeordneter Stelle gesteuert, könnte die Rettungspolitik vollends zum Fass ohne Boden werden. Die selbst ernannten Verfechter eines „starken Europa“ nutzen also die nicht zuletzt von ihnen zu verantwortende Staatsschuldenkrise dazu, ihren Zentralisierungsneigungen ungeniert freien Lauf zu lassen. Das hat was.


Und dennoch wird dieser europäische „Superstaat“ kommen. Statt alle Energie dafür aufzuwenden, ihn zu bekämpfen, wäre es wohl besser, ihn zu gestalten. Um zu verhindern, dass am Ende eine europäische Planwirtschaft steht, die für ihre Bürger lenkt und denkt. Dem Traum eines gleichgeschalteten Europa, das allen Mitgliedsländern einheitliche Steuersätze und Sozialstandards vorschreibt, sollte deshalb schleunigst das Modell Schweiz entgegengesetzt werden. Ein übergeordnetes Staatsgebilde, das eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik verfolgt und ihren Regionen Ausgaben- und Schuldenbremsen vorschreibt, ihnen aber weitgehende Steuerautonomie gewährt und sie selbst entscheiden lässt, welchen Sozialstaat und welche Bildungspolitik sie haben wollen.

Gerade weil man kein Prophet sein muss, um zu sehen, dass das nicht jene „Vereinigten Staaten von Europa“ sind, auf die wir derzeit zusteuern.

 

E-Mails an: franz.schellhorn@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.09.2012)

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51 Kommentare
 
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schwach - wogegen man ist, sollte man kaempfen,

nicht 'gestalten' wollen weils 'eh nichts nuetzt'... wie denn auch? 'das schweizer modell entgegenhalten' wird gegen die unermuedlich zentralistischen machenschaften aus bruessel nichts helfen, das ist doch nur eine phrase, und steuersouveraenitaet hat sich schon beim ersten bailout irlands vertschuesst (kein geld ohne sparbudget) und es wird bei anderen bailoutees nicht anders sein, und die zahlnationen werden ebenso ihr budget dem zahlaufwand entsprechend gestalten muessen. souveraenitaet in bildungspolitik ist mit dem bachelor/masters de facto floeten gegangen.
nein, die macht bruessels muss zertruemmert werden zugunsten freiwilliger vereinbarungen zwischen freien voelkern. Dass der superstaat kommt, da hat er natuerlich recht, denn bureaukratie ist ein macht- und kontrollwuetiger wucherkrebs.

Was hat die Währungsunion gebracht?

35% Einkommnsverlust für die unteren, 25% für die mittleren, 10% für die obersten Schichten!
Die "gefühlte" Inflation (Wochenwarenkorb) beträgt jetzt über 7%.
Der Goldpreis ist um 10% per anno (!) gestigen.
Gegen Hartwährungen wie Australdollar, Yen (!), Schweizer Franken hat der Euro zwischen 30-60% seit der Krise 2007 verloren.
Von den 10 Ländern der EU ohne Euro haben die meisten die Krise besser bewältigt als jene in der Eurozone.
Die Nachteile der Europäischen Währungsunion (EWU) – stagnierendes Wachstum, erhöhte Arbeitslosigkeit, Ungleichgewichte, Strukturschwächen, Blasenbildungen, übermäßige Staatsverschuldung, Sparzwang, nicht funktionierende „Stabilitätsmechanismen“, löchrige Rettungsschirme, Staatsschuldenfinanzierung durch die EZB, unverhältnismäßige Kreditausweitung, Inflationsgefahren, Bankenpleiten durch uneinbringlich gewordene Kredite – sind inzwischen so offensichtlich geworden, dass die Rede vom „Profit“ der gemeinsamen Währung nur noch auf Unglauben und Protest stößt. Dem Urteil des Präsidenten der Tschechischen Republik, Vaclav Klaus, international anerkannter Nationalökonom, Währungs- und Finanzfachmann, „the Euro-Zone has failed“ , wird heute kaum noch widersprochen. "Europa braucht den Euro nicht", er spaltet Europa! (Thilo Sarrazin).
De Euro ist gescheitert, auf de ganzen Linie!

Falsche Prämisse, falsche Schlussfolgerungen

dass die hoch verschuldeten Staaten I, E, P, Irl. sich um die Konsolidierung drücken, weil die EZB den Geldhahn geöffnet hat, kann ich nicht erkennen. Diese Aussage scheint mir von unsachlichen Ressentiments motiviert zu sein.

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wenn alle europäischen staaten

vollkommene steuerautonomie haben,kommt es auch zu einem steuerwettbewerb.das mindeste was es geben müßte wären untergrenzen.

Sorry Mr. Schellhorn - FAIL!

Das Europa, auf das wir uns zu bewegen, bedeutet den totalen Finanzfaschismus. Und den wollen Sie gestalten? Viel Vergügen!

Wenn ich vor die Wahl gestellt werde entweder mit Sicherheit den Rest meiner Existenz als Zinssklave fristen zu müssen, oder eine kleine Restchance auf ein gerechteres System zu wahren, indem ich den Kampf gegen den Finanzfaschismus aufnehme, egal wie mühsam und zermürbend er sein mag, dann muss ich jedenfalls nicht lange darüber nachdenken wofür ich mich entscheide!

JA zu einem Europa der friedlichen Nationien, der Vielfalt, und der Freunschaft!

TOT der EU und den Schuldgeld-Verleihern!

Antworten Gast: machmuss verschiebnix
15.09.2012 09:36
0 0

Sorry - werter "Systemsclave",


wenn Sie in diesem Zusammenhang den Begriff Faschismus verwenden, dann
outen Sie sich als einer, der den Unterschied zwischen Faschismus und
Mafia nicht kennt: der Faschismus verfolgt eine sektierermäßig starre
Linie (typisch für den Sozialismus alter Schule), während die Mafia für
jede beliebige Gangart zu haben ist, wenn's nur was abwirft.

Es gibt natürlich Spielarten dazwischen - die Polit-Mafia bringt teils
althergebrachte Ideologie-Reste mit ein, die Finanz-Mafia hat Dogmen von
Keynes im Gepäck, aber für ALLE gilt der legendäre Ausspruch: "bevor ich
denen mein Geld anvertraue, da laß ich noch eher meinen Hund auf die
Wurst aufpassen" .

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Sehr schoen geschrieben aber

Dass es ein gemeinsames Europa ohnehin nur mit Diktatur geben wird, wusste mann. Jetzt also mit den Parolen zu beginnen. Wo waren denn die Ratgeber 1995 vor der Abstimmung?

Gast: b745
13.09.2012 16:47
0 9

das ganze neoliberale gejammer hat nichts genutzt

die schellhorns dieser welt sind geschichte und glauben immer noch sie werden uns weiter ausbeuten können

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ich teile Ihre einschätzung,

die zentralisierung schreitet voran.

meine meinung eindeutig ist: niemals.

Gast: Zweifel tut not
13.09.2012 14:08
0 2

Eine Frage:

Ist unsere Bildungspolitik denn so toll und gut daß wir sie unbedingt beibehalten wollen?
Selbst angesichts der Tatsache daß wir damit so ziemlich allein dastehen.

Soviele alte Denkmuster - dabei ahnen wir es doch alle ohnehin schon...

Der Wirtschaft geht es sehr gut, und bei einer gut geführten Firma qualifizierte und wertvolle Arbeit machen ist total zukunftssicher. Ob ich Euros, Yen, Dollar verdiene oder vielleicht irgendwann in Samsung-Won, Apple-Aktien oder Intel-Chips bezahlt werde ist doch egal.

Blöd ist es nur für die Beamten, die Pensionisten, die ersetzbaren Ungelernten und die Arbeitslosen. Und auf der anderen Seite die kleinen Sparer und die Banken, die auf Staatsanleihen sitzen. Die hängen an den schlecht geführten Staaten, und damit weiterhin am Euro und an der Schuldenkrise.

Die haben eben Pech gehabt, werden wieder bei Null anfangen müssen und die Politker dafür in einer kleinen Revolution guillotinieren. Und dann geht das Leben weiter...

2 0

Re: Soviele alte Denkmuster - dabei ahnen wir es doch alle ohnehin schon...

alte denkmuster?
wie geschichts- und heimatlos kann man eigentlich sein ... das ist ja unfassbar. geld über alles, hm?

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Auch politisch brandgefährlich

Brandgefährlich, wie Sie richtig schreiben. Aber nicht nur wirtschaftlich sondern auch politisch brandgefährlich. Denn es wird gerade ein Umverteilungs-Gebilde geschaffen, das nicht nur klar gegen die Maastricht-Verträge verstößt, sondern mit seiner Enteignungsfunktion auch den Interessen eines Großteil der europäischen Bürger schadet. Das birgt Sprengstoff.

Das Projekt Europa in der Realität...


....hat uns nicht nähergebracht, sondern alte Vorurteile geschürt...

....hat das Fundament der Rechts-und Vertragssicherheit verlassen....

...hat einen Moloch von Bürokratie und Regelungswut über uns ausgeschüttet

...und hat eine nicht demokratisch legitimierte Führungskaste geschaffen.

Wenn jetzt Hr. Schellhorn meint, wir sollten mehr gestalten, als zu opponieren, ignoriert er die Realität...

....in dieser EU ist die Mitgestaltung absolut unerwünscht!!!


Gast: Fleming
13.09.2012 10:54
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..obsolet..

was Schellhorn hier in einem hochsubventionierten Printmedium an einige Leser adressiert,...
diese Art von Zauderhaftigkeit und Opportunismus ist nicht mehr gefragt,. es sind nun auch in Europa einige mutige Menschen mit Weitblick und Verantwortung am Zug,..
Österreicher gehören da nicht dazu,.. wie immer in der neueren Geschichte, wenns mal wirklich brenzelig wurde,..aber keine Angst, profitieren und partizipieren wird der typische Österreicher auch weiterhin,..auch Herr Schellhorn,..

Re: ..obsolet..

Verantwortung? Sie meinen gar die Gepflogenheit, Ihre Kinder zur Aufrechterhaltung Ihres eigenen Lebensstandards zu verschulden?
Schulden sind nicht Wohlstand (Haben), sondern Abhängigkeit (Soll).
Opportunisten sind genau jene, die nach mehr Geld schreien, weil sich´s wiedermal nicht ausgeht. Egal, wer dafür zahlen muss.

Alle die in einer EUdSSR in Armut und Knechtschaft ihr trauriges Pensionisten-Leben abstottern wollen wird es so kommen

Die Jungen die etwas aus ihrem Leben machen wollen werden dieses Euro-Gebilde verlassen.

(Das wird eine Neuauflage der UdSSR, weil die Europäer eben immer noch in Sozialismus glauben)

Europäische Regierung

vorerst nein danke. Die Schweiz und die USA sind gute Beispiele warum es in Europa so noch nicht funktioniert. Ein Amerikaner ist zuerst Amerikaner und dann erst Texaner oder Kalifornier, Ein Schweizer ist zuerst Schweizer und dann erst Berner oder Appenzeller. Ein Franzose ist zuerst Franzose, ein Spanier zuerst Spanier usw und dann erst Europäer. Beispiele gefällig: Rajoy findet es für Spanien erniedrigend Bedingungen des ESM für Finanzhilfen zu akzeptieren, Sarkozy hat im libyschen Bürgerkrieg die vielbeschworene, ineffiziente und teure gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik verlassen und im Alleingang das militärische Eingreifen entschieden aber sehr bald wegen Überforderung Frankreichs die Nato ins Boot geholt. Wie wird eine Europäische Regierung gebildet die nicht nicht länderspezifische Interessen vertritt sondern europäische Lösungen verfolgt. Aus den Erfahrungen der letzten Jahre ist eine solche Regierung nur schwer vorstellbar.

Antworten Gast: Gast: Leser
13.09.2012 12:19
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Re: Europäische Regierung

In Österreich stimmt das allerdings schon nicht mehr: sie sind zuerst Tiroler, Kärntner, Vorarlberger usw. und dann erst Österreicher. Nicht alle, aber umso mehr, je weiter man nach Westen geht.
Und auch nicht die Italiener (Nord-Süd-Konflikt), Spanier (gerade jetzt will Katalonien nicht mehr für die anderen Regionen zahlen) usw.

Re: Europäische Regierung

@Rudolf Wirthig: Stimme Ihnen zu, doch einen Vorbehalt hätte ich schon und zwar was die Schweizer betrifft. Aus meiner "schweizer Zeit" weiß ich, dass die Eidgenossen in erster Linie Zürcher oder Luzerner sind und erst dann Schweizer. Herrn Schellhorns These, schweizer Verhältnisse in der EU "einzuführen" finde ich richtig. Auch in den (hoffentlich nicht so bald kommenden) "Vereinigten Staaten von Europa" sollten wir jedoch nicht vergessen Österreicher zu sein und auch zu bleiben. Doch das will uns ja dieser Herr Barroso abgewöhnen in seinem Größenwahn und mit seinen Sprechblasen. Ob es wirklich zu den "Vereinigten Staaten von Europa" kommen wird, ist sowieso eher zweifelhaft, da die einzelnen Völker dieser Länder zu verschieden sind. "Gegensätze ziehen sich an"? Nein wenn es um die Europäer geht. "Gleich und gleich gesinnt sich gern"? Auch nein, denn kein europäischer Staat gleicht dem anderen. Und hier noch ein interessanter Artikel zu EZB und ESM:http://www.welt.de/politik/deutschland/article109184229/Es-gibt-faktisch-keine-finanzielle-Grenze-mehr.html

Re: Europäische Regierung

Ich stimme Ihnen zu. Es wird wiederholt argumentiert, dass sich Europa - um im Konzert der Weltpolitik und globalen Ökonomie eine bedeutende Rolle spielen zu können - vereinen, mit einer Stimme sprechen muss. Letztlich zeigt die heutige (Krisen-) Situation jedoch auf, dass nationale Interessen eine viel bedeutendere Rolle zu spielen scheinen. Ich bin insofern auch mehr als skeptisch, ob (zum heutigen Zeitpunkt) eine europäische Bundesregierung überhaupt nur schon gebildet werden könnte.

In einem Punkt würde ich Ihnen allerdings widersprechen. Der Mensch identifiziert sich zuallererst einmal "im Kleinen". Deshalb ist - um bei einem mir bekannten Beispiel zu bleiben - der Zürcher aus dem Kreis 1 zuerst einaml ein Bürger der Altstadt, danach ein Stadtzürcher (Gemeinde), hernach ein Zürcher (Kanton) und zuletzt ein Eidgenosse. Je nach "Bedrohungslage" werden die jeweiligen "Grenzen" ausgedehnt/verschoben. Am Beispiel CH sieht man dies momentan sehr gut. Durch die "Drohkulisse" aus Brüssel, sind die Schweizer vermehrt gezwungen zusammenzustehen, sich als Schweizer zu fühlen, denn der "Feind" ist für alle derselbe. Für Europa gilt dies kaum in gleichem Masse: Der "aussereuropäische" Aggressor und Konkurrent ist für den normalen Bürger kaum sichtbar, höchstens imaginär (Islam?). Deshalb sehen die Europäer (noch) keinen Grund sich umfassend zusammenzuschliessen, und deshalb wird gerade in der heutigen - national sehr unterschiedlich ausgeprägten! - Krisensituation, national gedacht.

"Klamme Euroländer"

Ich glaub, ich bin beim Standard. Piefke-Umgangssprache in allen unseren tollen "Qualitätszeitungen". Am lustigsten ist es ja, dass seriöse deutsche Zeitungen solche Ausdrücke niemals verwenden würden, das ist allenfalls Bild-Niveau - aber die österr. Journalisten glauben offenbar, Ausdrücke wie "klamme Staaten" seien Hochdeutsch.

Was "klamm" eigentlich im Hochdeutschen bedeutet, wissen die Redakteure vermutlich nicht einmal.

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Die europäischen Helden werden hervorreiten, wenn es notwendig ist

Nein, die Vereinigten Staaten von Europa, á la USA, werden nicht kommen, aus zwei Gründen.

Erstens weil die europäischen Bürger das nicht wollen. Europa hat viele unterschiedliche Kulturen, von denen jede für das Gesicht Europas von Nöten ist und die in den Vereinigten Staaten von Europa untergehen würden. Zweitens, weil man alle notwendigen Maßnahmen für die Krisenbehebung auch als Staatenbund machen kann, wenn man nur will.

Und wollen wird man erst, wenn es anders nicht mehr geht. Dann aber wird man es wollen.

Das erinnert mich an Friedrich Smetanas Musikgemälde „Mein Vaterland“, dessen 2. Stück das bekannteste ist, „Moldau“. Hier aber denke ich an das 6. und letzte Stück, namens „Blanik“.

Blanik ist ein Hügel in Südböhmen, von dem die Legende erzählt, dort ruhen die hussitischen Helden, die hervorreiten würden, wenn es Böhmen schlecht geht.

Nun, zu Zeiten den Zweiten Weltkrieges, als 300.000 Tschechen zu Tode kamen, ohne daß die Tschechoslowakei kriegführend gewesen wäre, sondern nur weil sie Tschechen waren, die zwar nichts angestellt hatten, aber sie waren Tschechen und mußten sterben.

Die hussitischen Helden aus dem Blanik sind aber nicht hervorgeritten, also, so meine Schlußfolgerung, den Böhmen ging es nicht schlecht genug.

Genau so sehe ich das mit Europa. Die europäischen Helden werden erst hervorreiten, wenn es Europa schlecht geht. Bis jetzt sind sie nicht hervorgeritten, also geht es Europa nicht schlecht genug!

Aber sie werden hervorreiten, wenn es notwendig ist.

Antworten Gast: machmuss verschiebnix
13.09.2012 20:17
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Geschätzer Cicero, wer braucht Helden ?

Sie meinen, daß man die "Krisenbehebung auch als Staatenbund machen kann," (?)
Haben Sie noch nicht bemerkt, daß dem so ziemlich ALLE nationalen Regierungen
entgegenstehen, weil sie dabei die Ursache der Krise anpacken müßten: ihre
eigenen Verwaltungen (!)

Das Problem der europäischen Staaten ist, daß an den Schalthebeln der Macht
zuviele grips-befreite, betonköpfige Apparatschiks agieren, und daß die
wählende Bevölkerung vom Sozialismus derart verseucht ist, daß von deren
Seite der Druck genau in die verkehrte Richtung geht !!!

Aber war es nicht immer in der Geschichte so, daß ein an sich unhaltbarer
Zustand, lange Zeit für unabänderbar angesehen wurde, bis eines Tages
durch einen nichtigen Anlaß eine Welle, ein Tsunami der Empörung über
die herrschende Klasse hereinbrach und die althergebrachten Strukturen
fortriß.

Wir brauchen keine Helden, sondern einen längst überfälligen
gesellschaftlichen Entwicklungs-Schritt, weg vom dementen, scheintoten
Parteien-Parlamentarismus, hin zu einer zeitgemäßen Form der Verwaltung,
ein ideologiefreies Lenksystem, welches dem Gemeinwohl in der Pfilcht
stehen soll, statt dem korrupten, polit-mafiosen Parteien-Filz (!)


"Oberstes Ziel ist nicht mehr der Erhalt des Geldwertes"

das mit dem erhalt des geldwerts war halt doch nur eine schönwetter-konstruktion...

Gast: Mit Europa ist kein Staat zu machen
12.09.2012 21:17
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Nostradamus

Wenn der Bundestag in D einfach nein zu einer ESM-Erhöhung machen kann, wir aber laut ESM-Vertrag dann für jene, die nicht oder nicht mehr zahlen können, dann defakto mehr zahlen müssen, kann für mich nur bedeuten, sofort raus aus dem Euro. Woher soll das Geld denn bitte kommen, aus nochmaligen endlos-Steuererhöhungen? Die Deutschen habens fein gemacht, zuerst die anderen alternativlos und im Eilverfahren abstimmen lassen und dann über den Umweg des Karlsruher Verfassungsrichts (war immer bewusst vom Merkel/Bundestag gesteuert) D Teilnahme nur mit Auflagen zuzustimmen. Denn wer sagt denn wirklich, dass der Bundestag sang und klanglos eine Erhöhung der Haftung bzw. der Einzahlung in ESM zukünftig zustimmen wird. Wir sollten hier nicht so blauäugig und blind sein. Sehr viele werden nämlich - wie vereinbart - dagegenstimmen. Also Achtung für Österreich! Wir sollten wirklich den Weg der Schweiz gehen, zumal bis dato wirtschaftlich und politisch unvergleichbar gut und solid. Sonst kommen wir - wie bisher - unter die Räder der großen Staaten Europas

 
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