24.05.2013 21:26 Merkliste 0

Meinungsfreiheit, ein dummer Film und die bizarre Reaktion

WIELAND SCHNEIDER (Die Presse)

Die Amerika-Feinde in den arabischen Ländern haben neue Munition erhalten. Durch einen Streifen, der eigentlich auf den Schrotthaufen der Bedeutungslosigkeit gehört.

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Es ist nur ein bizarrer Film. So schlecht gemacht, dass kurz das Gefühl aufkommt, er sei nicht nur unfreiwillig komisch, sondern absichtlich als Parodie angelegt. Eigentlich sollte er so wie hunderttausende ähnliche Streifen auf dem Schrotthaufen der Bedeutungslosigkeit sein Ausgedinge finden. Doch das Filmchen wurde gleichsam zum Kern einer medialen und diplomatischen Atombombe, die über die gesamte Welt ihre Schockwellen aussendet. Nach Ägypten und Libyen erreichten sie nun Tunesien, den Jemen, den Iran und Afghanistan, wo aus Sicherheitsgründen YouTube gesperrt wurde, damit niemand den Trailer des Trash-Movies sehen kann – offenbar nachsynchronisierte Aufnahmen, in denen der Prophet Mohammed verunglimpft wird.

Eine Beleidigung des Propheten ist für gläubige Muslime besonders schmerzhaft. Der Widerpart zum Schutz vor Kränkung ist freilich die Meinungsfreiheit, die selbst für Schund und Schwachsinn gilt. Doch dieser Meinungsfreiheit wird auch in westlichen Ländern Grenzen gesetzt – auch, wenn es um religiöse Belange geht. So stellt in Österreich die Herabwürdigung religiöser Lehren einen Straftatbestand dar, für den man bis zu sechs Monate Gefängnis ausfassen kann. Wirklich exekutiert wird das in voller Schärfe aber selten.

Im komplizierten Spannungsfeld zwischen Freiheit von Meinung und Kunst auf der einen und Verletzung religiösen Empfindens auf der anderen Seite wird das Gut der Freiheit meist höher bewertet. Den Strafrichter versucht man, so weit es geht, außen vor zu lassen. Und das ist auch gut so. Wer sich verunglimpft fühlt, hat – wie auch in nicht religiösen Angelegenheiten – die Möglichkeit, sich zivilrechtlich wehren.

So amüsierten sich in ganz Europa Millionen Zuseher ungehindert über den Monty-Python-Kultfilm „Das Leben des Brian“, eine Parodie über das Wirken Jesu. Haderers Cartoons über das „Leben des Jesus“ lösten zwar einen Proteststurm aus. In Griechenland wurde der Karikaturist in Abwesenheit zu einer Haftstrafe verurteilt. In Österreich blieb der Comic aber in den Regalen der Buchhandlungen. Und weitaus härtere Beiträge zum Thema Religion wie Ulrich Seidls neuer Film „Paradies: Glaube“ erhielten in Venedig einen Preis.

Aus künstlerischer Sicht und hinsichtlich der dahinterstehenden Absicht ist Seidls Film mit dem schwachsinnigen Mohammed-Machwerk aus den USA in keiner Weise vergleichbar. Aber auch er verletzt offenbar religiöse Gefühle: Eine katholische Vereinigung in Italien erstattete gegen den Regisseur Anzeige wegen Blasphemie. Das mag bereits bizarr erscheinen. Man stelle sich aber nur eine Sekunde lang vor, ein wütender Mob hätte wegen Seidls Film Österreichs Botschaft in Rom abgefackelt und den Botschafter umgebracht.

Im libyschen Bengasi brannte die US-Vertretung, und der Botschafter verlor sein Leben. Wegen des Mohammed-Streifens, für den die gesamte USA in Geiselhaft genommen wird. Wie gekränkt auch immer sich jemand fühlen mag: Das ist völlig inakzeptabel.

Die „Verletzung religiöser Gefühle“ ist aber nur eine der Ingredienzien, die die Wut speisen. Dahinter liegt noch eine zweite, eine politische Ebene. Auch wenn US-Präsident Obama in den vergangenen Jahren in Reden versucht hat, eine Brücke zur „islamischen Welt“ (was immer er angesichts deren Inhomogenität darunter verstehen mag) zu schlagen: Er konnte nicht verhindern, dass die USA bei vielen Gruppen in arabischen Ländern nach wie vor ein Feindbild darstellen – nicht nur bei Islamisten. Auch nach dem Sturz von Machthaber Mubarak verdächtigen in Ägypten linke Revolutionäre die USA, die Revolution zu sabotieren und dabei sogar mit den Moslembrüdern unter einer Decke zu stecken.

In Libyen herrscht nach wie vor Dankbarkeit gegenüber Amerika und der Nato für die Hilfe gegen Diktator Gaddafi. Alle wichtigen politischen Führer entschuldigten sich für den Tod des US-Botschafters. Zugleich versuchen aber jihadistische Fraktionen, das Sicherheitsvakuum im Land zu nutzen. Nun haben die Amerika-Feinde neue Munition erhalten. Durch einen Film, der eigentlich bedeutungslos sein müsste

 

E-Mails an: wieland.schneider@diepresse.com

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.09.2012)

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60 Kommentare
 
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Die Rechte der anderen ...

Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit, der Freiheit ihre Grenzen.
Wer Landfriedensbruch begeht, sollte auch dafür bestraft werden. Ein Menschenrecht, kriminell zu sein, gibt es nicht!

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Keine Religion verspotten!

Nur so nebenbei - die kath.Kirche wird meist von den linken Chaoten verspottet und beschimpft!
Auch hier sollte man einmal einschreiten und diese "Rotzlöffel" zur Verantwortung ziehen!
Leider wird dieser Trend eher noch gefördert als bekämpft, wie unsere "Kabarett- und Künstlerszene" zeigt.
Nichtskönner stehen hoch im Kurs!

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Meinungsfeiheit????

Warum werden religiöse Menschen überhaupt verspottet?
Was will man da bezwecken?
In diesem Fall werden einfache Leute(oft Analphabeten) tief in ihren religiösen Gefühlen verletzt, dann reagieren sie entsprechend, weil auch noch aufgehetzt und werden letztendlich niedergebombt - durch die militärische Überlegenheit der USA.
Wen wundert es da, daß sie mit dem asymetrischen Krieg antworten, der wiederum vielen unschuldigen Menschen das Leben kostet.
Auch die Bombardements treffen viele unschuldige Menschen!
Wann wird dieser Wahnsinn endlich aufhören?
Es liegt primär an den USA bzw. an Israel, hier endlich einmal zu einer vernünftigen Lösung zu finden(ohne Macht-und Geldgier).
Nur so nebenbei - die Aktionen der USA haben nichts mehr mit dem Christentum zu tun, trotzdem werden die Christen immer mitverantwortlich gemacht und in gewissen muslimischen Ländern sogar noch verfolgt, obwohl sie eine Religion des Friedens verkörpern!

Etwas nachdenken!

Ich kenne in islamischen Laendern keine Partei, die antichristlichen Aussagen in die Wahlen geht und sie gewinnt! Wenn man sich Europa anschaut, gibt es mindestens 5 solche Parteien, Österreich eingeschlossen. In Holland bekommt Wilder mit Antiislam 24 Abgeordnete, mit Antieuro 13 Abgeordnete.
Wer ist eigentlich der Provakateur?

Re: Etwas nachdenken!

meinen Sie das ernst?
und haben sie je über die Ursachen nahgedacht?
fragen sie einen Betroffenen, wie er es finden würde wenn in seiner Heimat plötzlich zigtausende Christen zuwandern würden und in manchen Schulen die Mehrheit darstellen und in manchen Bezirke fast nur noch diese christlichen Zuwanderer leben, die Kirchen bauen etc

wer sich dieses Szenario noch nicht erlebt hat, kann nicht beurteilen wie er reagieren würde an dieser Stelle
zumeist erschreckt Migranten der Gedanke, die Heimat würde sich so radikal ändern

Mich stört es auch weniger das sich Österreich so ändert, aber die Heimat meiner Vorfahren möchte ich nicht so gern verändert sehen, wäre traurig


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Re: Etwas nachdenken!

Ziemlich ignorant, Hr. Dr. House. Ich weiß nicht, wie weit sie das Neue Testament kennen. Aber ein Umstand unterscheidet die Offenbarung der Christen von der der Muslime. Es gibt dort keine Tötungsgebote. Im Koran finden sich zahllose. Irgendwo habe ich gelesen, es sollen 127 sein.

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Beleidigung des Propheten...

Über einen Film, den man nicht gesehen hat, lässt sich schwer etwas sagen. Er mag Schund sein, aber selbst wenn er künstlerisch wertvoll wäre, würde dies an der Erregung in der islamischen Welt, die auf jeden bloßen Verdacht, auf jedes Gerücht der Verunglimpfung ihres Propheten hysterisch bis paranoid reagiert, nichts ändern.

„Eine Beleidigung des Propheten ist für gläubige Muslime besonders schmerzhaft“, schreibt Wieland Schneider. Doch da verharmlost er. Es ist tragischer Weise viel mehr. Laut Koran ist dies ein todeswürdiges Verbrechen. Wie anders ist beispielweise 5 Sure "al-Maida" (der Tisch), Vers 34, zu verstehen, wo es heißt: Doch der Lohn derer, welche sich gegen Allah und seinen Gesandten empören und sich bestreben, nur Verderben auf der Erde anzurichten, wird sein: dass sie getötet oder gekreuzigt oder ihnen Hände und Füße an entgegengesetzten Seiten abgehauen oder dass sie aus dem Lang gejagt werden. Das ist ihre Strafe in dieser Welt…

Unser Problem ist, dass der Koran viele Bestimmungen enthält, die mit unserem Wertesystem unvereinbar sind, die aber von den Muslimen blutig ernst genommen werden. Religionskritik lässt der Islam nicht zu und die nicht-islamische Welt ist zu feige, um sie einzufordern. Das Phänomen der Gewalt im Islam ist leider – wer dies leugnet, verschließt sich der Wahrheit – durch den Koran grundgelegt.


Re: Beleidigung des Propheten...

Sag ich doch.

Der Islam ist mit unserem Grundgesetz, unserer Gesellschaft und unserer Kultur nicht vereinbar.

Gefühle

egal welcher Art können und dürfen kein Maßstab für irgendetwas sein.

Gefühle sind per definitionem subjektiv und irrational - es ist im Prinzip in jeder Situation jedes Gefühl denkbar.

Sie können also nicht als Messlatte für irgendein Verbot dienen, denn sonst müsste im Endeffekt alles - bis hin zur Existenz an sich verboten werden.

Gast: Coppola
14.09.2012 17:42
2 0

Erstaunlich,

dass so ein Mist irgendeine Reaktion jenseits des fluchtartigen Verlassens der Youtube-Seite hervorrufen kann.

Meine 2-Jährige dreht mit meinem Handy anspruchsvollere Filme...

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Die Exremisten in islamischen Laendern

ernaehren sich von den Exremisten in christlichen Laendern! Jede sollte seine Exremisten in Zaun halten und sie die anderen nicht provozieren lassen!

Re: Die Exremisten in islamischen Laendern

Wenn in Pakistan ein geistig behindertes Mädchen gesteinigt werden soll, weil ein Imam(!) ihr verbrannte Koranseiten untergejubelt hat, passiert nix!

Werden in Nigeria Christen von Muslimen abgeschlachtet passiert... nix.

Werden in Ägypten Kopten, welche viel länger als Muslime dort leben, verfolgt, unterdrückt und getötet, passiert nix.

Dreht ein Kopte in den USA einen Schundfilm gibts einen Flächenbrand, Proteste und Tote!

ich sehe nur eine Art von Extremisten!

Re: Re: Die Exremisten in islamischen Laendern

dieses schwachsinnige Machwerk wurde von Juden und nicht von Kopten gemacht.

Re: Re: Re: Die Exremisten in islamischen Laendern

laut der letzten Meldung war es ein Kopte aus den USA...

Antworten Antworten Gast: Gennfall
14.09.2012 17:15
0 9

In den USA

werdn regelmäßig gesitig Behinderte hingerichtet. Im Namen Gottes. Ich sehe auch bei den Christen noch immer mehr als genug Extremisten.

Aber nicht

für das Verbrennen eines Buches, sondern für Mord.

Wer diesen Unterschied nicht sieht, dem ist nicht zu helfen.

Re: Die Exremisten in islamischen Laendern

Was für ein relativierender Mist.

Gast: markus Trullus
14.09.2012 12:56
1 1

Was ist Wahrheit?

Es ist irgendwie dasselbe wie etwa auch in Syrien: Niemand kennt sich wirklich aus, die Medien sagen mal so, mal so, irgendwelche Gemeim- und weniger geheime Dienste haben da ihre Fäden gezogen, Al Kaida steht vor der Tür, oder hat das Ganze schon von langer Hand geplant... und diesen Film nur als Anlass genommen, um ihren Absulutheitsanspruch auch in Libyen mal anzumelden, oder doch nicht....
Wer nicht dort war, mit den Leuten geredet hat, und nicht mal dann, erfährt man die Wahrheit. Hab über das Thema Tunesien einigermassen recherchiert; dutzende unterschiedliche Ergebnisse. Und die Wahrheit irgendwo da mittendrin.... nur kane Wölln!

Ich verstehe nicht ...

was religöse Gefühle sein sollen?!?!

Re: Ich verstehe nicht ...

Eben.
Fehlende Empathie: F60.2, oder was war das nochmal?

Re: Re: Ich verstehe nicht ...

Empathie kann ich nur für "weltliche" Dinge aufbringen wie zB Kindesmissbrauch.

Wenn sich jemand beleidigt fühlt, weil sein "Gott" oder "Heiliger" durch den Kakao gezogen wird, dann kann ich das nur belächeln.

Irgendwie habe ich auch Mitleid mit den Moslems. Ist bestimmt nicht leicht, wegen jedem Furz beleidigt zu sein.

Opium für das Volk

Mir will nicht einleuchten, weshalb sogenannte religiöse Gefühle als Entscheidungshilfe für irgendetwas herangezogen werden. Ist der Islam wirklich so weit weg von jeder Säkularisierung? Der Staat und die Religion sind striktest zu trennen, der Staat hat alle Bekenntnisse mit gleicher Distanz zu behandeln.
Der Glaube ist Privatsache, gehört in die Gotteshäuser, hat im öffentlichen Leben wenig zu suchen.
Was wir im arabischen Raum sehen, ist eine Rückständigkeit sondergleichen, mir fällt dazu nur Marx ein, der Religion als Opium für das Volk bezeichnete. Daran ist viel dran.

Re: Opium für das Volk

Die Trennung zwischen Politik, Rechtsprechung und Religion existiert im Islam nicht.

All das wird durch den Koran abgedeckt.

Deshalb ist es eine bewußte Verharmlosung, das Christentum mit dem Islam gleichzusetzen.

Der Islam ist mit unserer Verfassung, Gesellschaft und Kultur nicht vereinbar.

Re: Re: Opium für das Volk

Die gibts streng genommen in der Bibel auch nicht.

Wichtig ist nicht, was die Basis ist, wichtig ist, dass die Interpretation des Korans sehr dümmlich sein kann.

Einerseits kann man das Kopftuch hineininterpretieren, der ägyptische Religionsminister sieht das wiederum nicht so.
Fakt ist, dass die Frau ihre edelsten Teile verhüllen soll. Punkt. Nichts steht dort von wegen Kopftuch.
Andererseits ist das die allgültige Entschuldigung der Muslimen: "Meine Religion sagt, ich muss das tragen".

Re: Re: Re: Opium für das Volk

Der paulinische Satz: "Gib Gott, was Gottes ist und gib Cäsar, was Cäsars ist" kann sehr wohl als Rechtfertigung für Trennung von Staat und Religion interpretiert werden.

Gast: Imperialist
14.09.2012 09:50
13 1

"bizarre Reaktion"

"Diese Menschen mit ihrer vielfältigen Kultur, ihrer Herzlichkeit und ihrer Lebensfreude sind eine Bereicherung für uns alle!"

(Maria Böhmer, CDU-Integrationsbeaufragte)

 
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